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Crowdfunding für Projekte von Kulturinstitutionen
Crowdfunding Tipps

Crowdfunding für Projekte von Kulturinstitutionen

Anna Theil
07.11.13
4 min Lesezeit

Auf Startnext haben wir die Förderung von kulturellen und kreativen Projekten in den Mittelpunkt gestellt. Seit dem Start im Oktober 2010 bis heute konnten wir mit der Beteiligung der Crowd schon über 1.200 Kultur- und Kreativprojekte finanzieren. Bisher beobachten wir, dass ein Großteil der finanzierten Ideen Einzelprojekte sind, die von Studenten, Absolventen, Selbstständigen oder Vereinen realisiert werden. Zahlreiche Crowdfunding-Projekte kommen außerdem aus der freien Szene, da hier aufgrund knapper öffentlicher Kassen nach Alternativen gesucht wird, um Ideen zu finanzieren. Die Finanzierungssummen für die Projekte reichen inzwischen von 500€ bis zu 220.000€. Durch die wachsende Bekanntheit von Crowdfunding und die damit steigenden Budgets, werden jetzt auch mehr und mehr Kulturinstitutionen auf das Thema aufmerksam und starten eigene Crowdfunding-Projekte.

Pilotprojekt kulturMut mit 25 Kulturinstitutionen

Mit unserem Pilotprojekt kulturMut sammeln wir aktuell viele Erfahrungen, wie Crowdfunding für kleine oder große Kulturinstitutionen genutzt werden kann und welche Wirkung die Beteiligung des Publikums hat. Zusammen mit der Aventis Foundation haben wir im Sommer diesen Jahres Kulturinstitutionen aus dem Rhein-Main-Gebiet eingeladen ihre geplanten Kulturprojekte auf Startnext vorzustellen - 25 Projekte von kleinen und großen Institutionen aus den unterschiedlichsten kulturellen Bereichen wurden für die Teilnahme an kulturMut ausgewählt. Die Projekte kommen z.B. vom Deutschen Filmmusem, dem Literaturhaus Frankfurt, dem historischen Museum Frankfurt oder der Stiftung Deutsches Design Museum. Besonderheit bei diesem Pilotprojekt ist es, dass die Aventis Foundation die Kulturprojekte auf Startnext co-finanziert und das an die Stimme der Crowd koppelt. Insgesamt werden auf diesem Wege 200.000€ Stiftungsförderung an die Projekte vergeben. 

Crowdfunding unterscheidet sich von anderen Möglichkeiten der Kulturfinanzierung wie z.B. öffentlicher Förderung oder Stiftungen vor allem durch einen dezentralen Ansatz. Das heißt nicht eine Jury oder ein Kuratorium entscheiden darüber, welches Projekt eine Förderung bekommt, sondern das Publikum unterstützt Projekte, die sie überzeugen. Für viele kulturinteressierte Menschen ist Crowdfunding deshalb eine neue Möglichkeit, das kulturelle Angebot mitzubestimmen und eventuell sogar Feedback geben bzw. neue Ideen einbringen zu können.

Für die Kulturinstitutionen ergeben sich daraus neue Möglichkeiten und Chancen:

1. Projekte schon im Ideenstadium veröffentlichen

Normalerweise erfahren wir z.B. von einer Ausstellung einer Institution erst kurz vor der Eröffnung und können dann ein Ticket kaufen oder nicht. Beim Crowdfunding veröffentlicht die Institution das Projekt noch im Ideenstadium und kann schon in einer frühen Phase ihr Publikum oder den Förder- und Freundeskreis erreichen. Beim Crowdfunding macht man die Kosten für die Entstehung des Kulturprojektes transparent und kann damit beim Publikum auch ein Bewusstsein schaffen, wie ein Projekt entsteht und was die Realisierung an Kosten mit sich bringt.

2. Persönliche und transparente Kommunikation

Crowdfunding lebt davon, dass man die Menschen hinter einer Idee, einem Projekt oder einer Institution kennenlernt und dass diese auf der Projektseite auch sichtbar sind. Es steht damit nicht mehr die Institution im Vordergrund, sondern die Menschen, die die Ideen entwickeln und die Projekte realisieren. Für viele Institutionen ist dieser Weg der Kommunikation und Interaktion noch neu, er ermöglicht aber den Dialog zwischen dem Publikum und den Initiatoren.

Gutes Beispiel für ein Pitch-Video vom historischen museum Frankfurt

3. Involvierung des Publikums und Erreichen einer jungen Zielgruppe

Beim Crowdfunding erreichen wir aktuell vor allem ein internetaffines Publikum - das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Ein großer Vorteil ist es, dass die Kulturinstitutionen mit den neuen Medien ein junges Publikum ansprechen und involvieren können, dass sie auf anderen Wegen bisher wenig oder nur schwer erreichen.

4. Dankeschöns für die Unterstützer

Die Philosophie beim Crowdfunding heißt: Geben und Nehmen. Menschen unterstützen Projekte, weil sie wollen, dass Ideen realisiert werden und sie einen Teil dazu beitragen können. Die Unterstützer bekommen beim Crowdfunding ein Dankeschön als Gegenleistung zurück - das kann das Ticket zur Ausstellung sein, das fertige Buch, ein Katalog oder eine Kuratorenführung. In unseren Workshops mit Kulturschaffenden merken wir, dass dieser Aspekt beim Crowdfunding für Viele ungewohnt und neu ist. Wir halten den Punkt aber für sehr wichtig, da eine Unterstützung einen anderen Wert hat, wenn ich dafür etwas zurückkomme, das direkt mit dem realisierten Projekt in Verbindung steht. Da Spenden im gemeinnützigen Bereich verbreitet sind, haben wir auf Startnext die Möglichkeit geschaffen, dass ein Unterstützer entscheiden kann, ob er ein Dankeschön wählt oder für ein Projekt spendet und dafür eine Spendenquittung bekommt.

Wenn ihr Fragen, Kritik oder Wünsche habt, lasst es uns gerne wissen!

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