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Schiffskater Pixie. Mit James Cook um die Welt Bd 2 (von Madeira bis Otaheite) wird wie der bereits erschienene Band 1 eine künstlerisch-literarische Hommage an die großen Leistungen der Schiffskatzen und des berühmten Seefahrers James Cook. Das Buch behandelt den zweiten Teil der ersten Forschungsreise des Kapitäns James Cook, erzählt aus der Sicht des tapferen Schiffkaters Pixie Catpickle und mit den Zeichnungen des Schiffskatzenmalers Jonathan Petry umfangreich und großformatig illustriert.
344 €
4.200 € Fundingziel
6
Unterstützer*innen
Projekt beendet
06.06.2019

Backstage: Auszüge aus Schiffskater Pixie II

Wolfgang Schwerdt
Wolfgang Schwerdt6 min Lesezeit

Bordroutine

Das Manuskript für den zweiten Band von ist noch längst nicht fertig geschrieben, Schiffskater Pixie hat aber inzwischen bereits seine Abenteuer in Rio de Janiero hinter sich und befindet sich jetzt auf dem Weg nach Süden genauer zur Tierra del Fuego in Patagonien. Die großen Abenteuer erleben Pixie und seine Freunde in fernen Ländern. Die tägliche Bordroutine birgt aber ebenfalls die eine oder andere kleine Überraschung, wie die noch unkorrigierten Auszüge aus Pixies Tagebuch zeigen:

16. September 1768 Sir John Montacat, der Chefkater des Postschiffs HMS Rose, ist vorgestern mit meinem Brief an Onkel Catpickle abgesegelt. Ziemlich regnerisch hier, aber angenehm warm. Ich habe mich auf die Reling des Achterdecks gelegt.
Wie Wasserkäfer krabbeln Boote zwischen der Insel und unserem Schiff hin und her. Sie bringen die großen Wasserfässer aus dem Bauch des Schiffes an Land und noch größere Fässer vom Land zur Endeavour, wo sie in ihrem offenen Maul verschwinden. Matrosen hämmern, klopfen und pinseln am Schiff herum, John ist nicht dabei. Der steht auf dem Deck und schaut an der Bordwand herunter, wo das kleine Boot der Endeavor liegt. Dann blickt er auffordernd zu mir herüber und ich spurte los. Mein erster Landgang auf dieser Reise!
John klettert bereits die Bordwand hinunter. Ich stürze mich mit einem beherzten Satz vom Schanzkleid und lande elegant auf Johns Schulter. Der verliert prompt das Gleichgewicht und plumpst unbeholfen ins Boot, wo er von Young Nick und den anderen Matrosen aufgefangen wird. Na ja, mein Zweibeiner ist eben doch nur ein Mensch, denen mangelt es grundsätzlich an einer gewissen Reaktionsschnelligkeit und Geschmeidigkeit. Muss wohl das nächste Mal daran denken. Jetzt ist aber Entdecken angesagt.

20. September 1768 Aus naheliegenden Gründen vermeiden wir Katzen im Moment den Aufenthalt auf dem Mannschaftsdeck. Aber unter Deck gibt es derzeit ohnehin genug zu tun. Nur weil die Laderäume und Vorratskammern nun mit allerlei Essbarem vollgestopft sind, glauben die graubefellten pfeifenden Raffzähne, sich nach Belieben bedienen zu dürfen.
Mr. Wichtig hüpft wieder einmal in den Rüsten herum und wirft sein Netz aus, nur um blau leuchtende Glibbertiere einzufangen. Zumindest er und sein Kollege scheinen Spaß daran zu haben.

21. September 1768 Windig und klar. Kapitän Cook lässt Werkzeug und Schnüre an die Mannschaft verteilen. Die ist nun fast den ganzen Tag damit beschäftigt, Netze zu flechten mit denen die Ladung an Deck festgezurrt werden kann. Selbstverständlich helfen wir dabei, indem wir die zappelnden Enden der Schnüre fangen und festhalten, damit sie nicht entkommen können. Nicht alle unserer zweibeinigen Freunde wissen unsere selbstlose Unterstützung zu würdigen. Wir lassen uns trotzdem nicht stören, nehmen ein paar der widerspenstigen Schnüre gefangen und schleppen sie unter Deck in sichere Verstecke.

04. Oktober 1768 Heute ist Flaute. So nennen es die Menschen, wenn kein Wind weht und das Schiff vor sich hindöst. Vor ein paar Tagen ist noch eine Insel an uns vorbeigetrieben und nun scheint es weit und breit nichts zu geben als Wasser. Es ist heiß und weder große noch kleine Vögel noch fröhlich herumspringende Riesenfische lassen sich heute blicken. Der letzte große Fisch landete vor drei Tagen auf dem Tisch im Salon. Es war ein Thunfisch, der eine sehr ausgiebige Untersuchung über sich ergehen lassen musste, bevor sein Fleisch in den Mägen der Zweibeiner landete. Eigentlich machen die Naturforscher nichts anderes als wir Katzen. Sie fangen ihre Beute, spielen mit ihr, zerlegen sie und fressen am Ende davon auf, was ihnen schmeckt. Wahrscheinlich sind viele von uns sogar die besseren Naturforscher.
Da die Endeavour, wie die schlaffen Segel zeigen, eingeschlafen ist, rudert Banks mit seinem Boot um das Schiff herum, um mit seinem Kescher allerlei auf der Wasseroberfläche herumlaufendes Kleingetier einzufangen. Bei seiner Beute sind sogar zwei kleine Fische mit einem Horn auf dem Kopf. Die landen nicht im Kochtopf, dafür gibt der Kapitän Sauerkraut und Suppe für alle aus. Ich vermute, dass da auch die restlichem Zwiebeln drin sind, denn es riecht gewaltig. Trotzdem lassen wir uns den Spaß nicht nehmen, an der Tafel der Wichtigen teilzunehmen. Die bekommen, sehr zur Freude der Mannschaft, heute nämlich auch nichts anderes vorgesetzt als dieses Zeug. Wir sind natürlich nicht darauf angewiesen, was uns der Kapitän vorsetzt, bei uns steht leckeres Hühnchen auf dem Speiseplan. Das soll nämlich heute Abend beim Kapitänsdinner serviert werden, Banks Diener hat da schon mal was vorbereitet und wir erlauben uns, in seiner Abwesenheit schon einmal eine wissenschaftliche Voruntersuchung vorzunehmen.

21. Oktober 1768 Heute ist der kleine Vogel verschwunden, der im Salon immer die Fliegen weggefangen hat. Die Tür zu Käfig stand offen! Wie könnte es anders sein, wird laut Banks Eintrag in sein Reisetagebuch „die Katze“ des Vogelmordes bezichtigt. Ich weiß ja nicht, wie er darauf kommt, die Indizien reichen bestenfalls für einen vagen Anfangsverdacht. Und wer von uns mit „die Katze“ gemeint sein könnte, geht aus seinem Bericht auch nicht hervor. Daher werde ich mich dazu nicht weiter äußern.

25. Oktober 1768 Irgendetwas geht heute vor an Bord. Die Leute sitzen zusammen, sind unruhig. Einer geht mit einem Papier herum und notiert den Namen jedes Zweibeiners und jedes Vierbeiners an Bord. Am Abend bringt ein Zweibeiner das Papier zum Kapitän. Der schaut mit bedeutungsvollem Blick darauf, nickt und reicht es einem Zweibeiner vom hinteren Zwischendeck, wo die Halbwichtigen wohnen.
Die ganze Mannschaft ist bereits vor dem Mast versammelt, Viele scheinen sich auf das, was jetzt passiert, zu freuen, andere blicken etwas besorgt drein. Sogar die Wichtigen vom Achterdeck sind vollzählig auf dem Quarterdeck angetreten, von denen blickt keiner besorgt. Und nun baut sich das halbwichtige Blaufell auf dem Quarterdeck auf. Jeder Einzelne auf der Liste wird aufgerufen und befragt. Dann macht Herr Halbwichtig ein Kreuz auf der Liste und schickt den Befragten zur einen oder anderen Seite. Zu meiner Verwunderung fällt Susies, Boobies und auch mein Name. Ganz schön dreist, als ob unsereins sich einfach so irgendwo hin zitieren ließe. Nicht mal Seefisch hat der Schnösel in der Hand, als er uns aufruft. An unserer Stelle tritt John vor, redet mit Halbwichtig und gesellt sich zu den Männern der Gruppe, die sich eindeutig auf die kommenden Ereignisse freut. „Der hat ihnen seine Rationen Wein der nächsten vier Tage versprochen, wenn sie dich nicht ertränken.“
Ich schaue Sir Booby entsetzt an.
„Ja, die Menschen nennen das Äquatortaufe.“ Booby ist stolz darauf, sein Wissen und seine Erfahrung an mich weitergeben zu können. „Jeder, der das erste Mal auf seiner Reise den Ort erreicht, an dem die Sonne Mittags direkt über dem Schiff steht und es keinen Schatten gibt, wird von denen ertränkt, die schon einmal da waren. Es sei denn“, maunzt Sir Booby wichtigtuerisch, „er spendiert seine Rationen Rum oder Wein der nächsten Tage. Aber die anderen werden ertränkt, habs selbst schon erlebt!“

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