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Schiffskater Pixie. Mit James Cook um die Welt Bd 2 (von Madeira bis Otaheite) wird wie der bereits erschienene Band 1 eine künstlerisch-literarische Hommage an die großen Leistungen der Schiffskatzen und des berühmten Seefahrers James Cook. Das Buch behandelt den zweiten Teil der ersten Forschungsreise des Kapitäns James Cook, erzählt aus der Sicht des tapferen Schiffkaters Pixie Catpickle und mit den Zeichnungen des Schiffskatzenmalers Jonathan Petry umfangreich und großformatig illustriert.
344 €
4.200 € Fundingziel
6
Unterstützer*innen
Projekt beendet
01.06.2019

Recherchen zu Schiffskaters Reise

Wolfgang Schwerdt
Wolfgang Schwerdt5 min Lesezeit

Backstage: In Schiffskater Pixies Schreibwerkstatt

Auf den ersten Blick scheint es bei entsprechender Phantasie nicht sonderlich schwierig zu sein, das Reisetagebuch eines Schiffskaters zu verfassen. Schließlich handelt es sich ja um eine fiktive Geschichte. Dennoch, dieser fiktive Schiffskater beschreibt ja die erste Reise des realen Seefahrers James Cook und da sind die Ereignisse und Abenteuer, die er zu bestehen hat, natürlich an den historischen Rahmen gebunden. Mir als Autor liegen da neben der modernen Fachliteratur vor allem drei historische Quellen vor:

1) Das Logbuch Kapitän Cooks (engl.). Hier sind in täglichen Eintragungen in knapper Form vor allem Wetterverhältnisse, Positionsbestimmungen, nautische Daten, Einträge über Bestrafungen, Proviantangelegenheiten, und eben alle Dinge, die den Schiffsbetrieb und besondere Ereignisse betreffen, enthalten.

2) Das Reisetagebuch von Joseph Banks (engl.), dem Wissenschaftler und Hauptsponsor der Expedition. Darin beschreibt er vor allem seine Forschungsaktivitäten, also insbesondere, wie und unter welchen Umständen er Tiere und Pflanzen einsammelt, welche Tiere und Pflanzen er entdeckt hat, wie die heißen und welche davon bisher noch nicht beschrieben, ja nicht einmal bekannt sind. Hinzu kommen seine Beobachtungen an Land über Produkte, kulturelle Besonderheiten und vieles mehr. Geschehnisse an Bord, Wetter oder auch persönliche Befindlichkeiten registriert er ebenfalls.

3) Jakob Cook's sämmtliche Reisen um die Welt. Erster Theil. Die erste Reise in den Jahren 1768 bis 1771 (deutsch). Erschienen 1803. Dieses Buch ist eine Zusammenfassung der Beschreibung von Cooks Reise, die der Schriftsteller John Hawkesworth im Auftrag der Admiralität aus Cooks und Banks Journalen erstellt hat. Die Vollständige Reisebeschreibung Hawkesworths (engl.) liegt mir als Quelle und zum Vergleich ebenfalls vor.

Nicht nur aufgrund der inhaltlichen Schwerpunkte und Interessen sondern auch in der Genauigkeit der Angaben unterscheiden sich die Originalquellen teilweise erheblich. Zudem stimmen aus verschiedenen Gründen die jeweils angegebenen Tage zu den beschriebenen Ereignissen nicht immer überein. Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Tage in den Logbüchern der damaligen Zeit von mittags bis mittags gemessen wurden, im Journal Banks entspricht die Datierung jedoch unseren Gewohnheiten (also von Mitternacht bis Mitternacht). Die antiquierte Sprache sowohl in den englischen als auch in den deutschen Quellen, machen die Recherchen zu einer zusätzlichen Herausforderung. Bei dem Verfassen des Tagebuches von Schiffskater Pixie habe ich schließlich die Aufgabe, nun noch ein weiteres Zeitempfinden und einen ganz anderen Erlebnis- und Ereignishorizont mit den realen historischen Geschehnissen (und Personen) in Übereinstimmung zu bringen. Eine Aufgabe, die noch zusätzlich dadurch erschwert wird, dass Informationen, die Pixies Abenteuer betreffen, teilweise in den zugrunde liegenden Menschenjournalen nicht zu finden sind. Als Beispiel mag hier die Tierwelt in Rio de Janiero im Jahre 1768 genannt werden. Während die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Pixie in Madeira tatsächlich auf herumstreunende Katzenbanden getroffen ist, dürften seine Artgenossen in Rio dank der raubtierreichen Fauna des Landes kaum oder nur selten vorgekommen sein. Verlässliche Quellen darüber gibt es jedoch nicht, denn weder den Wissenschaftlern noch dem Kapitän der Endeavour waren Hauskatzen eine Notiz wert. Andere Quellen müssen also bemüht werden, um der Geschichte bei aller Phantasie eine realistische Grundlage zu geben.

Ach ja, natürlich gehören auch Jonnys Bilder, an denen er seit 10 Jahren malt, ebenfalls zu meinen zu berücksichtigenden "Quellen". Glücklicherweise darf ich sagen, denn hier kommen - wie beispielsweise mit dem Kater Rodrigo - viele meiner Inspirationen für Pixies Abenteuer her.

Und so entsteht für den zweiten Bildband über Pixies Abenteuer unter anderem aus diesem Bild und den Tagebucheinträgen von Cook und Banks (insgesamt etwa 4 einzeilig bedruckte Din A4 Seiten) folgende kleine historisch untermauerte Passage aus Pixies Tagebuch, an die sich dann Pixies ganz persönliches Abenteuer in Rio anschließt:

"20. November 1768 Ein windiger und regnerischer Tag. Heute geht es an Land. Leutnant Hicks soll mal wieder Protestbriefe zum Vizekönig bringen. Meine Wache stellt die Besatzung der Barkasse und ich bin natürlich dabei
Kaum sind wir gelandet eilt Herr Hicks zum Vizekönig. Währenddessen besetzen Soldaten das Boot. Als unser Blaufell in Begleitung weiterer Soldaten des Vizekönigs zurückkehrt, gibt es so richtig Ärger. Großes Menschenpalaver, meine ganze Wache wird gefangengenommen und in einen modrigen Raum gezerrt, wo schwarze Menschen an den Wänden angekettet sind. Meine zweibeinigen Freunde wehren sich nicht, sie hätten sowieso keine Chance. Aber für mich gilt das natürlich nicht. Ihr hättet mich sehen sollen, liebe Freunde. Jedenfalls richte ich die Soldaten nach Schiffskatermanier so richtig zu. Hilft aber nichts, die Soldaten entkommen, die Tür knallt zu, meine Leute sind gefangen. Ich zwänge mich durch die Gitterstäbe des kleinen Fensters. Wie erwähnt, habe ich noch etwas zu erledigen.
Antônio Álvares da Cunha war mir bereits unsympathisch als ich Cook bei seinem Antrittsbesuch beim Vizekönig begleitete. Den klangvollen Namen habe ich damals von dem großen roten Vogel erfahren, der einfach nicht aufhören wollte, zu plappern. Dagegen war der zerzauste grüne Krummschnabel sehr schweigsam. Kein Wunder, denn er war genauso angekettet, wie der grimmig wirkende, in Wirklichkeit aber todunglückliche Kater unter dem Schreibtisch des portugiesischen Granden. Während die Zweibeiner höfliche Gemeinheiten austauschten, maunzte ich mit meinem Artgenossen ausführlich über dessen Schicksal...."

Bei aller Arbeit, die bei diesem Buchprojekt in jedem Absatz steckt, macht das Recherchieren und Fabulieren ungemein viel Spaß. Und ich hoffe, dass in den Schiffskater-Pixie-Büchern genau das zum Ausdruck und dem Leser die Texte (und auch Jonnys Bilder, die nicht unbedingt mit weniger Hintergrundarbeit verbunden sind) leicht, spannend und unterhaltsam rüberkommen.

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