Projekte / Wissenschaft
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
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23.10.17, 10:53 Dr. Benno Kirsch

Um die Biografie Walter Linses zu schreiben, musste ich mich durch eine Unmenge an Material wühlen – eine Arbeit, die man dem fertigen Buch nicht mehr ansieht. Sicher, man kann eine Ahnung davon bekommen, wenn man sich das Quellenverzeichnis ansieht: Dort sind Archive in Berlin, Chemnitz, Wechselburg, Essen, Koblenz und weiteren Städten angeführt.

Wenn man die Sekundärliteratur zu einem Thema durchforscht hat, dann beginnt für einen Historiker die Arbeit an den Primärquellen. Er muss also ins Archiv. Bei Linse gab es sehr wenig Sekundärliteratur, und das, was dort zu lesen war, wiederholte sich. Also besuchte ich – zum Teil mehrmals – in Berlin das Bundesarchiv, das Landesarchiv und das Archiv des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen. In Sachsen war ich unter anderem im Staatsarchiv Chemnitz mehrmals zu Gast. Ich fuhr nach Koblenz (Bundesarchiv), Gummersbach (Archiv des Liberalismus) oder Würzburg (Archiv für Hochschulkunde).

Aber ich musste nicht überall persönlich erscheinen. Das Kreisarchiv Wechselburg schickte mir Kopien ebenso zu wie das Stadtarchiv Essen. Und die Akten der CIA, die im Zuge des Nazi War Crimes Disclosure Act von 1998 herausgegeben werden mussten, stehen jedermann frei verfügbar im Internet. (Meine darüber hinausgehende Anfragen wurden ohne Begründung abgelehnt.) Möglicherweise wäre es besser gewesen, auch die genannten Archive persönlich aufzusuchen. Aber hier galt es, zwischen dem zu erwartenden Erkenntnisgewinn und den mit Sicherheit entstehenden Kosten abzuwägen.

Wer sich nicht für historische Forschung begeistert, wird es vielleicht nicht glauben: Archivarbeit macht Spaß! Es ist natürlich trocken und staubig, und das gealterte Papier fühlt sich nicht besonders gut an. Aber es kommt auf den Inhalt an – und da erschließen sich häufig interessante Geschichten und berührende Dramen. Man kann nachvollziehen, was Menschen gedacht und wie sie gehandelt haben und welche Folgen das alles für sie und andere hatte. Ich kann daher nur sagen: Die Akten in den Archiven sind zwar tot, aber doch sehr lebendig!

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