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Projekte / Wissenschaft
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
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08.11.17, 07:27 Dr. Benno Kirsch

Im Frühjahr 2014, als ich noch ganz am Anfang meiner Arbeit stand, bin ich in die USA gereist und habe die im dortigen Nationalarchiv lagernden Akten zum Fall Linse eingesehen. Mir war zu Ohren gekommen, dass dort rund 1.000 Blatt lagern würden, hatte auch schon Fotografien davon gesehen, auf denen man allerdings nichts erkennen konnte. Ich bin eigentlich nicht deshalb »über den Teich« geflogen, sondern aus einem anderen Grund, aber wenn ich schon einmal da war, dachte ich mir, könnte ich auch dort Station machen.

Das US-Nationalarchiv wird NARA abgekürzt; das steht für National Archives and Record Administration. Es ist auf zwei Standorte verteilt: NARA I ist im Zentrum der Hauptstadt Washington DC gelegen und ist der Hauptsitz. Hier befindet sich außerdem ein Museum, das um zwei besondere Stücke kreist: die Declaration of Independence (Unabhängigkeitserklärung) und die Bill of Rights (Verfassung). Für Forscher ist NARA II wichtiger; der Standort befindet sich ziemlich weit außerhalb Washingtons, im kleinen Städtchen College Park in Maryland, ist aber per U-Bahn und Bus ganz gut zu erreichen.

Das Arbeiten in den NARA war wie in jedem anderen Archiv der Welt auch. Man sitzt in einem Lesesaal, lässt sich so gut es geht von Mitarbeitern beraten, liest, überlegt, pausiert, kopiert. Andererseits war es natürlich nicht normal, denn ich war in Amerika – zum ersten Mal in meinem Leben. Allein dieser Umstand verlieh dem Besuch eine besondere Aura. Dazu gehörte auch die schwer zu verstehende Ansicht der Amerikaner, dass das Archivmaterial den Bürgern gehört und nicht dem Staat. Diese Botschaft wird den Besuchern im NARA-Museum immer wieder eingehämmert: Hier sind die Dokumente – holt sie euch! Als Deutscher mit einem typisch deutschen Verständnis von Datenschutz musste – nein: durfte – ich hier umdenken.

Inhaltlich war mein Besuch nicht besonders ergiebig. Der Umfang der Akten war nicht so groß wie erwartet, und sie boten auch wenig neue Erkenntnisse. Amerikanische Dienststellen haben offensichtlich erst nach der Entführung mit der Sammlung von Material über Walter Linse begonnen. Zum Teil haben die Dokumente nichts mit dem Fall zu tun, sondern sind offensichtlich irrtümlich dort hineingeraten. Ein Gutteil der Seiten besteht aus Fotografien von Ermittlungsakten der West-Berliner Polizei, die ich noch nicht kannte und die vielleicht auch der Öffentlichkeit in Deutschland nicht zugänglich sind.

Am Ende ist es allerdings nebensächlich, dass ich keine spektakulären Entdeckungen machen konnte. Ein paar interessante Dokumente waren aber schon dabei, die ich in meiner Publikation auch auf insgesamt 14 Seiten in Fußnoten erwähne. Eine Nebenerkenntnis ist, dass auch amerikanische Behörden von dem Verbrechen an Linse überrascht waren und wenige Möglichkeiten zu handeln hatten. Vor allem aber bin ich um einige Erfahrungen und Eindrücke reicher, die mich sagen lassen: Es hat sich in jedem Fall gelohnt.

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