Projekte / Wissenschaft
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
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10.11.17, 08:33 Dr. Benno Kirsch

Das Bundesarchiv ist eine tolle Einrichtung: Hier lagern Abermillionen von Dokumenten aus deutschen Behörden, Vereinen, Unternehmen und von Personen des öffentlichen Interesses. Manchmal lässt das Bundesarchiv die Öffentlichkeit an diesen Schätzen teilhaben, indem es ausgewählte Stücke auf seiner Homepage präsentiert. Es lohnt sich, dort ein wenig zu stöbern! Man erfährt mehr über »Besondere Ereignisse bei der Bundeswehr«, über das Treffen Schmidts mit Honecker beim KSZE-Treffen in Helsinki 1975 oder über eine geheime Fliegerschule der Reichswehr in der Sowjetunion.

Beispielsweise hat man die Militär-Personalakte von Loriot zugänglich gemacht. Und die ist unter anderem deshalb interessant, weil Loriot, der ja als sehr distinguiert bekannt ist, in jungen Jahren durchaus nicht distinguiert gewesen ist. Bemängelt wird unter anderem, dass »das Gefühl für Takt bei ihm noch nicht ausgeprägt« sei. Aber schon 1943 ist er trotzdem offensichtlich schon so, wie man ihn heute kennt: »Im Kameradenkreis ist er sehr beliebt. Allgemein schließt er sich wenig an, und beansprucht, etwas darzustellen. Er ist ein hervorragender Unterhalter.«

Auch zur Entführung von Walter Linse hat das Bundesarchiv Aktenstücke freigegeben. Zehn Dokumente geben einen schlaglichtartigen Einblick in die Reaktionen der Bundesregierung, die auch nicht viel mehr tun kann, als die Ereignisse zu verfolgen. Deutlich wird, wie sehr Bundeskanzler Adenauer sich um Linses Frau Helga sorgt – vielleicht weil er ansonsten nichts tun kann? »Wo ist Frau Linse? Wird ihr geholfen?«, schreibt er auf einen Informationsbericht über den Fall. Auch der US-Hochkommissar Donnelly zeigt Mitgefühl für Helga Linse – »this brave woman full of courage and hope« –, mit der er nach dem Verbrechen ein Gespräch hatte.

Selbstverständlich lässt sich der ganze Fall nicht mit zehn Dokumenten rekonstruieren, aber dazu ist diese Veröffentlichung auch nicht gedacht. Für alle, die selber weiterforschen möchten, gibt das Bundesarchiv deshalb Hinweise auf weitere mögliche Fundorte in seinen Beständen. Wer sich allerdings für alle weiteren Aspekte des Falls Linse interessiert, der ist gut beraten, meine Biografie zur Hand zu nehmen. Denn dort verarbeite ich nicht nur Material aus dem Bundesarchiv, sondern auch aus vielen anderen Archiven. So umfangreich die Bestände des Bundesarchivs auch sind, so ergibt sich doch erst durch das Studium weiterer Überlieferungen das ganze Bild.

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