Projekte / Kunst
Der Frühjahrsputz der Geschlechterrollen hat begonnen - Hallo bitch MATERial! Wir haben ein wunderbares Kunstbuch zum Thema Mutterschaft zusammengestellt, das Möglichkeitsräume im Denken eröffnet und zum Stöbern einlädt. Hier kommen Künstler*innen und Autor*innen zusammen, deren Arbeiten unseren Mutterbegriff hinterfragen und gleichzeitig eine zeitgenössische Bestandsaufnahme bilden. Die Ausstellung bitch MATERial findet vom 22.3. bis zum 8.4.18 im Kunstquartier Bethanien in Berlin statt.
3.584 €
10.000 € 2. Fundingziel
76
Unterstützer
Projekt erfolgreich
08.03.18, 09:42 Saralisa Volm
Heute ist Weltfrauentag und alle gratulieren. Aber wir wollen mehr. Mirna Funk bringt das im Text für unser Kunstbuch ganz großartig auf den Punkt. Hier ist er: > english below Als ich vor zwei Monaten den Vertrag zu meinem neuen Job unterschrieb, machte ich mir einen Spaß, googelte im Internet "Brutto-Netto-Rechner" und guckte, was ich am Ende des Monats in den unterschiedlichen Steuerklassen raushaben würde. Ich gab alle sechs Steuerklassen nacheinander ein. Als alleinerziehende Mutter ist man Steuerklasse 2 und hat sage und schreibe 60 Euro mehr als der Single ohne Kinder in Steuerklasse 1. Ist man, aber verheiratet und der Hauptverdiener der Familie bekommt man 700 Euro mehr am Ende des Monats als der kinderlose Single. 700 Euro mehr in Steuerklasse 3. Und dabei hat man beim Ehegattensplitting ja noch den Zweitverdiener, der nicht so viel, aber immerhin etwas verdient. Ich bin aber alleine und habe keinen Zweitverdiener. Ich bekomme ja nicht einmal Kindesunterhalt, weil der Vater meiner Tochter leider der größte Loser des Jahrtausends ist. Ich arbeite sehr gerne, sehr hart und sehr viel. Ich habe ein außergewöhnlich hohes Jahresbruttoeinkommen. Wirklich. Und damit bin ich eine privilegierte Alleinerziehende. Ich kann meine Tochter in eine Privat-Kita schicken, weil ich genug verdiene und ich kaufe ihr in der fancy schmancy Ackerhalle in Mitte immer die vorgeschnittenen Erdbeeren, obwohl sie das Doppelte kosten. Als Hauptverdiener der Familie übernehme ich alle anfallenden Kosten zu 100%: die Miete, das Telefon, den Strom, das Gas, das Auto, die Benzinkosten, den Babysitter, die Kita, Ettas Klamotten und unser Essen. Und trotzdem kriege ich gerade einmal 60!!! Euro mehr als ein Single ohne Kinder und 640 Euro weniger als der Hauptverdiener einer Familie, der sich, im Gegensatz zu mir, alle eben genannten Unkosten mit seinem Zweitverdiener teilen kann. So wie es mir geht, geht es Millionen Frauen in diesem Land. 60% aller alleinerziehenden Mütter bekommen keinen Unterhalt und leben von popeligen 60 Euro mehr im Monat, obwohl sie eine größere Wohnung brauchen und dazu alleine ein Kind versorgen müssen. Halt! Den meisten dieser vielen Millionen Frauen geht es eigentlich viel beschissener als mir. Die können sich keine Privat-Kita und auch keine vorgeschnittenen Erdbeeren leisten. Das Mindeste, das wirklich Allermindeste wäre, wenn wir endlich bekämen, was uns als Hauptverdiener einer Familie zusteht, nämlich eine Steuererleichterung, wie sie die Hauptverdiener beim Ehegattensplitting bekommen. Richtig gerecht würde es aber erst werden, wenn wir noch mehr bekämen, einfach, weil es keinen Zweitverdiener gibt, einfach, weil wir mit allem alleine sind. Weil da niemand, die Wäsche für uns wäscht, die Spülmaschine ausräumt, die Einkäufe erledigt und das Kind von der Kita abholt, wenn wir wieder länger im Büro bleiben müssen. __________ When I signed the contract for my new job two months ago, I googled "gross/net-calculator" on the Internet and looked, just for fun, what I would get in the different tax classes by the end of the month. I entered all six tax classes one after the other. As a single mother you are tax class 2 and get 60 euros more than a single without children in tax class 1. If you are married and the main wage earner of the family you get 700 euros more than a childless single would get at the end of the month. 700 euros more in tax class 3, and with spouse splitting you still have the second earner who doesn't earn as much, but at least earns something. But I am alone and have no second wage earner. I don't even get child support, because unfortunately my daughter's father is the biggest loser of the millennium. I like working very much, very hard and a lot. I have an exceptionally high annual gross income. Really. And that makes me a privileged single parent. I can send my daughter to a private nursery because I earn enough money and I always buy her the pre-cut strawberries at the fancy schmancy market hall in Mitte, although they cost twice as much. As the family's main earner, I pay 100% of the costs: rent, telephone, electricity, gas, car, petrol, babysitter, nursery, Etta's clothes and food. And yet I only get 60!!! euros more than a single without children and 640 euros less than the main earner of a family, who, in contrast to me, can share all the expenses mentioned above with the second earner of the family. This not only concerns me, but millions of women in this country. 60% of all single mothers do not receive any child support and live on a lousy 60 euros extra per month, although they need a bigger apartment and have to look after a child on their own. Stop! Most of these millions of women are much worse off than me. They can't afford a private nursery or pre-cut strawberries. The least, the really very least, would be if we were finally to get what we, as the main wage earners of a family are entitled to, namely a tax relief such as that which the main wage earners receive in the case of spouse splitting. But it would only really be fair if we were to get even more, simply because there is no second earner, simply because we are alone with everything. Because no one washes the laundry for us, empties the dishwasher, does the shopping and picks up the child from the nursery when we have to stay late at work. __________________________________________________________ Mirna Funk wurde 1981 in Ostberlin geboren und studierte Philosophie sowie Geschichte an der Humboldt-Universität. Sie ist freie Journalistin und Autorin und schreibt unter anderem für „Die Zeit“, „Emotion“ und „Süddeutsche Magazin“. 2015 erschien ihr Debütroman Winternähe, für den sie mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis 2015 für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet wurde. Aktuell arbeitet sie außerdem als Kuratorin für das Berliner Ensemble und produziert für den Bayrischen Rundfunk ein Hörspiel. Mirna Funk was born in 1981 in East Berlin and studied philosophy and history at Humboldt University. She is a freelance journalist and author and writes for ‘Die Zeit’, ‘Emotion’ and ‘Süddeutsche Magazin’. In 2015 she published her debut novel Winternähe, for which she was awarded the Uwe-Johnson-Förderpreis 2015 for the best German-language debut. She is also currently working as curator for the Berliner Ensemble and produces a radio play for the Bavarian Radio.

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