Wissen soll frei und kostenlos für alle verfügbar sein - davon sind auch wir überzeugt. Wikimedia Deutschland, die Open Knowledge Foundation und die Deutsche Digitale Bibliothek haben deshalb das Projekt „Coding da Vinci“ gestartet. Auf dem größten deutschen Kultur-Hackathon entstehen Apps und digitale Kulturprojekte mit freien Daten von Museen und Archiven. Heute erhaltet ihr einen Blick hinter die Kulissen aus erster Hand.

Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Barbara Fischer. Als Kulturmanagerin arbeite ich seit April 2012 in der Funktion der Kuratorin für Kulturpartnerschaften bei Wikimedia Deutschland e.V, der Gesellschaft zur Förderung des Freien Wissens. Unser bekanntestes Projekt ist sicherlich Wikipedia. Meine Aufgabe ist es, Kultur- und Gedächtnisinstitutionen für die aktive Umsetzung der Open-Culture-Idee und des Freien Wissens zu gewinnen. Der Kultur-Hackathon Coding da Vinci  ist ein prima Anlass, um die Idee des Freien Wissens in die Kultureinrichtungen zu tragen. Ich vertrete Wikimedia Deutschland als eine von vier Partnern von Coding da Vinci.

Wie habt ihr zusammen gefunden?

Die Idee für Coding da Vinci kam uns auf der re:publica 2013, eines der weltweit wichtigsten Events zu den Themen der digitalen Gesellschaft: Wie wäre es mal einen Hackathon ausschließlich mit Kulturdaten zu veranstalten? Gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation, der Servicstelle Digistalisierung und der Deutschen Digitalen Bibliothek haben wir dann im Herbst ein Konzept entwickelt und schon kurz danach fingen wir an, Teilnehmer und Kulturinstitutionen anzusprechen. Und hatten Erfolg: 150 Teilnehmer, 16 Kulturinstitutionen lieferten 325.000 Mediendateien und es entstanden 17 neue Apps, Websites und digitale Kunstobjekte für alle. Ein super Ergebnis!

 
 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Es gibt schon seit einigen Jahren immer wieder Hackathons. Zu Verkehrsdaten, zu Energiedaten mit Jugendlichen oder einfach so: 48 Stunden gemeinsam hacken. In Deutschland hatte es jedoch noch keinen erfolgreichen Hackathon mit Kulturdaten gegeben. Kulturdaten sind anders als Verkehrsdaten. Meist sind sie komplexer, es braucht oft mehr Hintergrundwissen, um die Inhalte verstehen zu können. Zum Beispiel, um zu erkennen, warum hebräische Inschriften auf Grabsteinen des 18. Jahrhunderts überhaupt spannend sein könnten. Deshalb war es uns wichtig, dass sich Mitarbeiter aus den Kultur- und Gedächtnisinstitutionen und Entwickler, Designer etc. bei Coding da Vinci real begegnen und Fragen stellen können. Durch die Dauer des Sprints vom Kick-Off bis zur Präsentation von zehn Wochen haben alle Gelegenheit, intensiv zusammen zu arbeiten und Projekte zu präsentieren, die teilweise schon Marktreife haben. Dieses Konzept hat, glaube ich, alle überzeugt, daher auch der große Zulauf und die tollen Ergebnisse im letzten Jahr. Wir sind gespannt, was in diesem Jahr alles entsteht.

Warum ist es euch wichtig, das Projekt zu realisieren?

Für die meisten Kultur- & Gedächtnisinstitutionen (KGI) ist Digitalisierung kein Fremdwort mehr, aber oft ist der Gedanke, dass Dritte aktiv mit den Daten arbeiten wollen, noch sehr abstrakt, erzeugt auch teilweise Angst. Coding da Vinci zeigt ganz konkret, was entstehen kann, wenn Daten frei zugänglich und frei mit anderen Daten vernetzbar sind. Dann kann aus Fotos und Audiodateien ein zzZwitscherwecker entstehen, aus einer Namensliste, bibliografischen Angaben und Lexikon-Inhalten eine spannende, attraktive Website wie Verbrannte und Verbannte.de oder aus einem Scan eines Sammlungskastens und ein wenig Hardware, ein auf seine Umwelt reagierendes Kunstobjekt, wie der tanzende Cyberbeetle. Anwendungen, die vermutlich allein aus den Ressourcen der KGI eher nicht entstanden wären, aber jetzt helfen, die Sichtbarkeit im Netz der KGI zu erhöhen. Andere KGI werden so motiviert, ihre eigenen Datenbestände darauf hin zu befragen, ob sie zum Behufe der verbesserten Sichtbarkeit unter Freier Lizenz offen nachnutzbar gemacht werden können. Freies Wissen wird so konkret erfahrbar.

Für Entwickler wiederum sind Kulturdaten meist nicht leicht oder gar nicht zugänglich. Wir verstehen uns hier als eine Art Serviceplattform. Daher auch der Wunsch in diesem Jahr unseren Service zum Wohle aller weiter auszubauen, indem wir die Daten im Vorfeld aufbereiten wollen. Deshalb haben wir uns an Startnext gewandt, mit der Bitte uns bei einer Crowdfunding Kampagne hierfür zu unterstützen. Denn wir können die Kosten für die Aufbereitung der Daten nicht zusätzlich zu der Ausrichtung des Hackathons aufbringen. Diese Dienstleistungen kosten natürlich Geld. Wir finden es toll, dass gestandene Coder in ihrer Freizeit freie kostenlose Apps aus Kulturdaten im Rahmen von Coding da Vinci entwickeln. Dieses Engagement möchten wir mit einem guten Service mit „geputzten Daten“ fördern. Und dazu brauchen wir die Hilfe der Crowd. Coding da Vinci steht doch eigentlich genau für diesen Crowd-Gedanken: Die Crowd produziert, die Crowd finanziert und die Crowd profitiert. Denn am Ende haben wir alle etwas davon: Frei zugängliche Kulturdaten wie digitalisierte Gemälde, Fotos, Tierstimmen oder Karten, Bücher usw und freie kostenlose Apps, die es mir erlauben, die Schätze der Museen, Bibliotheken und Archive auf meinem Smartphone in die Hosentasche zu stecken.

 

Wie geht es bei eurem Projekt weiter?

Während hier auf Startnext die Kampagne läuft, haben gleichzeitig die Vorbereitungen für den diesjährigen Kultur-Hackathon Coding da Vinci begonnen. Die Kulturinstitutionen müssen gewonnen und dann beraten werden, wie sie am besten ihre Daten bereitstellen. Dabei können wir auf die Erfahrung des letzten Jahres zurück greifen, was sehr gut ist. Die Kultureinrichtungen und die Teilnehmer müssen eingeladen werden. Der Kick-Off des Hackathons ist am 25. & 26. April in Berlin. Zum Glück sind wir ein gutes Team aus vier Institutionen, sonst wäre diese Vielfalt der Aufgaben nicht von unseren letztlich knappen Personalmitteln nicht zu schaffen. So ist jeder Fan der Startnext-Kampagne, jeder Unterstützer und jede Unterstützerin für uns eine tolle Motivation, weiterhin unser Bestes zu geben.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für euer Projekt!

© Bildmaterial: Open Knowledge Foundation Deutschland, Coding da Vinci - Der Kultur-Hackathon, CC-BY Volker Agueras Gäng

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