Projekte / Science
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
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11/6/17, 9:23 AM Dr. Benno Kirsch

In dieser Tondatei lese ich ein kurzes Kapitel, in dem es um die Frage geht, welche Rolle Walter Linse bei der Flucht von Alfred Ascher gespielt hat. Aschers Schuhgeschäft wurde von September 1938 an von Linse »arisiert«, Ascher selbst unabhängig davon nach der Pogromnacht in ein KZ verschleppt und nach einigen Wochen wieder freigelassen. Ascher flüchtete 1939 mit Hilfe eines Freundes erst nach Belgien und 1940 in die USA. Ihm und seinem Freund und Fluchthelfer blieben Linse noch Jahre später in bester Erinnerung: Sie sahen in ihm einen Helfer und Retter. Die Frage ist, ob die beiden richtig einschätzen konnten, was hinter den Kulissen ablief.