Crowdfunding finished
Seit über einem Jahr schon bleibt der Vorhang coronabedingt für uns Musiker geschlossen und die Zukunft ungewiss. Wir möchten diese KUNST-PAUSE kreativ nutzen für eine Herzensangelegenheit: Unter dem Titel "Gib frei mein Herz" wollen wir Lieder von Hugo Wolf und Gedichte von Joachim Ringelnatz zu einer humorvollen Geschichte über Liebeslust und Liebesleid verweben und auf CD pressen. Eine literarisch-musikalische Beziehungskiste als unterhaltsames Hörbuch zum Träumen, Schmunzeln und Nachdenken.
2,290 €
Fundingsum
52
Supporters

About this project

Funding period 4/28/21 8:12 AM - 7/27/21 11:59 PM
Realisation August-September 2021
Category Music
City Magdeburg

Project description show hide

What is this project all about?

"Alles, was lange währt, ist leise"
(Ringelnatz)

Wir wollen unseren Herzenstraum verwirklichen und ein musikalisches Hörbuch herausbringen mit Liedern des Komponisten Hugo Wolf (1860-1903) und Gedichten des Lyrikers, Schriftstellers und Malers Joachim Ringelnatz (1883-1934).

Auf die Damen,
Diese Monstramen,
Kann man nicht bauen,
Nur schopenhauen.

(Hugo Wolf)

Diese Zeilen verfasste im Jahr 1881 der österreichische Komponist Hugo Wolf:
Seine Beziehung zu der Professorentochter Valentina Franck, die Wolfs tyrannisches Temperament nicht mehr ertrug, war zu diesem Zeitpunkt nach drei Jahren zerbrochen.

Hugo Wolf gehörte zu jenen Genies, deren Leben man „tragisch“ zu nennen beliebt. Düster umschattet, nur von plötzlichen grellen Blitzen durchzuckt, ist es verlaufen und endete schließlich in der Nacht des Wahnsinns.

1860 im Städtchen Windischgratz bei Wien geboren erlernte er früh von seinem Vater, einem Lederhändler, das Klavier- und Geigenspiel.
Seine schulische Laufbahn beendete der Gymnasiast frühzeitig mit einem Schulverweis, den er sich durch das Verzehren eines Frühstücksbrotes während des Religionsunterrichtes (er hatte Hunger!) eingehandelt hatte.
Auch sein Studium am Konservatorium in Wien war nur von kurzer Dauer, denn er hatte seine Meinung, man verlerne hier mehr als man dazulerne, ein paarmal zu oft öffentlich kundgetan.

So erarbeitete er sich das Rüstzeug zum Komponieren fortan selbst und blieb Zeit seines Lebens ein „genialer Dilettant“ (Hanns Eisler), der ein fabelhaftes Gehör und eine unendliche Erfindungsgabe besaß.

Hugo Wolf war ein Komponist, der es wie kein anderer verstand, Dichtung in Musik umzusetzen; der es schaffte, seine Umwelt musikalisch zu karikieren, belanglose Begebenheiten zu grotesken Szenen zu steigern.

Und immer wieder war der Kampf der Geschlechter, das Verhältnis zwischen Mann und Frau als Problem des Herrschens und Beherrschtwerdens ein zentrales Thema in seinem Liedschaffen, das im Italienischen Liederbuch, einer Sammlung von 46 volkstümlichen italienischen Liebesgedichten in der deutschen Übertragung von Paul Heyse, seinen Höhepunkt findet.

Hugo Wolfs Leben endete im Jahr 1903 in einer Irrenanstalt in Wien im Zustand der geistigen Umnachtung – die Auswirkungen einer Syphilisinfektion, die er sich in jugendlichen Jahren in einem Wiener Bordell zugezogen hatte.

In diesem Jahr hatte ein junger Mann namens Hans Gustav Bötticher – der sich später den Namen Joachim Ringelnatz gab - bereits als Schiffsjunge auf einem Segelschiff angeheuert.
Er war klein gewachsen, sächselte stark und wurde aufgrund seiner Physiognomie als „Nasenkönig“ verspottet und Schikanen sowie ständiger körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Ringelnatz hatte eine sehr schwere Schulzeit:
Sein Aussehen war Ursache zahlreicher Hänseleien der Mitschüler. Und in den Lehrern sah Ringelnatz nur „respektfordernde Dunkelmenschen“.
Seine Gymnasiallaufbahn beendete er wenig rühmlich mit einem Schulverweis:
Schuld war ein Tattoo, das er sich während des Unterrichts im nahe gelegenen Zoo während einer Völkerschau auf den Unterarm stechen ließ.

Und ich pfeife durchaus nicht auf Ehre.
Im Gegenteil. Mein Ideal wäre,
Daß man nach meinem Tod (grano salis)
Ein Gäßchen nach mir benennt, ein ganz schmales
Und krummes Gäßchen, mit niedrigen Türchen,
Mit steilen Treppchen und feilen Hürchen,
Mit Schatten und schiefen Fensterluken.

Dort würde ich spuken.
(Ringelnatz)

Zeit seines Lebens litt der Dichter unter bitterster Armut:
Von seinem „Segeltörn“ nach Hamburg zurückgekehrt war er zunächst arbeits- dann obdachlos, hauste in einer Bodenkammer mit einer Kiste als Bett, zeitweilig saß er sogar im Gefängnis ein.
Neben Hamburg waren Frankfurt am Main, Amsterdam und schließlich München seine Lebensstationen.

Er veröffentlichte zunächst unter Pseudonymen und erlangte als „Hausdichter“ in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus (kurz Simpl) Berühmtheit.
Allerdings brachte ihm das kaum nennenswerte Einnahmen; die namhaften Zeitungen und Zeitschriften lehnten seine Einsendungen zunächst rundum ab.

1920 heiratete er die 15 Jahre jüngere Lehrerin Leonharda Pieper, mit der er in ständiger Angst vor Ausweisung und Geldnot in einer Münchner Wohnung zur Schwarzmiete lebte.

Zusammen zog das Paar nach Berlin um - einerseits war es eine Flucht vor der braunen Bewegung in München, andererseits, weil es sich größere berufliche Möglichkeiten versprach.
Und tatsächlich hatte Ringelnatz Auftritte im Berliner Kabarett Schall und Rauch sowie im Rundfunk, veröffentlichte erfolgreich Lyrik , Prosa, Dramatik, Kinderbücher und widmete sich intensiv der Malerei.

Das Auftrittsverbot, das ihm die Nazis 1933 verhängten, beendete abrupt den Karriereaufschwung. Seine Bücher wurden beschlagnahmt und verbrannt, seine Gemälde als Entartete Kunst aus den Galerien entfernt.
Ringelnatz verstarb schließlich 1934 an den Folgen einer Tuberkulose.

Leider sind sich die beiden eigenwilligen Ausnahmetalente Hugo Wolf und Joachim Ringelnatz in ihrem Leben nie begegnet.
Zu erzählen gehabt hätten sie sich angesichts der vielen Parallelen in ihrem schicksalhaften Leben sicherlich viel.

Mit seiner beißenden Ironie, seiner oft grotesken Unsinnspoesie, seiner lakonischen ungekünstelten Alltagssprache und seinem immer wieder melancholischen Grundton, seinem Erfindungsreichtum und seiner reichen Sprachphantasie hat das Universalgenie Ringelnatz viel mit dem Tonkünstler Hugo Wolf gemeinsam, dessen Lied-Kompositionen skurrile, geistreiche, witzige und sehr oft ironisch karikierte Miniaturen sind.

In unserem CD-Projekt gehen Hugo Wolf und Joachim Ringelnatz eine literarisch-musikalische Beziehungskiste ein, eine Geschichte über Liebeslust und Liebesleid, die zum Träumen, Schmunzeln und Nachdenken anregt.

What is the project goal and who is the project for?

"Wie gut, daß alle einander nicht gleichen.
Wie recht, daß manche es erreichen,
daß sie eines Tages reich sind,
Wie gut, daß auch diese einander nicht gleich sind.
"
(Ringelnatz)

Unser Ziel ist die finanzielle Unterstützung zur Verwirklichung unseres CD-Projekts.

Zur Zielgruppe zählen in erster Linie Liebhaber der klassischen Musik und der Literatur, denen feinsinniger Humor kein Fremdwort ist. Also alle, die den Lyriker und Schriftsteller Ringelnatz lieben und den Tondichter Hugo Wolf verehren.
Aber auch alle, die künstlerisches Neuland betreten, sollen sich gut unterhalten fühlen.
Wir laden ein in eine Welt voller Schönklang und Poesie.

Mit unserem Vorhaben möchten wir ein breiteres Publikum für die Musik Hugo Wolfs begeistern und die "hehre" Gattung Kunstlied mit der Hilfe von Ringelnatz' Versen auf den Boden der Tatsachen stellen.

Why would you support this project?

"Schenke herzlich und frei,
schenke dabei, was in dir wohnt
an Meinung, Geschmack und Humor
So daß die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.
"
(Ringelnatz)

Ein musikalisches Hörbuch, das Musik und Lyrik des 20. Jahrhunderts so geschickt vereint, gibt es noch nicht.
Wir erfinden das Genre Liedkunst und Kunstlied neu, ohne dabei den künstlerischen Anspruch aus den Augen zu verlieren. Frisch, frech und tiefgründig.

How will we use the money if the project is successfully funded? 

"Auch kleine Dinge können uns entzücken,
auch kleine Dinge können teuer sein.
"
(Hugo Wolf)

Unsere CD soll ein regionales Produkt werden:

Für die Aufnahme konnten wir die Landesmusikakademie Sachsen auf Schloß Colditz gewinnen, die uns hierfür ihren Konzertsaal zur Verfügung stellt.
Interessanter Nebenaspekt: Der Dichter Ringelnatz stammt ganz aus der Nähe von Colditz, nämlich aus Wurzen, wo das Ringelnatz-Museum ansässig ist.
Betreut werden soll die Aufnahme von Tongenie Frieder Zimmermann aus Quohren.
Für die CD-Pressung möchten wir gern das in Halle ansässige Label Calygram beauftragen.
Das Booklet gestaltet der Dresdner Musikwissenschaftler Hannes Föst.

Who are the people behind the project?

Meisters Violinenklänge
Führten mich aus der stieren Menge
Hoch in himmlische Sphären empor.

(Ringelnatz)

Schon während ihres Studiums an der Hochschule für Musik Dresden haben die Sopranistin Jenny Gerlich und der Bariton Johannes Wollrab sowie der Pianist Michael Schütze zusammen musiziert und gemeinsam viele Liederabende und Konzerte gestaltet.

Nach Abschluss des Studiums verlor sich das Trio aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn.
Michael Schütze blieb der Hochschule in Dresden treu, Johannes Wollrab war als freischaffender Sänger in aller Welt unterwegs und Jenny Gerlich folgte einem festen Engagement ans Theater Magdeburg.
Der pure Zufall wollte es, dass Johannes Wollrab einige Jahre später ebenfalls als festes Ensemblemitglied ans Theater Magdeburg kam und sich die Musiker nach all der Zeit wieder in die Arme schließen konnten.

Nun ist das Trio künstlerisch wiedervereint und widmet sich seiner zweiten großen Leidenschaft neben der Oper: dem KunstLied und der LiedKunst.

Support now 

share
Gib frei mein Herz!
www.startnext.com