Der Corona-Shutdown hat auch unser frisch eröffnetes Mental Health Café getroffen. Seit Dezember setzen wir mit ihm ein Zeichen für einen anderen, offeneren, normaleren Umgang mit dem Thema Mental Health – und das Feedback, die Reaktionen (aus ganz Deutschland) sind überwältigend. Gerade jetzt braucht es fitte Psychen – denn Corona ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine ganz schöne Herausforderung. Wir wollen weitermachen, weiter helfen, weiter verändern – dafür brauchen wir Euch!
10.135 €
finanziert
228
Unterstützer*innen
Projekterfolgreich
Flexibles Projekt: Die gesammelte Summe wird ausgezahlt.
28.04.2020

Corona Tagebuch #3

Rebecca Kraus
Rebecca Kraus2 min Lesezeit

Ich fühle im Moment nicht viel, fühle mich emotional taub. Die Tage verschwimmen, ich weiß nicht mehr, welches Datum wir heute haben. Tagesstruktur ist für mich sehr wichtig, um meiner Krankheit nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Momentan gibt es keine Struktur in meinem Alltag. Ich stehe auf, gehe mit meinem Hund spazieren und dann habe ich eigentlich alle Aufgaben des Tages erledigt. Ich bin nicht traurig oder sauer oder fühle irgendeine Emotion, sondern fühle mich eher leer und angreifbar. Obwohl mir Tagesstruktur so viel gibt, merke ich, dass einzelne Termine, wie ein Telefonat mit meiner Therapeutin, mich nun schon stressen. Ich habe das Gefühl ich bin überhaupt nicht mehr belastbar. Wenn ein Termin auf meiner Liste steht, bin ich den ganzen Tag nervös, schaue stündlich, welche Uhrzeit abgemacht war. Vor Corona, hatte ich täglich mehrere Termine, die gefühlt wie in einem Stundenplan ganz natürlich in mein Gedächtnis gerufen wurden. Jetzt spüre ich Überforderung, bei den kleinsten Aufgaben.

Trotzdem versuche ich die Zeit zu genießen. Die Zeit zu nutzen um Kunst zu machen, mich kreativ auszuleben. Ich bin froh in einem kleinen Häuschen zu wohnen, eine Wg zu haben, die mich unterstützt, mir Nähe gibt und auf mich aufpasst. Ich bin froh Teil des Teams vom Berg und Mental zu sein, einem Team, dass sich um einen sorgt, für einen da ist und das man vermissen kann. Ich freue mich auf nichts mehr, als mit meinem Team wieder im Berg und Mental zu stehen, Kaffee zu verkaufen und mit unseren wundervollen Gästen zu plaudern. Ich sehne mich nach Normalität. Und trotzdem stecken wir in dieser Krise zusammen. Das tröstet mich jeden Tag, zu wissen, dass ich nicht alleine bin. In psychischen Krisen auf Grund von Krankheit oder Ereignissen im Leben fühlte ich mich oft alleine und einsam. Jetzt weiß ich, wir stecken alle zusammen da drin, müssen alle zusammen da wieder heraus. Dieser Gedanke macht mir das Gefühl nicht alleine zu sein. Wir schaffen das, alle zusammen, durch diese psychische Weltkrise, denn wir sind viele.

Eure Lu

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