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Projekte / Musik
Wir, Ilia Karadjov (Querflöte) & Christian Wolff (Gitarre), professionelle Musiker und Musikpädagogen der Musikschule Landkreis Aurich (Ostfriesland), reisten Anfang Oktober nach Palästina, um Konzerte und Workshops an dortigen Musikschulen für palästinensische Kinder und Jugendliche zu geben. Wir konzertierten auch in der Bethlehemer Werkstatt für behinderte Menschen Lifegate Rehabilitation (www.lifegate-reha.de) Zur nachträglichen Finanzierung des Projektes bitten wir Euch um Unterstützung
Norden
792 €
790 € Fundingziel
6
Fans
10
UnterstĂĽtzer
13 Stunden
22.04.17, 03:36 Ilia Karadjov
In letzter Zeit war auch Palästina wieder Thema in den deutschen Medien. Der Präsident der palästinensischen Autonomie Behörde Mahmud Abbas war in Berlin zu Gast bei Kanzlerin Merkel. Und während des Osterwochenendes wurde gemeldet, dass eine europäische Touristin in Jerusalem in der Straßenbahn von einem Attentäter mit einem Messer tödlich verletzt wurde. Anlässe ein Erlebnis in Jerusalem am Ende unserer Reise zu schildern. Am 12.10.16, abends letztes Konzert in Jerusalem und Feiertag Yom Kippur in Israel hatte ich ein äußerst unangenehmes Erlebnis. Ich wollte an diesem wichtigen jüdischen Feiertag eine Synagogenfeier in Jerusalem miterleben. Von Freunden in Jerusalem wurden mir die Große Synagoge und die Yeshurun Synagoge, beide in der King George Street, empfohlen. Von meiner Unterkunft auf dem Ölberg ging ich vormittags zu Fuß ca. 30 Minuten zur Großen Synagoge. In ganz Israel gibt es an diesem Feiertag keinen Verkehr auf Straßen bzw. Schienen. Diese sehr große Synagoge war fast bis auf letzten Platz voll mit festlich gekleideten Gläubigen. Ich habe zwar von der Zeremonie nichts verstanden, jedoch fand ich es sehr interessant die Atmosphäre zu erleben und das Geschehen in der Synagoge ca. 30 Min. zu beobachten. Ich entschied dann, in die benachbarte Yeshurun Synagoge zu gehen. Am Eingang wurde ich von einem Mann in zivil mit umgehängtem Maschinengewehr angehalten. Er verweigerte mir den Zutritt. Zur gleichen Zeit kamen 3 andere Sicherheitsleute in zivil aus dem Synagogeneingang. Abseits der Synagoge wurde ich intensiv befragt, u. a. warum ich nicht in der Nähe des Ölbergs in eine Synagoge gehe, sondern so weit zur Yeshurun laufe. Meinen Reisepass hatte ich in der Unterkunft vergessen. Nach einiger Zeit stellte sich jedoch heraus, dass ich meinen deutschen Personalausweis bei mir hatte. Meine wenigen Sachen musste ich den 3 Sicherheitsleute aushändigen, die sie intensiv inspizierten. Obwohl meine Identität nun klar war, wurde ich weitere fast 3 Stunden auf der Straße unweit der Synagoge festgehalten. Ich wurde wie ein Krimineller von den 3 Sicherheitsleute abwechselnd erneut mehrmals verhört, durchsucht und mein gesamter Körper wurde sehr genau abgetastet. Meine Sachen wurden zum 2. Mal „gefilzt“. Meine beiden Handys (deutsche und israelische SIM-Karte) musste ich, angestellt, mehrmals aushändigen. Die Situation war sehr unangenehm. Es war sehr heiß, ich war der Sonne ausgesetzt und hatte nichts zu trinken. Ich befürchtete, dass man mich vorübergehend einsperrt und ich abends unser Konzert auf dem Ölberg nicht spielen kann. Als nach 14.00 Uhr die Israelis die Synagoge verließen, gaben mir die Sicherheitsleute nach über 3 ½ Stunden plötzlich meine Tasche mit meinen Sachen zurück und sagten mit einem zynischen Unterton „thank you for your time“. Dann verschwanden sie eilig. 1. Foto: Große Synagoge, King George Street, Jerusalem 2. Foto: Haupteingang, Große Synagoge, Jerusalem 3. Foto: Yeshurun Synagoge, King George Street, Jerusalem
08.04.17, 11:06 Ilia Karadjov
Wir haben auf der Reise nicht nur viele Konzerte gespielt sondern durften auch fantastische Menschen und eine wunderschönes Land kennenlernen. Hier ein paar Eindrücke
06.04.17, 18:15 Ilia Karadjov
Mit „Magic Flute“ im Gepäck ins Westjordanland - Flöte spielen im besetzten Land - Ein Erfahrungsbericht von Ilia Karadjov. Der in Deutschland lebende Flötist Ilia Karadjov unterrichtete einige Jahre in den Palästinensischen Autonomiegebieten (Westjordanland / West-Bank) Querflöte und Saxophon im Auftrage der Barenboim-Said Stiftung. Ziel des Musikprojektes der Stiftung in der West-Bank ist es, die musikalische Ausbildung palästinensischer Kinder zu fördern, musikalische Begabungen zu entdecken und besonders zu fördern und den jungen Menschen das Musizieren in einem Jugendorchester zu ermöglichen. Der Flötist und Pädagoge schildert seine Erfahrungen und Impressionen aus einem Land, das in der Regel aus Gründen jenseits der Musik im Gespräch ist. In der Zeitschrift „Das Orchester“ bin ich auf eine Stellenanzeige gestoßen, in der für das Musikerziehungsprojekt der spanischen Barenboim-Said Stiftung (kurz BSF) im Westjordanland / West-Bank (das palästinensische Gebiet zwischen Israel und Jordanien) ein Querflötenlehrer gesucht wurde. Von Barenboims Stiftung und seinem „West-Eastern Divan Orchestra“, ein Orchester aus jungen israelischen, palästinensischen und arabischen Musikern, hatte ich bereits gehört. Es ist das wichtigste und öffentlichkeitswirksamste Projekt der BSF mit Sitz in Sevilla. Die Gründung der Stiftung im Jahre 2003 geht auf die Initiative des in Argentinien geborenen israelischen Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim und des berühmten, bereits 2003 verstorbenen palästinensisch-amerikanischen Literaturwissenschaftlers Edward Said zurück. Die BSF initiiert und fördert verschiedenste Projekte zur musikalischen Bildung. Ihr Ziel ist es, durch Musik die Idee des Friedens, der Aussöhnung sowie den Dialog zu fördern. Dies geschieht durch Projekte der musikalischen Bildung in Israel, Palästina und anderen Ländern. Die wichtigsten Projekte der Stiftung zur musikalischen Bildung in Palästina sind derzeit die Musikschule und der Musikkindergarten in Ramallah. Querflötenunterricht in einem besetzten Land und auch noch für arabische, palästinensische Kinder, dachte ich mir, als ich die Stellenanzeige las, ist Pionierarbeit und Entwicklungshilfe per Musikunterricht. Das wollte ich unbedingt machen. Und es war schon seit langem mein Traum, einige Zeit in meinem Beruf im Ausland zu arbeiten. So bewarb ich mich auf diese Vakanz. Es stellten sich mir aber auch Fragen, die vorerst offen blieben. Warum sollen Europäer palästinensischen Kindern westliche Orchesterinstrumente beibringen und damit verbunden europäische klassische Musik? Warum fördert man in Palästina nicht das Erlernen der traditionellen arabischen Instrumente wie z. B. das Flöteninstrument Nay. Ab September 2008 begann ich gemeinsam mit 6 anderen Musikern aus Europa die Unterrichtstätigkeit in der Musikschule der BSF in Ramallah, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der West-Bank. Zu meinen Aufgaben gehörten einerseits die sehr fortgeschrittene, hochbegabte 16 jährige palästinensische Flötenschülerin Dalia Moukarker aus Beit Jala (bei Bethlehem) zu unterrichten, andererseits im Music Centre der BSF in Ramallah eine Flötenklasse aufzubauen, da es dort bisher noch keinen Flötenlehrer gab. Dalia wurde bis Juli 2008 von einem israelischen Flötisten in Jerusalem unterrichtet. Die Kosten hatte die BSF in voller Höhe übernommen. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr konnte sie ohne „Genehmigung“ den Checkpoint zwischen Bethlehem und Jerusalem passieren, um zu ihrem Flötenlehrer zu fahren. Ab Sommer 2008, mit 16 Jahren, benötigte sie für jede Fahrt nach Jerusalem bzw. Israel einen „Passierschein“. Eine derartige Genehmigung wird aber von den israelischen Militärbehörden nur selten und in außergewöhnlichen Fällen erteilt. Nun verstand ich auch, warum die BSF in der besetzten West-Bank geworden aktiv ist. Kein im Westjordanland geborener Palästinenser, kann ab seinem 16. Lebensjahr einfach mal die bis zu 5 Meter hohe Mauer, die mittlerweile das gesamte Westjordanland umschließt, passieren, um in Israel in einer Musikschule oder einem Konservatorium Instrumentalunterricht zu nehmen. Der Beginn meiner Arbeit und meines Lebens in der West-Bank war geprägt von einer Überraschung. Das Music Centre der BSF war nicht die einzige Musikschule in der West-Bank und ich nicht der einzige Flötenlehrer in Ramallah. Schnell lernte ich meine Kollegin Sarah aus Schweden kennen, die im Musik-Konservatorium Edward Said zahlreiche Flötenschüler unterrichtete, und Maddalena aus Italien, die zeitgleich mit mir nach Ramallah gekommen ist, die Flötenlehrerin der Organisation Al Kamandjati Das Nationale Musik-Konservatorium Edward Said (www.ncm.birzeit.edu) ist das älteste Institut der West-Bank zum Erlernen „westliche“ und arabische Instrumente. Es ist an die private Birzeit Universität angegliedert und finanziert sich über Sponsorengelder und Unterrichtsgebühren. Im Hauptgebäude in Ramallah und den Nebenstellen in Bethlehem und Ost-Jerusalem werden aktuell über 600 Schüler unterrichtet. 1993 auf Initiative u. a. von Edward Said gegründet, wurde das Konservatorium in seinen Anfängen von Daniel Barenboim, enger Freund von Edward Said, und durch die BSF unterstützt. Seit einigen Jahren arbeitet das Konservatorium jedoch unabhängig vom BSF-Musikerziehungs-projekt. Auch im Konservatorium arbeiten in der Mehrzahl Lehrer aus Europa. Alle Orchesterinstrumente und auch traditionelle arabische Instrumente werden unterrichtet. Die Schüler des Konservatoriums zahlen zwischen 3450 bis 4600 NIS (Neuer Israelischer Schekel) (ca. 749 – 999 €), jährlichen an Unterrichtsgebühren. An minderbemittelte Schüler werden Stipendien vergeben. Der Unterricht am Konservatorium beginnt in der Regel ab dem 6. Lebensjahr, bei Hochbegabung auch schon früher. Es gibt keine Altersgrenze für das Ausscheiden aus dem Konservatorium. Aber Vorrang bei der Vergabe der Unterrichtsplätze haben Jugendliche. Die Schüler erhalten 3 bis 4 Mal pro Woche 60 Minuten Unterricht. Die jährlichen Kosten für Leihinstrumente belaufen sich je nach Instrumentenpreis zwischen 20 bis 70 NIS (ca. 4 – 15 €). Das Konservatorium hat auch das „Palästinensische Jugendorchester“ ins Leben gerufen mit Probenphasen im Juli in Amman. Dessen rund 60 Mitglieder stammen aus dem Westjordanland, Jordanien, Ägypten und Syrien. Außerdem veranstaltet das Konservatorium alle 2 Jahre einen Instrumentalwettbewerb (Palestine National Music Competition), an dem im April 2010 meine 2 besten Flötenschülerinnen teilgenommen haben. In Bethlehem, wo das Konservatorium eine Außenstellen hat, gibt es seit 1997 noch eine weitere kleine private Musikschule, Bethlehem Academy of Music, die auch im Nachbarort Beit Jala über Unterrichtsräume verfügt. Bis 2011 haben ca. 12 Lehrer die Fächer Klavier, Orgel Gitarre, Violine, Blockflöte, Oboe, Gesang, arabische Langhalslaute Oud und Musiktheorie unterrichtet. Aus finanziellen Gründen unterrichteten ab dem Schuljahr 2011/12 nur noch 5 Lehrer und weil der Academy of Music Lehrer fehlen. Die Schüler haben pro Woche jeweils 45 Minuten Instrumentalunterricht und Musiktheorie. Ab dem 4. Unterrichtsjahr spielen sie in Instrumentalensembles mit. Die Bethlehem Academy of Music finanziert sich nur über Spenden und Unterrichtsgebühren, die pro Schuljahr 2000 NIS (ca. 434 €) betragen. Die zahlreichen Schüler, deren Eltern den Unterricht nicht bezahlen können, bekommen den Unterricht kostenlos. Weil die Musikschule keine regelmäßigen Geldgeber z. B. aus dem Ausland hat, ist ihre finanzielle Situation kritisch. In der Academy of Music unterrichten hauptsächlich palästinensische Musiker. Einen Querflötenlehrer gibt es dort noch nicht. 2002 wurde die Organisation Al Kamandjati (deutsch: der Geiger) von dem palästinensischen Musiker Ramzi Aburedwan gegründet. Ramzi wuchs in einem Flüchtlingslager auf und bekam durch einen glücklichen Umstand ein Stipendium, um in Frankreich Bratsche studieren zu können. Al Kamandjati hat das Ziel möglichst vielen Kindern im Westjordanland das Musik machen zu ermöglichen. Neben ihrer Musikschule in der Altstadt von Ramallah, in einem wunderschönen mit schwedischen Mitteln renovierten alten Gebäude, unterhält sie noch 2 weitere Schulen im nördlichen Teil der West-Bank (Jenin, Deir Ghasana). Außerdem unterrichten Instrumentallehrer auch in mehreren Flüchtlingslagern in der Nähe von Ramallah. Al Kamandjati, die politischste unter den Musikschule, bietet seinen ca. 400 Schülern neben dem Erlernen „westlicher“ Instrumente auch Unterricht auf traditionellen arabischen Instrumenten an. Sie beschäftigt hauptsächlich Musiklehrer aus Europa. Kamandjati wird im wesentlichen aus Frankreich und auch von der BSF finanziert. Für 90% der Schüler ist der Unterricht kostenlos. Die Ausleihe der Instrumente kostet sie nur einmalig einen Versicherungsbeitrag von 50 NIS (ca. 11 €), der erstattet wird, wenn sie das Instrument zurückgeben. Die BSF schickte mich, wie auch andere Kollegen der BSF, zum Unterrichten in die Al Kamandjati-Musikschule in Ramallah. Während meine italienische Kollegin Maddalena in den Außenstellen und Flüchtlingslagern Flötenunterricht erteilte, habe ich die Flötenklasse in Ramallah, bestehend aus zunächst 3 Schülern, an 2 Tagen in Woche weiter ausgebaut. Die BSF begann 2006 ihre eigenen musikpädagogischen Aktivitäten in der West-Bank, indem europäische Musiker im Konservatorium, an einer allgemeinbildenden Privatschule bzw. in den privaten Wohnungen der Musikschüler unterrichteten. 2 Jahre nach Beginn ihrer musikpädagogischen Arbeit in der West-Bank hat die BSF Anfang 2008 ihre eigene Musikschule im 1. Stock eines modernen Bürohochhaus eröffnet. Auch dies war eine Überraschung: ich hatte dort meinen eigenen Unterrichtsraum, der mit einem Yamaha-Klavier und Ikea-Möbeln eingerichtet war. Die Unterrichtsgebühr beträgt für ein Schuljahr 1000 NIS (ca. 217 €), Ermäßigungen: 2. Kind der Familie: 800 NIS (ca. 174 €), 3. Kind: 600 NIS (ca. 130 €). Für die Instrumentenausleihe zahlen die Schüler jährlich 200 NIS (ca. 44 €). Alle Schüler waren auf Leihinstrumente der Musikschule angewiesen, wenn sie ein Instrument erlernen wollten. Auch während meiner gesamten Unterrichtszeit in der West-Bank hat keiner meiner 20 Querflötenschüler sich ein eigenes Instrument kaufen können. Im September 2008 hatte ich die Aufgabe, im Auftrage des Music Centre der BSF erst einmal 5 Querflöten einzukaufen. Immerhin gab es in Ramallah ein kleines Musikgeschäft, das Querflöten nach Katalog verkaufte, die dann vom Ladenbesitzer von einem Großhandel in Tel Aviv abgeholt wurden. Als Händler hatte er eine dauerhafte Sondergenehmigung für seine geschäftlichen Fahrten nach Israel. Ich musste mit den billigsten Flöten der Marken Yamaha und Jupiter vorlieb nehmen, Modelle, die in Europa gar nicht verkauft werden. Das Geschäft in Ramallah bot leider keine Reparaturen und keinen Service an, den es für Querflöten aber auch im gesamten Westjordanland nicht gab. Bei späteren Schäden an den Leihinstrumenten musste ich einen israelischen Flötenbauer in Jerusalem aufsuchen, denn die Schüler bzw. die Eltern durften in der Regel nicht von Ramallah aus die 16 km nach Jerusalem fahren. Nur Palästinenser mit einem israelischen Personalausweis, die in Israel oder in den „Autonomiegebieten“ (West-Bank) leben, können zwischen den „Territorien“ frei reisen und die Grenzkontrollpunkte problemlos passieren. Die Palästinenser der West-Bank mit palästinensischem Ausweis müssen jedoch für Jerusalem und Israel einen Einreiseantrag stellen, der von den Militärbehörden nur für besondere Anlässe (z. B. Krankenhaus, christliche Feiertage) genehmigt wird. Eine Einreiseerlaubnis, um ein Musikinstrument reparieren zu lassen, ist überhaupt nicht zu bekommen ist. Umgekehrt ist es für die israelische Bevölkerung streng verboten, in die von den Palästinensern bewohnten und verwalteten Gebiete der West-Bank zu fahren. Zurück zum Beginn meiner Tätigkeit als Querflötenlehrer in der BSF-Musikschule. Nachdem die Querflöten gekauft waren, ging es darum, Flötenschüler anzuwerben. Hauptsächlich in christlichen Privatschulen haben meine Kollegen und ich unsere Musikinstrumente vorgestellt, weil unser Direktor davon ausging, dass in den Privatschulen Kinder eher Interesse an Instrumentalunterricht haben. Durch die Schulpräsentationen und durch Mundpropaganda meldeten sich in den folgenden Monaten zahlreiche Kinder ohne musikalisch-instrumentale Vorbildung zum Flötenunterricht bei mir an. Oft verlief es auch so, dass, wenn 1 Schüler aus einer Familie ein Musikinstrument erlernte, nach einiger Zeit auch ein anderes Familienmitglied oder ein Kind aus der entfernten Verwandtschaft zum Instrumentalunterricht in die Musikschule kam. Meine Klasse in der Musikschule der BSF wuchs bald auf 6 Flöten- und 1 Saxophonschüler an, die ich an 2 Nachmittagen insgesamt 2 mal 45 Minuten pro Woche unterrichtete. Mit den Anfängern arbeitete ich mit großem Erfolg nach den Flötenschulen „Magic Flute Mini“ und „Magic Flute 1“. Neben dem Instrument musste ich meinen Schülern auch die elementare Musiklehre beibringen. Generell hatten die palästinensischen Kinder, die ein Instrument lernen wollten, keine musikalischen Vorkenntnisse, wie z. B. in Deutschland durch die musikalische Früherziehung u. ä. Angebote für Kinder. Und in den palästinensischen Schulen gab es in der Regel keinen Musikunterricht. Trotzdem war das Interesse der Kinder und Jugendlichen groß, ein Orchesterinstrument zu erlernen.. Besondere Freude hatten die jungen Musiker bei der Teilnahme an der Orchesterarbeit. Das Barenboim-Said Music Centre, Al Kamandjati und das Konservatorium bieteten Jugendorchesterarbeit an, teils mit wöchentlichen Proben, teils mit einwöchigen Workshops. Meine 3. Unterrichtsstätte war die christliche Schule Talitha Kumi in Beit Jala (bei Bethlehem), dessen Träger das Berliner Missionswerk ist. Möglicherweise ist es die einzige Schule in der West-Bank, wo Musik Bestandteil der Stundentafel ist und von einer ausgebildeten palästinensischen Musiklehrerin unterrichtet wird. Der deutsche Schulleiter, ein begeisterter Kontrabassspieler, legte sehr viel Wert auf die musikalische Erziehung seiner Schüler. Gemeinsam mit 4 weiteren Kollegen der BSF bin ich 1 mal pro Woche für einen ganzen Tag nach Beit Jala gefahren, um in der Talith Kumi Schule Flötenunterricht zu erteilen. Auch hier wurde vorher kein Flötenunterricht angeboten. Für Talitha Kumi musste ich zunächst in Ramallah Querflöten gekauft, die kostenlos an die Kinder verliehen wurden. Für den Unterricht zahlten die Eltern an die Talitha Kumi Schule eine „symbolische“ Gebühr von nur 20 NIS (ca. 4.30 €) im Monat. Schnell füllte sich die Querflötenklasse mit 8 palästinensische Kindern: 1 Junge und 7 Mädchen zwischen 9 und 13 Jahren. Im Gegensatz zu den Unterrichtsmöglichkeiten in Ramallah konnte ich in Talitha Kumi wegen der Entfernung von ca. 1 bis 1 1/2 Stunden Taxifahrt und der Vielzahl der Schüler die meisten Kinder leider nur ½ Stunde pro Woche unterrichten. Dadurch waren die Lernfortschritte der Talitha Kumi Schüler viel langsamer als bei den Schülern in Ramallah. In Talitha gab es noch ein weiteres Problem: viele der jungen Schüler waren unruhig und konnten sich oftmals nicht lange konzentrieren. In der Talitha Kumi Schule unterrichtete ich auch die außergewöhnlich begabte Schülerin Dalia Moukarker, die bereits seit 3 Jahren Querflöte spielte und jeden Tag einige Stunden übte. Sie bekam 1 ½ Stunden Unterricht, dem sie mit voller Konzentration folgte. Sie sagte einmal, dass das Flötenspiel sie in eine schönere Welt versetzte, weit weg von Beit Jala. Ihre Heimat sei nicht schön sondern hässlich. Viele junge Palästinenser betrachteten das Erlernen klassischer Musik als Quelle der Hoffnung, als Möglichkeit der Verbindung zur äußeren Welt innerhalb eines Lebens in einem hermetisch abgeriegelten Landstrich. Mit Ausnahme von Dalia stellte das häusliche Üben für die palästinensischen Schüler ein besonders großes Problem dar. Wegen der vielköpfigen Familien hatten die meisten Kinder zu Hause keinen Raum, in den sie sich zum Üben zurückziehen können. Vor allem den jüngeren Schülern musste ich mühsam beibringen, wie sie üben sollen. Im Elternhaus gab es meistens niemanden, der beim Üben hätte helfen können. Es sei denn, ein älteres Geschwisterteil lernte auch ein Instrument. Auf Grund ihres Fleißes und ihre Begabung erhielt Dalia, die im Sommer 2010 ihr Abitur gemacht hatte, einen Querflöten-Studienplatz mit Stipendium am Konservatorium in Anger (Frankreich). Fazit: Zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten ist der Unterschied hinsichtlich der Verbreitung der Querflöte und den Ausbildungsmöglichkeiten sehr groß. In Israel gibt es eine Vielzahl von Musikschulen, die Musikhochschulen in Jerusalem und Tel Aviv und in beiden Städten jeweils ein großes Berufsorchester. So findet man in Israel überall im Land ausgebildete, qualifizierte Querflötenlehrer, ganz im Gegensatz zur West-Bank. Für Palästinenser der „Autonomiegebiete“ gibt es keine Möglichkeit in ihrem „Land“ eine professionelle Musikausbildung zu erhalten, denn das Nationale Konservatorium in Ramallah bietet nur eine Ausbildung an, der dem deutschen Musikschul-Oberstufenabschluss entsprechen könnte. Zum Studieren nach Israel gehen, ist den Palästinensern der „Autonomiegebiete“ auf Grund der Sperrmauer verwehrt. So bleibt den musikalisch Hochbegabten nur der Weg mit einem Stipendium ins Ausland zu gehen.
18.10.16, 02:00 Ilia Karadjov
Es muss ja nicht immer die ganz große Beleuchtung sein, auch kleine Kerzen haben manchmal schon eine große Wirkung. Zu „Musik bei Kerzenschein“ war am 25.09.2016 in die Mennonitenkirche der Stadt Norden (Landkreis Aurich, Ostfriesland) geladen. Doch den zwei Musikern, Ilia Karadjov, Querflöte & Christian Wolff, Gitarre, ging es um viel mehr als das Spielen von Noten. Ein sehr ambitioniertes Projekt für und in Palästina war ihr eigentliches Leitmotiv. Das Konzert in der Mennonitenkirche Norden war eine Generalprobe für das Musikpädagogisches Konzertprojekt des Musikerduos mit dem Titel „Eine musikalische Klangreise durch Südamerika“. So trugen die Lichter aus dem Kirchenkonzert in Norden den Geist des Friedens in diese Krisenregion mit Musik als ihrem Botschafter. Ilia Karadjov und Christian Wolff, die sonst als professionelle Musiker und Musikpädagogen an der Musikschule Landkreis Aurich arbeiten, führten dieses Projekt vom 03.10. bis 14.10.2016 rein ehrenamtlich durch, ohne finanzielle Untersützung von entsprechenden Institutionen. Der 1. Konzertort war am 05.10.16 in Ramallah (Westbank/Palästina) die kleine Musikschule der spanischen Barenboim-Said Stiftung. Nachdem die beiden Musiker ihr Programm „Eine musikalische Klangreise durch Südamerika“ vor Musikschülern, deren Eltern und Freunden und vor Musiklehrern der Musikschule dargeboten haben, gab Ilia Karadjov einen Workshop für die jugendlichen Flötenschüler der Musikschule. Die nächste Station der Konzertreise war Bethlehem. Im Nachbarort von Bethlehem, der Stadt Beit Jala konzertierten die beiden Musiker am 06.10.16 in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, Tor zum Leben - Lifegate Rehabilitation (www.lifegate-reha.de). Auf Einladung der Musikschule Bethlehem Music Academy fand am 07.10.16 abends das nächste Konzert bei vollem Haus in dem neu erbauten Bethlehem Museum statt. Der Konzert-Livemitschnit kann auf soundcloud.com gehört werden: https://soundcloud.com/user-408230845/bethlehem-museum-konzert-071016-ilia-karadjov-querflote-christian-wolff-gitarre Am gleichen Tag nachmittgs gab der Gitarrist Christian Wolff einen Workshop für zahlreiche jugendliche Gitarrenschüler der Musikschule Bethlehem Music Academy. Am nächsten Tag gastierten die beiden Musiker aus Ostfriesland mit ihrem Programm im Nationalen Edward Said Konservatorium in der Bethlehemer Nachbarstadt Beit Sahour. Vor dem abendlichen Konzert gaben Christian Wolff und Ilia Karadjov jeweils Workshops für die Gitarren- und Querflötenschüler. Das Abschlusskonzert am 12.10.16 fand auf Einladung der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Jerusalem auf dem Ölberg neben der dortigen Himmelfahrtskirche statt. Das Musikerduo konzertierte abends vor einem begeisterten Publikum nach dem Ende des jüdischen Yom Kippur Feiertages unter freiem Himmel bei für uns sommerlichen Temperaturen. Zufrieden über ihre sehr erfolgreiche Musikpädagogische Konzertreise reisten die beiden Musiker am nächsten Tag nach Deutschland zurück.

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