SHIPSHEIP. Holistic Fashion.
Was hinter SHIPSHEIP steckt, ist simpel: Wir tun, was wir lieben. Und das bedeutet für uns, Ethik & Ästhetik zu verbinden. Wir machen Mode aus Leidenschaft und achten aus Überzeugung auf faire & organische Produktion. Holistic Fashion steht für Mode, die mitdenkt, sich kritisch hinterfragt und bewussten Konsum fördert. Die transparent, authentisch und inspirierend ist. Und mit dazu beiträgt, dass die Herstellung nicht auf Kosten anderer geht, sondern ecofaire Standards zum Alltag macht.
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12.02.2016

Be the change, spread the Word!

Daniela Wawrzyniak
Daniela Wawrzyniak6 min Lesezeit

Martin Herrndorf, Mitgründer des Coworking-Spaces Colabor, hat einiges zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen. Warum er das Reisen vorerst an den Nagel gehängt hat, ob die Wirtschaft auf Dauer verantwortungsbewusster wird und inwiefern Flirten mit Ecofashion zusammenhängt, verrät er uns im Interview.


Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Colabor zu gründen? Welche Motivation steckt dahinter?

Wir haben einen Ort gesucht, an dem wir zuerst einmal produktiv arbeiten können, der aber insbesondere auch Menschen mit einer ähnlichen Zielrichtung und Haltung zusammenbringt und an dem ökologisch-soziale Prinzipien konsequent umsetzt werden. Diesen Ort gab es damals in Köln noch nicht, wir hatten aber ähnliche Orte in anderen Städten kennengelernt, wie die "Impact Hubs" im Zürich und Amsterdam.

Meine ganz persönliche Motivation war auch, nach ersten Arbeitserfahrungen in „angewandter Nachhaltigkeits-Forschung“ und meiner Dissertation etwas Praktisches zu machen, einen realen Ort zu schaffen, der Menschen zusammenbringt. Weniger abstrakte Studien und PDFs, mehr echte, positive Erlebnisse. Die Studien für Politik und Unternehmen sind natürlich auch wichtig, aber ich wollte näher an die Realität und die Menschen ran.

Auch wollte ich mich nach sehr vielen (sehr schönen) Reisen wieder vor Ort verankern, um hier lokal etwas zu bewirken. Über die Weltrettung zu reden und dauernd im Flieger zu sitzen wurde irgendwann für mich zu einem Widerspruch. Vor allem, weil wir global gesehen immer noch zu den größten Umweltsündern gehören – mit unserem Konsumverhalten, unserer Mobilität, unseren Importen et cetera. Deswegen die Rückkehr zu den „Wurzeln“ in Köln.

All das ist manchmal anstrengend, aber insgesamt sehr bereichernd.


Inwiefern spielt Nachhaltigkeit in eurem Tagesgeschäft eine Rolle?

Überall! Wir haben Ökostrom von Greenpeace Energy, Energiesparlampen, sind bei der GLS Bank, nutzen Upcycling-Materialien und Möbel bei der Raumausstattung, haben schöne Karaffen für Leitungswasser und Bio-Bier von Hellers und Lammsbräu. Wir bewegen uns mit Rad und Bahn, wo immer es geht, und haben ein geteiltes Lastenrad für Einkäufe hier im Veedel. Wir engagieren uns über „dasselbe in grün – Verband der nachhaltigen Unternehmen e.V.“ sowie lokal über die Agora Köln. Und tragen natürlich eine phantastische Mischung aus Second-Hand und öko-fairer Mode :-)

Neben den operativen Aspekten im Tagesgeschäft wenden wir uns natürlich gezielt an Menschen, die sich im Bereich „Nachhaltigkeit“ beruflich engagieren oder dies vorhaben, setzen Themen, organisieren den Austausch, schaffen neuen Projekten und Akteuren Präsenz und sind selber an Nachhaltigkeits-Projekten, wie dem „Tag des guten Lebens“ oder dem Kölner Ernährungsrat, beteiligt. Das ist unsere eigentliche Wirkung! Aber die „operative Nachhaltigkeit“ muss damit natürlich im Einklang stehen.


Bei euch haben eine Reihe interessanter Menschen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen einen Schreibtischplatz. Setzen sich die Social Entrepreneurs auf Dauer durch oder handelt es sich um einen Nischentrend?

Spannende Frage! Sehr viele Branchen sind durch öko-soziale Pioniere entstanden, auch wenn man es heute nicht mehr sieht oder weiß. Gerade Menschen, die wirklich neue Geschäftsmodelle entwickeln, sind ja oft vom Drang getrieben, ein Problem zu lösen, und das hat oft einen öko-sozialen Charakter.

An Firmen wie der GLS Bank, mit über 400 Mitarbeitern, sieht man, dass auch Nischenanbieter durchaus „groß“ werden und Branchen prägen können. In Köln haben wir armedangels, die Fond of Bags GmbH, Next Kraftwerke – alles schnell wachsende, innovative, nachhaltige Unternehmen.

Was sich schon ändert, ist der Charakter der Firmen und Sozialunternehmen. Von der „Gründung“ in der Garage (oder heute im Coworking-Space) bis zum großen Unternehmen mit hunderten Mitarbeitern, von der experimentellen Nische bis hin zur etablierten Branche, werden die Praktiken oft traditioneller und klassischer. Da braucht es dann wohl auch auf Dauer Social Entrepreneure, die zeigen, was noch alles so möglich ist.


Was müsste sich eurer Meinung nach ändern, damit sich ecofaire Mode durchsetzen kann? Kann man dabei als Einzelne|r überhaupt eine relevante Rolle spielen?

Jeder kann ja erstmal konsequent ecofaire Mode kaufen. Und wenn man die Produkte länger nutzt, sie mit Second-Hand kombiniert und mit Produkten ähnlicher Qualität vergleicht (statt mit irrealen Discounter-Preisen) ist es noch nicht einmal merklich teurer, wenn überhaupt. Und je mehr Leute kaufen, desto mehr Labels und Läden werden gegründet (und überleben), und desto mehr Angebot gibt es auch für andere Konsumenten, die sich umorientieren wollen.

Um andere Menschen zu überzeugen bringen negativer Druck und die Hinweise auf die furchtbaren Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie meiner Erfahrung nach eher wenig.

Was besser funktioniert: Be the change, spread the Word!

Zieht eure öko-fairen Lieblingsklamotten an und zeigt sie, erzählt von ecofairer Mode, Labeln und Stores, begeistert andere Menschen, teilt Blogbeiträge und Posts, lernt die Leute und Geschichten hinter den Labeln und Läden kennen.

Und freut euch, wenn ihr andere eco-fair-fashionistas trefft und sprecht sie an! Vielleicht kaufen sie im gleichen Laden, vielleicht haben sie ähnliche Interessen.

Flirtet mit anderen öko-fashionistas! Will man ernsthaft jemand daten, dem es egal ist, ob Kinder seine Klamotten nähen? Wohl eher nicht.


Wie handhabt ihr persönlich bewussten Konsum im Alltag?

Ich fahre viel Rad, kaufe Biolebensmittel und/oder sehr konsequent regional (zum Beispiel bei der Food Assembly im Colabor), wohne eher bescheiden mit vielen Gebrauchtmöbel und heize nicht zu viel. Und praktiziere slow-fashion – gebraucht, geflickt, ökofair. Das sind halt viele kleine Schritte, die teilweise dann auch noch Spaß machen – wenn man sein Gemüse mal eine oder mehrere Saisons selber anbaut oder die Erzeuger kennenlernt, die noch selber auf ihren Höfen anbauen.

Im Großen habe ich, mit dem Rückzug nach Köln, meine Flugreisen und damit meinen ökologischen Fußabdruck enorm reduziert. Die Reisen waren toll und für mich wichtig, die Erinnerung ist es immer noch, aber gerade fühle ich mich hier vor Ort ziemlich wohl und möchte hier vor Ort etwas bewirken, hier mit Gründern und „Changemakern“ arbeiten, selber einer sein.

Es passiert hier so viel Spannendes, und es gibt so viel zu tun! Ich bin froh, dass wir mit dem Colabor eine Basis für die anstehenden Aufgaben geschaffen haben!


Mehr Informationen zum Colabor gibt es auf der Colabor-Website (http://www.colabor-koeln.de), auf der Facebook-Page (https://www.facebook.com/colaborkoeln) oder bei den regelmäßigen Veranstaltungen – persönliche Updates von Martin Herrndorf auf http://twitter.com/herrndorf.