Hanife Örki | Poetry & Poetry-Slam
In ihrem Poetry-band vereint Hanife Örki zwei unterschiedliche Themenbereiche: Konsum (,) Kritik und Sinnsuche & Von Höhenangst und Fallsucht. Die außergewöhnliche Kombination der jungen Autorin von Gedichten und Poetry-Slam-Texten ist eine innovative Interpretation des Genres. Auf eine moderne Art und Weise werden aktuelle Werte und Normen der Gesellschaft sowie Gedanken zur Umwelt und ihren Menschen verarbeitet.
4.690 €
8.300 € Fundingziel 2
65
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Projekt erfolgreich
22.07.2016

7:15 uhr kaum Schlaf, Vollmond, alles nass von Tau :( Schafe blöcken

Jonas Navid Mehrabanian Al-Nemri
Jonas Navid Mehrabanian Al-Nemri6 min Lesezeit

Hanife ist unterwegs, auf Sinnsuche - was sie erlebt, dokumentiert sie für uns.

19. Juli
es ist schließlich doch erst acht als ich aufstehe. Ich bin zwar schon seit ein paar Stunden wach, aber nicht wirklich ausgeschlafen. Ich bin erst nach Mitternacht ins Bett und hatte viele Träume von den Menschen, die ich erst am Wochenende wieder treffen werde, aber es waren schöne Träume und deswegen freue ich mich umso mehr. Muss ich aber erst mal noch den Rest packen und denke, dass ich spätestens um zehn los- und dann erst mal die ersten zwei Stunden durchfahren werde. Dann mal gucken wie's mit der Hitze geht.

13.00 Uhr
Ich bin in Niederwinden an der Elz. Sitze unter einem Baum, mache Pause. Gerade war ich in der Elz schwimmen, das tat wahnsinnig gut. Das bei Sonnenaufgang aufstehen hatte ja nicht so funktioniert, ich bin erst um 10:15 Uhr oder 10:30 Uhr losgefahren. Es ist sehr heiß, aber wunderschön, die Strecke ist toll, voller Natur und ich lausche abwechselnd Vogel-und Waldgeräuschen, dann wieder Musik von La Rue Ketanou.
Einmal habe ich laut "schön!" geschrien, das tat gut. Mich konnte niemand hören, denn ich war ganz allein auf der Strecke, aber selbst wenn - es hätte mir nichts ausgemacht. Der Stress der letzten Tage fällt ab. Das "Kraut-Fun-Ding" ;) ist doch viel anstrengender als ich dachte aber es ist nun mal mein Traum dieses Buch zu veröffentlichen. Ich denke kurz darüber nach, ob wenn ich wiederkomme, meine Fundingschwelle erreicht sein wird. Natürlich hoffe ich darauf, aber der Gedanke, dass dem nicht so ist macht mir auch Angst. Doch gerade bin ich frei.
Ich wollte meinen Unterstützern und euch, die mich hoffentlich noch unterstützen werden, eine Videobotschaft senden - aber leider geht das nicht, da die Datei zu groß ist. Ich hoffe trotzdem, dass ich euch mit diesem Reisetagebuch eine Freude machen kann. Jetzt geht es aber weiter - meine Kleider sind getrocknet und ich möchte ja heute noch ein Stück kommen. Ich denke an euch und ich denke, wir sollten alle mehr rausgehen. Und lesen natürlich.

17:50 Uhr
Gerade habe ich Wassermelone gegessen. Nachdem ich Schwimmen war. In der Kinzig. Ben stammt aus der Nähe. (Wer ihn nicht kennt, das ist derjenige, der das Lied in meinem Lebenswert Video gespielt hat :))
Das nächste Dorf heißt Eschau. Jetzt ist alles gut.

Vorhin, kurz nach Elzach, sah das ganz anders aus. Meine Route führte mich auf eine Schnellstraße auf der viele LKWs fuhren. In meiner Verzweiflung versuchte ich Freunde zu erreichen, von denen ich glaubte, dass sie Fahrraderfahrung haben. Ich erreichte Johannes, der konnte mir in dem Moment auch nicht weiterhelfen, redete mir aber gut zu. Nachdem ich dann in der Hitze bergauf mit schrecklicher Angst geschafft hatte, kam schnell die Belohnung dafür. Es ging auf einmal weg von der Straße in den Wald und nur noch Berg ab. Zum Glück habe ich erst vor kurzem die Bremsen gewechselt, denn selbst mit vollem Bremsen rollte ich sehr schnell Berg ab. Aber ich war komplett allein auf der Strecke, das war wunderbar.
Danach kam ich relativ schnell ins Kinzigtal und fand diesen wunderbaren Ort. Das Wasser ist tief und ich möchte fast gar nicht wieder gehen. Ich habe mir jedoch vorgenommen noch 1 Stunde zu fahren. Jetzt genieße ich noch meine Melone zu Ende - zum Glück hat mir der junge Mann, der sich unweit von mir niedergelassen hat, etwas abgenommenen, denn da ich diese immer mit Schale esse, ist das doch etwas viel für mich alleine.
Ich bin froh allein zu sein, es ist richtig schön und mir gehen sehr viele Gedanken durch den Kopf. Ich könnte so vieles schreiben über die Fische, die hier in Schwärmen vorkommen, über den Falken, der vorhin über mir kreiste und viel mehr. Aber ich möchte doch etwas mehr fahren. Wünscht mir Glück auf der Suche nach einem schönen Schlafplatz. Der Tag ist ja schon nahezu perfekt mit gleich zwei verschiedenen, tollen Schwimmstellen. Vielleicht finde ich ja auch einen Schlafplatz in der Nähe vom Wasser, so dass ich morgen Früh gleich hinein springen kann. Gerade bekomme ich eine Nachricht von Johannes, der mir sagt, dass es erlaubt ist die Schnellstraße zu befahren, er habe nachgeschaut. Ich muss lächeln.

20.Juli
12.00 Uhr
Endlich Pause. Ich habe den schlimmsten Teil der Strecke hinter mir.
Eigentlich wollte ich nur etwas weiter von meinem Schlafplatz ein trockenes Plätzchen in der Sonne suchen, am Fluss. Dort Yoga machen während Schlafsack, Isomatte und der Rest trocknen. Ich habe heute Nacht kaum mehr als 1 h die Augen zu gehabt. Viellecht lag es am Vollmond, vielleicht an den Stechmücken. Es war total heiß und ich habe geschwitzt aber wäre ich nicht zugedeckt gewesen, wären nun nicht nur meine Hände verstochen. Alsbald machte ich mich auf. Doch dann kam kein guter Platz und so bin ich immer weiter gefahren. Bzw gelaufen, denn der Großteil der Strecke ging den Berg steil hinauf und ich verfluchte ihn lautstark. Doch mir kamen auch gute Gedanken, Sprüche, die jeder so ähnlich schon kennt aber die man immer wieder erfahren muss. Das Leben ist auch So, manchmal geht es nur schleppend voran. Man kann nicht mehr. Will nicht mehr. Dann kann man Pausen einlegen. Kraft sammeln. Aber wenn man nicht irgendwann weiter geht wird man nie in den Genuss kommen, der danach auf einen wartet! Die Abfahrt war wunderbar, landschaftlich, körperlich, alles. Die Bilder werden für sich sprechen. Nur frage ich mich, woher kommt der zum Mut machen genutzte Spruch "Es geht wieder bergauf?";)

Jetzt sitze ich am Heimbach, habe das Tarp gespannt da kein Schatten hier ist, mich im eiskalten Wasser abgekühlt. meine Sachen hängen zum Trocknen, ich trinke das klare Wasser des Bachs, das köstlich schmeckt. Im Wasser lagern die Kühlakkus, die in meiner selbstgebastelten Box tatsächlich noch leicht kühl waren, ich esse und so um 2 soll es weiter gehen. Ich könnte so viel schreiben aber leider muss ich mit einer Bremse kämpfen, die mich einfach nicht in Ruhe lässt.

20:30 Uhr
Ich sitze seit 1,5h am Neckar. Bis zu meinem Ziel sind es noch knapp 2 Stunden, aber ich habe beschlossen, hier zu übernachten, da dies die letzte Chance ist, am Wasser zu sein. Heute ist noch ganz viel anstrengendes aber auch schönes passiert. Ich lasse die Bilder für sich sprechen, da es gleich Nachtisch bei mir gibt und ich den Moment leben möchte. Morgen dann viel tolle Menschen beim Seminar. Und Handypause. Fühlt euch umarmt!

31.08.2016

Wow!

Hanife Örki
Hanife Örki2 min Lesezeit
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