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Projekte / Musik
Was im Jahre 1988 fast wie ein kleines Märchen begann, wurde im Verlauf unserer Bandgeschichte Realität. Mit souligen Balladen und funkig-jazzigen Bläsersätzen mischen wir seitdem im Musikzirkus mit und veröffentlichen etwa alle zwei Jahre neue Studioalben. Doch DIE ZÖLLNER sind in erster Linie ein Garant für energiegeladene Konzertereignisse. Im 31. Jahr unseres Bestehens arbeiten wir an einem Konzentrat unseres Bandschaffens, welches unsere Stärke als Liveband unter Beweis stellen wird - die "ZACK! ZACK! Zessions"!
30.620 €
24.000 € 2. Fundingziel
279
Unterstützer*innen
Projekt erfolgreich
Gefördert von Crowdfunding Berlin
14.05.19, 21:09 DIE ZÖLLNER

Nun gut, ihr Lieben!

Weiter im Spiel:

Die 5. Flasche „Herzschlagen“ ist über unsere Crowdfundingtheke bei www.startnext.com/zackzackzessions gegangen und Dirk muss nachlegen. Hier das dritte Kapitel seiner Geschichte hinter dem edlen Wein:

Herzschlagen - Teil 3

Diesmal dauert es zwei, drei Wochen bis ich das Arrangement für den Refrain und die zweite, von Rubi gesungene Strophe erhalte. „Gib mir mein Herz zurück!“ Der Refrain gleicht einem Flugzeugabsturz, was mir durchaus gefällt, denn genau so fühlt es sich auch an, wenn man vom Thron der Liebe gestoßen wird. Es geht mir regelrecht durch den Magen. Genau genommen eher ein wenig tiefer. Das ist etwas, was wohl nur vom männlichen Geschlecht nachempfunden werden kann. In besonderen Situationen, beim Erschrecken, in Angstmomenten schlägt irgendetwas unterhalb der Gürtellinie Kapriolen. Es ist wie ein Purzelbaum rückwärts. In Zeitlupe. Für eine Sekunde ist der Kontakt zum eigenen Gehirn unterbrochen und man hat dafür Kontakt zum Universum. So wie es auch im größten Moment der Lust geschieht, der in der Poesie nicht umsonst „kleiner Tod“ genannt wird. Es ist hier aber nicht die süße, sondern eher eine beklemmende Version - man ist sich für einen kurzen Moment seiner Winzigkeit, seiner Bedeutungslosigkeit bewusst. Das ist gruselig. Ich denke, es handelt sich genau um dieses Gefühl, welches Grönemeyer mit „Flugzeuge im Bauch“ umschreibt. Ich frage mich schon mein Leben lang, wie wohl das hodenlose Geschlecht selbiges empfindet?
Nun gut. Zurück zur Sache: die zweite Strophe, in der Rubini die originale Melodielinie verlässt, verlässt in Christophs Arrangement auch jede Erinnerung daran, um welchen Titel es sich hier überhaupt handelt. Das geht zu weit, das ist Blasphemie! Hier wäre doch die Kreuzigung von mir und meiner Tochter vorprogrammiert! Ich ziehe mir eine Flasche Rotwein rein, bevor ich Christoph mit meiner Wahrheit konfrontiere. Am Telefon reagiert er schon auf das übliche Vorgeplänkel überaus wortkarg und völlig abgerockt, ich befürchte, dass er seit unserer letzten Begegnung nicht mehr viel geschlafen hat. Ich ziehe alle Register der Diplomatie - ein wortreicher Monolog, denn von ihm ist so gut wie gar nichts mehr zu hören. Manchmal ein aufbegehrendes Räuspern, oder ein extrem spaßfreies Kichern. Als ich ihm schließlich meine Ängste bezüglich der zweiten Strophe offenbare, ist es totenstill am anderen Ende der Leitung. Ich bin fast der Überzeugung, dass er nun endlich eingeschlafen ist, da grätscht er mitten in meine lieblich ausformulierten Wortgebilde: „Deine Tochter singt dit eben scheiße!“. Und legt auf.
Jeder Versuch ihn noch mal zu erreichen scheitert. Auch in den Tagen danach. Ein viertel Jahr später, als meine Schuldgefühle schon fast verblasst sind, schickt mir Christoph mitten in der Nacht ein neues Arrangement. Es ist wirklich komplett anders und wieder bin ich vom Genie des Künstlers ergriffen. Aber leider wird sich am Ende nicht nur jeder Kulturbanause fragen, warum denn diese Spaßvögelchen den Grönemeyertext dazwischenzwitschern. Das kann ich meiner Tochter nicht antun, es ist doch ihre allererste Studioaufnahme! Und meine Eitelkeit steht dieser gewagten Unternehmung ebenfalls im Wege. Sollte ich Christoph vielleicht empfehlen, die Nummer als neoklassisches Instrumentalwerk rauszubringen? Ich entscheide mich dafür, erst einmal zu schweigen. Schon zwei Tage später werde ich von ihm mit Nachrichten per sms bombardiert. Wieder werde ich an Klaus Kinski erinnert, aber diesmal an den anderen. Christoph öffnet die Schleusen und alles was sich da an Unrat angesammelt hat, wird über mich ergossen. Ich trage trotzdem ein sehr zärtliches Gefühl für ihn in meiner Brust, denn ich kann die ganze Verzweiflung zutiefst nachempfinden. Es ist so unglaublich schwierig, dem Göttlichen Gestalt zu geben. Obwohl wir es doch alle in uns tragen! Die sensibelsten der Menschenkinder können wahrlich daran zerbrechen. Mir geht es ja manchmal auch ziemlich schlecht, aber dieser Wucht habe ich nichts entgegen zu setzen. Ich lass alle Tiraden über mich ergehen, und beschließe auch weiterhin zu schweigen. Was meinen liebsten Feind nicht daran hindert, im Laufe der nächsten Jahre weitere Wahnsinnsarrangements an mich zu senden. Er hat sich regelrecht am Thema verbissen und will es mir und sich selbst mit der Brechstange beweisen. Das Drama endet erst, als wir im Jahr 2016 endlich ein Video von „Flugzeuge im Bauch“ bei youtube hochladen.
Ich hatte die tragische Geschichte in intimer Runde zum besten gegeben und Marco Göpel, der Lichtdesigner unserer Band präsentierte mir wenige Tage später ein Arrangement im spartanischsten Elektropop und trifft damit genau meine Intentionen für diesen Song. Ein paar Töne, Geräusche, Pausen. Völlige Einsamkeit. Genauso fühlt es sich an, wenn die Liebe verloren geht. Die 5 Jahre alten Gesangspuren bleiben - ganz einfach, weil es die ersten Gesangsaufnahmen meiner Tochter sind. Ich finde sie zauberhaft. Und Christoph schweigt nun auch. Es tut mir wirklich leid, mein liebster Feind - es war halt mal so `ne Idee von mir!

(Fortsetzung folgt nach der 10. verkauften Flasche!)