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Projekte / Musik
Was im Jahre 1988 fast wie ein kleines Märchen begann, wurde im Verlauf unserer Bandgeschichte Realität. Mit souligen Balladen und funkig-jazzigen Bläsersätzen mischen wir seitdem im Musikzirkus mit und veröffentlichen etwa alle zwei Jahre neue Studioalben. Doch DIE ZÖLLNER sind in erster Linie ein Garant für energiegeladene Konzertereignisse. Im 31. Jahr unseres Bestehens arbeiten wir an einem Konzentrat unseres Bandschaffens, welches unsere Stärke als Liveband unter Beweis stellen wird - die "ZACK! ZACK! Zessions"!
30.620 €
24.000 € 2. Fundingziel
279
Unterstützer*innen
Projekt erfolgreich
Gefördert von Crowdfunding Berlin
26.05.19, 23:23 DIE ZÖLLNER

Unser Sänger hatte mal wieder eine vorübergehende Sinnkrise, aber sofort waren unsere Freunde und Unterstützer zur Stelle.. Unser besonderer Dank geht an Hans Zöllner, Thorsten Hansen und Dajana Gehn, denn Ihnen ist es zu verdanken, dass die Geschichte nun auf einen Schlag zu Ende erzählt wird.

Herzschlagen - Teil 5

Werner Karma gibt mir also 14 Texte, die er eigentlich für jemand anderen geschrieben hat und ich liebe jeden einzelnen davon. Es dauert keine zwei Monate bis alles vertont ist und wir spielen das Album ohne Bläser ein. Die Zöllner im Quintett, Dirk & Das Glück. Das Glück sind André Gensicke an den Keyboards, Oliver Klemp am Bass, Andreas Bayless an der Gitarre und Marcus Gorstein. Marcus spielt bei uns die Rolle des Multiinstrumentalisten, er singt, spielt Keyboard und Percussion. Für dieses Projekt sitzt er erstmals am Schlagzeug und er produziert das Album, so wie schon die beiden vorherigen Zöllner-Alben. Mein Freund André Drechsler gehört irgendwie auch dazu, er hat „Zwei Sonnen“ vertont und der Titel wird ein kleiner Hit - das heißt, er wird im Radio gespielt. Bei den Konzerten singen die Menschen mit: „Gott sucht Göttin!“.

Trotzdem verkaufen wir nur 3.000 Alben und ich spüre, dass es für Werner sehr enttäuschend ist. Die Band erlebt schöne und sehr erfolgreiche Konzerte mit diesem Programm, wir bekommen also über diesen Weg den Lohn für unsere Arbeit. Wir haben wirklich alles gegeben, Trailer und Videos produziert und über eine unglaubliche Crowdfunding-Kampagne 20.000 Euro generiert. Unsere Freunde und Fans haben es uns dadurch ermöglicht, die Studiokosten, das Mastering, ein Bühnenbild und sogar noch einen Promoter zu bezahlen.

Ich stehe kurz vor dem Burnout und lass den Kontakt zum König des Wortes schleifen. Alte Bilder tauchen auf und ich habe Angst, dass er mir auflisten könnte, was ich so alles falsch mache.

Natürlich plagen mich Schuldgefühle, ob meiner Feigheit vor einer Eventualität. Ich wünsche dem Mann und seinen tiefen kunstvollen Texten von ganzem Herzen den kommerziellen Erfolg. Die Aufmerksamkeit, die er im Land vor unserer Zeit erfuhr und die er dann noch mal mit dem Comeback von SILLY genießen konnte.

Ich selbst bin eher auf der Suche nach dem 13. Ton und das reibt sich leider ein wenig mit der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, welcher sich die Musikverwurstungsindustrie verschrieben hat. Ich habe kein Händchen für Stangenware. Karma will jedenfalls nicht mehr für mich schreiben, ich habe es bereits durch’s Bierglas gehört! Aber da sind ja noch diese Lieder für Rubi, die in der Schublade vor sich hinschlummern! Die sind für meine Verhältnisse schon recht poppig geraten. Wenn mein Kind da nicht rankommt, könnte ich doch …!

Ich fahre also zwei Tage nach Dresden, um gemeinsam mit der Rhythmusgruppe an den Arrangements herum zu feilen. Wir haben einen richtig guten Lauf und ich bin sehr glücklich mit dem Resultat. Ich weiß, dass Karma die Ideen gerne im Vorstadium abnimmt, aber ich scheue mich davor, die Skizzen schon jetzt zu präsentieren. Denn ich habe da noch ein paar Zutaten im Kopf: Bläser, Chöre, Konfetti! Wir müssen schon noch ein wenig polieren, um dem einsamen Streiter mal so richtig Glanz ins Schreibexil zu bringen. Mal so richtig Sonne ins erkältete Herz! Wir machen schließlich eine 5-tägige Livesession auf Schloss Röhrsdorf.

Mit Pauken und Trompeten, alle Zöllner sind vor Ort! In den ersten drei Tagen nehmen wir nur die besagten fünf Songs auf. Wir haben sie richtig ausproduziert, also in Akribie mit Overdubs und Lametta versehen. Die Inseln im aufschäumenden Meer einer Livesession, die wir dann am vorletzten Tag abhalten. Wir spielen ältere Titel im neuen Arrangement direkt live ein, auch von meinen Soloalben sind welche dabei. Jeweils zwei bis drei Takes - der beste wird genommen! Am letzten Tag machen wir das vor Publikum, haben 30 Karten verkauft, womit wir einen Teil der Kosten abdecken können. Der Tag mit dem Publikum wird schließlich auch per Bild festgehalten.

Wir sind in Topform und wollen die „Zack! Zack! Zessions" nicht nur als CD, sondern auch als DVD veröffentlichen. In Ton und Bild zeigen, dass DIE ZÖLLNER eine exzellente Live-Band sind.

Darüber hinaus drehen wir noch verschiedene Trailer und ein sehr aufwändiges Video von einem der neuen Titel mit Karma-Text. Er soll begeistert sein, ich möchte ihn damit wieder von mir überzeugen! Beim Dreh wird eine Sequenz mit dem Handy mitgeschnitten und unser Webmaster Kay veröffentlicht diese bei Facebook. Ich kann ihm keinerlei Vorwürfe machen, denn er ist nicht eingeweiht - weiß nichts von meinem geplanten „Überraschungspaket“.

Schlussakt

Ich hätte nicht gedacht, dass der Meister des geschliffenen Wortes, der ja naturgemäß die hingerotzte Gülle der sozialen Medien verachten muss, so gut verdrahtet ist. Bevor ich den Veröffentlichungsunfall selbst mitbekomme, trifft mich Gottes Zorn mit voller Wucht! Per Email. Werner ist echauffiert darüber, dass ich mir die für Rubi bestimmten Texte unter den Nagel gerissen habe. Und vor allem natürlich darüber, dass er davon auf indirektem Weg über das Internet erfahren muss! Also vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Telefonisch ist er für mich nicht mehr zu erreichen und meinen schriftlichen Erklärungsversuchen begegnet er kühl. Er zeichnet mit seiner geübten Feder Charakterbilder von mir, die mich so verletzen, dass die Tränen fließen. Dass ich mal zu den sieben Grundübeln seines Universums gehören könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Vater, warum hast du mich verlassen!?

Werner Karma macht von seinem Urheberrecht Gebrauch und untersagt uns per Einschreiben die Veröffentlichung der fünf besagten Titel. Wir haben massiv an Zeit, Geld und Liebe investiert. Das ursprüngliche geplante Konzept des Albums ist zerstört und die Produktion muss abgebrochen werden. Ich bin komplett im Eimer. Ja, ich habe einen Fehler gemacht! Rubini, ihre Mutter Abini, meine Freundin Johanna - alle versuchen den zürnenden Dichter zu besänftigen. Er bleibt leider unerbittlich. Es gibt Niemanden in meinem Freundeskreis, der Werners extreme Reaktion nachvollziehen kann. Jeder, der mich kennt, weiß von meiner Liebe zu seinen Texten. Und davon, dass ich wie ein Besessener daran arbeite, sein Werk würdig zu umrahmen. Dass ich seine Dichtkunst über meine eigene stelle und diese Tatsache auch recht uneitel präsentiere. Bei jeder Gelegenheit. In Konzerten, bei Interviews, in meinen Kolumnen und Büchern. Dass ich für ihn sogar öffentlich Partei ergriff, als ihn der Streit mit SILLY seelisch erkranken ließ. Ich habe am Ende mit meiner Loyalität gegenüber Karma langjährige Freundschaften eingebüßt.

Die Geschichte von den verlorenen Liedern ist jedenfalls wochenlang das Hauptthema in meiner Familie. Dichterfreund Hähle, ebenfalls Karma-Verehrer, hört mit Bestürzung davon. Er kennt die ins Netz geratene Sequenz, also den Auslöser des Dilemmas. Um mich ein wenig aufzuheitern, schickt er mir einen neuen Text, den er genau auf dieses Corpus delicti geschrieben hat und der meine beklemmende Situation persifliert. Aus „Herzscherben“ wird „Herzschlagen“. Ich nehme das Thema dankend auf und schicke eine Erweiterung zurück zu Hähle. So geht es noch zwei, drei Mal hin und her und ich singe den so entstandenen neuen Text einfach auf’s alte Playback.

Hähle. Mein geliebter Freund! Du hast das gemacht, als Du schon schwer krank warst. Hast mich therapiert, während Dich die Chemotherapien dahinschwinden ließen. Es ist - verdammt noch mal! - unser letzter gemeinsamer Text.

Und das ist mir mehr wert als all die verlorenen Worte des Anderen - so schön wie unsere Freundschaft können die gar nicht gewesen sein! Ich werde trotz allem immer respektvoll von dessen Werk sprechen. Ein Werk, welches uns Zöllnern Zeitlosigkeit gibt. Und von Dir, Du kleiner großer Poet, werden sehr viele Menschen noch sehr lange nach Deinem Tod sprechen, denn Du hattest - über alle Worte hinaus - ein liebevolles Herz. Ich vermisse Dich!

Dirk Zöllner