Projekte / Science
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
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06/03/2018, 11:34 Dr. Benno Kirsch

Es ist schon eine ganze Weile her, dass meine Kampagne beendet wurde. Und nun ist es Zeit, kurz über den Stand der Dinge zu informieren.
Nach dem Erfolg vom November tat ich erstmal – nichts. Ich ließ mich, was die Linse-Biografie anging, einfach hängen.
Glücklicherweise gab es an anderer Stelle eine gewisse Dynamik: Der »Operative Vorgang« beim MfS, der sich auf den UfJ bezog, hieß »Ring«. (Als der Vorgang zu Linse ausgegliedert wurde, nannte man den »Doktor«.) Da 1945 ein gewisser Ernst Ring kurz Oberbürgermeister von Chemnitz war und sich in wenigen Tagen bei allen möglichen Leuten so unbeliebt gemacht hatte, dass jeder, der irgendwie mit ihm in Kontakt geraten war, sich von ihm und seinen Hochstapeleien distanzierte, wollte ich wissen, ob sich der Name des Vorgangs auf diesen Ernst Ring bezog. Ich sah die Unterlagen bei der BStU und im Bundesarchiv ein, um festzustellen, dass hier kein Zusammenhang bestand. Ernst Ring und Walter Linse hatten nichts miteinander zu tun.
Der Fall Ring war aber so abenteuerlich, dass ich zwischendurch einen biografischen Aufsatz über Ring schrieb, der eigentlich in einer Zeitschrift erscheinen sollte. Eingereicht 2016, wurde mein Text »mit Handkuss« zur Veröffentlichung angenommen. Wegen irgendwelcher plausibler Finanzierungsschwierigkeiten wurde die Veröffentlichung auf 2018 verschoben. Der Artikel war Mitte 2017 schon gesetzt und mit vielen schönen Bildern aus dem Bundesarchiv versehen, als die Redaktion plötzlich meinte, ich solle die Kosten für die Bilder selber tragen. Da entschloss ich mich, den Aufsatz als Kleinschrift im Selbstverlag herauszubringen (bei epubli). Ich reduzierte die Zahl der Bilder und brachte 72 Seiten zum Druck. Auch wenn ich die Kosten nun trotzdem selber tragen muss, so bin ich am Ende doch zufrieden, weil ich die volle Kontrolle behalte, und weise mit verhaltenem Stolz auf die Ring-Biografie hin, die seit kurzem für kleines Geld im Buchhandel erhältlich ist.
Als dieses Zwischenprojekt im Januar 2018 auf den Weg gebracht war, unterzog ich mich der Mühe der erneuten Lektüre meines Linse-Manuskripts. Wie erwartet, gab es unendlich viele Kleinigkeiten zu korrigieren. Aber am aufwendigsten war erwartungsgemäß die gründliche Überarbeitung eines Teils des Schlusskapitels, das ich in der bisherigen Form nicht mehr akzeptieren konnte. Durch meine Forschungen der letzten Jahre hat sich nämlich meine Einschätzung so stark verändert, dass meine Schlussfolgerungen inzwischen in Teilen grundsätzlich anders ausfallen. Hier steckte ich also noch viele Stunden Arbeit hinein – und hätte noch viel mehr investieren können, wenn ich nicht der Meinung gewesen wäre, dass irgendwann einmal Schluss sein müsse. Den perfekten Text – es gibt ihn, und ich werde ihn irgendwann vorlegen. Vielleicht am Sanktnimmerleinstag.
Im Januar unterschrieb ich den Vertrag, Anfang Februar ging das Manuskript an den Herausgeber und an den Verlag. Die Unterstützer, die als »Dankeschön« ein Linse-Kärtchen gewählt haben, haben es erhalten, die, die im Vorwort erwähnt werden möchten, sind informiert worden. Im Moment kann ich nichts weiter tun als warten. Und sobald das Buch vorliegt, werde ich die bestellten »Dankeschöns« verschicken und mich an die Ausarbeitung eines Vortrages machen, ebenfalls ein »Dankeschön«.

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