Crowdfunding finished
Zwei erschöpfte schwäbische Rentner auf Wanderurlaub verirren sich auf der Suche nach einem Gasthaus. Endlich landen sie in einem ehemaligen Landgasthof, der nun ein Flüchtlingsheim ist. Das bemerken sie aber zunächst gar nicht, denn sie werden bestens bewirtet. Als die Gäste die Rechnung verlangen wird klar, dass es kein Gastgewerbe ist, sondern Gastfreundschaft. „Der Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens“ Juda Baruch (1786 – 1837 dt.Literatur- u.Theaterkritiker)
19,415 €
Fundingsum
271
Supporters
Michael Schmidt
Michael Schmidt Projektberater "This was a fantastic round of crowd financing."
09.10.2016

Die Menschen von "Die Herberge" - unsere "echten" Protagonisten

Sanne Kurz
Sanne Kurz7 min Lesezeit

Es war im Super-Sommer 2015. Wir alle lechzten nach Freibad-Dauerkarten, Urlaub machte endlich auch auf Balkonien Spaß und die Klimakatastrophe zeigte sich von ihrer sonnigsten Seite. - Von den laut UNHCR rund 60 Millionen Menschen auf Flucht kamen im Sommer 2015 890.000 zu uns nach Deutschland. - Während ich den besten Sommer-Zelturlaub-Ever mit Campingbus in Frankreich verbringe, zelteten andere in Idomeni, oder liefen da, wo sie durch kamen, drei Monate lang in Richtung Hoffnung.

Gabriele und Hans machen es wie ich: sie flüchten vor der Hitze und suchen Erholung. Kanu fahren auf dem Main in Franken heisst es für die beiden sehr charmanten Karlsruher, die ihre Freizeit gerne aktiv verbringen. Als die Hitze und Hunger die beiden auf dem Main bei Zapfendorf überwältigen, ist das Kanu schnell an Land verstaut. Noch in Schwimmweste geht es ins Dorf. Gabriele ist die vielleicht fitteste Rentnerin, die ich je getroffen habe. Aber sie ist müde und dehydriert, zum Schutz gegen die sengende Sonne hat sie sich ein Tuch um den Kopf gewickelt, wie sie uns berichtet.
Ein Arbeiter der ICE Baustelle, die in 2016 noch immer zwischen Main und dem Weiler Zapfendorf liegt, schickt Gabriele und Hans ins Dorf. Gleich beim Schloß sei ein Gasthof, da bekämen sie sicher was.

Kawa kommt aus der kurdischen Stadt Qamischli im Nordosten Syriens, dort, wo die Kurden gegen den IS kämpfen. Seine Schwestern sind Lehrerinnen, sein Bruder Elektroingenieur, er selbst hat Jura studiert und ist Anwalt - war Anwalt. In Syrien, vor dem Krieg. Jetzt lebt er in Hamburg, verbessert sein Deutsch, denn er will wahnsinnig gerne in Deutschland Polizist werden. "Ich liebe die Polizei in Deutschland. Alle sind so nett zu uns Kurden." sagt er uns, als wir ihn treffen.

Kawa lebte in dem heißen Jahrhundert-Sommer 2015 in Zapfendorf. Nur wenige hundert Meter von dort, wo Gabriele und Hans ihre Kanus vertäuten und eine Herberge suchten, um zu rasten.

Der Gasthof, den Gabriele und Hans finden, ist verschlossen, so ein Pech auch. In dem kleinen Ort scheint es sonst nichts an Wirtschaften zu geben. Noch bevor die zwei sich zum Gehen wenden, entdeckt Gabriele aber einen Mann am Fenster, der ihr bedeutet, den Hintereingang zu nehmen.

Der Mann ist ein "Kollege" wie Kawa ihn nennt. Er wartet am Hintereingang, um Gabriele und Hans einzulassen. Bassam, Mohammad und Ahmed sind alle "Kollegen" von Kawa. Sie bitten Gabriele und Hans in die Gaststube und rufen Kawa, der am Besten Deutsch kann von den Vieren.

Die Karlsruher sind heil froh, dass sie endlich angekommen sind an einem Ort, wo sie ausruhen und rasten können. Der Durst plagt beide. auch hungrig sind sie. "Mein Magen hing in den Kniekehlen." berichtet uns Gabriele später.

Kawa und seine "Kollegen" erkannten, dass die beiden erschöpft, hungrig und müde waren. Sie boten ihnen an, was die Küche zu bieten hatte: Apfelmarmelade "home made", Eier, frische Tomaten, Käse und Joghurt. Dazu wünschten sich die Gäste grünen Tee und Milch.

Dass ein Toaster direkt auf den Tisch gestellt wurde, keine Servietten da waren und es auch keine warmen Gerichte mehr zu bestellen gab, verwunderte die Rentner nicht: "Wir dachten, die haben gerade erst angefangen. Junge Gastronomen muss man doch unterstützen. Und dann war es ja auch schon früher Nachmittag. Da ist es doch kein Wunder, wenn die Küche zu hat!" ruft Gabriele in ihrer geschmackvoll eingerichteten Karlsruher Altbauwohnung den Nachmittag in Erinnerung.

Hans bat noch um Gabeln, das von den vier "Kollegen" kredenzte Mahl schmeckte vorzüglich. Die Reise war noch nicht zu Ende, die Kanus warteten, man wollte zahlen und seines Weges gehen.

Doch Kawa, Bassam, Mohammad und Ahmed lehnen ab. "Es sind doch Gäste, man muss helfen!" schildert und Kawa die bewegende Szene, als er Gabriele und Hans erklärte, dass seine "Kollegen" wie er sie nennt, die Mitbewohner seien. Und der Gasthof, in dem eben so lecker gekocht wurde, längst ein Flüchtlingsheim.

Gabriele ist tief gerührt. Es ist ihr peinlich, dass sie noch nach Servietten und Gabeln geschickt hatten, wo sie, die fremden Gäste, doch gerade von Flüchtlingen bewirtet worden waren. "Ich hab' sofort angefangen zu heulen!" bestätigt Gabriele noch Heute. Und Ihr Lebensgefährte Hans ergänzt "Uns ist erst aufgegangen, dass wir im Asylbewerberheim gelandet sind, als wir die Rechnung verlangt haben."

Dank der Offenheit aller Beteiligten weicht die Peinlichkeit schnell einer Annäherung:
Erinnerungsfotos werden gemacht, Adressen ausgetauscht, man bedankt wich für die Bewirtung und verspricht, in Kontakt zu bleiben.

So geht der Sommer ins Land, Gabriele und Hans schicken eine Postkarten und Dankeschöns in das fränkische Flüchtlingsheim. Kawa wird vom Schicksal weiter getragen, er lebt inzwischen bei seinem Bruder in Hamburg.
Zu Weihnachten schickt er eine Postkarte, Gabriele wiederum gibt uns Kleidung für ihn mit, als sie erfährt, dass wir ihn besuchen werden. - Noch Heute sind die Drei in Kontakt.

Wir halten sie genau wie Euch auf dem Laufenden über unseren Film "Die Herberge", der von ihrer Geschichte inspiriert ist.

Mit Erreichen des Fundingziels ist es möglich, Kawa und seine "Kollegen" sowie Gabriele und Hans zu unserer Teampremiere einzuladen. Ihr könntet sie dann persönlich kennen lernen und sie hätten die Chance, sich im echten Leben wieder zu begegnen und den von ihrer Geschichte inspirierten Film auf der Leinwand zu sehen.

An dieser Stelle möchten wir noch ein mal einer Person danken, deren Einsatz "Die Herberge" in seiner jetzigen Form erst möglich machte: Natalie Schalk, engagierte Journalistin und Redakteurin aus Franken. Sie war es, die mit Gabriele, Hans und Kawa zuerst sprach und deren Geschichte erstmals in der Zeitung "Fränkischer Tag" an die Öffentlichkeit brachte. Hier ist der Original-Artikel auf infranken.de nach zu lesen.

Ich bin jetzt auch ganz in den Sommer eingetaucht, den Sommer 2016, als wir Gabriele, Hans und Kawa kennen lernen durften und ihre Geschichte aufzeichneten.

Wir hoffen, das Projekt "Die Herberge" mit Film und Social-Spot werden Euch gefallen, Gabriele, Hans und Kawa!
Wir hoffen, dass wir Euch bei der Team-Premiere in 2017 wieder sehen können! (Daumen drücken für das Fundingziel!!)
Wir hoffen, dass es Euch allen gut geht und grüßen nach Hamburg und Karlsruhe!

Alles Liebe senden Euch
Sanne&Ysabel

Quellen neben Natalie Schalk und unseren eigenen Aufzeichnungen:
Vereinte Nationen, Publikation des Flüchtlingshilfswerkes UNHCR - gut aufgearbeitet, leicht zu lesen, verständliche Grafiken und Bilder, sehr berührend. Aber von 2014. - Wenn jemand was Aktuelleres kennt von der UNHCR, bitte auf der Pinnwand melden! Danke!
Pressemitteilung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge BAMF - "Bun­desin­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re gibt ak­tu­el­le Flücht­lings­zah­len be­kannt" mit spannendem Zitat aus seiner Erklärung und dem Video mit O-Ton des Ministers.
Übersicht der Bundeszentrale für politische Bildung "Das Jahr 2015: Flucht und Flüchtlinge im Fokus – ein Rückblick" mit spannenden Dossiers und gut erklärten Fakten und Hintergründen zum Thema, nicht nur auf die BRD, auch auf die EU bezogen.
Infothek des BAMF mit allem, allem was man zu Flucht&BRD wissen will...wenn man mal Zeit zum stöbern hat. Sicher der umfangreichste Einblick, aber zum Teil etwas sperrig aufbereitet.
Artikel aus "Die Zeit" zu Idomeni: sehr bewegender Artikel in Zeit Online vom 12. März 2016, sowie aus der Zeit Online vom 26. Mai 2016 darüber, wie es weiter geht und wo die Menschen sind.
"Refugees and migrants return to Idomeni camp on Greek border, in pictures" - eine sehr gute Bildergalerie vom März 2016 aus dem Britischen Telegraph.

share
Die Herberge
www.startnext.com

Find & support