Crowdfunding since 2010

Wir hinterfragen die Modeindustrie - Tag für Tag. Die Antworten spuken in unseren Köpfen und stecken in unsere Kleidung.

#unFAQ (unFrequentlyAskedQuestion) - Wir hinterfragen die Modeindustrie! Wer sich auf den Weg macht Kleidung fair zu produzieren kommt an einem nicht vorbei: einem Berg von Fragen! Wir nehmen dich mit auf eine Safari durch den Fragendschungel und zeigen dir die Antworten, die wir ausgegraben haben: Sie stecken in jedem einzelnem unserer Produkte. Nur mit deiner Unterstützung können wir weiterhin mit schöner,fairer und kluger Kleidung antworten. www.jyoti-fairworks.org
Privacy notice
Funding period
4/4/16 - 5/4/16
Realisation
Mai/Juni
Website & Social Media
Minimum amount (Start level): €
10,000 €
City
Berlin
Category
Social Business
Project widget
Embed widget
18.04.2016

#unFAQ3 - Made by women

Katharina Schiele
Katharina Schiele3 min Lesezeit

Klar, Frauen haben schon immer gearbeitet, doch war (bzw. ist noch immer) diese Arbeit meist „informell“ und unbezahlt im eigenen Zuhause. Hausarbeit, Feldarbeit, kleine Näharbeiten für Nachbarn oder Mitarbeit im Familienbetrieb. Arbeiten ohne die keine Volkswirtschaft funktionieren, kein Mann seinem Vollzeitjob nachgehen und kein Familienunternehmen laufen würde, die aber nicht als „Arbeit“ gesehen und dementsprechend nicht entlohnt werden. Dass es sich für Frauen „nicht gehört“ in der Öffentlichkeit zu arbeiten, ist ein weitverbreitetes und sehr mächtiges Narrativ.

Seit den 1970ern ist jedoch der Frauenanteil in arbeitsaufwendigen Industrien ständig gestiegen. Der Ökonom Guy Standing prägte für diese Entwicklung den Begriff “Feminisation of Labour”. Die Textilindustrie war und ist eine der Industrien, in der am meisten Frauen arbeiten. Weltweit sind über drei Viertel der im Textilsektor Beschäftigen Frauen, in Indien rund 60%, in China 70%, in Bangladesh 85% und in Kambodscha sogar 90% (1). Doch warum ist das so?

Kurz und knapp gesagt: Frauen lassen sich besser ausbeuten. Die Integration von Frauen in die Textilproduktion und die Globalisierung der Textilindustrie sind zwei parallel stattfindende Prozesse, die der selben Logik folgen: Die Suche nach der billigsten Arbeitskraft. In patriarchal geprägten Gesellschaften wird das Einkommen von Frauen als Ergänzung zum Einkommen des Mannes oder des Vaters gesehen, nicht aber als eigenständiger Verdienst zum Lebensunterhalt der Arbeiterin. So lassen sich für Frauen niedrigere Löhne rechtfertigen als für Männer, die ja ihre Rolle als Familienernährer erfüllen müssen. In Indien wird dies besonders deutlich bei dem eigentlich verbotenen, aber trotzdem praktizierten “Sumangali”-Prinzip. Dabei schließen vorwiegend Textilunternehmen mehrjährige Arbeitsverträge mit den Eltern für deren minderjährige Tochter. Diese werden dann in teils kasernenartigen Unterkünften gehalten und arbeiten jahrelang ohne Bezahlung, da ein großer Teil der Entlohnung erst gezahlt wird, wenn der Vertrag vollständig abgegolten ist. So soll das Mädchen zu der Mitgift kommen, die sie in eine Ehe mitbringen muss.

Erschwerend hinzu kommt, dass es für die Arbeiterinnen kaum möglich ist, ihre Interessen zu vertreten und für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne zu kämpfen. Denn einerseits, ist diese neue Arbeiterinnenschaft in den traditionell männerdominierten Gewerkschaften praktisch nicht vertreten. Andererseits gibt es immer die Gewissheit schnell und leicht ersetzbar zu sein: Wird frau unbequem, ist sie ihren Job sehr schnell los. Die Nächste, die dringend auf den noch so geringen Lohn angewiesen ist, wartet schon.

Aber gehen wir noch einen Schritt zurück: Wie kam es überhaupt dazu, dass Frauen in den „formalen Arbeitsmarkt“ integriert wurden? Wie kam die Frau vom Herd an die Nähmaschine? Eine wichtige Rolle spielt hierbei, was die Politikwissenschaftlerin Teri L. Caraway „gendered discourses of work“ nennt. In anderen Worten die mächtige Idee, dass es bestimmte Männer- bzw. Frauenarbeiten gibt. Nähen ist ein Paradebeispiel für eine Arbeit, die scheinbar „natürlich“ von Frauen ausgeführt wird. Größere Fingerfertigkeit, mehr Geduld und feinere Hände werden Frauen als Wesenszüge zugeschrieben, und damit begründet, warum Nähen Frauensache ist. Andere Beispiele sind Frauen als Lehrerinnen oder Pflegekräfte, da sie angeblich sozialer sind. Diese Ideen von bestimmten Frauenarbeiten sind eine zentrale Voraussetzung für die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt, da so gesellschaftliche Akzeptanz dafür geschaffen wird, dass Frauen auch außerhalb ihrer heimischen vier Wände arbeiten.

(1) Rock M. (2001) p. 34 in ‘The rise of the Bangladesh Independent Garment Workers’ Union (BIGU)’ in Hutchison J. and Brown A. (eds.) Organising Labour in Globalising Asia, London and New York: Routledge; Hilary J. (2013) p. 110 in ‘The Poverty of Capitalism: Economic Meltdown and the Struggle for What Comes Next’, Pluto Press: London

The crowdfunding project has been successfully completed. Supporting and ordering is no longer available on Startnext.

  • The processing of orders placed will be handled directly by the project owners according to the stated delivery time.

  • The production and delivery is the responsibility of the project owners themselves.

  • Cancellations and returns are subject to the terms and conditions of the respective project owner.

  • Revocations and cancellations via Startnext are no longer possible.

What does this mean? 
Legal notice
Jyoti - Fair Works
Jeanine Glöyer
Tempelhofer Ufer 6a
10963 Berlin Deutschland

Jyoti – Fair Works
gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Am Rehhagen 18b
D-14776 Brandenburg
Amtsgericht Potsdam HRB 27 577 P
Geschäftsführung: Caroline Rabe und Jeanine Glöyer
USt-IdNr.: DE815549618

Discover more projects

share
Jyoti - Fair Works
www.startnext.com

This video is played by Vimeo. By clicking on the play button, you agree to the transfer of necessary personal data (e.g. your IP address) to Vimeo Inc (USA) as the operator of Vimeo. For more information on the purpose and scope of data collection, please see the Startnext privacy policy. Learn more