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Projekte / Literatur
'Ultras in Deutschland' soll Einblicke in die derzeit dynamischste Fankultur der hiesigen Fußballstadien gewähren. Ich will mit Interviews Einzelpersonen und Gruppen zu Wort kommen lassen und so ein authentisches Bild der deutschen Ultraszene zeichnen. Eingerahmt werden die O-Töne durch Beiträge von Wissenschaft, Journalistik und z.B. Sozialpädagogik, um auch andere Blickwinkel aufzuzeigen.
Berlin
3.634 €
3.000 € Fundingziel
91
Fans
82
Unterstützer
Projekt erfolgreich
 Ultras in Deutschland

Projekt

Finanzierungszeitraum 06.01.2014 14:18 Uhr - 15.02.2014 23:59 Uhr
Fundingziel 3.000 €
Stadt Berlin
Kategorie Literatur

Worum geht es in dem Projekt?

Denken wir an Fußball, denken wir heute an große Turniere, Spannung und die Zeit mit Freunden, natürlich den runden Ball, der früher aus Leder war und 22 Spieler, die sich regelmäßig vom Schiedsrichter betrogen sehen. Für viele Menschen bedeutet Fußball vor allem aber auch Kultur, Fankultur. Und diese hat in den letzten Jahren für viel Furore gesorgt. Die Bewegung der Ultras ist ihren Kinderschuhen entwachsen, belebt vielmehr auch die Stadionkurven auf bisher nicht dagewesene Weise - und stellt Fußballvereine und den DFB vor neue Herausforderungen .

Ultras in Deutschland widmet sich dieser Fankultur, die unglaublich zu begeistern und offenbar nicht weniger zu verärgern weiß. Verantwortungsträger betonen immer wieder, wie wichtig diese auf mehrere tausend Mitglieder gewachsene Bewegung für die Atmosphäre in den Stadien ist und verzweifeln gleichzeitig an der Kritik und den Forderungen der Ultras, die sich selbst als (kommerz-)kritische Fans sehen. Trotz zahlreicher Medienrunden, Presseartikeln und einem neuen auf Kommunikation angelegten Sicherheitskonzept für den deutschen Fußball fehlt vielen das Verständnis dafür, was die Ultras nun letztlich sind.

Was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe?

In dem Buch soll den Ultras das Wort gegeben werden. Was bewegt sie? Was ist die Ultrabewegung für sie? Wo kommen sie her? Wie sehen ihre persönlichen sozialen Umfelder aus? Was halten sie vom Fußball und seinen Institutionen? Und was denken sie über unsere Gesellschaft? Wie sehen sie ihre Rolle in diesem komplexen Gefüge? In Interviews und Gesprächsrunden soll ihnen Gehör verschafft werden. Gleichzeitig sollen Beiträge von außen, von Journalistik, Wissenschaft und Pädagogik, einen Rahmen für das Verständnis jenseits der subjektiven Darstellung und Wahrnehmung der Ultras selbst bieten. 'Ultras in Deutschland' will ein authentisches Bild der Ultra-Kultur zeichnen.

Damit werden nicht nur die Macher der Bewegung zur Selbstvergewisserung angesprochen, sondern auch außenstehenden Interessierten der Einblick in die wundersame Welt der Ultras mit ihren Eigenheiten, Ansichten und Codes gewährt und mit den Interviews letztlich auch Material präsentiert, auf dem weitere Auseinandersetzung fußen kann. So spricht das Buch nicht nur all jene an, die sich ohnehin bisher mit Fankultur auseinandersetzen, sondern auch diese, welche verstehen wollen, weshalb die Diskussion um sie selten abreißt und immer wieder neu aufflammt.

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Die Ultrakultur bedeutet einen Gegenpart zu einem sich in seiner Kommerzialisierung immer stärker und schneller bewegenden Sport, stößt dabei an viele Grenzen und ist so dauerhaft Gesprächsstoff. So wird zwar viel über Ultras, aber wenig mit Ultras gesprochen und vielfach das Problem auf einige wenige Aspekte reduziert. Das Buch soll der Versuch sein, diese Eindimensionalität zu durchbrechen und vielmehr verschiedene Seiten zusammenzubringen. So soll es nicht streng wissenschaftlich und damit vermeintlich neutral bleiben, diese objektivierende Position des Forschers allerdings auch nicht außen vor lassen.

Vielmehr soll die dominierende Fankultur und vielleicht auch politisierteste Form des Vereinssupports die Möglichkeit erhalten, aus sich heraus zu sprechen und damit Außenstehenden den Blick in ihre Mitte zu gewähren. Gleichsam sehe ich dieses Projekt als kein abgeschlossenes Werk an und möchte damit auch dazu einladen, sich selbst zu äußern, zu schreiben und den Blickwinkel auf die Ultras zu schärfen. Ambitionierte Schreiber und Schreiberinnen aus der Ultra-Kultur, aber auch Menschen, die sich mit ihr befassen, sollen hiermit ermuntert sein, Vorschläge und Texte beizusteuern und damit an der letztendlichen Ausgestaltung mitzuwirken.

Mit eurer Unterstützung könnt ihr also dazu beitragen, dieser vielfältigen Fan- und Jugendkultur eine Stimme zu geben und so zu helfen, ihre Buntheit, Verrücktheit und Passion in Wort und Bild zu fassen, ihre Potentiale und Probleme zu beleuchten.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Mit den 3000 € soll eine Anschubfinanzierung für die Druckkosten gewährleistet werden. Das Buch soll etwa 300 Seiten umfassen und in Hardcover erscheinen.

Sollte das Projekt überfinanziert sein, würde dies den Raum eröffnen, selbstverwalteten Bibliotheken und Archiven, aber auch sozialpädagogischen Fanprojekten Freiexemplare zur Verfügung zu stellen.

Wer steht hinter dem Projekt?

Peter Czoch, 26, Student, Fan. Seit 2008 studiere ich an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften mit thematischen Ausflügen in die Geschichtswissenschaft und Europäischen Ethnologie. Im kommenden Frühjahr werde ich dieses Studium mit dem Bachelor of Arts abschließen. Während dieser Zeit hatte ich nicht nur mannigfaltige Gelegenheiten, tief in die Welt der universitären Gremien einzutauchen. Darüber hinaus bekam ich die Möglichkeit über zwei Semester mit einem von mir selbstorganisierten Projekttutorium über Ultras zu forschen und bin auf diesem Weg an zahlreiche Kontakte im Bereich der Fankulturforschung, aber auch Ultras selbst gekommen. So wurde ich auch zu interdisziplinären Seminaren und Kongressen die Fankultur betreffend eingeladen und durfte mich mit Einzelbeiträgen an zwei Büchern beteiligen.

Infrastrukturell wird das Projekt durch Klaus Farin vom Archiv der Jugendkulturen-Verlag unterstützt, bei dem das Buch schließlich erscheinen wird. Klaus Farin ist seit mehreren Jahrzehnten im Bereich der Jugendkulturforschung aktiv und begründete Ende der 1990er das Archiv der Jugendkulturen.

Projektupdates

19.01.2014

Heute ist der Fankongress in Berlin zu Ende gegangen. Es wurden, wie schon 2012, wichtige Diskussionen mit Vertretern der Verbände, der Fanprojekte, Fans und anderer Institutionen geführt. Vor Ort konnte ich einige neue Kontakte knüpfen und auch Zusagen für Beiträge einholen. So wird es im Buch z.B. vorraussichtlich einen Beitrag zum Andre-Fall geben. Andre ist Ultra aus Nürnberg und 2011 in Köln vor einen Zug gefallen und hat dabei tragischerweise einen Arm verloren. Perfiderweise wurde er im Nachgang von Boulevard und Polizei als Gewalttäter dargestellt, wogegen erfolgreich juristisch vorgegangen werden konnte. Außerdem habe ich in der vergangenen Woche ein spannendes Gespräch mit vier Ultras von vier verschiedenen Vereinen geführt, die im berliner Exil leben und von ihrem Ultra-Way of Life berichten. Zweifellos eine überaus lesenswerte Runde, die natürlich auch in unserem Buch landen wird!

Partner

Partner unseres Projektes: das Institut für Fankultur an der Julius Maximilians-Universität Würzburg.

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