Mutige gestalten die Zukunft
Crowdfunding und Musik (2) – Neue Modelle schaffen echte Chancen für Newcomer

Crowdfunding und Musik (2) – Neue Modelle schaffen echte Chancen für Newcomer

Christin Lorenz
13.10.2014
7 min Lesezeit

Nachdem es im letzten Blog noch um die Entstehungsgeschichte von Crowdfunding ging, blicken wir im zweiten und letzten Teil dieser Blogreihe ins Hier und Jetzt! Erfahrt die neuesten Crowdfunding-Trends im Musikbereich, warum Musicstarter bewusst einen neuen Weg in der altbewährten Crowdfunding-Szene einschlägt und warum das für uns ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Nachwuchsförderung ist.

Graphik zu Crowdfunding-Musiklabels

Nachdem es im letzten Blog noch um die Entstehungsgeschichte von Crowdfunding ging, blicken wir im zweiten und letzten Teil dieser Blogreihe ins Hier und Jetzt! Erfahrt die neuesten Crowdfunding-Trends im Musikbereich, warum Musicstarter bewusst einen neuen Weg in der altbewährten Crowdfunding-Szene einschlägt und warum das für uns ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Nachwuchsförderung ist.

Nur Musiker zu sein reicht wohl nicht mehr?!

Wie ihr bereits im ersten Teil dieser Blogreihe erfahren habt, hat sich seit der ersten Plattform ArtistShare (2000) am Crowdfunding-Modell grundsätzlich nicht viel geändert - zumindest im Musikbereich nicht. Die Künstler stellen eigenhändig ihre Musikprojekte online, um auf diesem Wege um die finanzielle Unterstützung ihrer Fans zu werben. Und dies bedeutet für die Musiker genau Folgendes:

  • Projekte in Form von Texten, Bildern, Videos und Songproben anlegen
  • Fundingsumme und Deadline festlegen
  • Gegenleistungen erstellen und dazugehörige Preise kalkulieren
  • Kommunikation, Vermarktung und Promo-Aktionen, wie z.B. Konzerte zur Crowdfunding-Kampagne, durchführen
  • Kontakt zu den Fans halten
Zudem kommen bei erfolgreicher Finanzierung der Crowdfunding-Kampagne noch weitere Punkte hinzu:

  • Gegenleistungen versenden (z.B. CDs) bzw. umsetzen (z.B. Konzerte)
  • Studio, Produzenten, Presswerk etc. suchen
  • Album produzieren
  • Album veröffentlichen und vermarkten
  • Promo-Tour planen, organisieren und durchführen
Dies ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass der Hauptberuf immer noch Musiker ist und nicht: Manager, Buchhalter, Kommunikations-Experte, Spediteur, Tour-Planer usw. Eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abzuschließen, kann sich schnell zu einer Mammut-Aufgabe entwickeln, die ohne Frage mit dem Ziel im Blick viel Freude bereiten und Spaß machen kann. Doch leider besteht auch die Gefahr, dass das wichtigste auf der Strecke bleibt: Die Musik. Musik bedeutet Kreativität und diese benötigt Freiräume und Zeit, sich voll und ganz entfalten zu können.

Natürlich können gewisse Aufgaben den Musikern nicht abgenommen werden und sollen sie auch nicht. Wenn sich ein Künstler für eine Crowdfunding-Kampagne entscheidet, sollte er sie auch eigenhändig gestalten und Freude daran haben diese in die Welt zu tragen. Auch die Kommunikation mit den Fans sollte natürlich immer nah beim Künstler bleiben. Doch was ist mit den anderen Aufgaben? Sind Preiskalkulation, Vermarktung, Vertrieb, Pressearbeit oder Tour-Planung wirklich die richtigen Aufgaben für einen Künstler oder übersteigen diese vielleicht sogar die Erfahrungen, Ressourcen oder Kompetenzen?

Genau um diesen Umstand gerecht zu werden, haben sich im letzten Jahr neue Crowdfunding-Modelle im Musikbereich entwickelt, die den Musiker auch wieder Musiker sein lassen: Das Crowdfunding Label.

Neue Crowdfunding-Modelle im Musikbereich

Vorreiter waren hier dieses Mal jedoch nicht die Amerikaner, sondern die Europäer - genauer gesagt unsere französischen Nachbarn. Mit My Major Company ging bereits im Jahr 2008 das erste Crowdfunding Label online. Bei diesem bis dato einzigartigem Modell konnten die Fans erstmals in die Karrieren ausgewählter Musiker investieren und wurden schließlich bei Kampagnenerfolg am Gewinn der Plattenverkäufe beteiligt. Bereits im ersten Jahr sammelte die Plattform über 1 Million Euro für Künstler wie Grégoire (über 1,5 Mio. verkaufte Alben), Irma and Joyce Jonathan. Die zuletzt genannten Musiker wurden schließlich mit Platin ausgezeichnet.

Erst fünf Jahre später, Anfang 2013, schloss sich die Mutter aller Crowdfunding-Plattformen ArtistShare und das renommierte Jazz-Label Blue Note Records unter dem Namen Blue Note/ArtistShare zusammen, um gemeinsam junge Jazz-Talente zu fördern. In dieser bis heute bestehenden Partnerschaft behält sich das Label Mitspracherecht bei der Künstler-Auswahl ein und unterstützt diese dann bei der Album-Vermarktung unter dem Label Blue Note/ArtistShare. Aufstrebende Künstler werden bei Blue Note schließlich unter Vertrag genommen. Für das traditionsreiche Jazz-Label bedeutet diese Kooperation nicht nur junge Talente zu entdecken, sondern diese auch nachhaltig zu fördern.

“Young artists worldwide are making fresh musical statements left and right, but are forced to do their own marketing campaigns, too, often when their main focus should be their creative output.” 
( Bruce Lundvall, emeritierter Präsident von Blue Note Records)

Im September 2013 ging schließlich das erste Crowdfunding-Label mit eigener Plattform in den USA online. Angelehnt an der französischen Plattform My Major Company bindet das Musiklabel YourMusicCompany aktiv die Fans bei der Entdeckung und Finanzierung der Künstler mit ein. Wie beim Vorreiter aus Frankreich handelt es sich hierbei auch um ein Crowdinvesting-Modell, bei dem die Unterstützer ab 10 US-Dollar in Musikalben investieren können und bei Kampagnen-Erfolg schließlich am Plattenverkauf beteiligt werden.

Musicstarter – Ein Crowdfunding-Pionier in Deutschland

Die erste Idee zu Musicstarter entstand bereits 2012 - in dem Jahr als die US-amerikanische Sängerin Amanda Palmer mit ihrem 1,2 Mio Dollar Crowdfunding-Projekt weltweit für Furore sorgte. Jörg Koshorst, Geschäftsführer von Musicstarter und ehemals A&R-Manager bei Universal Music, beobachtete die Crowdfunding-Szene im Musikbereich schon länger, wobei ihm zwei Dinge bei den bisherigen Plattformen besonders auffielen:

  • Besonders erfolgreich sind vor allem die Musiker, die schon länger im Geschäft sind und bereits eine große Fanbase um sich scharen. Wirkliche Newcomer haben es dagegen eher schwer größere Summen einzusammeln. 
  • Es werden zwar viele Musikprojekte erfolgreich finanziert, doch was hören wir von den Künstlern eigentlich nach erfolgreichem Kampagnen-Abschluss? Eher wenig bis gar nichts!

Aus diesem Gedankenspiel heraus ist die Idee zu Musicstarter geboren. Als erstes Crowdfunding-Musiklabel in Deutschland setzen wir dort an, wo andere Crowdfunding-Plattformen aufhören. Wir geben Nachwuchskünstlern eine Bühne mit dem Ziel ihnen vor allem langfristig Gehör zu verschaffen. Damit geht unsere Motivation weit über die Album-Produktion der Newcomer hinaus. Doch was genau macht bei uns nun der Unterschied zu bestehenden Crowdfunding-Plattformen aus:

  • Direkt aus dem Musikbusiness: Die Gründer von Musicstarter kommen aus der Musikbranche und bringen Wissen und jahrelange Erfahrung in die Plattform mit ein.
  • Crowdfunding-Plattform UND Musiklabel:Musiker werden vor, während und nach der Kampagne in den Bereichen Kommunikation, Promotion und Presse von Musicstarter unterstützt. 
  • Starke Kommunikationspartner: Musicstarter hält zahlreiche Kontakte und Partnerschaften zu TV, Radio, Zeitungen usw., um die Künstler reichweitenstark präsentieren zu können. U.a. zählt das renommierte Medienhaus Burda zu unseren Partnern.
  • Professionelle Album-Produktion: Unsere Künstler arbeiten mit renommierten Produzenten zusammen, die u.a. auch schon Silbermond, Silly und Elaiza produziert haben.
  • Kreative Freiräume: Musicstarter lässt nach erfolgreicher Kampagne den nötigen kreativen Freiraum, da Themen wie Promotion, Pressearbeit, Tour-Planung und Dankeschön-Versand vom Label übernommen werden.
Auf Musicstarter sollen die Musiker noch Musiker bleiben können, in dem wir den Künstlern, wo es nötig ist, den Rücken stärken und ihnen auch Freiräume für ihre kreative Arbeit schaffen. Wir glauben fest daran, dass die Aufgabenverteilung nach Erfahrungen und Kompetenzen der sinnvollere Weg ist, um junge Musik-Karrieren auch nachhaltig aufzubauen - ohne diese jedoch verbiegen zu wollen.

Musicstarter bedeutet für uns die Professionalisierung von Crowdfunding im Musikbusiness, um vor allem jungen Musikern eine echte Chance im Musikbusiness zu geben.

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