Projekte / Film / Video
Dokumentarfilm: Algo mío - Argentiniens geraubte Kinder
30 Jahre nach dem Ende der argentinischen Diktatur tauchen immer noch Opfer auf: Kinder von damals Verfolgten, die bei Militärfamilien aufwuchsen und nun ihre wahre Identität entdecken. Mit eurer Unterstützung wollen wir die Schicksale von zwei geraubten "Kindern" zeigen - und von ihrer Schwierigkeit erzählen, ein neues Leben anzunehmen. +++ para ver versión español clicar este enlace: www.startnext.de/en/geraubte-kinder +++
12.434 €
10.000 € Fundingziel
134
Unterstützer*innen
Projekt erfolgreich
27.08.17, 14:43 Regina Mennig
Liebe Algo mío-Fans, wir haben uns zwar länger nicht bei euch gemeldet - dafür haben sich jetzt jede Menge famose Nachrichten rund um unseren Film angesammelt! Im Herbst 2016 haben wir Algo mío fertiggestellt - nach unzähligen Stunden im Schnittraum und Tonstudio. Im Dezember 2016 feierten wir dann Weltpremiere auf dem Internationalen Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films in Havanna/Kuba! Es war uns eine besondere Ehre, dass die erste öffentliche Aufführung von Algo mío vor lateinamerikanischem Publikum stattfinden konnte. Im März 2017 war Algo mío für den Wettbewerb beim Festival "Movies That Matter" in Den Haag eingeladen. Das Festival wird unterstützt von Amnesyt International, und da der Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag sitzt, gab es viel Fachpublikum für Algo mío und seinen Fokus auf die Prozesse um die geraubten Kinder in Argentinien. Das Festival ging für uns mit einer kleinen Sensation zu Ende: Algo mío wurde in der Kategorie "Camera Justitia" als bester Film ausgezeichnet und bekam den Goldenen Schmetterling! Ein kleiner Auschnitt aus der Begründung der Jury bei der Preisverleihung: Es ist ein Film, der uns tief berührt hat. Er ist ausgewogen, feinsinig und offen. Er ist emotional, aber auch philisophisch und humorvoll. Er ist echt und menschlich, und er stellt uns permanent vor die Frage: Was ist richtig? Was ist falsch? Der Suche nach Gerechtigkeit und Identität so nahe zu kommen, ist als Zuschauer überwältigend, ein wahrhaftes Privileg. Ladies und Gentlemen, der Gewinner des Camera-Justitia-Preises, der den Goldenen Schmetterling erhält, ist Algo mío von Jenny Hellmann und Regina Mennig! Von Den Haag ging unser Film direkt in die Kinosäle des Spanish Film Festival Amsterdam. Anfang August, vor wenigen Wochen, haben wir mit Algo mío dann Deutschlandpremiere gefeiert, und zwar beim Fünf Seen Film Festival in München-Starnberg. Trotz heißer Sommerabende musste unsere zweite Filmvorführung in einen größeren Saal verlegt werden, weil so viele Zuschauer kamen. (An diesem Abend ist das Artikelfoto entstanden.) Wie geht’s weiter? Weitere Festival-Einladungen stehen an. Und unser neues Ziel heißt: Algo mío in die schönsten Programmkinos in Deutschland zu bringen! Alle, die bei unserer Crowdfunding-Kampagne eine DVD gebucht haben: Ihr bekommt demnächst Film-Post von uns :) Sagt uns doch Bescheid, falls sich eure Adresse seit Beginn unserer Crowdfunding-Kampagne geändert hat. Und wer eine Wohnzimmervorführung gebucht hat: Meldet euch doch bei uns, damit wir einen Termin finden können. Muchas gracias por todo! Regina und Jenny
03.06.16, 10:17 Regina Mennig
"Wir sind tief besorgt" - so beginnen in letzter Zeit viele öffentliche Mitteilungen der Großmütter der Plaza de Mayo in Argentinien. Die Sorge bezieht sich auf die Politik von Präsident Mauricio Macri. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme Ende 2015 hat er Schritte unternommen, die die Opfer der Militärdiktatur als schmerzhafte Rückschläge der Aufarbeitungspolitik empfinden. Die Großmütter der Plaza de Mayo haben einen ziemlich exklusiven Draht zur Regierung - dieser Eindruck drängte sich bei unseren Film-Dreharbeiten 2014 in Argentinien immer wieder auf. Bezeichnendes Beispiel: ein geplatztes Interview mit Großmütter-Präsidentin Estela de Carlotto. Kurz vor Beginn kam Estela aus ihrem Büro und sagte zu uns: "Entschuldigt bitte, Chicas. Ich bin heute Nachmittag mit meinem Enkel kurzfristig bei der Präsidentin eingeladen." Die Präsidentin hieß damals noch Cristina Fernández de Kirchner. Vor allem zum Ende ihrer Amtszeit war sie höchst umstritten im Land - Auftritte im Schein der charismatischen Großmütter der Plaza de Mayo versprachen da stets ein bisschen wohlwollende PR. Fakt ist aber auch: Cristinas Mann und Amtsvorgänger Néstor Kirchner hatte Schluss gemacht mit der jahrelangen Amnestie für viele Täter des Militärregimes, und beide Kirchners forcierten die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen als ein Kernstück ihrer Regierungspolitik. Wieder mehr Macht fürs Militär Dass es unter dem rechtsliberalen Präsidenten Mauricio Macri nicht so weitergehen würde, war zu erwarten. Aber wie schnell Macri die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen hat, lässt doch aufhorchen. Abgesägt wurde etwa der Chef des Nationalarchivs zur Aufarbeitung der Diktaturverbrechen, der wiedergefundene Enkel Horacio Pietragalla Corti. Neu benannt wurde u.a. der Kulturminister von Buenos Aires, Darío Lopérfido - der sagte kurz nach seiner Ernennung öffentlich, die Zahl der 30.000 Verschwundenen der Militärdiktatur sei halt in einem Hinterzimmer definiert worden. Alarmiert sind die Menschenrechtsorganisationen jüngst von Macris Plan, die Autonomie des Militärs wieder zu stärken. Bei unseren letzten Anruf im Büro der Großmütter im Mai haben wir sie deutlich herausgehört - die Sorge, wie es unter der Regierung Macri weitergeht mit der Aufarbeitungspolitik. Bisher galt sie als eine der fortschrittlichsten weltweit. Wir können an dieser Stelle nur einmal mehr Schicksale wie das unserer Film-Protagonistin Catalina hervorheben - als Baby geraubt von einem Militäroffizier, der für den Mord an ihrer leiblichen Mutter gesorgt hat. Womöglich würde Catalina immer noch in einem "falschen" Leben stecken, wäre da nicht die Energie der Großmütter der Plaza de Mayo und ein Staat, der Verfahren gegen die Verbrechen von damals möglich macht. Foto oben: Der Sohn eines Verschwundenen der Militärdiktatur. Aufgenommen vor dem Gerichtsprozess gegen Catalinas Zieheltern.
02.11.15, 23:55 Regina Mennig
Noch bis Dezember 2015 werden wir uns mit Cutter Ivan Morales jr. im Schnittraum in Köln verschanzen und streng darauf bedacht sein, dass bis zur Filmpremiere nichts mehr nach außen dringt... Nur eine exklusive Ausnahme machen wir noch - und zwar mit diesem Interview, in dem Ivan eine Runde Klartext spricht: Warum ihn "Algo mío" so packt, und warum sich unser ungewöhnlicher Filmproduktionsstil auf der Leinwand widerspiegeln wird. Ivan, wir haben dich nach unserer ersten Drehphase in Argentinien 2013 getroffen, dir einen kleinen Teil unseres gedrehten Materials gezeigt - und du hast sehr schnell zugesagt, dass du den Film mit uns schneiden möchtest. Was reizt dich an der Geschichte von "Algo mío"? Ivan: Beim Blick in euer Rohmaterial war ich total betroffen davon, was in den Gerichtsprozessen gegen die Zieheltern der geraubten Kinder vor sich geht. Vor allem Hilarios Aussagen vor Gericht haben mich sehr berührt, mir sind die Tränen gekommen - und so etwas passiert nicht oft, wenn man Rohmaterial ansieht. Dass mich die Geschichte schon derart gepackt hat, als sie noch überhaupt nicht dramaturgisch entwickelt war, das war für mich ein starker Grund zu sagen: Daraus einen Film zu schneiden interessiert mich auf jeden Fall! Ich habe dabei auch immer wieder mein Heimatland Brasilien im Hinterkopf. Dort spricht man sehr wenig über die Zeit der Militärdiktatur und wenn, dann aus einer historischen Sicht. Aber die Ereignisse werden nicht von so persönlichen Standpunkten aus erzählt wie in "Algo mío" - jedenfalls ist das mein Eindruck von Brasilien. In Argentinien gibt es eine viel stärkere Kultur des Demonstrierens, das haben wir in Brasilien nicht. Eine so energische Organisation wie die Großmütter der Plaza de Mayo, das kann man sich bei uns kaum vorstellen. Was die Argentinier in Sachen Aufarbeitung geschafft haben, fängt in Brasilien eigentlich gerade erst an. Du hast ja schon öfters schmunzelnd gemeint, dass wir mit unserem Film sehr unkonventionell unterwegs sind. Kannst du für unser künftiges Filmpublikum kurz erklären, was du damit meinst? Ivan: Hier in Deutschland gibt es einen "normalen" Ablauf, wie man einen Film macht: Man hat eine Themenidee, damit bewirbt man sich bei der Redaktion eines Senders oder bei einer Filmproduktionsfirma, man bemüht sich vielleicht um Filmförderung, organisiert den Dreh, sucht später einen Verleih... Ihr habt das alles anders gemacht. Ihr habt zuallererst gedreht und danach für eure Geschichte finanzielle Unterstützung gesucht, über Crowdfunding und die Filmstiftung NRW - zwischendurch habt ihr auch argentinische Chorizos auf einem Festival verkauft, um euer Budget aufzubessern. Dass ihr das alles so anders gemacht habt - also ohne großen Sender oder Produzenten, die euch sagen, was ihr machen oder liefern sollt -, das wird sich im Film widerspiegeln: Ich denke, es wird kein vorhersehbarer Film. Bei vielen Filmen, die auf herkömmliche Art produziert werden, stehen noch andere Dinge als die "pure Geschichte" im Hintergrund: Redakteure und Produzenten blicken auch auf den Markt, auf ein potenzielles Publikum - sie beobachten, was gerade gut läuft. Bei euch ist die Priorität nicht, was das Publikum braucht, sondern das, was der Film braucht, was die Geschichte braucht, um gut erzählt zu werden. Was sind für dich die Herausforderungen beim Schnitt von "Algo mío"? Ivan: Was ich schwierig, aber gleichzeitig sehr spannend finde ist, eine Balance zu finden zwischen den beiden Protagonisten Catalina und Hilario und ihren unterschiedlichen Sichtweisen auf das, was mit ihnen passiert - also nicht zu der einen oder anderen Seite zu tendieren. Beim Sichten des Materials hatten wir sehr widersprüchliche Gefühle gegenüber den Protagonisten: Manchmal kann man sich total in sie hineinversetzen, zwischendurch denkt man wieder: Wie kann er das nur sagen - oder warum reagiert sie so?! Jetzt, im Prozess des Filmschnitts, geht es darum, dass wir diese Ambivalenz weitergeben ans Publikum. Es gibt kein klares Bild von Gut und Böse - die Zuschauer sollen erkennen, wie komplex das Thema eigentlich ist. Das gilt auch in Bezug auf die argentinische Politik und wie sie die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen in den letzten Jahren angegangen ist: Der Film soll grundsätzlich keine Kritik daran sein, aber eben auch kein Lob. Bereits die Geburt ist der Moment, in der das Schicksal unserer Protagonisten eine schlimme Wendung nimmt. Du selber bist gerade Papa geworden. Hat sich dadurch dein Blick auf das, was den Protagonisten in unserem Film widerfahren ist, nochmal etwas verändert? Ivan: Seit mein Sohn auf die Welt gekommen ist, hat sich in vielen Dingen mein Blick auf die Welt verändert - und ja, auch in Bezug auf den Film. Ich hatte vorher schon viel Zuneigung für die Protagonisten Hilario und Catalina. Aber wenn ich mir jetzt noch einmal bewusst mache, was in ihrem Leben passiert ist - während der Schwangerschaft ihrer Mütter, wie sie auf die Welt gekommen sind -, dann empfinde ich noch viel mehr Zuneigung und denke: Wie stark sind diese Menschen, dass sie das alles überlebt haben. Es ist genau so, wie Catalina an einer Stelle des Films sagt: Man muss sehr stark sein und sich selbst im Grunde sehr lieben, um das zu überleben. Ivan Morales jr. arbeitet als freier Cutter für Dokumentar- und Spielfilmproduktionen sowie fürs Fernsehen, hauptsächlich für den WDR. Nach dem Filmstudium in seinem Heimatland Brasilien und Stationen an der renommierten Filmschule Escuela Internacional de Cine y Televisión in Kuba und dem Talent Campus der Berlinale kam er an die Filmhochschule KHM in Köln - und dort haben wir, Jenny und Regina, ihn 2013 kennen gelernt.
09.05.15, 18:07 Jenny Hellmann
Wir freuen uns riesig, euch heute eine wunderbare Nachricht zu überbringen: Die Filmstiftung NRW hat entschieden, die Postproduktion von "algo mío" zu fördern. Wenn ihr euch in den vergangenen Wochen und Monaten gefragt habt, warum es um unser Projekt so ruhig geworden ist, können wir euch verraten, dass es für uns alles andere als ruhig zuging. Nach unserer Rückkehr von der zweiten Drehphase in Argentinien war unser größtes Anliegen, für die Fertigstellung des Films eine Finanzierung zu finden, die es uns ermöglicht, unabhängig zu bleiben. Dass die Filmstiftung die renommierteste Förderinstitution in Nordrhein-Westfalen ist, dass jährlich Hunderte von Förderanträgen bei ihr eingehen und die Konkurrenz von etablierten Filmemachern wahnsinnig groß ist, hat uns Respekt eingeflößt - aber nicht abgeschreckt. Der Einreichtermin am 18. März kam schnell näher, die Anforderungen für die Bewerbung waren umfangreich. So haben wir an unseren Wochenenden in einem ausführlichen Treatment den Film quasi zu Papier gebracht, auf Zugfahrten unser Material gesichtet und transkribiert. Und eine Auswahl der packendsten Szenen aus dem Filmmaterial zusammengestellt - manchmal gingen die Nächte dafür drauf, denn wie immer sind wir ja gleichzeitig auch unseren "normalen" Jobs nachgegangen. Und jetzt ist es wahr geworden, einen Großteil der Postproduktionskosten wird die Filmstiftung tragen! Nur einen kleinen Teil müssen wir noch aufbringen - aber wir sind ja mittlerweile geübt in kreativen Fundraising-Aktionen. Einen Termin können wir hier gleich ankündigen: Mitte Juni findet ihr uns mit einem Stand auf dem Street Festival in Aachen. Dort gibt es dann hausgemachte argentinische Empanadas, Mate-Eistee und neue Einblicke ins Filmprojekt. Wir halten euch natürlich über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden! Überglückliche Grüße, eure Jenny und Regina
28.02.15, 16:36 Regina Mennig
Wenn man Filmmaterial aus Argentinien und damit unablässiges Matetrinken vor Augen hat, kann man gar nicht anders als selbst zum Matebecher zu greifen! In diesem Sinne: Keep fit and brew mate! An alle unsere Supporter, die ein Mate-Set bestellt haben: Das liefern wir in Kürze :) Habt ein feines Wochenende!
11.01.15, 14:00 Jenny Hellmann
Vieles ist einfacher in unserer zweiten Drehphase im Oktober und November 2014: Wir sind ein eingespieltes Team, das einen Tonmann hinzugewonnen hat. Wir können auf unzählige hilfreiche Kontakte bauen - zu Gerichten, Menschenrechtsorganisationen und zur Filmszene von Buenos Aires. Und vor allem kennen wir unsere Protagonisten, folgen einer Art Drehbuch und wissen, was wir in den kommenden Wochen an Bildern und Szenen einfangen möchten. Doch der Weg zum fertigen Film ist manchmal auch aufreibend und steinig: Eine defekte Kamera sowie erste Drehtermine, die verschoben werden, sind erst der Anfang. Einige Tage nach der Ankunft von Kamerafrau Aline in Buenos Aires bestätigt sich, was wir schon länger befürchtet haben: Unsere Protagonistin Catalina wird nicht weiter für Dreharbeiten zu Verfügung stehen. Sie schreibt uns: "Nehmt es mir nicht übel, aber es tut mir nicht gut, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich möchte mich jetzt auf das konzentrieren, was mir Kraft gibt." Das seien vor allem die Kunst und ihr Mann Rodrigo. Neuer Schwung für die Organisation der "Abuelas" So nachvollziehbar Catalinas Begründung ist und so sehr wir ihre Entscheidung respektieren, so bitter ist sie dennoch für uns. Zu allem Überfluss regnet es in jenen Tagen in Buenos Aires ununterbrochen, und in unserer Wohnung, in einem Altbau aus dem 19. Jahrhundert, wird es feucht und kalt. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und sehen bald, dass es Entwicklungen gibt, die dem Film nochmals eine ganz neue Wendung geben können. Da ist zum Beispiel ein neuer wiedergefundener Enkel, durch den die Organisation der Großmütter einen erstaunlichen Wandel durchlebt hat. Und da sind gesellschaftliche Entwicklungen, die für die Geschichten unseres Films von großer Bedeutung sind. Mit den neuen Wendungen, die wir vorfinden, bekommt schließlich auch unser Drehplan eine etwas andere Richtung. Einen Eindruck von den neuen Aspekten unseres Films bekommt ihr im nächsten Blog-Eintrag!
07.01.15, 20:38 Regina Mennig
Auf diese Nachricht werden wir ein nochmal ein Gläschen Neujahrssekt trinken und dabei an euch alle denken: "Algo mío" ist unter den Top Ten der Crowdfunding Projekte 2014 im Bereich Film! Das hat das Institut für Kommunikation in sozialen Medien (ikosom) entschieden, genauer gesagt der Crowdfunding-Experte Wolfang Gumpelmaier. Jenny hatte ihn im Frühjahr 2014 auf einem Kongress in Köln getroffen - wenig später berichtete Wolfgang Gumpelmaier auch auf seinem Blog über unser Projekt, das ja auch eures ist! Die Entscheidung des ikosom ist für uns einmal mehr ein Anlass, euch allen danke zu sagen: für euren Einsatz, euren Zuspruch und euer Vertrauen in unsere Arbeit, in die wir uns jetzt mit neuem Schwung stürzen werden. Im Moment steht das Sichten von vielen Stunden Filmmaterial an - während unserer Drehphase im Oktober und November ist nochmal Einiges dazugekommen. Zuviel wird nicht verraten, dafür ist dann die Filmpremiere da! Aber ein paar Einblicke gibt's natürlich trotzdem immer wieder. Im nächsten Blog-Eintrag erfahrt ihr, wie es um unsere Protagonistin Catalina steht. Bleibt uns treu! Eure Jenny und Regina (im Bild auf dem Sonnendeck in Hilarios Garten :-)) Hier geht's zum Top Ten Ranking von ikosom: http://www.ikosom.de/2014/12/28/die-top-10-plus-crowdfunding-projekte-im-film-2014/
26.12.14, 16:08 Regina Mennig
Als wir im Januar 2013 mit der Kamera nach Argentinien aufbrechen, gibt es eine Idee in unseren Köpfen und paar Adressen in unserem Notizblock. Als wir im Oktober 2014 nach Buenos Aires zurückkehren, gibt es klare Konturen unseres Dokumentarfilms, einen Trailer, eine große Crowdfunding-Community. Unzählige Male sind wir in den Monaten vor unserer zweiten Drehphase in unser Filmmaterial eingetaucht und damit nach Argentinien, in das Leben von Hilario und Catalina. Ihre Geschichten sind Teil unseres eigenen Lebens geworden, denn immer wieder haben wir davon erzählt - in Radio-Interviews, bei Vorträgen, abends auf Partys. Und so fühlen sich die ersten Tage unserer zweiten Drehphase vertraut an und zugleich verrückt: Es kommt uns vor, als bewegten wir uns in unserem eigenen Film - und bewegen ihn weiter! Hilario: "Ich bin egoistischer geworden" Was für uns Filmemacherinnen gilt, gilt für unsere beiden Protagonisten erst recht: Ein Berg von Erlebnissen liegt zwischen dem letzten und dem neuen Dreh. Von Hilario haben wir uns 2013 zu einer Zeit verabschiedet, in der er am Tiefpunkt angelangt scheint - mitten im Gerichtsprozess gegen seine Zieheltern. Im den damaligen Interviews spricht er mit brüchiger Stimme, schwankt zwischen Angst, Wut und Niedergeschlagenheit. Wir treffen ihn an einem sonnigen Oktobertag 2014 wieder, in der Küstenstadt Mar del Plata, dort arbeitet er nach wie vor als Sozialarbeiter. Schon von Weitem erkennen wir, dass uns da ein anderer Hilario entgegenkommt: Leichten Schrittes, er winkt, ist von der Frühlingssonne gebräunt. Er raucht immer noch viel, während er erzählt - aber es wirkt nicht mehr, als halte er sich an der Zigarette fest. Gegen das Urteil von sechs Jahren Gefängnis sind seine Zieheltern in Berufung gegangen, seither liegt das Verfahren auf Eis. Er habe Abstand zur aufwühlenden Phase des Gerichtsprozesses gewonnen, sagt Hilario, außerdem habe er die Beziehung zu seinen beiden Familien neu definiert. Und er konzentriere er sich mehr als je zuvor auf sich selbst: "Ich bin egoistischer geworden", sind seine Worte. Wie sich das zeigt? Haben wir natürlich mit der Kamera eingefangen - erstaunt darüber, wie selbstverständlich Hilario uns mitgenommen hat zu den unterschiedlichsten Schauplätzen seines neuen und alten Lebens. Beinahe so, als wären wir nie weg gewesen. In vertauschten Rollen Ein Dokumentarfilm lebt von der Ebene zwischen Filmfiguren und Filmemachern - je mehr sich beide Seiten kennen und vertrauen, desto näher kommen später auch die Zuschauer den Protagonisten. Eine solche Ebene entsteht meist mit viel Zeit, mit Besuchen und langen Gesprächen - auch ohne laufende Kamera. Als Dokumentarfilmerinnen, die ihre Protagonisten zudem über einen längeren Zeitraum hinweg begleiten, haben wir nicht die besten Bedingungen: Regelmäßigen Treffen stehen Tausende Kilometer zwischen Deutschland und Argentinien im Wege. Umso bemerkenswerter ist für uns die vertraute Ebene des Filmteams mit Hilario. Angefangen bei Kamerafrau Aline, für die er einen gewöhnungsbedürftigen Spitznamen und eine eigene Sprache gefunden hat, jenseits von Spanisch oder Englisch. Bis hin zu uns, den Regisseurinnen, mit denen er zwischenzeitlich auch mal die Rollen tauscht: Im letzten Interview - am Flughafen von Buenos Aires, siehe Foto - nimmt er sich plötzlich sein Funkmikrofon ab und verkündet: "Jetzt stelle ich die Fragen!" Ob diese Szene im Film oder im Making Of vorkommen wird, ist noch nicht entschieden. Aber wir werden sie euch auf jeden Fall nicht vorenthalten!
06.08.14, 12:31 Jenny Hellmann
Nach vielen Schreckensmeldungen über eine drohende Staatspleite erreicht uns am Dienstagabend endlich mal wieder eine schöne Nachricht aus Argentinien, die wir unbedingt mit euch teilen wollen: "Apareció el nieto de Estela" - der Enkel von Estela wurde gefunden! Estela de Carlotto ist die Präsidentin der Abuelas de Plaza de Mayo. Unter schwierigsten Bedingungen hat sie vor mehr als 36 Jahren mit der Suche nach den verschwundenen Enkeln der Militärdiktatur begonnen. Ihre Tochter Laura war im dritten Monat schwanger, als die Schergen des Regimes sie mitnahmen. Gut sechs Monate später ließen die Militärs ihren toten Körper im Vorgarten der Familie zurück. Der Hausarzt konnte feststellen, dass sie ihr Kind zur Welt gebracht hatte. Es sollte Guido heißen. Estela hat ihr Leben seitdem der Suche nach den verschwundenen Enkelkindern gewidmet. Sie hat die Organisation der Abuelas zu der bekannten und respektierten Institution gemacht, die sie heute ist. Sie war maßgeblich am Aufbau der nationalen Gendatenbank beteiligt, die es ermöglicht, Familienzugehörigkeiten zu ermitteln. Über 100 Mal hat sie gefeiert, gelacht und vor Freude geweint, wenn der Enkel einer anderen Großmutter gefunden werden konnte. Auch Hilarios Großmutter Coqui und den Angehörigen von Cata hat sie die große Freudenbotschaft überbracht. Heute ist ihr Tag. Schlagzeile Nummer eins in Argentinien Von Guido wissen wir bereits, dass er Musiker ist und bislang Ignacio genannt wurde. Mit Zweifeln an seiner Identität hat er sich im Juli selbst an die Abuelas gewandt. In Argentinien verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer, es ist Schlagzeile Nummer eins in allen Medien. Die Menschen in Buenos Aires feiern dieses Ereignis. Vor dem Abuelas-Haus hat sich eine große Menschenmenge versammelt, hupende Autokorsos fahren durch das Viertel. Für einen kurzen Moment scheinen die vielen Sorgen vergessen. Hin und wieder tritt Estela auf den Balkon und winkt den Leuten mit glänzenden Augen zu. "Ich wollte nicht sterben, bevor ich ihn nicht in meine Arme schließen kann", sagt Estela zu den Journalisten. Schon bald wird sie ihn umarmen können. Wir haben Estela bei unseren Dreharbeiten erlebt und kennengelernt (im Bild oben seht ihr sie, im weißen Kleid, bei einer Veranstaltung für eine japanische Reisegruppe). Sie ist eine beeindruckende Frau mit einer grenzenlosen Energie und Willenskraft. Auf ein Wiedersehen in wenigen Wochen sind wir gespannt. Alles Gute Estela, wir freuen uns riesig mit dir über diese wunderbare Nachricht.
01.06.14, 15:32 Regina Mennig
"Algo mío" dreht sich weiter, und das habt ihr möglich gemacht! Jetzt hat uns die Crowdfunding-Plattform Startnext die - für uns immer noch unfassbare - Summe von 12.435 Euro überwiesen. Die nächste Drehphase in Argentinien ist damit in greifbare Nähe gerückt: Im September wollen wir Catalina und Hilario wiedertreffen. Bis dahin werden wir an unserem Filmkonzept feilen, die Reise planen - und euch natürlich auf dem Laufenden halten. Vorher wollen wir uns aber erst nochmal für eure überwältigende Unterstützung bedanken, die uns über acht spannende Crowdfunding-Wochen getragen hat. Wir geben zu: Vor allem gegen Ende der Kampagne waren unsere Batterien ziemlich leer, und wir haben ein bisschen Zeit gebraucht, um neue Energie zu tanken. Weil wir tagsüber unseren regulären Jobs nachgehen, sind wir während der Kampagne zu Nachteulen geworden. Zu nächtlicher Stunde konnte man uns bei den unterschiedlichsten Aktivitäten antreffen: bei der Aufzeichnung eines Studiogesprächs, in den Schnitt eines Videos vertieft, beim Basteln eines Vortragsmanuskripts. Was uns immer wieder neuen Schwung gegeben hat, war euer Zuspruch. Mails von Filmschaffenden, Wissenschaftlern, Mitfiebernden Wir haben im Laufe der Kampagne Zuschriften bekommen von Südamerikanern, die Kinder von Verschwundenen sind und sich bedankten, dass wir dieses Thema anpacken. Es kamen Angebote von Profis aus der Filmbranche, uns mit Schnitt und Tonmischung zu helfen oder Musik zu komponieren. Uns haben interessierte Wissenschaftler angeschrieben, die über Vergangenheitspolitik in Lateinamerika forschen und in unserem Film ein ganz neue Seite des Themas beleuchtet sehen. Da ist die Spanischlehrerin, die den fertigen Film unbedingt ihren Schülern zeigen will. Oder die Besucherin an einem Vortragsabend, die das Thema berührt hat, weil sie kurz zuvor bei einer Familienaufstellung war. Da sind die vielen mitfiebernden Leute, die im Endspurt der Kampagne beinahe aufgeregter als wir selbst erschienen und im Stundentakt checkten, ob das Fundingziel erreicht wird. Die vielen einzelnen Beiträge haben das Projekt groß gemacht und sind ein starkes Argument auf dem Weg in die Kinos! Wir sind gespannt, wie die Reise weiter geht und freuen uns, wenn ihr dabei seid! Viele liebe Grüße aus Köln, Jenny und Regina (im Bild oben in der Nähe des Boca Stadions in Buenos Aires)
07.05.14, 16:28 Jenny Hellmann
Die letzten 8 Stunden laufen! Bis heute Abend um 23.59h kann man unser Filmprojekt noch unterstützen. Und die beste Neuigkeit: Wir haben gestern bereits unser Fundingziel erreicht! Und das bedeutet ES GEHT WEITER. Ihr seid die weltbesten Unterstützer... Muchisimas gracias!
04.05.14, 13:03 Regina Mennig
Zu unseren bewegendsten Filmaufnahmen gehören die Szenen aus dem Gerichtssaal: Hilario, wie er vor den Richtern die Unschuld seiner Zieheltern beteuert - Catalina, die bei der Urteilsverkündung einen Schrei der Erleichterung ausstößt. Nie hätten wir uns vor dem Aufbruch nach Argentinien träumen lassen, ganze Gerichtsprozesse filmen zu können. Setzt man sich in Deutschland mit laufender Kamera in einen Gerichtssaal, dann verlässt man ihn wohl eher in Handschellen anstatt mit packendem Filmmaterial. In Argentinien ist Transparenz über die Diktaturverbrechen oberstes Gebot der Aufarbeitungspolitik. Deswegen werden die Gerichtsverfahren auch von Seiten der Justiz gefilmt und später in öffentlichen Archiven bereit gestellt. Allerdings in bescheidener Qualität und erst, nachdem die Urteile gesprochen sind. Wir wollen mit unserer eigenen Kamera filmen. Und so kommt es schließlich dazu, dass Teams von argentinischen Nachrichtensendern ihre Kameras ausmachen müssen, während wir weiterdrehen können. Denn wir haben den Richtern schriftlich versichert: Wir veröffentlichen das Material erst nach dem Ende der Gerichtsverfahren - und wir haben das Einverständnis unserer Protagonisten. Der Weg durch sämtliche Schleusen Trotzdem: Immer wieder sind die Dreharbeiten im Gericht eine Zitterpartie. Wir werden zwar irgendwann von sämtlichen Polizisten im Bundesstrafgericht in Buenos Aires mit Küsschen begrüßt, und in den entscheidenden Büros gibt es eigene Ansprechpartner für uns, die "chicas alemanas". Dennoch sind wir uns vor keiner Gerichtsverhandlung sicher, ob die Kamera tatsächlich an bleiben darf. Besonders blank liegen unsere Nerven am ersten Verhandlungstag im Fall Hilario. Die Pförtner an den Sicherheitsschleusen halten uns mit argwöhnischen Blicken auf unsere Kamera-Ausrüstung auf, dann verhandeln sie am Telefon eine gefühlte Ewigkeit mit den Zuständigen der Gerichtsverhandlung. Als wir es schließlich bis vor die Richterbüros geschafft haben, heißt es wieder: warten. Endlos, so kommt es uns vor. Schließlich eröffnet uns die Assistentin des Richters: "Heute ist euer Glückstag!" Doch kurz darauf kommt der nächste Dämpfer - in Gestalt einer anderen Gerichtsmitarbeiterin, die mit ausdrucksloser Miene nach unseren Namen und unseren Handynummern verlangt. Um die Daten zu notieren, hält sie uns ein seltsam formloses Blatt unter die Nase, anscheinend eilig aus einem Block gerissen. Wir sind schon fast dabei, ihrer Anweisung zu folgen - und fragen sie schließlich doch, wofür sie diese Informationen brauche. "Mein Kollege hat mich geschickt", sagt sie arglos und zeigt auf einen jungen Mann, der scheinbar ins Sortieren von Papieren vertieft ist. "Er fragt, ob ihr mal Lust habt, mit ihm auszugehen." Das dämpft unsere Nervosität erstmal etwas. Ein aufwühlender Verhandlungstag wird es trotzdem. An diesem Tag sagt Coqui aus, Hilarios leibliche Großmutter. Ihr seht sie in unserem kurzen Film-Teaser. Während der Gerichtsprozess noch im Gange ist, will Coqui uns kein Interview vor laufender Kamera geben. Aber sie verspricht: Später werde sie uns für den Film erzählen, weshalb der Gerichtsprozess zur Zerreißprobe für das Verhältnis mit ihrem Enkel wurde. Ihr werdet also noch mehr von Coqui erfahren. Dann, wenn wir mit eurer Unterstützung wieder in Argentinien sind!
01.05.14, 18:36 Jenny Hellmann
Liebe Supporter und liebe Fans, noch 6 Tage, bis die Crowdfunding-Kampagne endet - noch 6 Tage, in denen wir all unsere Energie aufbringen werden, um das Fundingziel zu erreichen, sodass wir die Dreharbeiten bald abschließen können. Wir glauben fest daran, es mit Euch allen zusammen zu schaffen! Helft uns, in diesen Tagen noch mehr Menschen zu erreichen! Macht Freunde, Verwandte, Kollegen und Bekannte auf unsere Startnext-Seite aufmerksam oder verbreitet die Presseberichte über unser Projekt in Euren Kreisen. Eine Auswahl von Berichten, die es in den letzten Wochen über unser Projekt gegeben hat, findet Ihr hier zum Nachhören und -lesen: Beim WDR-Sender Funkhaus Europa ging es am Mittwoch um unseren Dokumentarfilm: http://www.funkhauseuropa.de/themen/aktuell/kindesraub100.html Am 26.4. war unser Filmprojekt über Argentiniens geraubte Kinder Thema einer zweistündigen Sendung, und zwar bei "Sternzeit" im Domradio in Köln: http://www.domradio.de/audio/argentiniens-geraubte-kinder Ein Interview mit uns beiden Regisseurinnen findet Ihr bei Blickpunkt Lateinamerika: http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/news-details/browse/3/article/interview-argentiniens-geraubte-kinder/3446.html?no_cache=1&cHash=ed6fbaba7b9e2e19050748bfb94fe40f Morgen Abend werden wir unser Filmprojekt im Café Victoria in Bonn vorstellen. Wir freuen uns sehr, wenn Ihr vorbeikommt, in der Bornheimer Straße 57. Beginn ist um 20 Uhr. Muchos saludos y abrazos, Jenny und Regina
21.04.14, 11:52 Jenny Hellmann
Wir sitzen in einem kleinen weißen Ford Fiesta und verlassen Buenos Aires in südlicher Richtung. Unsere Freundin Magna hat uns ihr Auto nahezu für unseren gesamten Aufenthalt in Buenos Aires geliehen - schon in der Stadt eine enorme Erleichterung, mit dem schweren und sperrigen Filmequipment nicht auf die überfüllte Metro und stickige Busse angewiesen zu sein. Jetzt soll uns der kleine Flitzer zu Hilario bringen. Wir wissen nicht viel über ihn. Lediglich, dass der Prozess gegen seine Zieheltern in wenigen Tagen eröffnet werden soll und seine Haltung gegensätzlich zu der von Catalina und den meisten anderen wiedergefundenen Enkeln ist. Auch, dass er den Kontakt zu Journalisten bisher fast gänzlich verweigert hat. Aber da wir das Gefühl haben, dass seine Perspektive für unseren Film wichtig ist, sind wir fest entschlossen, ihn für unseren Film zu gewinnen. Deshalb machen wir uns auf den Weg in das Dorf, in dem Hilario angeblich leben soll: In einer Gegend an der argentinischen Küste, mehr als 400 Kilometer südlich von Buenos Aires entfernt. Fastfood und Feiern zu Recherchezwecken Der Asphalt auf der Ruta Nacional 2 flimmert in der Hitze. Mit unserer Kamerafrau Aline überlegen wir, wie wir uns zu Hilario durchfragen könnten. Auf einmal leuchtet das Batteriezeichen am Armaturenbrett auf. Das ignorieren wir zunächst - bis etwa 20 Kilometer vor dem Ort, an den wir wollen, der Motor ausgeht. Glücklicherweise bleiben wir genau am Eingang eines Küstendorfes liegen. Schnell eilen Bewohner herbei und helfen uns. Von ihnen erfahren wir, dass wir unserem Ziel bereits näher sind, als wir vermutet hatten: Hilario wohnt nämlich hier! In den kommenden Tagen lernen wir das halbe Dorf kennen, tanzen bis in die Morgenstunden auf einem Dorffest, zu dem Hilario angeblich kommen soll, finden seine Adresse heraus, hinterlassen ihm Nachrichten am Gartenzaun und essen immer wieder Fastfood bei seinem Kumpel Bucky, der einen Imbiss am Strand betreibt und uns unbedingt helfen möchte - aber wir hören und sehen nichts von Hilario. Von einem der Dorfbewohner kommt schließlich die Nachricht, dass Hilario nun zu Hause sei. Nur wenig später sitzen wir im Garten von Hilario, der immer wieder grinsend den Kopf darüber schüttelt, dass drei junge deutsche Filmemacherinnen seit mehreren Tagen im Dorf unterwegs sind, um ihn zu finden. Wir erklären ihm, dass wir die Geschichte der geraubten Kinder in unserem Film nur dann wirklich erzählen können, wenn unterschiedliche Wahrheiten und Perspektiven darin vorkommen. Wir haben schnell das Gefühl, dass er nicht abgeneigt ist, mit uns zu drehen und sind uns sicher, dass er für unseren Film eine große Bereicherung werden wird!
19.04.14, 19:42 Jenny Hellmann
An Ostern überqueren viele Argentinier den Río de la Plata, um im uruguayischen Colonia Kurzurlaub zu machen, suchen Ostereier und verzichten sogar weitestgehend auf rotes Fleisch. Weil ihnen Letzteres nicht so leicht fällt, haben sie sich eine leckere kulinarische Alternative einfallen lassen: Empanadas de Vigilia, oder Fasten-Teigtaschen. Für diese besonderen Empanadas wird der gleiche Teig aus Mehl, Butter bzw. Öl, Salz und Wasser genutzt wie für die "alltägliche" Empanada-Variante, allerdings werden die Empanadas de Vigilia traditionell mit Fisch oder Meeresfrüchten gefüllt. Mürbeteig für ca. 20 Empanadas: 500 g Mehl, 1/3 Paket erwärmte (weiche) Butter, ca. 350 ml reichlich gesalzenes, erhitztes Wasser, Mehl und Butter vermengen und kneten, peu à peu Wasser nachschütten, bis sich eine feste, aber gleichmäßige Masse ergibt. Diese in ca. Germknödel-große Kugeln teilen und mit Küchentuch bedeckt ruhen lassen. Die einzelnen Kugeln mit dem Nudelholz sehr flach ausrollen und kleine Fladen, etwa vom Durchmesser einer CD, ausstechen - zum Beispiel mit einer Untertasse. (Als sehr schnelle Variante kann auch fertiger Blätterteig verwendet werden.) Füllung Empanadas de Vigilia: 750 g Fisch (es eignen sich beispielsweise Dorsch, Seehecht oder Thunfisch), 750 g Zwiebeln, 1 Bund frische Petersilie, 1 rote Paprika, 100 g Oliven, 3 Löffel Olivenöl, Butter zum Anbraten, Salz, Pfeffer und Oregano zum Würzen Den Fisch mit der frischen Petersilie etwa 15 Minuten in etwas Wasser andünsten. Danach abkühlen lassen und zerkleinern. Zwiebeln und Paprika klein schneiden und in einer Pfanne anbraten. Oliven zerkleinern. Diese und den Thunfisch zum Gemüse hinzufügen. Mit Salz, Pfeffer und Oregano würzen. Die Masse etwas abkühlen lassen - dann können die Taschen gefüllt werden: Je einen gut gehäuften Esslöffel Füllung in die Mitte geben, Teigfladen zuklappen (vorher "Nähte" mit Wasser betupfen, damit sie zusammenhalten), dann mittels eines der "Repulges" (Verschlussarten/-muster) oder - für Anfänger - mit einer Gabel fest verschließen und fertig geformte Empanadas einzeln mit Eigelb bestreichen. Für ca. 20 bis 25 Minuten (bis sie goldbraun sind) bei ungefähr 200°C in den Backofen, danach kurz abkühlen lassen und servieren. Buen provecho y felices Pascuas!
13.04.14, 09:53 Regina Mennig
An einem unserer Drehorte fahren wir zweimal vorbei, ehe wir merken: Sie liegt tatsächlich hier, in einer kleinen Straße mit staubiger Piste, hinter einem unscheinbaren Garagentor - die Sendestation von "FM Rock Zárate". Catalina ist hier als Studiogast eingeladen, in der Sendung "Memoria, verdad y justicia" - "Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit". Die Urteilsverkündung gegen ihre Zieheltern steht zwar kurz bevor, und in diesen Tagen betont Catalina immer wieder: Sie brauche Raum für Rückzug, sich öffentlich zu präsentieren koste sie sehr viel Kraft. Doch im Programm von FM Rock Zárate zu sprechen, ist ihr wichtig. Denn in der Region Zárate-Campana, etwa 100 Kilometer nördlich von Buenos Aires, sind ihre leiblichen Eltern zur Zeit der Diktatur politisch aktiv gewesen. Hier verliert sich Ende der 1970er Jahre die Spur ihres Vaters Raúl. Damals wie heute ist Zárate eine Industrieregion: geprägt von monströsen Metallfabriken und haushohen Frachtschiffen, die den Río Paraná passieren. Und damit ist sie auch geprägt von einer starken Gewerkschaftsbewegung, von linken Aktivisten. Das hat die Gegend zu einer besonderen Zielscheibe des Militärregimes gemacht. Auf der Fahrt nach Zárate erzählt uns Catalina, dass die Militärs hier besonders viele Menschen gefoltert und verschleppt hätten. "Die Angst ist immer noch sehr präsent", sagt Catalina. In Zárate-Campana komme gerade erst in Gang, was in den größeren Städten des Landes inzwischen an der Tagesordnung sei: über die Diktaturverbrechen zu sprechen und die Täter anzuklagen. Das Schweigen brechen wollen in Zárate die (ehrenamtlich arbeitenden) Radiomacherinnen von "Memoria, verdad y justicia". Auf Sendung mit Mate, Bonbons und Taschentüchern Wenige Minuten vor Sendungsbeginn treffen sie ein. Unsere Zweifel, ob das Programm pünktlich beginnen wird, sind schnell zerstreut. Die fünf Frauen haben offensichtlich Routine in dem, was sie tun. Sie nehmen auf den Gartenstühlen rund um den Sendetisch Platz, stellen ihre Mikros ein. Karina, Mutter von vier Jungs und die Lauteste von allen, startet einen steinalten Redaktionscomputer und postet für die Facebook-Fangemeinde, was heute Thema der Sendung ist. Nebenbei kursieren ein Becher mit Mate-Tee, eine Tüte Bonbonbs und der Witz, ob Karina auch ihre Taschentücher dabei habe. Sie hat den Ruf der besonders mitfühlenden Interviewerin, die regelmäßig in Tränen ausbricht. Ruhender Pol in der quirligen Runde ist Jorge. Ihm gehört die Sendestation des Bürgerradios "FM Rock". Aufgebaut hat er sie mit ausgemustertem Equipment von anderen Radiostationen - außerdem könne er gut improvisieren, erzählt er uns lachend. Ein Blick hinter die Kulissen von "FM Rock" findet ihr in unserem Facebook-Album unter https://www.facebook.com/media/set/?set=a.278967478946173.1073741835.240186212824300&type=1 Und wenn ihr neugierig seid, was Catalina bei FM Rock erzählt hat, dann seid gespannt auf unseren Film - und bleibt treue Fans unseres Projekts :) Wir wünschen euch einen schönen Frühlingssonntag!
06.04.14, 17:02 Jenny Hellmann
Es ist ein lauer Sommerabend, in den hippen Bars um die Plaza Francia entspannen sich die Porteños (die Bewohner von Buenos Aires) vom Arbeitstag. Doch wir sind ganz und gar nicht in Feierabendstimmung. Wir haben das Gefühl, es steht einer der wichtigsten Momente unseres Projekts bevor: die Begegnung mit Catalina. Wir kennen ihr Gesicht von einem Video der "Großmütter der Plaza de Mayo" - sie erzählt darin zum ersten Mal öffentlich etwas über ihre Geschichte, wirkt matt und mitgenommen. Die Catalina, die schließlich auf uns zukommt, erscheint uns ganz anders: eine junge Frau mit neugierigem Blick, Sommerbräune, einer bunten Kette um den Hals. Sie möchte im hinteren Teil des Cafés Platz nehmen, wo wenig Trubel herrscht: Menschen an Nebentischen sollen nicht unbedingt von unserer Unterhaltung mitbekommen. Anfangs betont sie, dass ihre Kräfte so kurz vor dem Gerichtsprozess schwanken - dass sie nicht weiß, wie weit sie mit uns gehen kann. Je länger wir zuhören, desto tiefer geht Catalina darauf ein. Wir erfahren, wie schockierend sie es empfand, als sie ihrem Ziehvater unvermittelt auf der Straße begegnete. Vor dem Prozess wurde er unter Hausarrest gestellt, Catalina fühlte sich eigentlich "sicher" vor ihm. Wir erfahren, was für Catalina ein wichtiger Teil ihres "neuen" Lebens ist: zusammen mit den Großmüttern der Plaza de Mayo aufzuklären und dafür zu kämpfen, dass sich noch mehr verschwundene Enkel ihrer Geschichte stellen. Nur einen Tag nach unserem Treffen finden wir eine Einladung in unserem Mail-Postfach. Catalina wird mit einigen Großmüttern vor einer japanischen Delegation sprechen. Ob wir mit der Kamera dabei sein wollen? Ein japanisches Spektakel, das verbindet So brechen wir wenig später zu unserem ersten "richtigen" Drehtag auf. Wir sind gespannt auf das rätselhafte "Peace Boat", mit dem die japanische Reisegruppe in Buenos Aires Station macht - und gespannt auf die Großmütter der Plaza de Mayo, die wir an diesem Tag zum ersten Mal in versammelter Runde erleben würden. Der Schauplatz scheint uns ideal, um Aufnahmen für ein paar geschichtliche Hintergründe mitzunehmen: das Gelände der ehemaligen Militärschule "Escuela Superior de Mecánica de la Armada" (ESMA). Während der Diktatur war hier das größte geheime Folterzentrum des Landes untergebracht, viele der geraubten Kinder kamen dort zur Welt. Inzwischen ist die ESMA eine Gedenkstätte, in der zahlreiche Menschenrechtsorganisationen Raum gefunden haben. Atemberaubendes Drehmaterial für den Film bringen wir an diesem Tag nicht in den Kasten. Die Delegation des japanischen "Peace Boat" entpuppt sich als kuriose Kreuzfahrtgesellschaft, die nicht nur zu den gewöhnlichen Sehenswürdigkeiten geschleust wird, sondern auch zu sozialen oder ökologischen Projekten. Und so sind unsere Aufnahmen dieses Spektakels durchzogen von der durchdringenden Stimme der japanischen Übersetzerin und vom Klicken der Fotokameras. Auch Catalina und die Großmütter sind offensichtlich überrascht, wo sie da hinein geraten sind. Am Ende des Tages klingeln uns die Ohren von japanischem Stimmengewirr. Und das gedrehte Material können wir wohl allenfalls fürs Making Of unseres Films verwenden. Aber gerade weil er so skurril war, wird dieser Drehtag ein entscheidendes Erlebnis mit Catalina. Beim nächsten Telefonat mit ihr ist die Peace Boat-Aktion Gesprächsthema Nummer eins. Und auch später kommen wir mit Catalina immer wieder auf die Klischees zurück, die wir an diesem Tag erlebt haben. Eins steht fest: Die Japaner haben das Eis gebrochen!
23.03.14, 16:27 Jenny Hellmann
Januar 2013 - das bedeutete für uns argentinischer Sommer statt deutscher Winter. Argentinischer Sommer bedeutet wiederum: Wer kann, entflieht der Hitze von Buenos Aires in einen Badeort an der Küste. Und so kriegt man an sämtlichen Türen, an die man klopft, zu hören: "Hier wird erst im Februar wieder voll gearbeitet." Auch im Haus der Großmütter der Plaza de Mayo, unserer wichtigsten Anlaufstelle in den ersten Tagen, gab es nur eine kleine Besetzung (das Bild zeigt die Sekretärin an der Rezeption - hier haben wir viel Zeit mit Warten verbracht). Unser treuester Helfer wurde in diesen Tagen Quique von der Pressestelle der "Abuelas". Er erzählte uns von den gesuchten Enkeln, die in jüngster Zeit wiedergefunden worden sind - auch die Geschichte von Catalina de Sanctis. Ihr Fall ging uns besonders nahe, da ihr Ziehvater selbst in den Mord an ihrer leiblichen Mutter verwickelt gewesen sein soll. Der Gerichtsprozess gegen Catalinas Zieheltern sollte im Februar in die Schlussphase gehen, die Urteilsverkündung stand bevor. Wir legten all unser Fingerspitzengefühl in eine Nachricht an Catalina, fragten sie, ob sie sich mit uns treffen würde. Uns stockte ein bisschen der Atem, als wir schon kurz darauf eine Nachricht bekamen: "Liebe Jenny, liebe Regina. Ich danke euch für euer Interesse. Wie ihr wisst, durchlebe ich gerade eine sehr schwierige Zeit. Dennoch möchte ich mich gerne mit euch treffen, um euch kennenzulernen. Ich kann nichts versprechen, da ich zur Zeit sehr auf mich aufpassen muss. Viele Grüße, Catalina." Wie unsere Begegnung mit Catalina verlaufen ist, und an welche ungewöhnlichen Orte uns unsere erste Protagonistin in den folgenden Wochen brachte, erzählen wir euch im nächsten Blog-Eintrag!
17.03.14, 11:34 Regina Mennig
Das Jahr 2013 ist erst wenige Stunden alt, als wir ins Flugzeug nach Buenos Aires steigen, voller Überlegungen, wie wir uns dem Thema der geraubten Kinder in Argentinien nähern können. Werden wir Betroffene finden, die uns ihre Geschichte erzählen? Werden wir soviel Vertrauen gewinnen, dass sie uns Einblick in ihre Gefühlswelt geben - eine Gefühlswelt, die gerade erst von einer Lebenslüge erschüttert wurde? Schon in den Monaten vor unserer Abreise haben wir recherchiert, Kontakte gesucht, Mails geschrieben. Dabei steht fest: Die Schicksale der geraubten Kinder sind viel zu intim und aufwühlend, als dass man sie über ein Telefonat von Deutschland aus erfahren könnte. Einer unserer ersten Schritte in Buenos Aires ist ein Hintergrundgespräch mit einem Bekannten, der beim Strafgerichtshof von Buenos Aires arbeitet, im Referat für die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen. Auf dem Weg dorthin wird uns einmal mehr bewusst, wie aktuell und allgegenwärtig unser Filmthema in Argentinien ist. Neben ganz normalen Werbeplakaten finden sich in den Straßen von Buenos Aires auch Tafeln mit der Aufschrift: "In diesen Weihnachtstagen erwarten wir dich mit offenen Armen. Wenn du Zweifel an deiner Identität hast, wende dich an die Abuelas der Plaza de Mayo". Die Methoden der Großmütter der Plaza de Mayo, ihre verschwundenen Enkel zu finden, haben sich im Laufe der Jahre stark verändert. Kurz nach dem Ende der Diktatur gingen sie an Schulen und erzählten, dass in Argentinien nicht alle Kinder bei ihren richtigen Eltern leben. Später, als sie in der argentinischen Gesellschaft bereits zu einer Instanz im Kampf gegen die Diktaturverbrechen geworden waren, schalteten die "Abuelas" Spots im Fernsehen. Etwa mit einem jungen Mann, der in den Spiegel schaut und sich fragt, warum er niemandem in seiner Familie ähnlich sieht. Dieser Spot spielte für unsere Protagonistin Catalina eine große Rolle, wie wir später erfahren sollten. Heute sind die Kinder, nach denen die "Abuelas" suchen, Mitte 30 und haben wahrscheinlich selbst schon Kinder - darauf zielt der aktuellste Spot der Großmütter-Organisation ab: Er zeigt eine Frau mit einem Baby, ihre Mutter begleitet sie zur Vorsorge-Untersuchung mit dem Kleinen. Auf die Frage der Ärztin, ob es in der Familie erbliche Krankheiten gibt, reagiert die Großmutter irritiert; schließlich fragt sie, ob das denn so wichtig sei. Das Video endet mit dem Aufruf: "Überlass' deinem Kind nicht das Erbe des Zweifels. Kläre jetzt deine Identität." Unter folgendem Link könnt ihr euch das Video ansehen: http://www.youtube.com/watch?v=gLTIK0mU7x4
15.03.14, 11:17 Jenny Hellmann
Buenos días! Die Kollegen von Startnext finden, dass wir einen ganz famosen Crowdfunding-Auftakt hingelegt haben und nehmen uns daher in die Kategorie "Empfehlungen" auf. Weiter so, liebe Fangemeinde :) Beliebtestes Dankeschön ist derzeit übrigens die DVD mit Mate-Set. Können wir auch jedem ans Herz legen: Mit Mate-Tee kommt man mindestens so gut in den Tag wie mit Kaffee! Matetrinken ist außerdem unverzichtbar, wenn man in Argentinien ein gutes Gespräch führen will - egal ob mit Protagonisten, mit Großmüttern oder mit Dorfpolizisten... Aber dazu bald mehr: in einer Reihe kleiner Geschichten rund um unsere Dreharbeiten in Argentinien, hier auf unserem Blog!
13.03.14, 20:18 Jenny Hellmann
Ab jetzt könnt ihr euch unsere Dankeschöns auf Startnext sichern und damit das Doku-Projekt unterstützen. Warum Mitmachen wichtig ist, könnte wohl niemand besser sagen als Rosa Roisinblit, die 93-jährige Vize-Präsidentin der "Großmütter der Plaza de Mayo".