Sumud for Freedom - Art against occupation
Im Juni 2017 möchten wir, das Arab Educational Institute (AEI) und zwei Freiwillige, ein Kunst- und Musikfestival in Bethlehem organisieren. Bethlehem, bekannt durch die Geburt Jesu, steht unter israelischer Besatzung und ist heute von einer z.T. acht Meter hohen Mauer umgeben. In dieser Umgebung möchten wir die hier lebenden Palästinenser*innen unterstützen, den Mut nicht aufzugeben und durch Kunst und Musik ihren Protest auf friedliche Weise auszudrücken. Dafür brauchen wir eure Unterstützung!
8.207 €
7.000 € Fundingziel
79
Unterstützer*innen
Projekterfolgreich
31.07.2017

Sumud for Freedom Kunstfestival am 5. und 6. Juni 2017

Ida
Ida4 min Lesezeit

„Sumud for Freedom“ war der Titel des öffentlichen Events zum Gedenken an 50 Jahre Besatzung, das vom AEI organisiert und am 5. Juni umgesetzt wurde. Es fand vor der Mauer im nördlichen Teil Bethlehems statt. Die Mauer ist Realität und ein Symbol für die Besatzung sowie für die Fragmentierung des Palästinensischen Landes und der Bewohner*innen. Einige hundert Leute, u.a. der Bürgermeister von Bethlehem und eine Besucher*innengruppe von Pax Christi Deutschland, nahmen am Programm teil, welches Montag und Dienstag präsentiert wurde,. Am gleichen Ort fand am Dienstagabend auch ein gemeinschaftliches Iftar statt (Abendessen während des Ramadan um das Fasten zu brechen).

Das palästinensische Konzept von Sumud, wörtlich übersetzt mit Standhaftigkeit, unterstreicht die Verbindung zum Land, zur Gesellschaft und zur traditionellen Kultur. Ein Programm für Kinder, durchgeführt vom ‚Inad Theatre‘ aus Beit Jala, zeigte eine amüsante Konversation eines Großvaters und seines Enkels, der unter anderem etwas über den gesunden Effekt von frischen Früchten aus nun weitgehend gestohlenem Land lernte. Die Frauen des Bethlehem Sumud Chors zeigten ihr Kulturerbe in ihren Liedern und traditionellen roten bestickten Kleidern. Wie man rhythmisch die Verbindung zum Land zeigen kann, präsentierte eine Jugend Dabkeh (traditioneller Tanz) Truppe aus dem Dorf Wadi Fouqeen in der Nähe von Bethlehem.

Das Arab Educational Institute unterstützt und fördert „living together“ (Zusammenleben) innerhalb der palästinensischen Gesellschaft, gegen Fragmentierung und für eine Überwindung von verschiedenen kulturellen und religiösen Grenzen innerhalb der Gesellschaft. Dieses Schuljahr hat eine Gruppe Jugendlicher des AEI Youth House und der griechisch-katholischen Schule in Beit Sahour Ausflüge zu muslimisch-christlichen Plätzen innerhalb der Westbank veranstaltet, um solches Zusammenleben zu stärken. Während des Events präsentierten sie ihre Schlussfolgerungen. Die Grundsätze wurden am nächsten Tag in die Praxis umgesetzt, als ein Iftar-Essen, begonnen mit den traditionellen gesunden Datteln, von etwa 150 muslimischen und christlichen Menschen in Gegenwart lokaler muslimischer und christlicher religiöser Persönlichkeiten geteilt wurde.

Man konnte den Ruf nach Freiheit in der Musik des Bethlehemer Sängers George Thalgieh und der Jugend Musik Gruppe Sawa (Zusammen) laut hören, die zuletzt ein Menschenrechtslied sangen: „The world should be a fair place, where we can all live in peace…” („Die Erde sollte ein fairer Ort sein, wo wir alle in Frieden leben können...“)

Das internationale Engagement bestand aus zwei Teilen. Die meisten der englischsprachigen Poster konnten bereits an der Mauer befestigt werden als Teil des „Wall Museums“. Sie geben Hintergrundinformationen über Themen, die in früheren Mauer-Plakaten hervorgehoben wurden. Jedes neue Poster erklärt eine bestimmte Dimension der Besatzung – die vielen Formen von grausamem physischem und psychischem Druck, den Individuen und die palästinensische Gemeinschaft als Ganzes erleben wie Hauszerstörungen, Vernehmungen, Ausgangssperren, Gewalt von Siedlern, usw. Aber um zu zeigen, dass die Menschen weit davon entfernt sind nur Opfer zu sein, beschreiben die Poster auch 50 Formen von Sumud parallel zu den 50 Schattenseiten der Besatzung. Die Definition von Sumud wird unterstützt von großen farbigen Zeichnungen, die von palästinensischen Frauen und Jugendlichen in den Monaten davor mit der Hilfe einer niederländischen und einer britischen Künstlerin angefertigt wurden.

Außerdem trugen 20 internationale Künstler*innen und Künstlergruppen zu einer digitalen Ausstellung bei, die auf einem Bildschirm hinter der Bühne gezeigt wurde. Die Kunstwerke zeigten Visionen der Besatzung und Freiheit. Die Künstler zeichneten abstrakte Formen eines schrumpfenden Raums, beschrieben das Schicksal von Gaza in einer sensiblen Zeichnung, malten die Seele der palästinensischen Bevölkerung, sangen die Lyrik eines Vogels, der auf der Mauer auf beide Seiten schaut, zeigten die schreckliche Lage in den Flüchtlingslagern in Griechenland (man denkt automatisch an palästinensische Flüchtlingscamps), sangen eine biblisch inspirierte Botschaft.

Die Niederländerin Marlies Verda hielt einen Vortrag und erklärte, wie sie als bildende Künstlerin nach den menschlichen Gesichtern ihrer Vorfahren gesucht hat, die während des Zweiten Weltkrieges in Europa umkamen und die sie nie kennenlernte. In einer Serie von Selbstporträts schafft sie diese Gesichter in einer Weise zu malen, dass jeder seinen eigenen Namen und Gesicht und Menschheit in sie projizieren kann: "Das könnte ich sein, das könntest du sein." Die menschlichen Verbindungen sind der Schlüssel.


Das AEI bedankt sich bei:
- den Künstlerinnen, die das Malen und Zeichnen der Jugendlichen und Frauen ermöglichten: Ada Krowinkel und Angela Blackwood.
- Die Crowdfunder und die, die es ermöglichten, einschließlich Johanna und Ida in Deutschland und den Friends of Young Bethlehem in den Niederlanden
- Den teilnehmenden palästinensischen Künstler*innen: George Thalgieh, Bethlehem Sumud Chor, Sawa und Wadi Fouqeen Dabkeh Truppe
- Den internationalen Künstler*innen: Christine Bader (Deutschland), Klaus Fezer (Deutschland), Forschungsgruppe Kunst (Deutschland), Sibylle Hofter (Deutschland), Roger Iredale (England), Ada Krowinkel (Niederlande), Mélina Mauberret (Frankreich), Lidy Meier (Niederlande), Christa Niestrath (Deutschland), Armin W. Nimra-Ruckerbauer (Österreich), Gangolf Peitz (Deutschland), Anke Pfaundler-Spiegel (Österreich, Deutschland), Carla Rus (Niederlande), Gudrun Ryssel (Deutschland), Elena Sofia Stranges (Italien), Unamore (Niederlande), Marlies Verda (Niederlande), Peace Choir, Oisterwijk ca (Niederlande), Thijs Verster (Niederlande), Willem k Vreeswijk (Niederlande).


Arab Educational Institute
Bethlehem
10.6.2017

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