Der Kick
„Wir haben nischt mitbekommen. Keiner weiß wat, keiner wußte wat, keiner weiß wat.“ Ein dokumentarisches Theaterstück über den brutalen Mord an Marinus Schöberl 2002. Die ungeheuerliche Kälte und Beiläufigkeit der Tat sowie die befremdliche Empathielosigkeit der Dorfbewohner werfen existenzielle Fragen auf. In unserem Schauspielprojekt geht es uns also um die Auseinandersetzung mit dem eigenen Menschsein, um ein Infrage stellen der eigenen Souveränität: Ist die Bestie beherrschbar?
16.045 €
finanziert
186
Unterstützer*innen
Projekterfolgreich
Flexibles Projekt: Die gesammelte Summe wird ausgezahlt.
Gefördert von kulturMut 2013
Cofunding 10.240 €
08.11.2013

"War'n beide in der Szene - das is wie Familie."

Kick
Kick2 min Lesezeit

Diese Aussage kommt von Sandra B., die Freundin von einem der Täter, Marco S. Sie ist rechtsradikal und steckte selbst, aufgrund brutaler Gewalttaten, im Gefängnis.

Ich denke, hinter diesem Satz steckt die Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe. Nach einem Halt. Daraus lässt sich schließen, dass Sandra aus eher schlechten Familienverhältnissen kommt (Eltern haben sich zu wenig bzw. gar nicht um sie gekümmert, vielleicht sogar misshandelt, usw.) und in der rechten Szene, da bekommt sie plötzlich ein Gemeinschaftsgefühl und verliebt sich obendrein auch noch in einen Jungen aus der Gruppe. Marco. Und der gibt ihr alles, was sie braucht und was sie nie von ihrer eigentlichen Familie bekommen hat.
So leicht kann man in diese Szene "reinrutschen". Ich glaube nicht, dass Sandra sich vorher mit „Nationalsozialisten“ und "Rassismus" auseinandergesetzt hat. Aber als sie dann so schnell Anschluss an diese Leute findet, dann ist ja erst mal alles super. Und dann soll es ja auch super bleiben, also heißt es: denken wie die, so sein wie die…

Und das ist eben für mich auch eins der wichtigsten Erkenntnisse im KICK, nämlich dass diese Jugendliche überhaupt nicht selbst nachdenken, was sie da tun und sagen. Die hängen sich vielmehr an das, was in der Gruppe gesagt wird und tragen das so weiter.
~ Katrin Flüs