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Projekte / Journalismus
Behinderte Kids: abgehängt oder integriert? Was bringt Inklusion?
Seit 2009 versucht Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und Menschen mit Handicap in die Gesellschaft voll einzubinden. Ich will mir ansehen, welche Probleme es dabei in Schule und Beruf gibt. Sind die Lehrer an Regelschulen darauf vorbereitet, dass ein verhaltensauffälliges Kind im Unterricht aufspringen und den Tisch umwerfen kann, wenn es nicht raus darf? Und warum finden junge Mensch mit Behinderung auch nach dem inklusiven Hauptschulabschuss keinen Job?
2.403 €
2.400 € Fundingziel
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Projekt erfolgreich
 Behinderte Kids: abgehängt oder integriert? Was bringt Inklusion?

Projekt

Finanzierungszeitraum 29.07.15 21:49 Uhr - 11.09.15 23:59 Uhr
Realisierungszeitraum August-Dezember 2015
Fundingziel 2.400 €
Stadt Dortmund
Kategorie Journalismus

Worum geht es in dem Projekt?

Inklusion - auch abseits vom Papier?

Erst vor Kurzem wurde Deutschland international heftig gerügt, weil es andere Europäer auspresst, sondern weil es einige Menschen im eigenen Land zurücklässt. Die UN prüfte im März, wie stark sich die Bedingungen für Menschen mit Behinderung in den einzelnen Unterzeichnerstaaten der UN-Behindertenrechtskonvention verbessert haben. Im Fall von Deutschland kritisierten die Experten, dass noch immer viele öffentliche Einrichtungen nicht für Menschen mit Behinderungen offen sind. Doch das ist nur eine grobe Beschreibung der Probleme, vor denen Deutschland beim Thema Inklusion steht. Ich möchte mir in dem Rechercheprojekt „Alle gleich?“ für CORRECT!V ansehen, wo es besonders hakt. Dabei möchte ich zum einen den Schulalltag genauer beleuchten, aber genauso auch auf einen Bereich schauen, der bisher noch viel zu wenig beachtet wird: Die berufliche Inklusion, also die Chancen und Probleme von Menschen mit Handicap im Arbeitsleben.

Inklusion- ein Thema für den Klassenraum

Noch ist keineswegs sicher, ob die schulische Inklusion so vorangeht, wie das gedacht war. Doch noch problematischer ist, dass die Inklusionsdebatte meist an der Institution Schule endet. Sonderschulen und Behindertenwerkstätten werden in dieser öffentlichen Auseinandersetzung – teils zurecht - als Ghettos kritisiert, in denen Menschen mit Behinderung isoliert werden. Manche Statistiken legen diese Argumentation nahe, denn laut Experten schaffen fast 75 Prozent der Schüler auf Sonderschulen keinen Schulabschluss und haben somit keinerlei Chance auf einen normalen Job.

Was passiert nach der Schule?

Ich möchte die Perspektive jedoch einmal erweitern und fragen: Was passiert mit den jungen Menschen, die inklusiv beschult wurden und die nun bereit sind, in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen? Welche Anknüpfungspunkte haben sie in einer Gesellschaft, in der laut Umfragen nur knapp ein Viertel der Unternehmen überhaupt schon einmal Erfahrung mit behinderten Menschen gemacht hat? Es scheint, dass die Inklusion hier endet.

Was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe?

Infolücken füllen und Probleme transparent machen

An diesem Punkt möchte ich ansetzen und sowohl mit Radio als auch Online-/ Printstücken mehr Einblicke in den Bereich Inklusion in der Arbeitswelt schaffen. Bisher liegen noch keine umfassenden Erkenntnisse darüber vor, wie oft inklusiv beschulte Kinder einen Abschluss schaffen und wie erfolgreich sie beim Übergang in den Arbeitsmarkt sind. Schätzungen zufolge finden insgesamt nur gut sieben Prozent der Schulabgänger mit Förderbedarf einen Ausbildungsplatz. Alle anderen gehen leer aus. Da stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass es bis heute kaum Jobs für Menschen mit Behinderung gibt? Schon die skizzierten Schlaglichter zeigen, dass die staatlichen und politischen Maßnahmen in der Arbeitswelt offenbar versagen.

Ein Problem sehen Experten darin, dass diejenigen, die heute über Karrieren entscheiden, in der Schulzeit selbst kaum Kontakt zu Menschen mit Behinderung hatten. Um wirkliche Inklusion und somit auch die Teilhabe behinderter Menschen an der Wirtschaftsaktivität eines Landes zu erreichen, müssen solche Berührungsängste abgebaut werden. Doch ein wenig mehr Sensibilität bei den Personalern allein wird nicht reichen, damit für junge Menschen die Inklusion nicht nach der Schulzeit endet, stattdessen müsste sie aktiv vorangetrieben werden. Das passiert bisher nicht. Welche Interessen in Politik und Wirtschaft halten den Status Quo aufrecht? Welche Talente gehen dadurch verloren, was bedeutet das für die einzelnen Menschen? Und wo gibt es positive Beispiele, die den Weg weisen? Das würde ich in meiner Recherche gern herausfinden.

Inklusiver Schulalltag ungeschminkt

In einem zweiten Schritt würde ich gern beim Thema schulische Inklusion genauer hinsehen und zwar über Statistiken wie Inklusionsquoten hinaus. Einerseits gibt es noch viele Hindernisse für Schulinklusion, sie findet noch immer nur eingeschränkt statt. Studien zeigen, dass zwar die Zahl inklusiv beschulter Kinder steigt. Gleichzeitig bleibt die Quote der Kinder auf Förderschulen aber konstant, weil insgesamt bei mehr Kindern Förderbedarf diagnostiziert wird. Verbandsvertreter und Eltern berichten, dass einige Kinder trotz aller Bemühungen des Umfeldes doch nicht inklusiv beschult werden können. Schulen und Behörden treffen schlicht zu wenige Vorbereitungen, um ein Kind angemessen aufzunehmen, in anderen Fällen entscheiden Schulbehörden trotz Rechtsanspruch gegen eine Inklusion und blockieren Fördermaßnahmen.

Andererseits werden teils sehr ideologische Debatten geführt, etwa darüber, ob Sonderschulen parallel zu inklusiven Regelschulen bestehen bleiben sollten. Studien prognostizieren personelle Engpässe bei den benötigten Sonderpädagogen, wenn beide Systeme gleichzeitig laufen. Das schürt Sorgen, dass durch das zweigliedrige System behinderte Kinder doch wieder gezielt aus der Regelschule herausgehalten werden könnten. Es stellt sich jedoch auch die Frage, was passiert, wenn Einrichtungen wie die Förderschulen wegen sinkender Anmeldungszahlen abgewickelt werden und somit bald nicht mehr als Alternative zur Verfügung stehen.

Was bringt der Kampf der Ideologien?

Einige Eltern sehen die Förderschulen für ihr Kind bisher als besseren Lernort an. Denn die finanziellen und vor allem personellen Rahmenbedingungen für die Inklusion an Regelschulen reichen in ihren Augen nicht aus, damit jedes Kind dort bestehen kann. Stattdessen drohen ganzen Klassen und einzelnen Kindern höchst unangenehme Situationen: Was passiert etwa, wenn ein Kind mit Verhaltensstörungen einmal Freiraum zum Abreagieren braucht, die Fachlehrerin jedoch wegen zu wenig Personal mit der Klasse allein ist? Und was passiert, wenn ein Freiwilliger Sozialdienstleistender, der als günstiger Integrationshelfer in einer Inklusionsklasse eingesetzt wird, in eskalierenden Situationen ausrastet?

Das sind keine fiktiven Situationen, sie treten laut Insidern bereits auf. Aktuelle Umfragen zeigen, dass viele Lehrer einen akuten Mangel an Sonderpädagogen für die inklusive Beschulung sehen, Lehrerverbände fordern, dass weit mehr Personal eingestellt werden muss, damit die hehren Ziele erreicht werden können. Stattdessen wurden in einigen Ländern zuletzt auch Stellen abgebaut, etwa in Hamburg 2013.

Ich würde mir gern genauer ansehen, wie Inklusion unter diesen Umständen in der Realität abläuft. Findet genug Personalaufbau und räumlicher Ausbau statt, damit auch schwerstmehrfach behinderte Kinder angemessen lernen können? Wo verschleppen Behörden Vorkehrungen – und warum? Ich will nachhaken: Was bedeutet es für einzelne Menschen im konkreten Alltag, wenn Behörden stützende Maßnahmen weiterhin blockieren? Was bedeutet es andererseits, wenn das Ideal der Inklusion teils um jeden Preis umgesetzt werden soll und einige Kinder durchs Netz fallen?

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Um festzustellen, ob die Teilhabe von Menschen mit Behinderung so funktioniert, wie sich die Gesellschaft das wünscht und vorstellt, reicht es nicht, Statistiken anzuschauen. Es reicht auch nicht, sich theoretisch dazu zu bekennen, dass alle die gleichen Chancen und auch die gleiche Aufmerksamkeit bekommen sollen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass sich die Inklusion teils genau darauf beschränkt, während in der Praxis viele Blockaden vorhanden sind. An entscheidenden Stellen wie etwa bei der beruflichen Inklusion wurden bisher viel zu wenig Gedanken in gute Konzepte gesteckt, sodass die Teilhabe der Menschen scheitert. Das ist ein Problem, nicht nur aus moralischer Sicht, sondern auch aus ökonomischer Perspektive: So verkümmern Kompetenzen - die Konsequenz ist, dass Menschen mit Behinderung sich nicht entfalten können und stattdessen abhängig vom Staat bleiben.
Ich würde mit Ihrer Unterstützung gern Knackpunkte des Systems aufzeigen, an denen die Inklusion momentan festhängt. Ich möchte problematische Ideologien einerseits und alternative Lösungsansätze andererseits aufzeigen. Um Antworten zu finden, brauche ich Ihre Unterstützung! Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir helfen, dieses Recherchevorhaben umzusetzen.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Viel Vorortrecherche und E-Mail-Schlachten mit Behörden für ein möglichst umfassendes Bild des bundesweiten Inklusionsalltags.

Wer steht hinter dem Projekt?

Karen Grass, seit dem Journalistikstudium an der TU Dortmund und einem Volo bei der taz als freie Journalistin in Dortmund aktiv.

Karen Grass
Impressum
Correctiv - Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH
Christian Humborg
Huyssenallee 11
45128 Essen Deutschland

Einzeln vertretungsberechtigt:
Dr. Christian Humborg, David Schraven
Steuernummer 112/5754/1437
Handelsregister Essen
HRB 25135

Fotos: Roland Geisheimer/attenzione; Fotolia/rootstocks

Kuratiert von

CORRECTIV

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