Projekte / Social Business
Mit meiner mobilen KLANGVISITE schenke ich mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Sterbenden Augenblicke der Geborgenheit, Trost und Entspannung am Krankenbett.
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Projekt erfolgreich
20.08.18, 14:06 Astrid Marion Grünling

6/25

Letzten Freitag kam ich abends müde aber glücklich von meiner sechsten Klangvisite aus dem Hospiz ADVENA in Wiesbaden-Erbenheim. “Man merkt einfach, das bringt eine andere Schwingung in die Bude” – so die Worte einer Palliative Fachkraft, während ich oben im ersten Stock auf dem Flur spielte. Aber von vorn...

Nach zweimonatiger asthma- und bronchitisbedingten – und daher recht stimmlosen – Pause habe ich letzten Freitag, den 17. August, meine Klangvisiten aus meinen Crowdfundingprojekt fortgesetzt.

Schon im Eingangsbereich fällt mir der Aushang ins Auge, mit dem meine heutige Klangvisite angekündigt ist. Auch später am schwarzen Brett und an den Flurtüren finde ich die Aushänge wieder mit den Worten „Am Freitag den 17. August ab 15 Uhr findet eine Klangvisite statt. Astrid Grünling wird uns mit ihren Harfenklängen erfreuen.“ Lydia Gretz, die Leiterin und Geschäftsführung des Hospizes hatte mir schon am Telefon mitgeteilt, die Klangvisite in der Teamübergabe anzukündigen. Es freut mich sehr, wie effizient mein musikalisches Angebot am Krankenbett von der Leitung und vom Team in den Hospizablauf eingebunden ist, was mir meine Arbeit ungemein erleichtert und dadurch den Gästen in höchst gewinnbringender Weise zugute kommen kann.

„Sie werden schon erwartet, die Leute freuen sich auf Sie“ werde ich vom Pflegeteam begrüßt.

Ich packe meine Harfe aus und nach kurzer Stimmung meines Instruments starte ich wie üblich meine Klangvisite mit einem Harfenspiel auf dem Flur. Ich beginne im Foyer des Erdgeschosses, und schon bald werde ich hineingezogen in das Tagesgeschehen.

Eine Dame, offensichtlich eine Besucherin, ist sichtlich angetan von meinem Harfenspiel und bringt ihre Freude darüber zum Ausdruck. Darüber kommen wir ins Gespräch. Auch ihre beiden erwachsenen Kinder sind da. Ich sage, dass ich mit Harfe auch aufs Zimmer komme. „Mein Mann ist heute morgen schon verstorben.“ Ich biete dennoch an, mit aufs Zimmer zu gehen, in dem der Verstorbene liegt, und spüre die Erleichterung der Angehörigen, die mein Angebot, mit ihnen in die Situation zu gehen, gerne annehmen.

Im Zimmer ist es ruhig, die Tür zur Terasse steht offen, es weht ein lauer Wind an diesem heißen Sommertag ins Zimmer, in dem der Verstorbene mit gelösten und entspannten Gesichtszügen in seinem Bett liegt. Jemand hat ein paar selbstgepflückte gelbe Sommerblumen neben ihn auf die Bettdecke gelegt. Es ist eine friedliche Stimmung im Raum. Die Angehörigen stehen ums Bett, und während wir uns unterhalten, beginne ich leise zu spielen. Die Mutter erzählt aus dem Leben ihres verstorbenen Mannes, von seinen Reisen, ihrem gemeinsamen Kennenlernen, seiner Arbeit, zuletzt seiner Krankheit. Ihre Worte scheinen ihr Halt zu geben. Sie erzählt und erzählt. Schon manches Mal habe ich erleben dürfen, dass mir am Krankenbett ganze Lebensgeschichten erzählt wurden, während ich Harfe dazu spiele. Es kommt mir dann immer wieder vor wie Filmmusik zu Lebensgeschichten. Ich lasse die Dame erzählen und begleite sie mit meinen Harfenklängen. Nach einer Weile bitte ich sie, draußen aus meinem Rucksack das kleine, in ein violettes Tuch eingehüllte Instrument zu holen. Als sie wiederkommt, zeige ich ihr, wie sie die Sansula, eine Art Daumenklavier (Abbildung unten), selbst spielen und mich damit zur Harfe begleiten kann. Sie fängt an zu spielen, erst zögerlich, dann immer zugreifender. Ganz versonnen lauscht sie den Klängen der Sansula, die sich mit denen der Harfe verweben. Außer den Klängen ist es nun ruhig im Zimmer. Nach einer Weile geht sie mit der Sansula an das Kopfende des Bettes zu ihrem Mann und spielt ihm die Sansula vor. Unter Tränen verabschiedet sie sich von ihrem Mann. Dann spielen wir wieder gemeinsam weiter, Sansula und Harfenklänge. Auch die Kinder finden nun ihre Verabschiedung vom Vater. Es sind bewegende Momente, auch für mich. Nachdem wir das Spiel ausklingen lassen gehen wir gemeinsam aus dem Raum. Der Bestatter ist angekündigt.

Auf dem Flur brauche ich eine kurze Pause, um in mir das Erlebte ausklingen zu lassen. Kaffee, kurze Gespräche im Vorübergehen, und schon spiele ich wieder im Foyer an meinem Instrument. Auch, um wieder zu mir zu kommen.

Ein Besucher betritt das Hospiz, lacht und freut sich, als er mich mit der Harfe sieht. Im Vorübergehen findet er anerkennende Worte. Auch ihm biete ich an, mit Harfe aufs Zimmer zu kommen, und er lädt mich sofort dazu ein. Als ich das Krankenzimmer betrete, ist es recht voll, der Sohn der Erkrankten mit seiner Frau, der Besucher von eben und einige Freunde stehen um das Bett der betagten kranken Dame. In ihrem Leben hat sie Musik sehr geliebt. Eine heiter gelöste, und gleichzeitig von Ernst und Traurigkeit getragene Stimmung ist im Raum. Oder ist es umgekehrt? Eine von Ernst und Traurigkeit getragene Fröhlichkeit? Ich füge mich mit meinem Spiel ein und bemerke bald, dass ich mich sehr zurücknehmen muss und gehe zu einem bewusst zarten und beruhigenden Harfenspiel über. Das macht sich schon bald an den immer regelmäßiger werdenden Atemzügen der Dame bemerkbar. „Musik ist für sie alles“, sagt der Sohn, der als Musiker selbst um die Wirkung der Musik weiß. „Das war genau das Richtige“. Ich bleibe noch eine Weile mit meiner Harfenmusik bei ihnen.

Später, wieder auf dem Flur, vergewissere ich mich bei der Pflege, ob ich noch bei einem Gast im Erdgeschoss gebraucht würde. Erst dann gehe ich nach oben.

Auch hier spiele ich auf dem Flur. Die Türen zu den Zimmern werden vom Pflegeteam nach Rücksprache mit den auf den Zimmer befindlichen Gästen geöffnet.

Ein Gast begibt sich aus seinem Zimmer mit einem Stuhl auf den Flur und setzt sich wie ein Zuschauer in die erste Reihe, um zu lauschen. Nach meinen eigenen Improvisationen und Kompositionen spiele und singe ich auch mein hebräisches Wiegenlied, das vor kurzem bei meinen ersten Babyschritten auf Gitarre enstanden ist. Nach meinem Abitur war ich ein Jahr in Israel und liebe den Klang der hebräischen Sprache sehr, und mit ein paar noch erinnerten Wortbrocken habe ich daraus ein einfaches Wiegenlied komponiert. Von diesem Lied ist er besonders angetan. Ich muss ihm hoch und heilig versprechen, meine Klangvisite nächste Woche so anzukündigen, dass seine Frau rechtzeitig ihren Besuch planen kann, damit sie gemeinsam den Harfenklängen lauschen können. Harfenmusik hatte dem Paar in seinem gemeinsamen Leben viel bedeutet.

Ich verabschiede mich persönlich von den Gästen, auch denen, die bei offener Tür auf ihren Zimmern anteilnehmend gelauscht haben. „Sie haben uns viel Freude bereitet“, verabschiedet sich ein Gast von mir.

Der Schwerpunkt meiner Klangvisite letzten Freitag lag auf der Arbeit mit den Angehörigen, aber nicht nur. Besonders viel Freude hat mir gemacht, was für eine Resonanz ich auf mein selbstkomponiertes hebräisches Wiegenlied „Leila tov katan“ erleben durfte. Und das Feedback von Lydia Gretz fasst es schön zusammen: "Es war so gut, dass du heute da warst – wurdest gebraucht".

Ich werde die nächsten Wochen einmal die Woche im Hospiz ADVENA spielen. Es macht mir immer wieder sehr viel Freude in das Haus mit seiner wohltuenden Atmosphäre zu kommen. Ich freue mich schon wieder auf nächste Woche!

© Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe
www.klangvisite.de

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