Projekte / Social Business
Mit meiner mobilen KLANGVISITE schenke ich mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Sterbenden Augenblicke der Geborgenheit, Trost und Entspannung am Krankenbett.
5.704 €
5.500 € Fundingziel
50
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Projekt erfolgreich
01.10.18, 05:24 Astrid Marion Grünling

12/25
Wie tröstend und unterstützend die Harfe gerade auch in der Begleitung von Angehörigen Sterbender wirkt, davon erzählt meine Klangvisite im Hospiz Advena vom 28. September.

Zum achten Mal sollte ich im Rahmen meines crowdfundingfinanzierten Projekts auf Klangvisite mit Harfe im Hospiz Advena in Erbenheim sein. Noch bevor ich das Erinnerungsbuch aufgeschlagen haben werde, um zu sehen, wer in der letzten Woche verstorben ist, weiß ich, dass ich Herrn Stiller (Name geändert) nicht mehr auf seinem Zimmer antreffen werde. Seine Angehörigen haben mich per Email angeschrieben. Letzten Montag habe ich in zwei sehr berührenden Dankes-Mails von seinen Töchtern erfahren, dass Herr Stiller eingeschlafen ist. Ihr Vater hat am Samstag endlich seinen Frieden gefunden. Am Schluss ging es doch erstaunlich leicht und schnell, nachdem er vorher so lange kämpfte. Sie haben meine Geschichten über Herrn Stiller gelesen und finden sie sehr schön. Ich habe bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie sagen Danke, auch ihnen haben meine Besuche sehr gut getan. Danken für meine Besuche, die Gespräche, einen Händedruck und die Zeit die ich mit ihm verbrachte. Er habe sich sehr darüber gefreut. Nie werden sie den Ausdruck in seinem Gesicht vergessen als er mich, schon schwer geschwächt, noch einmal gespürt hat. Es war so schön gewesen für sie, als ihr Vater nach zwei Tagen Schlaf die Augen aufschlug, als ich die Hand auflegte. Sie danken dafür, dass ich ihrem Vater im Hospiz Advena noch so schöne Momente beschert habe. Und für meine Artikel über „Herrn Stiller“.

Am Freitagmorgen, der Morgen meiner heutigen Klangvisite, fühle ich mich beim Aufwachen eingehüllt in eine weiche, tragende Energie. Ich fühle mich unendlich umhüllt, geborgen und beschützt. Eine Energie, die mich noch ein paar Tage begleiten sollte. Die sich anfühlt wie eine beschützende und unterstützende Hand im Rücken. Eine tiefe Zuversicht und Klarheit, das alles gut ist, erfüllt mich. Eingehüllt in diese Energie fahre ich am Nachmittag ins Hospiz.

Mit bretonischen Melodien auf Harfe beginne ich meine Klangvisite im Foyer im Erdgeschoss. Schon bald bin ich nicht mehr allein. Die Dame, die schon letzte Woche mit ihren Freundinnen lauschend bei mir stand, ist wieder da. Mit knallrot gefärbten Haaren kommen sie gerade vom Einkaufen und Eisessen. Sie verweilen lauschend und berührt für ein Weilchen bei den Klängen. Der Bewohner, der die letzten beiden Male mit seinem Rollstuhl in erster Reihe stand, liegt auf seinem Zimmer. Eine Pflegerin erzählt mir, dass er zu meinen Stücken auf dem Zimmer mitgesungen hat.

Ein für sein Alter unglaublich jung wirkender älterer Herr setzt sich zu uns und macht es sich bequem. Er bleibt lange. Die Dame von vorhin ist mit ihren Freundinnen wieder aufs Zimmer gegangen und er ist der einzige Gast im Foyer. Er badet regelrecht in den Klängen, die ihn offensichtlich Kraft tanken lassen. Zwischen den Stücken kommen wir peu à peu ins Gespräch. Seine Tochter ist hier im Hospiz. Verflixte Hacke, sie ist nur ein Jahr älter als ich. Das sind die Augenblicke, in denen ich in einen Punchingball reinhauen möchte. Wenn der Dreckskrebs so mitten im Leben eine Spur der Entzweiung und des Schmerzes reißt.

Unser Gespräch bette ich ein in tragende Harfenstücke. Ich zeige ihm, wie er eine Klangmassage nehmen kann, indem er die Hand auf den Resonanzkörper der Harfe legt, während ich spiele. Die Klänge, die er nun über Hand und Arm fühlt, tun ihm sichtlich gut. Er ist ganz fasziniert von der Harfe. Er selbst ist, wie ich, Anfänger auf der Gitarre. Seine Neugier ist geweckt und er beginnt, selbst ein paar Saiten zu zupfen. Ganz offensichtlich sucht er eine Melodie. Nach einer Weile erkenne ich Fragmente der Spanischen Romanze, ein beliebtes Stück für Gitarrenspieler, und führe den ersten Part der Melodie in E-Moll fort. Er erkennt die Melodie, nach der er suchte, und freut sich. Da ich das Stück mit seinen Tonartwechseln auf der keltischen Hakenharfe nicht ad hoc ohne Noten spielen kann, suche ich eine schöne Gitarrenfassung auf youtube und spiele sie über meinen Bluetooth-Lautsprecher. Die Spanische Romanze klingt im Foyer und wir verweilen im Zuhören. Ich sehe was für ein Geschenk diese Minuten für ihn sind und bin still, bis das Stück verklingt. Später geht er wieder zurück auf das Zimmer seiner Tochter, wo auch Mutter, Schwester und Schwiegersohn sind.

Eine Palliativpflegerin fragt mich im Foyer, ob ich Hunger habe, in der Küche gibt es Weißwürste und süßen Senf. Musikmachen macht hungrig, und so überlege ich nicht lange und folge ihr in die Küche. Mit Weißwurst, Senf und Semmel setze ich mich in den Aufenthaltsraum, in dem sie und ein Kollege gerade Pause machen. Schon bald entwickelt sich ein tiefsinniges Gespräch über die Wirkung meiner Klangvisiten mit Harfe im Hospiz, über die Wirkung von Musik im allgemeinen und Mantren, über Chakren, Yoga, Meditation, Religion und ob es ein Danach gibt, nach dem Tod.

Die Pflegerin erzählt, was sie schon mal gesagt hatte in einer meiner Klangvisiten davor, dass die Harfe eine andere Schwingung in die Bude bringt und dass viel weniger geklingelt würde, wenn ich mit der Harfe da bin. Und dass auch sie sich anders fühlt, es ist eine ganz andere Stimmung, eine sehr beruhigende und wohltuende. Sie meint, ich sei mir vielleicht nicht bewusst, was ich mit meiner Musik bewirke, und dass meine Stücke wie Mantren klingen. Ich horche auf, denn im Hospiz hatte ich Mantren bisher nur selten zum Einsatz gebracht. Doch bin ich mit Mantren innig verbunden, deren Wirkung von Intention und Haltung bestimmt ist. Durch die viele Resonanz, die ich erfahre, weiß ich, wie sehr meine Musik das Herzchakra anspricht und so harmonisierend auf das psychische Befinden wirkt. Ich bin tief mit dem Gayatri-Mantra verbunden, das sehr berührend und herzöffnend wirkt, und dem Om Trayambakam, einem yogischen Allzweckmantra, das heilend wirkt, Trost spendet und uns beschützt bevor wir auf die Reise gehen. Das ist die Haltung, aus der heraus ich Musik mit Harfe und heilsamen Liedern für Menschen im Krankenbett mache. Wir tauschen uns über persönliche Erlebnisse aus, die an eine Existenz nach dem Tod glauben lassen. Obwohl ich zur Zeit wieder eine Phase habe, in der ich daran zweifle, muss ich unwillkürlich an das schützende und umhüllende Gefühl der Geborgenheit denken, mit dem ich heute morgen erwachte, und erzähle davon. Ja, auch mit solchen Erlebnissen nach dem Tod von Menschen, die man begleitet hat, bin ich nicht allein, nur spricht man halt nicht gerne offen darüber.

Wir müssen alle wieder an die Arbeit, und ich gehe hoch in die erste Etage. Die gelbe Frau ist nicht mehr da, sie ist verstorben. Allen anderen statte ich kurze Bienchenkontakte ab, einer Dame gebe ich ein kurzes Ständchen mit Harfe auf dem Zimmer, bevor ich auf dem Flur meine bretonischen Melodien spiele.

Herr Franz (Name geändert) mag zunächst nur der Musik auf dem Flur lauschen. In den Begegnungen der letzten Wochen ist mir der feine und bescheidene Herr ans Herz gewachsen, und da wir letzte Woche keine Zeit zum Reden fanden, gehe ich für ein persönliches Gespräch auf sein Zimmer. Er freut sich mich zu sehen. Er erzählt aus seinem Leben und wie gern er gehandwerkelt hat. Für seinen Männerstammtisch habe er einmal eine Schnupftabakmaschine gebaut, mit der sie mit Whisky getränkten Tabak schnupften. Als jeder der Männer in der Runde eine haben wollte, und dann auch die Freunde der Freunde und so fort, habe er eine Zeit lang Schnupftabakmaschinen gebaut. Und die Bauernmalerei hat er sehr geliebt. Aber das geht ja jetzt alles nicht mehr.

Ich lese Herrn Franz die ihn betreffenden Einträge aus meinem Blog vor. Eine Stelle habe ich herausgenommen, im Originaltext, den ich für mein Buch vorgesehen habe, jedoch erhalten. Ihm gefällt, was er hört. Er findet schade, dass ich die Stelle im Blog herausgestrichen habe, und meint, im Buch könne ich das jedoch gerne veröffentlichen. Ich verspreche, ihm kommenden Freitag einen Ausdruck meines Blogs zum Lesen mitzubringen.

Es ist Zeit für mich Feierabend zu machen. Als ich gerade meine Harfe im Erdgeschoss packe, fällt mir noch eine Besucherin um den Hals, die ich als ehemalige Kollegin von vor zig Jahren erkenne. Ihre Mutter liegt hier. Ich komme noch für ein Ständchen zu ihr und ihrer Mutter aufs Zimmer, bevor ich an diesem Tag nach Hause gehe.


© Astrid Marion Grünling
www.klangvisite.de

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