Hi. Ich bin Peter. Die Nachtpeter Spielkarten sind Brettspiel, Geschichte und Kunst-Postkarte in einem. Du kannst eine Wunderwelt im Briefumschlag komplett spielfertig als einzigartigen Gruß per Post verschicken. Ja, wirklich. Das erste Motiv im neuen Design ist "Der Viereinhalbte Advent". Eine richtig spielbare Weihnachtsgeschichte komplett mit Weihnachtsgeistern und witzigen Superkräften.
4.614 €
Fundingsumme
117
Unterstützer*innen
Michael Schmidt
Michael Schmidt / Projektberatung
Applaus Applaus, das Projekt ist erfolgreich. Jetzt steht der Realisierung der Projektidee nichts mehr im Wege.
29.11.2020

YEAH?! Zwei Gefühle bei fünfzig Prozent

Peter Dreißig
Peter Dreißig5 min Lesezeit

Beachtet den Titelsong! Vor dem Lesen bitten unten auf Play drücken!


PARTY!!! Übergießt die Zoom-Konferenzen mit Glühwein! Pünktlich zum ersten Advent hat das Crowdfunding für den "Viereinhalbten Advent" die 50 Prozent geknackt.

Ich bin begeistert, erschöpft und - erkennbar am Titellied - hin und hergerissen.

Statusberichte und lustige Videos vom Umschlägekleben gibt es kommende Woche. Jetzt gehts um die wichtigen Dinge: Gefühle. Davon habe ich zwei.

Gefühl 1: Fantastisch, dass ich es so weit geschafft hab
Ich bin dankbar für wundervolle Gespräche mit Menschen, die ich selten sehe. Es gab großartigen Zuspruch, Begeisterung und konstruktives Feedback zu diesem schwierigen Projekt, das wie alles, was ich mache, letzten Endes aus allen Rahmen fällt.

Es kommt an. Das tut gut. Weil im Vorfeld der Zweifel, ob die Idee nicht doch total bekloppt ist, extrem viel Energie auffrisst. Es hat eben seinen Sinn, warum viele auf bewährte Rezepte setzen und erschlossene Märkte beackern. Statt dessen beharre ich stur und schmerzbefreit darauf, der Welt mit einem völlig außergewöhnlichen Format ein neues Stück Welt hinzuzufügen. Ich habs nicht anders gewollt.

Jetzt also ein Zwischenergebnis: In weniger als der Hälfte der Zeit haben wir mehr als die Hälfte der Summe gesammelt. Das ist genial. In der Schule hätte ich jetzt die Vier sicher. Und das ist bestanden.

So konstruiert sich der Künstler seine Bestätigung. =)

Danke an alle, die mich mit ihrer Unterstützung bis hier her gebracht haben.

Gefühl 2: Puh. Ich fürchte, ich hab ein dickes Problem.

Ich hab eine Hälfte geschafft. Das ist toll. Bisher haben ganze 55 Menschen das Projekt unterstützt. Die Quote der Unterstützer aus meinem persönlichen Kreis und zu denen aus der großen, weiten Welt ist 42 zu 13

3 zu 1

3 x Freunde und Familie zu 1 x echtes Publikum von außen.

Das ist schlecht. Wenn wir die Menschen abziehen, die sich mehr für mich als für den Inhalt interessieren, hab ich praktisch kein Publikum.

Das qualifiziert mich einerseits zum echten Künstler. Wie wir wissen haben alle einst vor leeren Stühlen für den Putzmann gespielt, gesungen und gelesen. Aber ich tu das seit 10 Jahren.

Ich kann durchaus auch realistisch sein. Nur mit Hilfe von Freunden und Familie werde ich weder die zweite Hälfte des Fundings füllen, noch mich in irgendeiner Weise nachhaltig als Künstler etablieren.

Vielleicht wird es Zeit, Konsequenzen zu ziehen?

Der Songtitel ist ernst gemeint. Wenn ich die folgenden Punkte nicht in den Griff kriege, ist dieses Crowdfunding der letzte Auftritt des Nachtpeter Verlags. Dann mach ich zu.

Huh. Ich wollte doch eigentlich feiern. Schauen wir aber erst mal, worum es geht:

a) Auch diese Idee ist einfach nicht cool genug?

Leute sehen es sich an und sehen dann wieder weg, gehen weiter zu etwas, das toller ist. Ne, glaub ich nicht. Soviel Vertrauen hab ich. Das widerspräche auch völlig dem Feedback, das ich regelmäßig in der persönlichen Begegnung bekomme. Ich glaube an den Wert meiner Ideen. Aber das nützt uns allen nix, wenn ich es nicht schaffe, sie in die Welt zu bringen. Ich hab Verantwortung nicht nur für mich selbst. Darum kann ich nicht noch ein Jahrzehnt in Versuche stecken, die absehbar keine Früchte tragen.

b) Die Idee ist nett, aber wieder zu schräg?

Das könnte schon eher sein. Wenn ich etwas tue, dann von innen heraus. Ohne Rücksicht, was Trend und was gewollt ist. Das muss so. Auch wenn der Marketingprofi in mir sich windet und krümmt. Ich mache zuerst Kunst, erst danach Handwerk. Wenn mein Kreatop-Modell reif wird, zeig ich damit auch, warum das nicht nur individuelle Hybris, sondern Teil des Weltguten ist.

Falls das der Grund für ein Scheitern ist, lässt sich leider nichts machen. Damit kann ich mich zufrieden verabschieden. Zumal ich ja nicht mal zu Hölderlin in den Turm ziehen muss.

c) Ich kann einfach nicht mit diesem Social-Media-Gerödel umgehen?

Diese Techniken gehen mir wie so vielen anderen extrem auf den Geist. So viel widerspricht der Art, wie ich denken, reden und wahrnehmen will. Sie fühlen sich vollkommen fremdkörperig an. Aber es ist der Ort, wo die Leute sind. Will ich Publikum, muss ich da hin. Kann ich es schaffen, das im nötigen Maß zu lernen? Oder kann ich andere Wege und Orte finden? Für die zweite Hälfte des Crowdfundings ist beides leider egal. Denn das ist jetzt, nicht irgendwann.

d) Ich rede unklar und mach es kompliziert?

Immer noch schwammig? Leute schauen rein, sind verwirrt und schauen wieder weg? Aua. Ich arbeite daran, seit ich 12 bin. Frustriert, erschöpft und mit kaum sichtbarem Erfolg. Weiter machen, weiter machen, weiter machen. Ächz. Klarer, kürzer, eindeutiger ... BLIN!* (*: ein russisches Ersatzwort für äußerst harte, unschöne Vokabeln. Heißt übersetzt "Pfannkuchen")

Das ist verf....t schwierig, wenn hinter jeder Biegung im Kopf ein neuer Urwald aus Ideen wuchert. Lichtblick: Mit schrittweise mehr Erfolg kommt auch mehr Raum für noch ordentlichere Vorbereitung und damit noch mehr gutes Feedback vorher und nicht erst nachher. Ich bin auf dem Weg ... immer noch ...

e) Die Corona-Müdigkeit. Ihr habt echt andere Sorgen, als euch zu belesen, was ich hier mit meinen Brettspiel-Postkarten will.

Tja.

Blöd gelaufen dieses Jahr. Für fast alle, außer Amazon. Für diesen Punkt immerhin entlass ich mich aus der Verantwortung. Die Folgen sind allerdings die gleichen.

Und nu?

Warum schreib ich das hier öffentlich in meinen happy "50-Prozent-Party"-Artikel? Weil es persönlich ist. Und sich ganz echt so anfühlt.

Ich hab mal gelesen, dass es auf Social Media unheimlich gut ankommt, wenn man sich so emotional nackig macht. Dann fliegen einem die Likes und Shares nämlich nur so um die Ohren. Ne, im Ernst. Was ich hier mache, ist absolut persönlich. Und diese Fragen sind es, die meine Person aktuell zu 120 Prozent am Rotieren halten.

Jetzt wisst ihr mehr von dem Mensch hinter dem Projekt. Darum geht es doch im Advent. Um beim Brettspiele spielen. Und überhaupt: Kontakt und Begegnung wagen und dann schauen, was wir miteinander anfangen können.

Wundervoll, wenn wir uns in Hälfte 1 begegnet sind oder in Hälfte 2 noch über den Weg laufen. Bis dahin schwelg ich weiter in Unentschlossenheit und klebe noch 1500 Umschläge.

Ciao,
Peter

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