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Projekte / Wissenschaft
OhneTon - spannende Fernsehunterhaltung für Gehörlose
Wir sind acht Studierende der Kommunikationswissenschaft. In unserem Bachelorprojekt erforschen wir das Spannungserleben gehörloser Medienrezipienten.
1.515 €
2.500 € Fundingziel
75
Fans
19
Unterstützer
Projekt erfolgreich
 OhneTon - spannende Fernsehunterhaltung für Gehörlose

Projekt

Finanzierungszeitraum 24.02.16 16:58 Uhr - 02.05.16 23:59 Uhr
Realisierungszeitraum März bis Juli 2016
Fundingschwelle 1.500 €
Fundingziel 2.500 €
Stadt Erfurt
Kategorie Wissenschaft

Worum geht es in dem Projekt?

In unserem Projekt erforschen wir, wie verschiedene Arten der Tonsubsitution für Gehörlose (also Untertitel und Gebärdensprach-Einblendung) Spannung hervorrufen können.

In Deutschland leben offiziell ca. 16 Millionen Schwerhörige, von denen ca. 140.000 Menschen mit einer Hörschädigung von mehr als 70% betroffen sind. Zur Gruppe der vollständig Gehörlosen werden ca. 80.000 Menschen in der Bundesrepublik gezählt, die dadurch nicht in der Lage sind, sich mittels Lautsprache zu verständigen. Somit sind sie im Alltag auf die Nutzung von Gebärdensprache angewiesen.

Es wird sehr häufig davon ausgegangen, dass ein gehörloser Mensch in der Lage sein müsste, sich auf schriftsprachlicher Basis hervorragend verständigen zu können. Jedoch befinden sich die Schriftsprachkompetenzen eines Großteils der Gehörlosengemeinschaft auf einem alarmierend niedrigen Niveau. Da die uns bekannte Schriftsprache auf der Lautsprache basiert, fällt es Gehörlosen meist äußerst schwer, diese ausreichend zu erlernen. Außerdem besitzt die Deutsche Gebärdensprache ihre völlig eigene Grammatik, Syntax und Semantik.

Für uns selbstverständliche Freizeitbeschäftigungen und Mediennutzung, wie beispielsweise die Rezeption von Filmen, können sich in der Gehörlosengemeinde zu einem schwierigen Unterfangen entwickeln – selten stehen Untertitel, so gut wie nie Gebärdensprach-Einblendungen zur Verfügung. Gleichzeitig gilt das Fernsehen als zentrales Informations- und Unterhaltungsmedium und ist somit auch von großer Wichtigkeit für Gehörlose .

Um für alle Bevölkerungsgruppen ein gleichwertiges Unterhaltungserleben im Fernsehen zu ermöglichen, muss dieses Medienangebot erweitert werden. Interessant ist, zu wissen, ob die reine Untertitelung wie bisher praktiziert für ein gelungenes Unterhaltungserleben Gehörloser ausreicht. Dabei empfehlen sich für eine Untersuchung besonders die Angebote, für deren Wirkung akustische Reize von besonderer Bedeutung sind. Können bei diesen Gattungen durch geeignete Tonsubstitution auch Gehörlose gut unterhalten werden, ist davon auszugehen, dass auch für andere Genres die Unterhaltung bei der Rezeption durch Tonsubstitution gesteigert werden kann. Spannung ist eine wichtige Voraussetzung für gelungene Unterhaltung. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch akustische Reize hierbei eine Schlüsselrolle spielen. Da diese bei der Zielgruppe wegfallen, soll in dieser Studie untersucht werden, inwiefern eine schriftliche Untertitelung oder die Verwendung einer qualitativ hochwertigen Verdolmetschung den Ton für ein gelungenes Spannungserleben adäquat substituieren kann.

Wir werden einen Filmstimulus (eine Serienfolge von 42 Minuten) präparieren, einmal mit Untertiteln und einmal mit Gebärdensprach-Einblendung. Jede Versuchsgruppe erhält eine Version. Mit Hilfe eines Reglers können die Probanden dann einstellen, wie viel Spannung sie während der Rezeption empfunden haben. Wir werden zwischen 60 und 90 gehörlose Probanden befragen. Als Kontrollgruppe haben wir Hörende, die bestätigen sollen, dass der Stimulus Spannung erzeugt.

Was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe?

In unserer Forschung beschäftigen wir uns damit, wie gehörlose Menschen audiovisuelle Spannung wahrnehmen. Darüber hinaus wollen wir herausfinden ob ein audiovisueller Stimulus, der mittels Untertiteln zugänglich gemacht wird, für gehörlose Rezipienten genauso spannend ist wie für Hörende, die die Tonspur zur Verfügung haben. Außerdem vergleichen wir zwei Arten der Audiosubstitution.

Das Anliegen dabei ist, eine Notwendigkeit für die Erweiterung des medialen Unterhaltungsangebotes für Gehörlose im deutschen Fernsehen aufzuzeigen.
Zielgruppe sind auf der einen Seite die 2,3% der Deutschen Bevölkerung, die auf Gebärdensprache angewiesen sind. Und auf der anderen Seite die Rundfunkanstalten, sowohl privat als auch öffentlich, die den Dialog und die Maßnahmen für Gehörlose verstärken sollen.

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Unsere bisherigen Rückmeldungen aus der Gehörlosengemeinschaft zeigen: Das Thema ist sowohl kommunikationswissenschaftlich, als auch sozial relevant. Aus Kostengründen verschieben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten immer öfter das ohnehin schon sehr einseitige Angebot für Gehörlose ins Internet - damit werden ältere Menschen, die aber häufiger von Gehörlosigkeit und Schwerhörigkeit betroffen sind, gezielt ausgegrenzt. Wir möchten mit unserem Projekt dagegen steuern und auf diesen Wandel aufmerksam machen. Denn Medien gehören zum Alltag dazu und sollten in einer Demokratie wie der unsrigen allen Bevölkerungsruppen barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Das erste Finanzierungsziel liegt bei 1500 Euro. Das Geld benötigen wir zur Finanzierung der Gebärdensprachdolmetscher. Für die Übersetzung des Filmstimulus benötigen wir einen männlichen und einen weiblichen Dolmetscher, die uns die Serienfolge dolmetschen.
Außerdem brauchen wir an den Versuchstagen vor Ort einen Dolmetscher, um mit den Probanden lückenlos zu kommunizieren. Ein Gebärdensprachdolmetscher nimmt nach gängigem Satz 75 Euro pro Stunde, exklusive Mehrwertsteuer und Fahrtkosten.

Sollte die zweite Schwelle des Crowdfunding Ziels erreicht werden, können wir unseren Probanden einen kleinen Reisekostenzuschuss bezahlen. Sie werden zwar vermutlich aus Thüringen kommen, wir möchten ihnen aber trotzdem für die Fahrtkosten unter die Arme greifen. Außerdem würden wir sie am Versuchstag gerne ein wenig verpflegen.

Wer steht hinter dem Projekt?

Betreut wird unsere Bachelorarbeit von Frau Prof. Dr. Constanze Rossmann von der Professur für Soziale Kommunikation an der Universität Erfurt.
Des Weiteren konnten wir als ideelle Sponsoren mehrere Gebärdensprachdozenten und Gehörlose aus Thüringen gewinnen, die uns unterstützen werden.

Florentina Liefeith
Florentina Liefeith

Kuratiert von

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