Jeder sollte die Geschichte des französischen Ortes Oradour sur Glane kennenlernen.
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12.10.2020

Oradour sur Glane

Andreas Bach
Andreas Bach2 min Lesezeit

Am 10. Juni 1944 wurde Oradour-sur-Glane, 22 Kilometer nord-westlich von Limoges gelegen, durch ein SS-Panzerregiment ausgelöscht. Bis zu diesem Zeitpunkt blieb der kleine Ort vom Krieg verschont. Aber dieser eine Tag veränderte alles.

Die SS umstellte den Ort und trieb kurze Zeit später alle Einwohner und Tagesgäste auf dem Marktplatz zusammen. Frauen, Kinder und Männer wurden anschließend getrennt. Die Frauen und Kinder wurden in die Kirche geführt, die Männer wurden auf mehrere Scheunen aufgeteilt.

Die SS-Männer eröffneten das Feuer und schossen in die Scheunen. Es gab nur eine Hand voll Männer, die überlebten und fliehen konnten. Auch in die Kirche feuerten die SS-Männer mit ihren Maschinengewehren und warfen Handgranaten. Mit einem Sprung aus dem Kirchenfenster konnte sich eine Frau retten. Sie war die einzige Überlebende aus der Kirche.

Scheunen und Kirche und alle anderen Gebäude des Ortes wurden anschließend in Brand gesetzt. 642 Kinder, Frauen und Männer starben an diesem Samstag in Oradour. Das jüngste Opfer war acht Tage alt, das älteste Opfer 90 Jahre. Von Oradour selbst blieben nur Ruinen übrig.

Die Überreste dienen heute als Mahn- und Gedenkstätte. Die Straßen, Wege und Plätze sind gepflegt. Straßenbahnschienen und Oberleitungen existieren noch. Grünflächen, Bäume und Hecken sehen frisch aus. An einigen Häusern stehen die Namen der ehemaligen Bewohner.

Aus verschiedenen Blickwinkeln sieht es so aus, als könnten in den Häusern noch Menschen leben. Erst wenn man durch die nicht vorhandenen Fenster sieht und feststellt, dass es kein Dach mehr gibt, fällt auf, dass nur noch die Außenmauern stehen. Zwischendecken und Dachstühle sind damals verbrannt. Alles, was früher einmal in den oberen Geschossen stand, steht jetzt im Erdgeschoss.

Gerippe von Nähmaschinen, Bettgestellen, Fahrrädern oder Kinderwagen sind noch zu erkennen. Hier und da stehen Autos, stark verrostet, aber noch als Autos erkennbar.

In der Kirche, in der die Kinder und Frauen umkamen, liegt die geschmolzene Bronzeglocke, die vom Turm herabstürzte. Auch ein Kinderwagengestell steht noch am Altar.

Die Briefkastenschlitze an der Post sind noch zu erkennen, führen aber schon lange ins Leere. An der Straßenbahnstation nach Limoges sind noch einige Kacheln des Ortsnamens vorhanden. Die Bahnstation war früher ein Treffpunkt für Jugendliche.

Heute ist das alte Oradour ein ruhiger Ort.