Crowdfunding beendet
Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Chemikalien: Unsere Klamotten werden unter katastrophalen Bedingungen geschnitten, genäht und gefärbt – von Menschen, die die Folgen davon ertragen müssen. Doch hier kannst du sie solidarisch unterstützen: Mach mit bei unserer Crowdfunding-Aktion und supporte so ArbeiterInnen in der Textil- und Schuhproduktion! Mit der richtigen Message auf deinem fair und ökologisch hergestellten T-Shirt und deinem finanziellen Beitrag für indische SchuharbeiterInnen.
10.461 €
Fundingsumme
212
Unterstütz­er:innen
21.08.2019

Wer macht die T-Shirts? Oder: Alternative Wirtschaft in der Modewelt

Anne Neumann
Anne Neumann5 min Lesezeit

Unsere "Verändere-mit-guten-Botschaften-die-Welt"-Shirts nähen die KollegInnen von Humana Nova in Kroatien. Die Produktion organisieren Doreen und Anton von dna merch aus Berlin. Im ersten Teil unseres Interviews erzählen euch die beiden, was dna merch mit Musik und alternativer Wirtschaft zu tun hat und wie Bekleidungsproduktion politisch sein kann.

Hallo ihr beiden, ihr seid zusammen dna merch. Was bedeutet dna mrch und seit wann gibt es euch?

Offiziell haben wir dna merch im Oktober 2015 gegründet, einen Monat vor unserer ersten Kampagne hier auf startnext. Die Idee war und ist, Bands, Organisationen und Einzelpersonen T-Shirts anzubieten, die zu ihren Werten und Überzeugungen passen. Deshalb auch merch - bei Konzerten gibt es ja oft T-Shirts mit den Logos der Bands und so an den sogenannten Merch-Ständen, wo auch CDs und Poster etc. verkauft werden. Bei der Gründung war unsere Idee aber bereits gut zwei Jahre alt.

Ihr kommt also gar nicht aus der Modebranche. Wie habt ihr es dann geschafft, dna merch aufzubauen?

Die größte Herausforderung war im Rückblick der Aufbau unserer eigenen Produktionskette. Als kleines Unternehmen in der Gründungsphase Partnerorganisationen zu finden, die deinen Ansprüchen genügen und die ihrerseits willens sind, Zeit in etwas zu investieren von dem sie nicht wissen, was am Ende tatsächlich bei raus kommt, passiert nicht von heute auf morgen. Überwunden haben wir diese Hürde mit einer Menge Geduld, viel Recherche und auch glücklichen Zufällen.

Und wie seid ihr auf die Idee mit den "wert"vollen Shirts gekommen?

Da kamen verschiedene Dinge zusammen. Antons Forschungsprojekte und Studienaufenthalte zu Arbeitsstandards und grenzüberschreitender Zusammenarbeit von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen, hatten letztendlich immer wieder mit der Frage zu tun, wer was unter welchen Bedingungen produziert. Als Musikfan und Schlagzeuger besucht Anton regelmäßig Konzerte und als er begann, sich für die genaue Herkunft der dort verkauften T-Shirts zu interessieren, stellte er fest, dass dazu in der Regel keine näheren Informationen aufzutreiben waren. Und das selbst dann nicht, wenn es sich um Teile handelte, die als fair und ökologisch beworben wurden. Im gemeinsamen Gespräch - wir sind lange Jahre befreundet und kennen uns bereits aus der Schulzeit – haben wir uns dann gedacht, das muss doch auch anders gehen!

Was ist eure Hauptmotivation, an dna merch dran zu bleiben? Was treibt euch an?

Wir kommen nicht aus der Mode und unsere T-Shirts sind für uns quasi nur ein Mittel um politisch und unternehmerisch Stellung zu beziehen. Antreiben tun uns dabei wahrscheinlich vor allem zwei Sachen: Zum Einen der Wunsch nach möglichst selbstbestimmter Arbeit. Und zum Anderen geht es uns darum, über die Zusammenarbeit mit den genossenschaftlich organisierten Näherinnen von Humana Nova sowie unserem Worker Empowerment Project* auf alternative Formen des Wirtschaftens und konkrete internationale Solidarität aufmerksam zu machen.

Was heißt da "alternative Wirtschaft" genau? Wie wollt ihr politisch wirksam sein?

Wir freuen uns, wenn Fragen in den Köpfen der Leute entstehen und den Anstoß geben, selbst aktiv zu werden. Wie demokratisch ist eine Gesellschaft eigentlich, wenn die Menschen keinen Einfluss auf Entscheidungen des Unternehmens haben, für das sie Tag ein Tag aus früh aufstehen und ihre Lebenszeit zur Verfügung stellen? Wie fair, wie gerecht ist eine Welt, wo einige wenige, die eh schon viel zu viel haben, die Profite oben abschöpfen und unten nichts ankommt außer mehr Leistungsdruck oder Charity-Almosen? Übrigens: Unsere T-Shirts eignen sich explizit nicht zur Gewissensberuhigung. Das Märchen vom 100 Prozent fairen T-Shirt erzählen zwar viele andere, es ist aber derzeit leider nicht mehr als ein Märchen. Wer unsere Shirts trägt, bezieht jedoch klar Stellung für mehr Demokratie in der Wirtschaft! Gute Arbeits- und Lebensbedingungen fallen nicht vom Himmel sondern müssen im gegenwärtigen Wirtschaftssystem kontinuierlich erkämpft bzw. verteidigt werden. Das ist gerade auch hierzulande leider etwas in Vergessenheit geraten.

Und wo soll es hingehen? Was ist eure Vision für dna merch?

dna merch ist für uns beide ein zeitintensives Herzensprojekt, das wir Schritt für Schritt weiterentwickeln. Da wir davon aber (noch) nicht leben können, geht das mal mehr und mal weniger schnell. Unsere Vision ist eine digitale T-Shirtplattform, die sich im gemeinschaftlichen Besitz der Produzent*innen, Betreiber*innen, Anbieter*innen und Konsument*innen befindet. Das wäre dann die erste sogenannte platform coop bzw. Plattformgenossenschaft in der Bekleidungsindustrie. Wir sehen uns als Teil einer internationalen Bewegung, die genug hat vom Plattformkapitalismus und profitmaximierenden Monopolen wie Airbnb, Uber oder facebook und die stattdessen auf kooperativere und dezentralere Ansätze setzt. Nahziele sind die Überarbeitung unserer Webseite und die Ankurbelung des Vertriebs, damit wir neben den anlassbezogenen Kampagnen ein gewisses Maß an Grundrauschen rein bekommen, das uns dann den nächsten Schritt, z.B. die Gründung einer Genossenschaft , ermöglicht.

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Interview mit Doreen und Anton auf tbd

Video schauen
Im ersten Crowdfunding-Video von dna merch berichten Doreen und Anton ebenfalls von der Gründungsidee.


*) dna merch hat zusammen mit dem globalen Basis-Beschäftigten-Netzwerk ExChains das ‘Worker Empowerment Project‘ ins Leben gerufen. Von jedem verkauften Shirt fließt ein Prozent des Nettopreises in den Auf- und Ausbau unabhängiger und starker Gewerkschaften in Südasiens Bekleidungsindustrie. Mehr Infos dazu unter http://dnamerch.de/angebot/gute-arbeitsbedingungen

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