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Projekte / Theater
Der Philosoph Cespedes sagte einmal: Ist das Glück für die Europäer ein hart erarbeitetes Konsumgut, ist es in Afrika ein kollektiver Mannschaftssport. Wirklich? Wir finden es heraus. "The Smile Project" stellt das Glück in den Mittelpunkt eines deutsch-sambischen Theaterprojektes. Hier werden junge Menschen zu Gestaltern und entwickeln ihre eigenen Werke in den Sparten Tanz, Musik und Theater. Diese werden im abschließenden Smile Festival aufgeführt und gefeiert.
Livingston
7.035 €
6.000 € Fundingziel
51
Fans
125
Unterstützer
Projekt erfolgreich
27.12.17, 18:54 Krysztina Winkel
Was bedeutet Glück? Mit dieser Frage haben sich 60 Kinder und Jugendliche und ein neunköpfiges sambisch-deutsches Team im Juli 2017 in ein Theaterprojekt gestürzt, diskutiert, erzählt, getanzt, gelacht, geweint, performt, musiziert, zugehört, widersprochen, zugestimmt. Was bedeutet Glück? Vielleicht ist es etwas, das passiert, wenn man nicht damit rechnet, oder etwas, was einfach da ist und man es erst bemerkt, wenn es vorüber geht oder etwas, das so unglaublich groß ist, weil es so klein und einfach ist. Diese Gedanken kamen meinem Bruder Jonas und mir jedenfalls ganz häufig während unserer Zeit in Sambia. Für uns waren es die kleinen Momente auf dieser Reise: Das Unscheinbare, das Unerwartete, eine kleine Geste, eine interessante Aussage eines Jugendlichen, ein Tanzbattle der Kinder, der ehrenamtliche Einsatz einer Lehrerin, der gute Musikgeschmack vom Taxifahrer, eine zweite Portion Nshima, der Sand unter den Füßen, ein Sonnenuntergang, ein interkulturelles Missverständnis und der darauffolgende Lachkrampf, das High Five mit den Kollegen, wenn man sieht, dass es irgendwie funktioniert. Das folgende Buch ist eine Mischung aus Tagebuch- und Blogeinträgen, aus Anekdoten, Whats App-Nachrichten und Schnappschüssen. Neben der Dokumentation über das Theatermachen mit Kindern ist es vor allem eine Reise interkultureller Begegnung mit allen Klischees, Sorgen und Freuden, die dazu gehören. Es ist nicht ausschließlich alles schön, aber immer ehrlich. So wie Glück vielleicht? Der erste Anlauf dieses kleine Buch relativ sachlich und informativ zu schreiben, hat wie zu erwarten gar nicht geklappt. Deswegen gibt es jetzt die volle Ladung Hier und Jetzt, Momentaufnahmen, Zeitsprünge, keine einheitliche grammatikalische Zeitform und Gedanken-Hip Hop fast live und in Farbe. Was bedeutet Glück? Dass so viele Menschen ein, zwei oder mehrere Groschen gezückt und in den großen Spendentopf geworfen haben. Im Namen aller Beteiligten, sagen wir DANKE. Von ganzem Herzen mit einem riesigen Trommelwirbel. Geschriebenes Wort ist in Ich-Erzählung von Krysztina. Gedrucktes Bild eine andere Art der Ich-Erzählung von Jonas. Viel Spaß beim Lesen, Lachen und heimlich Flüge nach Livingstone googeln. Jonas und Krysztina Intro. The Book of Happiness, 2017. Nach über drei Monaten online-Redaktion zwischen Düsseldorf und Madagaskar, dort befand sich mein Bruder Jonas zur Zeit der Korrekturlauf- und Designphase, ist unser erstes gemeinsames Geschwister-Buch The Book of Happiness endlich fertig und frisch aus der Druckerei gekommen. Mhm riecht das gut :)! War das Erstellen von The Book of Happiness ursprünglich "nur" als Einlösen des Crowdfunding-Versprechens gedacht, um mich bei den großartigen Unterstützern für ihren Glauben an das Projekt zu bedanken, stellte sich nach den ersten Autorentagen schnell für uns beide heraus, dass es mehr als das ist: Es ist eine wundervolle Möglichkeit gewesen, die ganzen Erfahrungen zu verarbeiten, das Erlebte zu reflektieren, sich beim Schreiben immer noch genauso stark über die lustigen Momente im Projekt kaputt zu lachen, wegen der rührenden Momente eine Träne zu verdrücken und als Geschwister weiterhin eine gemeinsame Aufgabe zu haben. Voller Freude und Dankbarkeit präsentieren Jonas und ich also nun The Book of Happiness, sagen danke und nehmen euch in ein paar kleinen Auszügen gerne mit auf einen "schnellen Durchblätterer" durchs Buch. Epilog - Für alle Angsthasen da draußen: Wenn ich versuchen müsste, kurz und knapp zusammenfassen, was ich am meisten in der Erfahrung der gemeinsamen Arbeit mit unseren afrikanischen Kollegen und den Jugendlichen in Sambia gelernt habe, ist es wohl die Sache mit dem Umgang von Angst. “When you go back to Germany, don’t be afraid anymore“, sagte Jacob als vorletzten Satz. Er hatte mich in dem Jahr Emailverkehr und in den über vier Wochen vor Ort, offensichtlich schnell durchschaut. Mit dem Kopf des Öfteren in der Zukunft hängen, Sorgen über Dinge machen, die man eh nicht beeinflussen kann und regelmäßig Dinge in Frage stellen, gehören neben Theater machen eben auch zu meinen Hobbies, wenn auch zu den unfreiwilligen. Habe ich in der Einleitung gesagt, dass ich keine Definition von Glück nennen kann, kann ich aber glaube ich eine Orts- und Zeitangabe weitergeben: Glück ist im Hier und Jetzt, nicht im Morgen und nicht im Übermorgen. Verbunden ist damit wohlmöglich auch ein Gefühl der Sicherheit. Den Gedanken, Sicherheit jedoch nicht an äußeren Bedingungen festzumachen, sondern in sich selber zu tragen, durch Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, möchte ich so lange wie möglich in mir tragen und mit offizieller Erlaubnis unserer sambischen Freunde gerne teilen.
27.12.17, 18:07 Krysztina Winkel
Mit dem euphorischen Brüllen "Welcome to The Smile Project!" von Martin, Esther und Nancy beginnt eine knapp 5 minütige Reise durch das Theaterabenteuer in Livingstone. Zur Musik vom Festivalstartgast Ruff Kid gibt es Einblicke in intensive Probenmomente, Aufregung in der Festivalorganisation und den farbenreichen und bunten Projektabschluss im Mukuni Park. Danke an Fabian Schulz für den Zusammenschnitt!
23.09.17, 23:14 Krysztina Winkel
In Erinnerungen schwelgend und über der Gestaltung der startnext-Geschenke sitzend, merke ich mit Schrecken, dass ich auf dieser Seite noch gar keinen Blog-Eintrag über das eigentliche Highlight von The Smile Project geschrieben habe: The Smile Festival hat mit über 500 Besuchern und Besucherinnen über den gesamten Tag verteilt am 19. August 2017 den seit 10 Jahren bestehenden Mukuni-Park-Eintritts-Highscore geknackt! Auch wenn mir selber solche Fakten nur sekundär etwas bedeuten und der Fokus auf der Stimmung und dem gemeinsamen Prozess mit den Kinder und Jugendlichen liegt, muss ich dennoch immer wieder grinsen, wenn ich an den sprachlosen Ausdruck des Mukuni-Park-Einlasswächters denke, als er selbigen Satz auf englisch ausspricht! Die Freude über diesen bunten Theatertag bei allen Mitarbeitern des Parks, den Kindern, Jonas und mir war unermesslich. Neben ehrenwerten Gästen wie dem Management von Barefeet Theatre, das extra aus der Hauptstadt Lusaka angereist ist, dem Vertreter des Bürgermeisters, der Presse, den Schulleitern unserer Kooperationsschulen und dem landesweit gefeierten Teeny-Star Ruff Kid, freute ich mich vor allem über das Erscheinen von Lisa von Deaf Education and Arts for African Families, die mit der taubstummen Community Livingstones gekommen war und die ganze Veranstaltung auf Gebärdensprache übersetzte. Konnte ich unserem Theaterensemble leider persönlich kein toi toi toi (das-berühmte-über-die-Schulter-spucken-am-Theater-um-maximalen-Erfolg-und-Spaß-zu-garantieren) vor ihrer Aufführung wünschen, da ich mich spontan dazu entschieden hatte, den Verkehr zum Paradenbeginn aufgrund des Nichterscheinens der Polizei selber zu regeln, übernahmen meine afrikanischen Kollegen Susan und Felix das Warm-Up gekonnt und die Aufführung verlief sogar noch einen Ticken besser als bei der Generalprobe im Übernachtungscamp in der Nacht zuvor (Ja, ich hatte mich von Jacob überreden lassen mit dem Team ein Sleep-Over für alle Projektkinder zu organisieren und zu betreuen. Wir schliefen im Staub auf dem Boden der Schule ohne Matratzen, dafür aber mit guter Laune und anschließendem Morgensport). Obwohl der Bürgermeistervertreter eigentlich angekündigt hatte, wärend des Stückes aufgrund eines Folgetermin gehen zu müssen, blieb er bis es zu Ende. Ihn hat das Stück gepackt. Check. Es folgte ein farbenreiches Programm lokaler Trommel- und Tanzgruppen, spontaner Auftritte uneingeladener aber anscheinend sehr motivierter Newcomer-Rapper, Gekreische bei Ruff Kid und Backstage-Feierei unter den Teilnehmern. Was dirfte nicht fehlen? Natürlich eine gestandene Künstlerpause mit Nshima. An diesem Tag bekochten Maggy und ihre Crew knapp 200 Kinder und Helping-Hands (alle die in irgendeiner Form aktiv mitgewirkt hatten) - ich verneige mich. Leider ist hier die Fotohochlademöglichkeit begrenzt: Deswegen gibt es hier den Link zur Smile-Festival-Bilderreise: http://www.smile-project-theatre.de/2017/08/29/lets-celebrate-the-smile-festival/ DANKESCHÖNS: Liebe Crowd, dass dieser Tag stattfinden konnte, haben wir EUCH zu verdanken. Was eure Hilfe bedeutet und ermöglicht hat, kann ich garnicht gut genug in Worte packen. Wir hoffen, dass ihr auf diesem Blog ein paar Eindrücke sammeln konntet. Natürlich werden wir uns auch gebührend mit euren gewählten startnext-Geschenken bedanken. Aktuell schnippeln mein Bruder Jonas und ich an Audiocollagen, diskutieren via Skype in unserer selbsteingerichteten online-cloudbased-Redaktion zwischen Südafrika (dort reist er gerade weiter) und Düsseldorf das Layout für Faces-Ein Bildband, kürzen und bearbeiten The Book of Happiness, schreiben Postkarten und sind dankbar so noch etwas länger an den Erinnerungen festzuhalten. Wir geben uns Mühe alles in-time zu schaffen. Sollte das ein oder andere Geschenk ein paar Tage später ankommen als angegeben, bitte ich dies zu entschuldigen. Wir haben euch nicht vergessen :)!
26.08.17, 23:19 Krysztina Winkel
Every high needs a low: Die Backstage-Momente des The Smile Project Teams als ungeschönte Bildreise mit Untertiteln. Völlig fremd sind Menschen aus drei verschiedenen Städten und zwei Ländern bzw. Kontinenten ins kalte Wasser gesprungen und haben mit der vermeidlich einzigen Gemeinsamkeit, die Leidenschaft für das Theater für und mit jungen Menschen als Chance des Empowerments, gemeinsam ein Projekt gestartet. Es stellt sich heraus: Wir haben mehr gemeinsam als wir denken, trotzdem ist nich alles Gold, was glänzt und nicht alles einfach, was zunächst simpel erscheint. Neben ganz viel Euphorie und purer Freude gehören auch Unsicherheit, Zweifel, Frust, interkulturelle oder einfach nur persönliche Missverständnisse und Chaos zu einem solchen Projekt. Dieser Post zeigt müde und fröhliche Gesichter zugleich, begleitet Ups and Downs, gewinnt aber mit Begegnung. Erfahrt mehr über Bananenpausen als Besprechungschancen für das Team. Letzte Worte nach der Generalprobe und vor der Premiere. Verzweiflung beim Warten. Vergessen und an zu vielen Ecken gleichzeitig gebraucht werden. Grübeln, diskutieren, anderer Meinung sein. Gleicher Meinung sein. Und vor allem: Aneinander wachsen. Hier haben wir die Backstage-Momente vom The Smile Project Team als Bilderreise mit Untertiteln zusammengstellt: www.smile-project-theatre.de/2017/08/27/a-teams-journey-pictures-and-emotions/ Zu Jacob : Mit Jacob teile ich die verrückteste kollegiale Beziehung, die ich mir je vorstellen konnte. Vor über einem Jahr begannen wir ohne uns zu kennen, ein gemeinsames interkulturelles Theaterprojekt über das Internet zu planen. Auf meine erste Email antwortete er mir stellvertretend für Barefeet Theatre: "I think with me you are on the right nutshell" und schon ging es los. Nach Einem Jahr und 27 Tagen kann ich dankbar, erleichtert und fröhlich bestätigen: Mit ihm und dem Team war ich "on the right nutshell." Danke Jacob. Der Schnappschuss entstand beim Smile-Festival. Nach einem Jahr ist aller Druck auf einmal von unseren Schultern gefallen. Überwältigt und müde gaben Jacob und ich uns ein high five und er löste mich auf dem Dancefloor beim Tanzen mit unserer Gruppe ab. In dem Moment gab es für mich nichts Schöneres als J todmüde aber erleichtert durch die Projektteilnehmer gehen zu sehen. Jacob verabschiedete mich 4 Tage später ohne zu wissen, ob wir uns wiedersehen können, mit den Worten: Kryssi, we have one culture named cooperation!
26.08.17, 18:22 Krysztina Winkel
Das Hochschulradio Düsseldorf hat The Smile Project vergangenen Donnerstag zum Interview ins Studio eingeladen. Unter folgendem Link könnt ihr in das Interview, geführt von Cigdem, reinhören: http://hochschulradio.de/insider-am-donnerstag-24-august/ Die Aufnahmen im sambischen Radio im Studio von Zambezi fm am 15. und 18. August 2017 konnten leider nicht aufgezeichnet werden. Deswegen gibt es stattdessen oben einfach ein Erinnerungsfoto an die Breakfastshow mit Jacob und Massaj :). Eine nachträgliche Berichterstattung über das Smile Festival gab es in der Daily Mail Zambia . Leider, aber üblicher- und verständlicher Weise, liegt der Fokus der Berichterstattung auf das Erscheinen des national artist und nicht auf den Werken der Kinder. Aber so ist das mit der Presse. Die Kollegen vor Ort sind dennoch völlig aus dem Häusschen, da dies für sie sehr viel bedeutet. Auch wenn es mir persönlich nicht um Zahlen, sondern um das Theater selbst und das Gefühl mit dem die Jugendlichen auf die Bühne gehen und sie wieder verlassen, geht, freue ich mich sehr über die Tatsache, dass das Smile Festival die seit 10 Jahren bestbesuchteste Veranstaltung des Mukuni Parks war. Für die Jungs aus unserem Team, die sich mit Haut, Herz und Haar rund um die Uhr in das Projekt reingeschmissen haben, ist das die beste Bestätigung, die die Stadt ihnen hätte geben können. Foto unten: Mit Redakteurin Cigdem vom Hochschulradio Düsseldorf im Studio der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Hier der Artikel der Daily Mail Zambia vom 25. August 2017:
26.08.17, 16:06 Krysztina Winkel
Challenges are an open window that makes us learn. „Dear Mr. Makono and Ms. Winkel, my office, the Livingstone Council, would like to invite you to a meeting in order to evaluate and discuss on The Smile Project. I really liked your festival idea and was impressed by the children’s self confidence.“ , sagte der sog. “Guest of Honor“ und Vorsitz des Hightables des Smile Festivals, der Debuty des Bürgermeisters Livingstones, als er sich vom Festivalgelände bewegte. “Oh wow thank you very much. Today?” “No, please rest first. We see us on Monday at the Civic Centre.” “Thanks, we will be there.” (Ich warf meinem Kollegen J einen ernsten Blick, der sagte „German and not African time“, zu. Er nickte, kam aber trotzdem zu spät.) Noch vom Festivaltrubel und den vielen Kindern und Jugendlichen umgeben, hatten Jacob und ich in dem Moment noch nicht so recht verstanden, was das heißen sollte. Mit etwas Abstand trudelten wir dann jedoch gleich Montag nach dem Smile Festival ins Büro des Stellvertreters des Bürgermeisters ein. Wie bei allen Politikern oder städtischen Angestellten begrüßte Jacob ihn demütigt, zog seine Kappe ab und kniete sich fast auf den Boden. (Klammer auf: Das sind immer die Momente, die mir aus europäischem Blickwinkel etwas aufstoßen und gegen mein demokratisches Denken gehen: Die Hierarchie und damit einhergehende Unterwürfigkeit ist unglaublich groß, den Bürgermeister selbst muss man mit His Worship ansprechen und ich ärger mich etwas, dass der selbstbewusste großartige Jacob sich in solchen Momenten immer so klein zeigt, mich vorschickt, obwohl er es mindestens genauso gut könnte. Genauso stark ärger ich mich (obwohl es ja eigentlich auch irgendwie nett ist), dass wichtige städtische Persönlichkeiten meinen Bruder Jonas und mir immer die Türen öffnen und uns Gespräche erlauben, anscheinend weil wir Europäer und Besucher sind und unsere Kollegen hier trotz gleichem Bildungsgrad, unermüdlichem Engagement und Berufserfahrung vor Ort nur schwer Vorspracherecht ohne uns erhalten. So ein Quatsch. Aber naja, besser so als gar nicht. Wir arbeiten dran. Klammer zu) (Klammer auf: Es ändert sich sogar schon gegen Ende des Artikels :) ). Wir traten in eine große verhältnismäßig schicke Halle, deren Zentrum eine lange Tafel mit ca. 20 Stühlen bildete. Am Kopf saß der Debuty, wir, Jonas, Jacob und ich, setzten uns an seine Seiten. Der Raum war viel zu groß für uns. Doch trotzdem fühlte ich mich gleich wohl, denn nach wenigen Sätzen merkte ich, dass es sich bei unserem Gastgeber um eine „guten Typen“ handelte, denn ohne sich in politischen administrativen Floskeln zu verstricken, redete er zuerst über den Inhalt: „I liked the story of the play. The old man and his cows. Touching. Although the children should had have microphones. But I guess that was not in the budget anymore right?“ Dass mein sambischer Kollege Jacob und ich generell im Kindertheater nichts von Mikrofonen für Kinderdarsteller halten und ein Park tatsächlich einfach kein optimaler Aufführungsort für Jugendliche ist, sagten wir nicht und nickten. Erwartete ich ursprünglich ein kurzes Gespräch indem es traditionsmäßig hauptsächlich darum gehen sollte, dass wir uns für sein Erscheinen bedanken, entwickelte sich alles anders: Der Debuty nahm sich über eine Stunde für uns Zeit und wollte alle Hintergründe und vor allem Schwierigkeiten im Projekt wissen. Wir redeten über problematische Kostenfaktoren und weitere allgemeine Eindrücke von den Kindern etc. und er schrieb sich tatsächlich alles mit. Während er versuchte eine andere Abgeordnete ins Gespräch reinzutelefonieren, da diese seines Erachtens unbedingt mit in den Thinktank geholt werden sollte, erklärte er, dass ihm neben der verrückten interkulturellen „Wir-sind-aus-zwei-verschiedenen-Welten-und-versuchen-uns-in-Theater-mit Kindern-zu-begegnen-Idee“ vor allem die schulübergreifende Kooperation, das damit einhergehende Bündeln von Ressourcen und die Stadtteilarbeit gefallen haben. Dieses wolle er gerne aufgreifen, mit den Schulleitern sprechen, die ihm anscheinend schon den Wunsch der Weiterarbeit mit uns signalisiert hatten und nach Möglichkeiten der Fortsetzung suchen. Jacob, Jonas und ich guckten uns etwas ratlos und verwundert an. Echt jetzt?“ Yes, I think the best thing what we as a city can do in order to protect children from alcohol and drug abuse is to give them possibilities to join activities. Theatre is one option. I like the basic ideas on the Smile Project! (Klammer auf: die in der deutschen/europäischen theaterpädagogischen Arbeit überhaupt keine Neuen sind, hier anscheinend schon). Of course not everything went perfect and on this or that small fact one could see that it was your first project of that kind. But no doubt that one could see all your heart and passion. Hence, it was also seen in the children’s faces themselfes. Weiter ermutigte er mit dem Wink: Challenges are an open window that makes us learn . Im Rahmen seiner Möglichkeiten Emotionen zulassend berichtete er außerdem über die Veränderung der Ausrichtung der Lehrpläne zum Nachteil der Künste und sein persönliches Anliegen, jene durch außerschulischen Support auszugleichen. Schnell merkte man, welche Stadtteile er genauer in Betracht zog. Jonas und ich berichteten von unserem Eindruck, dass Livingstone im Regelfall eine 3-Tage-Tourismus-Stadt ist. Diese reichen aus, um die klassischen Highlights wie National Park und Victoria Falls zu besuchen. Vom Herzen Livingstones kriegen so jedoch die wenigstens mit. Das stimmt uns selbst etwas traurig, weil das, was hinter dieser Stadt und in deren Jugend und Künstlern steckt einfach umwerfend und fast genauso laut wie der thunder Zambias, die Falls, sind. Wir kommen von Hölzchen auf Stöcken, sprachen über das Scheitern von Textilfirmen in der Stadt, Probleme des Autoimports und waren irgendwann in Mitten der Museumspädagogik gelandet. Das genauer auszuführen würde zu sehr ausschweifen. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass ein erster kleiner Schritt getan war, um wie und in welcher Form auch immer eine Fortsetzung des Smile Project Gedankens zu finden. Der Debuty und Jacob tauschten Kontakte aus und planten den ersten Termin ohne Jonas und mich, da wir einen Tag später leide abreisen würden (zugegeben: es vergeht keine Minute, in der wir nicht darüber nachdenken, wie wir schnellstmöglich zurückkommen können). Jacob und ich grinsten uns glücklich über den langen Tisch hinweg an . Vorm Verabschieden versuchte ich noch mehre Male zu betonen was für ein guter aufrichtiger und talentierter Kerl Jacob war, realisierte aber schnell, dass das gar nicht mehr nötig war und unser Gast das selber zu realisieren begann. Jacob ging einen Kopf größer aus der Tür. Das Knien konnte er sich dennoch nicht verkneifen. Am Abend trafen wir uns mit dem engeren The Smile Project Team (Jacob, Massaj, Ipote, Eddi, Richard, Jonas und ich) und diskutierten über das Gespräch und wie wir alle (Jonas und ich als Gehende und die Jungs als die Bleibenden) mit der Situation umgehen können. Die Köpfe laufen heiß. Fest steht, die Jungs unter sich sind sich einig, dass sie von nun an all ihre Energien und Ressourcen bündeln wollen, um auch im Falle einer geringen oder keiner Finanzierung in die Richtung weiterzuarbeiten. Das Potenzial, die Bereitwilligkeit aller, die Überzeugung, dass Theater und Beschäftigung von Kriminalität, Alkohol und Gewalt abhalten können und gleichzeitig bilden, ist da. Die Stadt muss aber bei der Sturkturschaffung helfen - ob mit oder ohne Geld. Ein erster Anfang ist getan, dass Jacob nun ernst genommen wird, nächste Woche ohne uns ins Sekretariat reinspaziert und mittlerweile einige Methoden des Finanzmanagements und des Erstellens von Dokumenten kennt. Noch an diesem Abend entstehen konkretere Pläne für einen Projektnachläufer ab Oktober, ebenfalls finden aktuell Gespräche mit dem Managment der NGO Barefeet Theatre in Richtung der Ausrichtungskonzentration- und verstärkung auf den Süden Sambias , Livingstone, statt. Ob dies klappt wird sich zeigen. Ich versuche erst einmal weiterhin online von außen mitzuhelfen. Direkt vor Ort sein ist vorerst für mich leider nicht möglich. Bei jedem Wort wird deutlich, wie wichtig den Jungs selber das Wohl der Kinder Livingstones ist. Randnotiz: Sie erzählen im Laufe des Abends noch von einer Bedrohung nach dem Smile Festival durch betrunkene Banditenkindergruppen . Erst jetzt wird Jonas und mir klar, warum sie uns nach Festivalende so schnell in ein Taxi gesteckt hatten und aufgefordert hatten so schnell wie möglich den Park zu verlassen. „Guys…why didn’t you….“ Ich fragte den Satz, warum sie uns nicht informiert hatten, damit wir ihnen hätten helfen können, nicht zu Ende. Es gibt noch zu viel was in der Stadt unter der Oberfläche passiert und wir mit unserem europäischen Denken und diesbezüglich geringeren Erfahrungsschatz nicht verstehen können. Zum Foto oben: Mehr als dankbar für diese verrückte Reise mit diesem wundervollen Kollegen, die mit einer Email und einem 3/4 Jahr chatten im Internet ohne uns privat zu kennen, begonnen hat. Manchmal reicht ein bisschen Mut, Vertrauen und eine gemeinsame Leidenschaft . J, you did it!
25.08.17, 19:15 Krysztina Winkel
Für Jonas. Zusammen Theater machen heißt für mich: Vertrauen. Auf etwas Neues einlassen. Aus Spaß Ernst werden lassen. Aus Ernst Spaß werden lassen. Aus Realität Zauber werden lassen. Umsicht üben. Beobachten. Seinen Platz im Ensemble finden. Anderen einen Platz im Ensemble ermöglichen. Etwas wagen. Etwas von sich selber zeigen ohne Angst zu haben, sich angreifbar zu machen. Hinfallen. Aufstehen. Lachen. Lachen. Manchmal auch weinen und gemeinsam schweigen. Pausen brauchen. Keine Pause machen wollen. An einem Strang ziehen. Erfolge feiern. Schlechte Phasen gemeinsam ausstehen. Phantasie genießen. Zu einander finden. Sich wieder loslassen können. Diesen Post möchte ich meinem Bruder Jonas Winkel widmen. DANKE, dass du diese aufregende Reise jede Minute zusammen mit mir bestritten hast. Danke für diese wundervollen Fotos, deine Kreativität, deinen Blick für das Kleine aber Feine, deine Geduld, deine Auffassungsgabe und einfach dich! Leider kann man hier immer nur max. 3 Bilder hochladen. Deswegen haben wir auf http://www.smile-project-theatre.de/2017/08/25/kommt-mit-eine-workshopreise-in-bildern/ eine Bildreise zusammengestellt. Klickt einfach drauf und taucht ein in die Workshops der Theatre Experience School. (Die Qualität des Videos lässt natürlich zu wünschen übrig :D. Diesen Handyprobenschnappschuss möchte ich dennoch gerne teilen, da er für mich die obenstehende Metapher zum Theater ganz ehrlich widerspiegelt und ich auch nach dem 100 Mal angucken nicht aufhören kann zu grinsen. He did it!)
23.08.17, 22:50 Krysztina Winkel
„Happiness means dialogue!“ (meint Rightwell, 20, nach dem Rezipieren einer Theaterszene über verbale Gewalt, nicht richtig zuhören und Missverständnisse)
23.08.17, 22:04 Krysztina Winkel
Wollte der Vernunftsteil in mir drin spontan alles verneinen, da die To Do Liste, um die Theaterworkshops, das Stück der Kinder und die Festivalorganisation zu lang war, schreite mein Herz sofort Hurra. Wann? Als Jacob sagte: "Krys, let's do a Matching Pass!“ "A what?“ “A parade just for the children before the Smile Festival starts!” Er erklärte mir, dass die sog. Matching Passes hier üblich wären und ein wichtiges Zeichen einer gelingenden Veranstaltung eines solchen Rahmens sind. Wieder etwas gelernt! (Ist es mir vor Ort nicht erlaubt über die politische Situation zu sprechen, schiebe ich hier gerne die kurze Randnotiz ein, dass momentan die sog. Matching Passes auch von Kirchen und NGOs genutzt werden, um auf die politische Situation Sambias aufmerksam zu machen). Unsere Parade sollte davon ausgenommen, aber genauso bunt und laut werden, meinte Jacob. Doch wer konnte uns helfen? Bei einem Spaziergang durch Maramba in unserer ersten Woche in Livingstone lernten Jonas und ich Peter kennen. Durch Zufall sind wir in seinem kleinen aber feinen Atelier vor seinem Haus gelandet. Peter ist Maler und ernährt seine 4 Kinder seit 17 Jahren von seiner Kunst. Er zeigt uns seine Gemälde und hat zu jedem eine Geschichte zu erzählen. Am liebsten malt er über die Spaziergänge mit seiner verstorbenen Oma durchs Maisfeld in seiner Kindheit. Vor dem Haus hängen "the good ones", sagt er. Hinter seiner Stube entdecken wir viele alte zerrissene und verbleichte Bilder. "They are more than 15 years old and got destroyed by the sun, but I can't pull them away!" Das verstehen wir natürlich und versinken in einem anregenden Gespräch. Am liebsten malt Peter Bob Marley. Das erklärt schnell seine Frisur und Kopfbedeckung. Peter erklärt, dass er gelegentlich Kinder von der Straße einlädt, um bei ihm zu malen. "When the children paint and are creative, they have something good to do. It's not difficult to draft a painting or to do a mosaic. They can learn it quickly." Am nächsten Tag unterbreite ich Jacob den Vorschlag, unseren liebgewonnen Überzeugungstäter Peter als Künstler für die Workshop Session einzuladen, da es, dachte ich mir, nur gut sein kann auch lokale Künstler einzubeziehen, die ggf. auch zukünftig Projekte mit stemmen können. Er stimmt zu und schwupps, eine Woche später, werden Peter und Vincent (ein weiteres Barefeet Theatre Urgestein) unsere Macher und Gestalter der Kostüme und Masken der Smile Parade, des Matching Passes, sein. Wo? In der Holy Cross Schule. Eine engagierte Lehrerin ermöglichte binnen kurzer Zeit weiteren 40 Kindern, neben der laufenden Theatre Experience School mit den Smile Project Kindern ein Nebenprojekt zu eröffnen und bot eine ehrenamtliche Betreuung in der Zeit unserer Abwesenheit an. Um den Festivalpark auch für die Besucher bunt zu gestalten, übernimmt Peter mit einer Truppe das Gestalten von Leinwänden, die er selber aus Holz zusammengebaut hat. Die Jugendlichen verzieren diese mit Dingen, die sie mit Glück verbinden: Neben Gemälden von lustigen Fratzen und Mosaiken von traditionellen Krügen und Naturszenen entstehen auch bunte Kunstwerke mit Aufschriften ihrer Vorbilder, Lieblingssänger und Stars. Clement wird unser Mann für Recycling-Kunst: Aus alten Pappkartons, die wir für ein kleines Entgelt beim Supermarkt der Stadt erhalten und weiteren "Wundermaterialien", zeigt er den Jugendlichen, wie man mit gebrauchtem alten Material die verrücktesten und schönsten Hüte, Westen, Masken und Schilder basteln kann. Die Ausgelassenheit beim Gestalten steigt, nach der ordentlichen Portion Nshima geht’s in die zweite Runde: Wir brauchen eine überdimensionale Kuh. Warum? Siehe Artikel zuvor. Während mittlerweile 55 (ja, wir haben uns vergrößert :D) Kinder und junge Erwachsene täglich in Highlands an den Tänzen, Liedern und dem Theaterstück für das Festival probten und weitere 40 Kinder in Holy Cross eine Glitzerschlacht entfalteten nutze das The Smile Project Team die Zeit vor und nach den täglichen Workshops (09.00-18.00 Uhr), um weitere bereits etablierte Künstlergruppen in Livingstone zu besuchen und zum Festival einzuladen. Das Interesse war groß und es war einfach wunderschön am Tag des Festivals geprallte kreative Livingstone-Power auf einem Haufen zu sehen. Los geht’s: Am 19.8.2017 war es also so weit. Der Vertreter des Bürgermeisters eröffnete die Smile Parade, gefolgt von seinem Sicherheitsbeamten und mehr als hundert Kindern der Projektschulen. Während die Salvation Army, eine Art Trommelcorps mit ein paar abgespacteren Rhythmen, als wir sie aus der Schützenfestkultur der Jülicher Börde kennen, loslegte, marschierten die Kinder mit ihren Hüten und Masken vom Civic Center zum Mukuni Park. Immer mehr Leute sammelten sich am Straßenrand und folgten uns tatsächlich in den Park. Ganz so leicht, wie es sich beim Lesen eventuell anhört, war die Vorbereitung für diesen kleinen feinen Marsch was vor allem die innerstädtische Organisation angeht nicht. 3 von 5 Besuche bei der Polizei , um um Sicherheit und Straßensperrung zu beten, endeten immer damit, dass wir anscheinend eine wichtige Kopie nicht mit gehabt hätten oder einen wichtigen Satz in unserem Anschreiben gefehlt habe. Das andauernde Wegschicken von uns bei der Polizei führte dazu, dass wir irgendwann die „wir-müssen-alles-7-Tage-vorher-anmelden-Regel“ nicht mehr einhalten konnten. Wir mussten ein zweites Mal zahlen, damit man uns den offiziellen Stempel der Erlaubnis gibt und noch alles rechtzeitig in die Wege leitet. Trotz allem erschien die Polizei nicht pünktlich und unser Team übernahm die anfängliche Straßenabsicherung kurzerhand selbst. Einatmen. Ausatmen. Das Smile Festival konnte nun losgehen. Aber dazu gibt es einen eigenen Artikel :).
23.08.17, 21:42 Krysztina Winkel
Warum man ein Buch nicht nach einer Seite beurteilen kann und wir eine überdimensionale Kuh brauchen! Ein Stück entsteht. The old man: Again you are going too far. Just say that the horse is back, and say that twelve horses have come with the cow — but don’t judge. Who knows whether it is a blessing or not? It is only a fragment. Unless you know the whole story, how can you judge? You read one page of a book, how can you judge the whole book? You read a sentence in a page — how can you judge the whole page? You read a single word in a sentence — how can you judge the whole sentence? And even a single word is not in the hand — life is so vast — a fragment of a word and you have judged the whole! Don’t say that this is a blessing, nobody knows. And I am happy in my no-judgment; don’t disturb me. (Auszug aus "Blessing in disguise") Nach den ersten Workshoptagen hatten Susi und Felix (unsere beiden großartigen Barefeet Künstler) und Jacob und ich nun viele Eindrücke von möglichen Geschichten für ein Theaterstück, Inspiration für Lieder und Tänze mit den Kindern und Jugendlichen gesammelt. Schrieb ich bereits im Artikel zuvor, dass überraschender Weise fast jede Arbeitsgruppe zum Darstellen einer Unglücksgeschichte, statt Glücksgeschichte neigte, bei denen es meistens um Alkohol, Missbrauch, Verlust und Tod ging, entstanden im Laufe der Zeit auch absurdere und fröhliche Musiken und Tänze. War der ursprüngliche Anspruch für das Projektende diese einfach jeweils für sich vorzuführen, packte uns vier Workshopleiter und die ganze Gruppe jedoch der Wille die Ideen der Jugendlichen in ein gemeinsames Ganzes zu integrieren und den Zuschauer am Festivaltag auf eine Reise zu nehmen. So trieb uns die Frage: Was wollen wir dem Publikum erzählen? Die Themen, die die Kinder und somit auch viele Bewohner Livingstones beschäftigen sind erschreckend und oft einfach nur richtig traurig. Das - obwohl gar kein konkretes Problem in einer Workshopsession behandelt wird, sondern einfach nur getobt und gespielt wird und auf einmal ein Kind weint, weil etwas „hoch kommt“ - passierte gelegentlich öfter. Den Trigger dafür sah man sehr schwer. Man kann die Armut, die schlechte gesundheitliche Versorgung der Stadt, daraus resultierendes Sterben einiger Eltern der Kinder, das Problem mit der Müllverbrennung auf offener Straße, den Alkoholmissbrauch von Eltern und Kindern genauso wenig leugnen, wie die Tatsache, dass es dafür wohl gar keine richtige Lösung gibt. (An dieser Stelle würde ich normalerweise gerne die Bildungsdebatte lostreten, resigniere an dieser Stelle aber gerade selber etwas da….Nein. Das braucht irgendwann einmal einen superlangen extra Artikel). Der Teufelskreis im Mikro-und Makrokosmos ist zu groß. Spannenderweise wissen das die Kinder und Jugendlichen aber selbst und berichteten fast täglich von ihren eigenen Ideen mit einem Umgang dessen und ihrem Ventil trotz des vielen Negativen glücklich zu sein, das eine nicht gegen das andere abzuwiegen und beides nebeneinander bestehen lassen zu können. Das Lesen der Bibel (Religion ist hier ein sehr großes Thema, einige Kinder nehmen sogar ihre Bibel mit in den Theaterworkshop, um in den Pausen darin zu lesen), Akrobatik auf der Wiese oder ein Spaziergang mit der Oma sind nur einige Beispiele. In einem Workshop äußerte Nancy (15): “Where is trust, there is happiness.“ Da klingelte etwas bei mir. Im Rahmen der inhaltlichen Vorbereitungen hatte ich vor einigen Monaten einmal eine Geschichte gelesen: “Blessing in disguise“ bzw.“ The Old man’s horse“ . Dies ist eine alte überlieferte Erzählung, deren Glücksdefinition beinhaltet, dass man ein Buch nicht nach einer Seite beurteilen kann und Vertrauen die Grundlage für den Umgang mit den verschiedensten Lebenssituationen bildet. Am nächsten Tag lasen wir gemeinsam die Geschichte und die Gruppe hörte gar nicht mehr auf zu diskutieren. Alle saßen nun im Boot. Da es in der Geschichte um ein Dorf und deren Verurteilung eines alten Mannes, der trotz Armut sein Pferd nicht verkaufen wollte, ging, bot sich die Möglichkeit die Glücks- und Unglückstheaterstücke der Kinder den Dorfbewohnern zu zuschreiben. Ebenso bekam die Poetry-Gruppe (erzählte ich schon, wie beeindruckend Jugendliche hier in Poetry-Kunst sind? Da fliegen einem die tiefgründigsten selbstentwickelten Reime und Zitate in einer Wahnsinns Lautstärke und Artikulation um die Ohren, als ob alle Schauspiel an der Hochschule studiert hätten) die Aufgabe ihre Gedichte in Zusammenhang mit der Konklusion des Stückes zu setzen und eine Einleitung zu formulieren. Die Musik- und Tanzgruppe setze die Atmosphären und Stimmungen ihrer Werke in den dramatischen Kontext des Stückes und sorgten für Spiegelung und Fortführung der Emotionen beteiligter Figuren bzw. der Dorfgemeinschaft. Was fehlt: Wir brauchen eine Kuh. Die ursprüngliche Geschichte spielt zu Zeiten eines chinesischen Königreiches, weit weg von der Alltagswelt der Smile Project Jugendlichen. Das wird kurzerhand von den Kindern selber geändert. An einem Workshoptag packten sich alle die Geschichte und machten sie zu einer sambischen Erzählung. Das Pferd wurde zu einer Kuh (die hat hier besondere Bedeutung) ausgetauscht und die Dorfaktivitäten zu Nshima Kochen, Handwäsche und Markttreiben umgewandelt. Volkslieder führen in den sambischen Süden. Der Krieg bleibt gleich. Zu They don’t care about us von Michael Jackson entwickeln die älteren Teilnehmer eine Kriegs-Choreografie und tanzten sich zu Tode. Als sie uns ihre Ideen das erste Mal präsentierten, bevor wir mit ihnen daran feilten, hatte ich einen Kloß im Hals. Aber deswegen lieben wir ja das Theater. Aus einer 10 Minütigen Erzählung ist nach einer intensiven Woche, bei der ein Workshoptag länger als der vorherige wurde ein 50-60 minütiges Theaterstück mit Akrobatik, Gesang, Trommelmusik, Poetry, Figurentheater und Tanz geworden, indem 55 Kinder und Jugendliche mitspielen. Trotz vieler großen Gruppenszenen hat jeder eine eigene Aufgabe, muss auf zack bleiben und kann sich nicht hinter den anderen verstecken. Es sei denn es steht im Stück ;). Randnotiz zum zwischenmenschlichen Umgang: Ich bin beeindruckt wie unkompliziert klein und groß miteinander arbeiten, sich gegenseitig helfen und ohne immenses Einwirken unserer Seite als Workshopleiter einen Blick dafür haben, wie jeder stark aussehen kann. Schwache gibt es in ihren Augen nicht. Die Hauptrollen wurden gecastet, doch auch hier lief alles fair und verständnisvoll ab. Bekam eine Person nicht die gewünschte Rolle, fand sie im nächsten Moment eine andere Möglichkeit sich einzubringen. Hier wird einfach gemacht.
13.08.17, 11:50 Krysztina Winkel
Weil ich die leisen Momente genauso liebe, wie die lauten. - Über die Zusammenarbeit mit DEAAF Deaf Education and Arts for African Families, den Smile Festival Promo Wahnsinn und eine offene Stadt mit Dampf und Herz. "Eigentlich habe ich mir das alles anders vorgestellt", denke ich hier jeden Tag bestimmt 4747280568 Mal und in 4747280560 der Fälle finde ich das Neue und Unerwartete viel schöner - so auch den Weg zum Smile Festival: War es ursprünglich für mich als kleiner runder Abschluss der Theatre Experience School von The Smile Project gedacht, ist es nun... ja was? Die Stadt macht sich das Ganze auf jeden Fall zu eigen und hat sich die Sache geschnappt. Das rührt, haut vom Hocker, schließt neue Kooperationen, Freundschaften und bringt Menschen an den Tisch, die sich bisher nicht kannten, aber sofort gemocht hätten, wenn sie wüssten, dass es sie geben würde. "Kryss, tomorrow we have to go to the schools and perform", sagt mein sambischer Kollege Jacob. "Ehm.. wie jetzt? Ohne Anmeldung, einfach in die Schule? Wie sollen wir so schnell noch dem Schulleiter Bescheid sagen? Was genau wollen wir performen..." und so weiter. Ich denke mal wieder zu viel und lerne: Einfach machen und mutig sein! Gesagt getan: Am Freitag, einem workshopfreien Tag, fuhr das The Smile Project Team mit den großartigen Künstlern von Barefeet Theatre durch die Stadt und tanz und sang auf verschiedensten Schulhöfen. Als wir an einer Schule sogar die Examensprüfungen von 200 Schülern unterbrechen durften, fiel ich völlig vom Glauben hab. Die Lehrer tun und können hier was möglich ist, das ist wirklich toll. Und die Vorfreude wächst. Neben ganz viel Energie und Euphorie hielt der Tag aber auch mit ruhiger stimmenden Themen nicht zurück. Vor wenigen Tagen sind Jacob und ich, als wir euphorisch unser erstes Poster in der Hand hielten, quasi gegen Lisa Zahar gelaufen und so in ein Gespräch gepurzelt. Lisa ist Britin und arbeitet für DEAAF Deaf Education and Arts for African Families. Freiwillig schmeißt sie all ihre Kräfte in die Bildung von taubstummen Kindern und Eltern. Hier in Livingstone gibt es über 200 ihnen. Lisa gehört zu Einzelkämpfern, da die inklusive Schulbildung hier noch nicht dementsprechend aufgerüstet ist. Sie lädt uns einen Tag später zu einem Treffen ein und über einen langen Zeitraum vergessen sie und unser Team die Zeit und hören nicht mehr auf uns zu unterhalten. Schnell ist klar, wir müssen Lisa ins Boot holen. Wir sind mehr als glücklich, dass sie sich bereit erklärt hat, das Festival, die Reden und Dialoge in Zeichensprache zu übersetzen und mit ihrer Community kommt. Schnell tauschen alle ihre Nummern aus und hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft mit den Künstlern von Barefeet Theatre auch in Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Heute ist der erste kleine Schritt erst einmal in Livingstone getan. Lisa bringt uns erste Worte der Zeichensprache bei. Das im Foto heißt Liebe. Am Ende des Tages fallen wir übermüdet aber glücklich den Malern vom Farmers Market um den Hals und halten den ersten Smile Festival Banner in der Hand. Die Zeit rennt. Dieses Mal sogar für meine afrikanischen Kollegen mit einem anderen Zeitempfinden. Wir haben uns intern darauf geeinigt, dass es in Ordnung ist, dass wir gegenseitig über unser Zeitgefühl, das unterschiedlicher nicht sein könnte, Witze machen ;).
01.08.17, 18:56 Krysztina Winkel
Was darf bei einem guten Projekt nicht fehlen? Richtig: Verpflegung für Herz und Hirn! Damit die jungen Künstlerinnen und Künstler genug Energie für den Tag haben und ihren Kreativitäts-Akku aufladen können, versorgen Maggy und ihre Crew der Power-Cooking-Mamas die Projektgruppe mit dem besten, was man in der sambischen Küche finden kann: Nshima! Wie es dazu kam? Nach langem Hin und Her wie wir am besten eine gute und nahrhaltige Verpflegung für die Projektgruppe gewährleisten können, bekam ich von Nina, die ich vergangenen Januar beim Afrikatag in Köln kennenlernen durfte und die selber schon einmal ein Jahr in Sambia gearbeitet hat, einen guten Tipp. „Fragt doch engagierte Frauen Livingstones, ob sie nicht Lust hätten, gegen einen Lohn ihre Kochkünste zur Verfügung zu stellen!“ Ja, dachte ich, das klingt erst einmal gut! Aber für über 40 Leute? Und ohne Küche und Märkte im Umfeld? „Klar, die brauchen nur einen großen Topf und eine Feuerstelle in der Natur!“ Etwas Unkompliziertes kam mir in der Projektplanung jetzt auch einfach mal gelegen. Ich fragte Maggy, die ich im März in Livingstone kennenlernen durfte, ob sie mir bei der Suche nach den sog. „Cooking-Mamas“, wie man sie hier liebevoll nennt, helfen könnte. „I can do that!“ „Really?“ „Yeah, that’s not a problem at all. I’ll ask my friends.“ Nach drei SMS hatten wir also unsere super Cooking-Mamas zusammen. Vergangenen Freitag trafen sich das The Smile Project Team und die Mamas das erste Mal, beschlossen einen Verpfelgungs-Masterplan und gingen zusammen einkaufen. Was es fortan im Projekt geben wird: Nshima natürlich und zwar jeden Tag! Klingt es für den europäischen Geschmack vielleicht auf den ersten Blick etwas weniger abwechslungsreich, ist es hier in Sambia der totale Hit: Nshima ist das Nationalgericht Sambias. Die meisten Bewohner Sambias essen dies tatsächlich bis zu zwei Mal jeden Tag. Es ist im Vergleich zu anderen Nahrungsmitteln relativ preisgünstig und dennoch abwechlsungsreich und gesund. Nshima besteht hauptsächlich aus Maismehl, was nach dem Aufkochen zu einer Art (achtung Umgangssprache) Maismatscheknödel geformt wird. Serviert wird dazu eine Auswahl an gekochtem Gemüse und/oder Fleisch. Chicken ist vor allem bei den Kindern besonders beliebt. Nshima wird mit den Händen gegessen. Nachdem man sich zuvor gründlich am Wasserhahn, der aus der Erde inmitten des Schulgelände ragt, die Hände gewaschen hat, formt man mit den Händen kleine Kugeln aus dem Nshima und greift dazu etwas Gemüse oder Fleisch ab. Den gesamten Ballen steckt man sich dann in den Mund. Zugegeben bei den Einheimischen sieht dies natürlich gekonnter aus, als bei uns Europäern. Bei unseren ersten Versuchen wurden wir von den Kindern nicht zu knapp ausgelacht. Zurecht. „Whats else do you like to eat?“ frage ich Ruth (10), als ich mir von ihr in der Mittagspause Tricks zeigen lasse, wie ich die Maisballen etwas galanter mit den Fingern formen kann. „Just Nshima! Everyday!“ Ihre Nachbarin Blessing (12) stimmt nickend mit vollem Mund zu. Das Phänomen rund um Nshima scheint sich zu bestätigen und ich freue mich total zu merken, dass manchmal der einfache unkomplizierte Weg, genauso gut, wenn nicht so gar noch leckerer schmeckt. Danke an Maggy und die Crew, sie machen es wirklich zum Geschmacks-Knaller!
31.07.17, 12:57 Krysztina Winkel
Wow, heute war es endlich soweit: Es ist der 29. Juli 2017 und The Smile Project - Theatre Experience School Zambia ist endlich gestartet. What a day! War ursprünglich geplant, in kurzen Sessions mit verschiedenen Gruppen zu starten, um einen ruhigen entspannten Einstieg ins Projekt zu finden, mussten diese Vorhaben kurzerhand über Bord geworfen werden, da wir vom Schulamt veränderte Informationen über die Examensprüfungen der Kinder erhalten haben. (Hier in Sambia ist es so, dass ausschließlich die Note zählt, die man am Ende des Jahres in der Prüfung schreibt und diese Prüfungen sind genau....... jetzt). Wir entschieden uns also dafür, die Woche ruhiger zu gestalten, die Wochenenden intensiver zu nutzen, Workshoptage nach den Prüfungen dafür doppelt so lange zu halten und starteten kurzerhand mit allen 40 Kindern gleichzeitig. Um 8 Uhr sollte es also am Samstag an der Highlands School losgehen. „8 AM?“, fragte ich skeptisch, als mein sambischer Kollege Jacob mir dies vorschlug. „Yes, thats’s great!“ beruhigte er mich. Zeit zum Sorgen machen, ob auch alle Kinder kamen, sich verstehen werden, einen Zugang zum Projekt finden, sich offen in einen kreativen Prozess stürzen wollen und Spaß haben werden, konnte ich mir also machen, als ich ab 20 nach 7 bis halb 10 fast alleine am Schulgelände wartete. So wie Jonas und ich das deutsche Klischee bedienten, taten es die Kids und mein Kollege auch. Ich nahm es mit Humor und freute mich umso mehr, dass wir um 10 tatsächlich mit 38 Kindern und Jugendlichen starten konnten. Und fragt nicht wie: Wow, was für ein Feuer und eine Energie! Nach zehn Minuten warf ich meine Bedenken euphorisch über Board und war von der Art des Miteinanders und der Unvoreingenommenheit aller überwältigt. Heterogener könnte die Gruppe kaum sein: Das Alter reicht von 7 bis 20 Jahren, einige kommen aus verhältnismäßig akzeptablen und andere aus den ärmsten Stadtteilen, was sich auch in den Klamotten und der Körperpflege sofort wiederspiegelt, manche haben einen besonderen Förderbedarf, einige sind sehr schüchtern und hatten noch keine Berührung mit Theater, wiederum andere haben schon an mehreren Projekten mit Barefeet Theatre teilgenommen und können sich vor Energie kaum halten. Genau deswegen liebe ich solche Gruppenkonstellationen: Hier können menschlich glaube ich alle nur voneinander profitieren und sich jeder mit seinen Besonderheiten einbringen. Wie und ob das wirklich klappt, wird sich natürlich erst im weiteren Prozess zeigen. Nach einer flotten Runde Warm Ups und Energizer stürzten wir uns direkt ins Thema: In zufällig zusammengewürfelten Kleingruppen entwickelten die Kinder und Jugendlichen erste Choreografien, später erzählten sie in Mini-Theaterszenen ihre Geschichten und Fantasien rund um Familie, Schule und Freundschaft. War ich von der Fähigkeit der Kinder ohne Instruktion verschiedene Kunstformen wie Bewegung, Sprache und Musik von sich aus direkt miteinander zu verbinden total beeindruckt, schluckte ich umso mehr als sich viele - auch die Jüngeren - in ihren Theaterszenen dazu entschieden, Gewalt- und Alkoholerlebnisse aus ihrem familiären Umfeld zu erzählen, anstatt sich für ein Positiverlebnis zu entscheiden. Aber warum? Im Gespräch erzählen sie, dass Theater spielen hier fast ausschließlich als Medium der Aufklärung und zu erzieherischen Zwecken genutzt wird. Die Fokussierung auf das Negative und Realistische überwiegt und die Erfahrung mit theatralen Mitteln wie Komik, dem Absurden und Fantasie ist für die meisten fremd. Dass bei einem Theaterprojekt auf der Suche nach Definitionen von Glück die Auseinandersetzung mit Unglück dazugehört, ist klar. In dem Moment war ich dennoch umso dankbarer, dass uns einige Schulen und da SOS Kinderdorf Sozialarbeiter zur Seite stellen, die jederzeit mitmoderieren könnten. Der erste Tag ging wie im Flug vorbei. Während manche Teenager sich noch ein Tanzbattle der Extraklasse zu ihren Lieblingssongs lieferten, sich die letzte Banane schnappten oder auf den Weg zum kleinen Transportbus machten, packten wir glücklich und erschlagen zugleich unsere Sachen zusammen und entschieden uns über den sandigen Weg zu Fuß zur Unterkunft zu schlendern. Mit ganz viel Gedankenparty voller tausend neuer Ideen, Zweifeln und Vorfreuden im Kopf, kann ich das nächste Wiedersehen kaum abwarten. In der Zwischenzeit versuche ich die Namen aller auswendig zu lernen. Das sollte mir Dank der Tatsache, dass hier die meisten englische Vornamen haben auf jeden Fall einfacher Fallen, als mir die Lyrics der afrikanischen Lieder und Spiele zu merken :D. What da day!
26.07.17, 18:51 Krysztina Winkel
Vor drei Tagen sind mein Bruder Jonas, der das Projekt mitbegleiten wird, und ich in Livingstone angekommen. Wow, der warme Empfang ist umwerfend! Für die Leser, die über die aktuelle politische Situation in Sambia informiert sind: Uns geht es gut und hier ist - trotz der Tatsache, dass Livingstone Oppositionshochburg ist - gerade alles halb so wild. Nach elf Monaten aufregender Vorbereitungs- und Planungszeit startet diesen Samstag endlich offiziell The Smile Project – Theatre Experience School Zambia. Mit großer Vorfreude fiebert das Team dem ersten Projekttag entgegen, zuvor muss jedoch noch eine Menge erledigt werden. So nutzen wir diese Woche, um den Bürgermeister, das Schulamt, die vier beteiligten Schulen, die Kinder und Schulleitungen zu besuchen, Details zum Transport und der Verpflegung der Kinder zu besprechen und….vor allem einmal ganz kurz den Atem anzuhalten: Durfte ich mir im März schon von einigen Bildungspartnern einen Einblick verschaffen, realisiere ich nun, dass dies eine Art rosaroter Ausschnitt der generellen Bildungssituation war. Es ist Dienstagnachmittag als uns der Fahrer an einem matschigen Trampelpfad in Malota aussteigen lässt. Wurde ich zuvor informiert, dass Malota das Ghetto von Livingstone ist und in den letzten drei Monaten die Jugendkriminalität durch Kinderbanditen extrem angestiegen ist, konnte ich mir bis dahin in meinem Kopf dennoch kein Bild davon machen. Wir gehen durch einen kleinen schmalen Weg, trotz Sonnenschein erscheint hier alles durch die enge Besiedelung kleiner Ziegelsteinhütten vor denen Mütter im Feuer Holz für den Kohleverkauf auf der „Straße“ anbrennen, den verwachsenen Straßenrändern, in denen Kinder spielen, alles dunkel. Wir bahnen und den Weg durch zum Schulgelände und werden herzlich im Lehrerzimmer, das ca. 3 qm² groß ist, in Empfang genommen. Der Schulleiter Mr. Litia erzählt uns frustriert, dass die Schule bis auf einige ehrgeizige Volunteers keine Unterstützung erhält, 90% der Kinder benachteiligt, also krank, immens verarmt oder verwaist sind und Achtung: 100 Kinder mit einer Lehrerin in einem Klassenraum sind. Als wir die Klassen besuchen, müssen wir mit Schrecken feststellen, dass es nicht für jedes Kind einen Stuhl gibt, Bücher und Stifte schon gar nicht. Was ich als Ausnahmezustand wahrnahm ist hier Realität. Die meisten Community Schools ohne weitere Förderung müssen unter diesen Umständen lehren. Mr. Litia zeigt sich trotz des sichtlichen Stresses sehr kooperativ und sicherte uns zu, dass pädagogisches Personal die Kinder am Samstag zum Projektstart begleiten würde. Randnotiz: War ich von der Situation in Malota noch lange ergriffen, realisierte ich am nächsten Tag, dass das quasi noch „Luxus“ war: Die Sozialarbeiter des SOS Kinderdorfes hatten uns zu einer Umweltaktion im Nwenge Markt eingeladen. Gemeinsam mit der Trommelgruppe des Kinderdorfes, Aktionen von Barefeet Theatre und Plakaten versuchen sie bei den Bewohnern des Viertels Aufmerksamkeit zu erlangen, um sie über Folgen der Müllverbrennung aufzuklären. Als wir dort ankamen, war ich sprachlos. Zwischen den Marktständen lagen unzählige betrunkene Menschen in Pfützen aus stehendem Gewässer und Müll. Zwischen ihnen spielten Kinder, wurden Säuglinge gestillt und Frauen versuchten Ware an den Mann zu bringen. Als die Künstler von SOS und Barefeet loslegten, sammelte sich eine große Menschenmasse Drumherum. Der Plan der Sozialarbeiter ging auf: Nun konnten sie die Menschen darüber informieren, dass sie ihren Müll nicht verbrennen sollen, wie es hier üblicher Weise einfach auf offener Straße gemacht wird. Da wir als Weiße, wie so oft, an diesem gerummelten Platz sehr auffielen, kamen Alt und Jung zu Jonas und mir, suchten das Gespräch und gaben uns die Hände. Mindestens jeder zweite davon war betrunken. Total ergriffen war ich, als ich merkte, dass auch die Kinder und Teenager teilweise betrunken waren. Ich wunderte mich, warum so viele Kinder an einem Mittwochmorgen auf diesem Markt rumliefen. In diesem Moment flüstert unsere Kollegin von SOS: „They don’t go to school. They can’t.“ Dass sich die Kinder um die Infoflyer rauften, obwohl sie nicht lesen können, ergriff ebenso.
26.03.17, 16:05 Krysztina Winkel
Die Planungswoche im März endete mit einem Besuch der Kinder und Jugendlichen an der Highland Primary School . Mein afrikanischer Kollege Jacob traf sich hier mit Kindern und Jugendlichen von Barefeet Theatre, des SOS Kinderdorfes und der Highland School , um ihnen von The Smile Project zu erzählen. Sie begrüßten uns mit Tänzen, bei denen man nicht lange weiter zuschauen konnte und löcherten uns mit vielen Fragen rund um das Projekt. Wow, was für eine positive Energie! Am Ende gestalteten Jacob und ich gemeinsam einen Theaterworkshop mit ihnen und können es nun kaum erwarten, bis es Ende Juli endlich losgeht!
26.03.17, 15:01 Krysztina Winkel
Es ist Donnerstag, der 23. März, und ein bedeutender und aufregeneder Tag für The Smile Project. Heute stellt das Team wichtigen Vertretern der Stadt, localen NGOs und Bildungseinrichtungen die Idee und Struktur dieses interkulturellen Projektes vor. Nach langem Fiebern, ob der Bürgermeister wirklich komme, erschien his worship Mr. Eugene Mapuwo mit seinem Security-Pesonal und betrat den Raum. Ein Kollege einer Bildungseinrichtung eröffnete die Runde mit einem Gebet, der Bürgermeister verwies in seiner Rede über das Projekt auf dessen große Bedeutung für die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und nachdem Jacob und ich mit unserer Präsentation fertig waren, begann eine offene Plenumsdiskussion. Die Highland Primary School und das SOS Kinderdorf bekundeten ihre offizielle Teilnahme und versprachen im Rahmen ihrer Möglichkeiten, das Projekt mit vollstem Herzen zu unterstützen. Auch Vertreter weiterer Netzwerke entwarfen direkt gemeinsam mit uns weitere Ideen für das sog. "Smile-Festival" , das am Ende der Theatre Experience School die Projektzeit abrunden soll. Auf höchster städtischer Ebene Unterstützung zu erfahren und zu spüren, wie engagiert die geladenen Gäste im Rahmen ihrer Möglichkeiten Ideen sponnen, war sehr angenehm zu spüren. Nachdem das weitere Vorgehen abgesprochen wurde, entstand außerdem die Idee ein kleines Steering Commitee zu gründen, das dem Projektteam von The Smile Project bei der Planung und Umsetzung vor Ort untertützend zur Seite steht. Zum Abschluss schloss der Vorbetende das Projekt sogar in sein Gebet ein und wir beendeten das Treffen mit einem Abschlussbild vor der historischen Livingstone-Statue vor dem National Museum of Livingstone.
22.03.17, 20:10 Krysztina Winkel
Was für ein Tag! Unser Morgen begann mit einem Vorsprechen beim City Major , dem Bürgermeister Livingstones. Mein Kollege erklärte mir, dass Briefe hier in Sambia nicht die gleiche Verbindlichkeit haben, wie bei uns und man dennoch bei allen noch einmal persönlich vorbeischauen sollte, um sich zu vergwissern, ob sie Einladungen erhalten haben. Das machten wir, aber erst holte uns der Truck vom SOS Kinderdorf ab. Die Kinderdorfgemeinde hat das The Smile Project-Team zum Plant-a-tree-Tag eingeladen. Mein Kollege Jacob moderierte die Veranstaltung und ich wurde voll und ganz von den afrikanischen Rhythmen und Tänzen der Jugendlichen Tänzer weggefegt, die für ordentliche Stimmung während der Feier sorgten. Es war eine tolle Gelegenheit verschiedene Vertreter wichtiger Organisationen aus dem Bereich des Umweltschutzes und Education kennenzulernen. Von viel größerer Bedeutung für mich war jedoch Teil der großartigen Kunst der Jugendlichen werden zu dürfen. Hier wurde kein langweiliger Vortrag über die Bedeutung von Umweltschutz gehalten, nein, die Jugendlichen des Kinderdorfes präsentierten eine Poetry-Slam der vom Hocker riss. Nach diesen überwältigenden Eindrücken wartete unser Terminkalender darauf erfüllt zu werden: Wir besuchten die Voritzende des Community Developments, den District Education Standart Officer und die District Education Board Secretary Debs. Mit ihr tauschten wir uns über Möglichkeiten der Schulkooperationen im Rahmen von The Smile Project aus. Nun heißt es Daumen drücken, für den großen Tag morgen: Im National Museum of Livingstone diskutieren wir mit weiteren Stakeholdern über konkrete Umsetzungs- und weitere Kooperationsmöglichkeiten. Es bleibt spannend. Musiktipp: Die Nationalhymne Sambias - Zweistimmigkeit at its best, mit der Power der Jugendlichen heute, unbezahlbar.
21.03.17, 21:40 Krysztina Winkel
Zwei Tage Afrika, tausend Farben, tausend Eindrücke: Direkt an meinem zweiten Tag nahm mich mein afrikanischer Kollege Jacob mit auf eine abenteuerliche Reise von Livingstone nach Lusaka. Auf der 9-stündigen Busfahrt ohne Klimaanlage aber dafür mit ner Menge Bananen wurde ich von so vielen Eindrücken überwältigt und glaube, dass ich noch nie einen Ort wie die Busch Towns am Rand der einzigen Straße Richtung Norden gesehen habe, an dem so viel Armut und Gute Laune gleichzeitig nebeneinander bestehen können. Während ich versuchte die spannenden Gespräche mit den Menschen, die atemberaubende Landschaft und die Bananen zu verarbeiten, gingen wir ein letztes Mal die Finanzpläne, Workshopaktivitäten und Wünsche für das Treffen mit Barfeet Theatre , unserer kooperierendnen afrikanischen NGO durch. Die Besprechung mit dem CEO und dem Programme Director verlief konstruktiv und Barefeet Theatre versicherte begeistert, das Projek mit seinen Ressourcen zu unterstützen, mit der Überzeugung, dass ihnen vor allem der stärkenorientierte Projektansatz in Bezug auf die Kinder und Jugendlichen zusagt. Der Abend endete damit, dass uns Barefeet-Künstler und Musiker Mike seine Stadt zeigte und wir uns gegenseitig Theater-Songs aus unserer Heimat vorsangen. Großes Lachen, als wir feststellen, dass wir bei den Liedern zwar unterschiedliche Bewegungen und Texte haben, aber oft die gleichen Melodien singen. Fußnote: Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass der 22-jährige Mike bis zu seinem 17. Lebensjahr, bevor Barefeet ihm begegnete und mittels Theater überlebenswichtige Qualitäten vermittelte, auf der Straße ohne Eltern lebte. Diesem jungen, fokussierten, intelligenten, für eine Sache brennenden Menschen, der nicht darauf warten konnte, am nächsten Tag wieder Musik für Kinder und Jugendliche zu machen, hätte ich das nie angesehen. Ein guter Grund mehr für The Smile Project. So langsam hat sich das Projekt auch in Livingstone rumgesprochen und wir wurden gerade spontan vom SOS Kinderdorf Livingstone zu einer frühmorgendlichen Pflanzaktion für Kinder eingeladen. Wir sind unfassbar gespannt, was der nächste Tag bringen wird.
04.03.17, 11:22 Krysztina Winkel
Danke an das Redaktionsteam der Jülicher Nachrichten und der Aachener Zeitung für einen Bericht über The Smile Project. Danke auch an die interessierten Leser die seither neben startnext auch die Unterstützungsmöglichkeit über das Spendenkonto wahrgenommen haben. Nun kann es munter weitergehen :).
27.02.17, 19:58 Krysztina Winkel
Wow, die Hälfte der Finanzierungsphase ist schon geschafft und in unserem "grünen Herzchen" sieht es ja richtig super aus, sodass die Vorbereitungen für The Smile Project gleich noch mehr Spaß machen. Gerade planen mein afrikanischer Kollege Jacob (Barefeet Theatre) und ich unsere sog. "März-Woche". Für den 23. März haben wir nun die Museum Hall Livingstone reserviert, um wichtigen Vertretern und Organisationen der Stadt The Smile Project zu präsentieren und an weiteren Kooperationen und Strukturen zu arbeiten. Wir freuen uns sehr, dass bisher schon einige positiv auf unsere Einladung reagiert und sich angemeldet haben, darunter: SOS Children's Villages Livingstone Environment Africa (Foto siehe unten: Beim Unterschreiben des Anmeldeformulars für den 23. März) Livingstone Tourism Association Community Development Holy Cross Primary School Sehr haben wir uns auch über die Zusage des City Major of Livingstone gefreut, der uns nun gebeten hat eine Rede für ihn vorzubereiten. Er legt viel Wert auf seinen eigenen Auftritt zu Beginn des Treffens, dem Wunsch kommen wir natürlich gerne nach. Und was gibt es schon für einen bessere Zeitpunkt, um närrische Bütten oder gute Reden zu schreiben, als jetzt?! Gespannt blicken wir den nächsten Schritten von The Smile Project entgegen und möchten den Anlass nutzen, um uns noch einmal bei allen bisherigen großartigen Unterstützern zu bedanken: Danke! Tusch! Und Ausmarsch!
07.02.17, 23:49 Krysztina Winkel
Frühstück bei Tiffany war ein Film. Frühstück bei Stephanie ist Realität im Steffi-Bus! Als Metzgers-Tochter und gelernte Fleischerei-Fachverkäuferin war Steffi bereits in jungen Jahren mit Leib und Seele dabei. Bei gutem Essen konnte man ihr noch nie etwas vormachen und schwuppsdiwupps machte Steffi sich deswegen zu ihrem eigenen Chef: 2009 hat sie einen alten Schulbus zu einer mobilen Küche umgebaut und beköstigt unter Petit Buffet einfach anders ihre Gäste in der Krause in Eschweiler! Dass Steffi einfach hipp ist, zeigt auch ihre App und das Steffi-Phone! Und haltet euch fest: In ihrem kleinen schnuckeligen Bus steht seit gestern sogar eine Spendenbüchse für The Smile Project ! Die ersten 2,00 Euro sind drin - juhu! Liebe Steffi, wenn du das liest: Danke , du bist der Knaller! Deine Klösschen natürlich auch! Ja, ihr habt richtig gehört, ich durfte auch schon in den Genuss von Steffis Kochkünsten kommen. Dank ihr war meine Kinderkommunion und so manche Feier essenstechnisch ein Hit :)! Schaut doch mal vorbei unter www.petit-buffet.de !
06.02.17, 22:50 Krysztina Winkel
Als Barefeet Theatre und ich das Projekt im August 2016 anfingen zu planen, ging einer der ersten Emails für eine Unterstützungsanfrage an das Rautenstrauch-Joest-Museum Köln. Da dieses tolle große Museum einen Afrika-Schwerpunkt hat, erhoffte ich mir hier ein paar interessierte Unterstützer. Einen Tag nach meiner Email, in der ich erste Ideen von The Smile Project vorstellte, wurde mir direkt sehr freundlich geantwortet: Liebe Frau Winkel, leider können wir Ihnen kein Geld geben, aber wir finden Ihre Idee klasse und möchten Ihnen gerne ein Forum geben, diese zu präsentieren. Fast ein halbes Jahr später war es nun endlich soweit: Am Sonntag den 29. Januar 2017 durfte ich The Smile Project im Rahmen des Afrika-Tages vor interessierten Theater- und Afrika-Fans in der Bibliothek vorstellen. Einen Tag später drückte ich auf "Finanzierungsphase starten" . Wie aufregend! Danke an das Rautenstrauch-Joest-Museum für diese tolle Möglichkeit, Andi für die Gute-Laune-Postkarten, die auch das Museums-Personal zum Schmunzeln brachten, meiner Familie für die große Pizza danach, meiner superengagierten tollen Mitbewohnerin Lena, die Alt und Jung begeistert hat, zum Vortrag zu kommen und für den mentalen Support meiner Freunde, von denen zwei extra den vollen Eintrittspreis für das Museum gezahlt haben :D - ich machs wieder gut Jungs ;). Let the story begin :). Share a smile!

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