Crowdfunding beendet
Das Triebwerk ist der regelmäßig erscheinende Sammelband der Comic- und Illuklasse der Kunsthochschule Kassel. Wir bringen schon seit 2005 unsere Geschichten in Comicbuchform zu euch! Wir sind stets auf der Suche nach Möglichkeiten um unsere Buchprojekte zu verwirklichen. Und hier kommt ihr ins Spiel! Denn gemeinsam mit euch können wir in einer Auflage veröffentlichen, die weit über die Mauern der Kunsthochschule hinaus reicht.
4.496 €
Fundingsumme
113
Unterstütz­er:innen
Charlott Roth
Charlott Roth Projektberatung "Eindrucksvoll durchgezogene Crowd-Finanzierungsrunde."
07.02.2020

Was ist eigentlich Arbeit und wer macht die?

Comic- und Illuklasse Kassel
Comic- und Illuklasse Kassel6 min Lesezeit

Was das für ein frischer, sonniger Tag heute ist! Die Vögel zwitschern, die Bahnen fahren und der Küchengraben hinter der Kunsthochschule ist auch so langsam wieder aufgetaut. Was gäbe es da Besseres, als sich in der Klasse zu treffen und an Beiträgen zu arbeiten? Ich weiss schon: beim Arbeiten gestört werden! Deshalb habe ich mir als offizielle Crowdfundingbeauftragte (Hallo, Gini hier) einmal Laptop und Stuhl gegriffen und Leute aus dem Triebwerk nach ihren Arbeitsmethoden gefragt:

Wie führst du dein Skizzenbuch, worauf achtest du besonders?

Karen: Ich versuche, mein Skizzenbuch zum Experimentieren zu benutzen, um Konzepte zu visualisieren, auch zu zeichnen bis meine Zeichnung in eine Richtung geht, die mir gefällt, denk ich. Für mich hat das eine persönliche Art, Ideen zeichnerisch zu verarbeiten. Es ist auch einfach leichter ein Skizzenbuch zu haben, als viele Zettel. Natürlich skizziere ich auch digital, aber auf dem Papier ist es einfacher, direkter meine Arbeiten vor mir zu haben, schon allein für Storyboards. Ich muss aber auch sagen, das Arbeiten darin kommt in Phasen, manchmal benutze ich es super oft und dann ewig gar nicht. Was schade ist, ist, dass
Leute Skizzenbücher oft viel zu verkrampft sehen, als müsste alles perfekt sein. Das ist auch ein komisches Bild für angehende Künstler*innen, die denken, dass das die Norm ist. Da muss dann jeder Strich sitzen und ist das mal einmal nicht so, entschuldigt man sich direkt dafür.


Wie viele Stunden am Tag verbringst du mit dem Arbeiten?

(Einstimmig) Zu viele.

Laura: Ich hab viele Tage an denen ich von neun bis fünf meinem Bürojob nachgehe, nach Hause komme und bis zwei
Uhr nachts an Aufträgen sitze. Man denkt immer "Ich mach das jetzt noch fertig", kommt in einen Flow und schon ist der Tag und mein Schlaf weg. Es gibt da auch einen Unterschied zwischen dem Arbeiten für sich und Aufträgen für Andere. Bei Aufträgen gibt es Deadlines und wenn man für sich zeichnet kann man schlecht trennen: Wo fängt die Arbeit an?
Und wo hört sie auf?

Verena: Was mir persönlich gut hilft, ist zwischendurch auch einfach einen Tag Pause zu machen, wie ein Reset-Button, den man drückt.


Womit arbeitest du am meisten?

You Jia: Früher habe ich vor allem analog gearbeitet, mittlerweile arbeite ich aber auch viel digital, seit Kurzem hab ich ein iPad. Häufig zeichne ich Linien auf Papier und
die Farbe ergänze ich digital.

Verena: Gerade benutze ich am liebsten Tuschestifte also Brush Pens und Fineliner. Ich mag es einfach mit
starken Kontrasten zu arbeiten und schwarzen Flächen. Für mein letztes Projekt habe ich Aquarell benutzt, daran war für mich interessant, welche Strukturen und unerwarteten Ergebnisse ich damit kriege. Lange vor einer Sache sitzen macht auch, dass man die Distanz dazu verliert. Spazieren gehen bringt einen auf Sachen, auf die man am Computer nie gekommen wäre.

Was machst du, wenn du nicht weiter kommst? Und bei Krisen?

Daniela: Wenn ich stecken bleibe, hilft es mir Sport zu machen, mich körperlich zu betätigen. Drei Stunden überhaupt nicht an diesen ganzen Kram denken ist wie.. durchgepustet werden. Man kriegt ganz neue Perspektiven und Ideen. Raus gehen, an die frische Luft ist ein Klischee, hilft aber wirklich. Weil wenn man stundenlang am selben Projekt sitzt und sich mit nichts anderem beschäftigt, verliert man die Distanz. Bei wirklich großen Krisen helfen nur wirklich große Spaziergänge, also Reisen oder ganz einfach mal weg fahren. Freunde oder die Eltern besuchen. Je weiter man sich von dem Schauplatz seiner Probleme entfernt, desto eher kommt man auf eine Lösung.

Was hilft dir um auf Ideen zu kommen?

Samirah: Die besten Ideen hab ich bei Langeweile und wenn ich nicht schlafen kann. Weil mein Hirn sich dann selbst unterhalten muss, schätze ich. Vieles kommt mir auch durch Träume. Das sind manchmal so kranke Sachen, dass ich mich wunder, dass es von mir sein soll. Irgendwie ist das fast wie ein unfairer Vorteil, dass mir das einfach in Träumen kommt. Und Gefühle, zwischenmenschliche Situationen, vermeintlich kleine Sachen eigentlich.


Wie gehst du bei einem Projekt vor?

Jiaqi: Ich glaub zuerst denk ich bei einem persönlichem Projekt, ob ich das wirklich machen will. Wenn ich schon merke, dass im Laufe der Arbeit meine Motivation verfliegen wird, lass ich es lieber als mich durchzuquälen. Und wenn ich den Entschluss fasse, das zu machen, überleg ich mir die Motivation, warum will ich das machen. Das ist so das Fundament. Darin findet Storyboard, Skizzen und alles, was noch dazu kommt, seinen Ursprung. Was möchte ich den Lesern vermitteln, wie kommuniziere ich mit deenen, die es
sehen. Beim Arbeiten denk ich an diese ursprügnlichen Fragen und versuche alles daraus entstehen zu lassen.
ich hoffe, das löst die meisten Problem, warum es macht und haben möchte. Die ganzen praktischen Probleme finden mit etwas Zeit und Mühe die Lösung. Zumindest ist das mein Ideal von meinem Vorgehen.


Was gefällt dir am allerwenigsten an deinen Arbeiten und was am besten?

Samirah: In Comics hab ich oft Schlüsselmomente im Kopf und manchmal ist alles, was ich deshalb drum rum bauen muss, fucking ätzend. Mein Zeitmanagement ist schon verbessungswürdig. In der Schule hab ich immer aufgeschoben wie ich nur konnte, aber heute hab ich zum Aufschieben einfach keine Zeit mehr. Ich stress mich dann immer so hart und will diese eine Sache fertig kriegen und alles Andere wird egal. Eine Balance zwischen Arbeit und Freunden ist auch was, womit ich gern zufriedener wäre. Meine Storyboards gefallen mir dafür oft sehr gut, obwohl sie meistens nur für mich verständlich sind. Ich kann nur empfehlen einfach runter zu rkitzeln, was im Kopf ist, bevor es weg ist, anstatt sich zu überlegen, wie es aussieht.
(Samirah guckt aus dem Fenster, weil sie denkt, jemand gibt ihr Morsezeichen.)
Ehm! Naja.. ich bin gut darin mich zu zwingen etwas fertig zu bringen, ich hasse angefangene Dinge, die unbeendet rumliegen. Ich glaube, das mag ich am liebsten am meiner Arbeitsweise. Wenn ich so richtig Bock auf ein Projekt habe, bin ich extrem zielstrebig.

Ich bedanke mich hier unten am Ende ganz doll bei You Jia, Karen, Samirah, Jiaqi, Ling Yu, Daniela, Laura, Verena und Friedo für den schönen Tag, die nette Konversation und die ein oder andere Erleuchtung.

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Triebwerk 9
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