Wir wollen am 12.06.2020 das Olympiastadion Berlin für ein Demokratie Festival mieten und dort Wissenschaftler*innen, demokratiefördernden Initiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen eine Bühne geben, um Lösungen für die drängendsten Probleme unserer Zeit gebündelt zu präsentieren und diese z.B. mit Hilfe von Petitionen direkt vor Ort zu verabschieden (alles non-profit). Wir können das Unmögliche möglich machen – aber nur, wenn wir alle bis zum 24/12/2019 zusammen legen.
2.078.649 €
2.700.000 € Fundingziel 2
28.474
Unterstützer*innen
Projekterfolgreich
28.11.2019

Fragen & Antworten

Waldemar Zeiler
Waldemar Zeiler11 min Lesezeit

Liebe Freunde, liebe Kritiker*innen, liebe Gäste, liebe Presse,

ihr habt euch in den vergangenen Tagen viele Gedanken zu uns gemacht. Das finden wir toll. Wir lieben alle eure Fragen, euer Feedback und insbesondere eure Kritik. Ja, wirklich! Nicht, dass wir uns intern nicht ebenso über unser Projekt beraten oder zuweilen sogar gestritten hätten. Aber von außen lassen sich die Dinge ja doch oft viel klarer sehen. Danke also für diese Perspektive. Das hilft uns, das Projekt weiterzuentwickeln.

Seht uns nach, dass wir ein paar Tage Zeit gebraucht haben, die Kritik zu diskutieren. Wir wollten uns sammeln, anstatt überhastet Antworten herauszugeben. Wir nehmen eure Anmerkungen ernst und berücksichtigen sie auch im weiteren Vorgehen.

So haben wir uns z.B. dazu entschieden, uns von der “Bürger*innenversammlung” als Titel der Veranstaltung zu lösen. Wir sind keine Bürger*innenversammlung. Das war missverständlich formuliert. Uns geht es zwar darum, Menschen zu versammeln. Aber repräsentativ sind wir damit nur bedingt.

Im Folgenden findet ihr nun einige erste Antworten auf die von euch am häufigsten gestellten Fragen und Anregungen. Um die Angelegenheit so übersichtlich wie möglich zu gestalten, haben wir allen Input in diese Themenblöcke unterteilt:

  • Finanzierung
  • Initiatoren
  • Motive
  • Der Veranstaltungsort
  • Organisation und Partizipation

Legen wir los!

1. Finanzierung

Was ist im Ticketpreis beinhaltet? Wie schlüsseln sich die Gesamtkosten von 1,8 Mio. Euro auf? Wieviel Gewinn macht einhorn mit dem 12.06.2020?

Eine so große Veranstaltung unterliegt technisch, personell und organisatorisch gesetzlichen Vorgaben und ist überhaupt nur möglich, wenn ein in allen Belangen geordneter und sicherer Verlauf sichergestellt werden kann. Diese Vorgaben und organisatorischen Standards verursachen den Aufwand und die entsprechenden Kosten.

Wir werden alle Kosten und Einnahmen durch einen externen und unabhängigen Dritten (z.B. eine Notar*in) innerhalb eines Tatsachenprotokolls bestätigen lassen und Überschüsse an eine zu definierende gemeinnützige Organisation spenden. Keiner der möglichen Speaker*innen und Künstler*innen erhält eine Gage. Das komplette Team sowie die Infrastruktur zur Vorbereitung des 12.06.2020 sind in den Kosten nicht berücksichtigt. Wir kalkulieren mit keinem Gewinn.

Wie sich die Kosten sich im Einzelnen aufschlüsseln seht ihr im Bild der Kostentorte unten.

Warum zieht ihr nicht einfach aufs Tempelhofer Feld um?

Auch eine gute Idee. Stimmt. Aber auch das würde kosten. Wir müssten eine Infrastruktur aufbauen (ausreichend Toiletten, Sicherheitsvorkehrungen, Bühne, Lautsprecher etc.) und wären außerdem abhängig vom Wetter. Das Tempelhofer Feld ist darüber hinaus in Teilen ein Biotop- und Artenschutzgebiet.

Außerdem wollen wir, dass wirklich alle Gäste sehen und hören, was auf der Bühne und drumherum in Workshops gesagt wird. Das lässt sich im Stadion viel besser erreichen als auf einem Feld. Wir glauben insofern, dass wir euch mit einem großen bereits in seiner Infrastruktur eingerichteten Veranstaltungsraum viel besser erreichen können.

Wir unterstützen aber alle, die am 12.06.2020 eine Parallel-Veranstaltung auf dem Tempelhofer Feld organisieren möchten (vll. ein kleiner Ableger mit Live-Stream?). Meldet euch gerne bei uns. Unseren Kontakt findet ihr ganz unten.

2. Initiatoren

Die ganze Veranstaltung ist eine riesige PR-Geschichte rund um einhorn.

Es gibt ganz sicher leichtere Wege für einhorn, Öffentlichkeit zu bekommen als über den 12.06.2020. So viel Gegenwind wie aktuell hat das einhorn-Team in seiner Geschichte jedenfalls noch nie erfahren. Das hindert das Team aber nicht, weiter an die Idee zu glauben, und sich für den Spaß an politischen Prozessen einzusetzen. Politik darf Spaß machen! Findet ihr etwa nicht?

(Inzwischen besteht das Team unterdessen aus vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer*innen, die bis dahin noch nie etwas mit einhorn zu tun hatten.)


Ihr gefährdet mit eurer Idee die Arbeit von Bewegungen wie Fridays for Future.

Dass das so gesehen wird, tut uns leid und ist genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich erreichen wollen. Wir wollen gerade Initiativen wie Fridays for Future (Berlin) oder die Scientists for Future unterstützen, die ganz wesentlich dazu beigetragen haben, Öffentlichkeit für die Folgen des Klimawandels zu schaffen und ihn auf die Agenda der Politik zu setzen.

Beide Initiativen stehen uns beratend zur Seite und haben nicht — wie teilweise falsch berichtet — den 12.06.2020 mit initiiert.

Das sagen Wissenschaftler*innen, die Scientists for Future initiiert haben:

“Wissenschaftler*innen von Scientists for Future finden die Idee sehr gut, dass in den Monaten vor der Veranstaltung politische Forderungen — in diesem Fall Petitionen — von Teilnehmer*innen gemeinsam entwickelt und zur Diskussion gestellt werden, um diese dann auf der Veranstaltung selbst zu präsentieren und zu beschließen. Dies ist ein Vorgehen, das in der Politik üblich ist, zum Beispiel bei politischen Gipfeltreffen oder Parteitagen. Das Vorgehen kann und soll demokratisch gestaltet werden.

Dieser Prozess ermöglicht es, typische Missverständnisse und Gegenargumente aufzuzeigen und zu adressieren. Wir verstehen das als eine Aufgabe von Wissenschaftskommunikation und sehen (nicht nur) darin unseren Beitrag zu der geplanten Veranstaltung. In Talkshows jeder Couleur ist eine differenzierte Diskussion allein schon durch das konfrontative Konzept dahinter nicht möglich. Das erleben auch wir, wenn wir daran teilnehmen. Eine ähnlich große Plattform wie Talkshows bietet Olympia12062020, aber das Konzept ist lösungsorientiert. Das Projekt kann unseres Erachtens dazu beitragen, immer wieder künstlich produzierte Behauptungen der Unvereinbarkeit von sozialen und ökologischen Zielen zu überwinden.

Wir sehen die Bedeutung weit über die konkreten Petitionen an diesem Tag hinaus. Der Tag selbst ist der Kristallisationspunkt. Einen gesellschaftlichen und politischen Mehrwert generiert Olympia12062020 gerade auch durch seinen mehrmonatigen inhaltlichen Vorbereitungsprozess, in dem eine Vielzahl an Akteuren zu konkreten Einzelthemen zusammenarbeiten können. Somit wird eine demokratische Verständigung über eine Politik zur Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele unterstützt.”

Ihr bekommt Credits für euer Projekt, die eigentlich NGOs und zivilgesellschaftlichen Organisationen zustehen.

Wir sind aktuell laut und rühren die Werbetrommel, weil wir die Finanzierung unseres Projekts sicherstellen wollen. Wir werden als Initiatoren nach Abschluss des Crowdfundings aber in die zweite Reihe zurücktreten und uns vor allem inhaltlich zurücknehmen.

Unser Ziel war immer, mit der Veranstaltung einen Raum zu schaffen, in dem NGOs oder z.B. zivilgesellschaftliche Initiativen eine Bühne bekommen für das, was sie seit Jahren lokal, regional oder sogar global an Zielen verfolgen und darin Experten sind.

Wir wollen nicht die Credits der NGOs. Wir wollen sie vielmehr in ihrer Arbeit stärken.

Ihr habt keine Expert*innen im Team, die eine Veranstaltung dieser Größe mit dem gegebenen Anspruch auf die Beine stellen könnten.

Die Crowdfunding-Zentrale zum 12.06.2020 ist mit vielen freiwilligen und ehrenamtlich arbeitenden Helfer*innen besetzt. Darunter sind vor allem einige erfahrene Projekt- und Eventmanager*innen, die bereits andere Großveranstaltungen auf die Beine gestellt haben. Sie helfen uns bei der Umsetzung des Crowdfundings als auch dabei, Strukturen zu schaffen für die Zeit danach. Im Januar 2020 beginnt nämlich die eigentliche Arbeit: Rahmenbedingungen und Inhalte für den 12.06.2020 zu schaffen.

3. Motive


Eure Ambitionen, „die Welt zu retten“ sind überheblich und naiv. Mit eurer Startup-Arroganz konterkariert ihr die Arbeit von vielen seit Jahren/Jahrzehnten ehrenamtlich organisierten Menschen.

Unsere Idee war von Anfang an, den 12.06.2020 zu initiieren, um bereits bestehende zivilgesellschaftliche Initiativen, NGOs und politisch aktive Menschen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Wir wollen als Projekt vor allem einen Rahmen und eine Infrastruktur bereitstellen, in der diese Menschen, ihre Arbeit und ihre Ideen mehr Aufmerksamkeit und Unterstützer*innen erfahren.

Dazu planen wir am 12.06.2020 Stände rund um das Olympiastadion aufzustellen, an denen die jeweiligen zivilgesellschaftlichen Akteure über ihre Themen informieren und aufklären können. Wir sind schon heute mit vielen Initiativen in Kontakt, die sich auf den 12.06.2020 und den Austausch mit den Teilnehmer*innen des Tages und anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen freuen.

Ihr wollt euch dem Klimawandel widmen und seid selbst null nachhaltig. Warum organisiert ihr euch nicht einfach online? Das wäre CO2-neutral.

Sich ganz und gar zu begegnen, ist ausschließlich offline möglich, glauben wir. Von Angesicht zu Angesicht schaffen es Menschen eher miteinander zu sprechen, sich zu solidarisieren und/oder aktiv zu werden. Letzteres ist, was wir wollen. Wir wollen Diskurs. Wir wollen Menschen miteinander verbinden, die sich bereits engagieren oder den Wunsch haben, sich einzubringen. Wir wollen Wege aufzeigen, Einfluss zu nehmen und mit den Petitionen, die wir für diesen Tag planen, eine Maßnahme vorstellen, wie Aufmerksamkeit gegenüber der politischen Administration unseres Landes geschaffen werden kann.

Die CO2-Emissionen, die das Event verursacht, werden wir kompensieren. Die Aufwendungen dafür sind bereits in den kalkulierten Gesamtkosten des Events enthalten.

Ihr wollt doch eigentlich nur Aufmerksamkeit für Themen, die ihr bereits festgezurrt habt und die ihr mit der Gruppendynamik im Olympiastadion nur noch durchdrücken wollt.

Wir wollen mit dem 12.06.2020 ein Forum und keine Frontalberieselung schaffen. Sobald das Crowdfunding erfolgreich abgeschlossen ist, wollen wir ab Januar 2020 Gremien und Arbeitsgruppen aufbauen, in denen Experten*innen sich beraten, Themen und Petitionen ausarbeiten. Darüber hinaus planen wir aber auch eine Online-Plattform aufzubauen, über die sich alle Interessierten ebenso mit Ideen einbringen können.

Jeder Parteitag ist kontroverser als ihr es je sein werdet.

Wir scheuen uns nicht davor, mit euch zu diskutieren und planen damit auch am 12.06.2020. Wir wollen keinen Konsens a priori. Wir sind nach innen wie nach außen offen für Diskurse, mit deren Ergebnis sich im besten Fall Lösungen gestalten lassen.

4. Der Veranstaltunsgort

Uns bereitet Sorgen, dass ihr von emotionaler Aufladung schreibt und euch offenbar nicht um die Parallelen zur Rhetorik geschweige denn der NS-Tradition des Olympiastadions bewusst seid.

Den Kampagnentext haben wir um diese rhetorischen Blüten bereinigt. Dass jemand annehmen könnte, es bestünden Parallelen dieser Art, wollen wir unter allen Umständen verhindern.

Wir sind uns darüber hinaus über die historische Verantwortung, den 12.06.2020 an diesem Ort zu veranstalten, bewusst. Wir glauben aber, dass es gerade aus dieser Verantwortung wichtig ist, diesen Ort für eine Veranstaltung zu nutzen, die der Vergangenheit des Stadions entgegensteht und unsere Zivilgesellschaft stärken will.

5. Organisation und Partizaption

Der Eintrittspreis von 29,95 Euro beschränkt die Teilnahme am Event.

Das stimmt. Rund 30 Euro für ein „Event“ auszugeben, können sich ganz viele Menschen schlichtweg nicht leisten. Das Soli-Ticket soll genau dieses Problem auffangen. Wir wollen keine exklusive Veranstaltung sein, sondern alle einbeziehen, die Interesse daran haben — unabhängig von Kontostand oder anderen finanziellen Ressourcen. Wir wollen den 12.06.2020 aber ebenso frei von Sponsoren, Werbung oder Lobbygruppen halten und glauben deshalb nach wie vor, dass die Finanzierung über das Crowdfunding der beste Finanzierungsweg für unser Projekt ist.

Aktuell wurden 42 Prozent unserer Tickets als Soli-Tickets verkauft. Schon jetzt steht also ein großer Teil des Ticketkontingents für Menschen zur Verfügung, die sich das Event ansonsten nicht leisten könnten. Wie wir diese Tickets verteilen wollen, erarbeiten wir noch. Wir freuen uns über alle Ideen, wie die Vergabe am gerechtesten gelöst werden könnte.

Um darüber hinaus möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, am 12.06.2020 teilzunehmen, soll es einen kostenlosen livestream des Tages und seines Programms geben. Wir unterstützen außerdem alle, die am 12.06.2020 parallel zu unserem Projekt Demonstrationen oder Veranstaltungen auf die Beine stellen wollen.

Das Team ist nicht divers und insofern nicht repräsentativ. Die Veranstaltung im Olympiastadion wird es deshalb genauso wenig sein.

Wir sind mehr Frauen als Männer im Team, wir leben verschiedene Sexualitäten, wir sind Gutverdiener*innen als auch Geringverdiener*innen und Sozialhilfeempfänger*innen. Unter uns sind Arbeiterkinder und Menschen mit Migrationshintergrund, Schüler*innen, Student*innen, Akademiker*innen. Manche von uns haben sich vor unserem Projekt noch nie politisch engagiert, einige andere sind Langzeitaktivist*innen.

Unser Team ist aber, und das wissen wir, noch zu weiß. Wir arbeiten intensiv daran, uns diverser aufzustellen und unsere Blase zu durchstechen. Wir wissen, dass ein Projekt wie unseres nur gerecht auf den Weg gebracht werden kann, wenn wir als Team dahinter selbst Diversität leben und uns unserer eigenen Privilegien bewusst sind. Wir planen dazu, eine Arbeitsgemeinschaft einzurichten. Wer uns dabei unterstützen will, ist herzlich eingeladen, das zu tun.
Meldet euch via [email protected]

Ihr seid nicht demokratisch!

Wir sind kein durch Wahlen demokratisch legitimiertes politisches Organ. Das ist uns klar und das wollen wir auch gar nicht sein. Mit dem 12.06.2020 wollen wir keine demokratischen Prozesse ersetzen. Wir sind Teil der Zivilgesellschaft und wollen als solche Themen in die Öffentlichkeit bringen, von denen wir annehmen, dass sie drängen, behandelt zu werden. Dazu werden wir u.a. von jener Beteiligungsform Gebrauch machen, die die repräsentative Demokratie für uns als Teil der Zivilgesellschaft vorsieht: mit Petitionen angehört zu werden.

Petitionen sind sinnlos und noch lange kein Gesetz.

Uns ist bewusst, dass erfolgreiche Petitionen nicht unmittelbar bedeuten, dass ein Gesetz geändert wird. Aber sie können ein wichtiger Anfang und Anstoß sein, auf Missstände Aufmerksam zu machen und über ihre Öffentlichkeit Druck auf die Politik ausüben, Stellung zu beziehen.

Wird eine Petition erfolgreich eingereicht, muss sich der Petitionsausschuss mit ihr bzw. der Forderung dahinter auseinandersetzen. (Siehe Video)

Wollt ihr an eurem Konzept der Veranstaltung festhalten? Ihr verspielt euch damit alle Sympathien.

Wir wollen vor allem, dass die Wurzeln unseres Projekts verstanden werden. Wir lernen gerade super viel auf dem Weg ins Olympiastadion, nehmen uns die Kritik, die uns begegnet, dabei zu Herzen und korrigieren Fehler. Aber das ändert nichts an unserer Überzeugung, den richtigen Weg gegen die Politikverdrossenheit unserer Zeit eingeschlagen zu haben.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

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