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ADELHEID, KORNELIUS & DIE TÖDE ist ein humorvoller und poetischer Kinodokumentarfilm über Beziehung, das Altern und Sterben. Aber vor allem ist er eine Liebeserklärung an das Leben! Mit ihrer unzensierten Schamlosigkeit des Denkens und ihrem Schlappmaul-Humor trotzen unsere Filmhelden allen Widrigkeiten des Lebens.
10.233 €
17.000 € 2. Fundingziel
138
Unterstützer*innen
Projekt erfolgreich
20.03.18, 22:19 Maren Schmitt

Liebe Unterstützerinnen, liebe Unterstützer,

die Hessenfilm und Medien hatte während der Drehphase ein Interview mit Kirstin, der Regisseurin des Films geführt. Dort beschreibt sie anschaulich, wie die Arbeits- und Vorgehensweise bei diesem Film war.
Viel Spaß beim Lesen!


Wie kamen Sie auf die Idee das Thema zu verfilmen? 

Adelheid und Kornelius und ihr charmanter, sehr konsequenter Nonkonformismus faszinieren mich seit Teeangertagen. Die Themen meiner Filme und Fotoserien generieren sich stets aus den Orten und Protagonisten, die ich portraitiere. Bisher war es nie umgekehrt. Der Zufall und das Alltagsleben sind meine wichtigsten Quellen. Ich streife Orte und begegne Menschen, die mich faszinieren oder berühren – am liebsten beides. Sie veranlassen mich, ihre Spannungsfelder und persönlichen Motive entdecken zu wollen. So kristallisiert sich ein psychologisches Leitthema heraus, aus dem sich ein Thema entwickelt.

Wie haben Sie die Protagonisten gefunden? 

So exzentrisch wie die beiden sind, ist es unmöglich, sie zu übersehen. Adelheid (78) und der ehemalige Oberstudienrat Kornelius (80) sind seit Jahrzehnten generationsübergreifend sowohl in unserer hessischen Kreisstadt als auch in ihrem Winterdomizil in Spanien bekannt. Dennoch kennen die meisten das Ehepaar nur von Weitem und aus Mythen. In Anbetracht der kursierenden Geschichten, machen sich zu Wenige die Mühe, herauszufinden, welche Lebensphilosophie und Haltung hinter dem augenscheinlich skurrilen Paar steckt. Irgendwann fand ich mich selbst vor ihrer Haustür wieder und habe geklingelt.

Was macht die Protagonisten und ihre Geschichte so besonders?
Der Dokumentarfilm "Adelheid, Kornelius und die Töte (AT)" setzt sich auf poetische und humorvolle Weise mit Selbstbestimmung, Emanzipation im Alter, Beziehungsdynamiken und dem Sterben müssen auseinander. Humor und Tragik liegen sehr nahe beieinander. Mit ihrem hessischen "Schlappmaul-Humor", der unerschrocken auch vor schweren Themen kein Halten kennt, machen Adelheid und Kornelius viel Mut. Sie ziehen konsequent ihr Ding durch – ganz egal, was die Anderen von ihnen halten. Während wir gute Vorsätze haben, morgen oder übermorgen endlich unser Leben zu verändern, da haben uns Adelheid und Kornelius schon längst mit ihrem Tandem abgehängt und radeln dem vorzeitigen Tod davon.

Wer ist die Zielgruppe? Kann das auch für junge Leute interessant sein?

Es gibt viel zu lachen, zum Nachdenken und vielleicht auch zum Weinen. "Adelheid, Kornelius und die Töte" ist nicht nur ein Film für ein Arthrose Publikum, sondern für jeden Zuschauer, der sich von einem Dokumentarfilm cineastische Qualität, Unterhaltung und Tiefe wünscht. Er ist zeitlos und geografisch unabhängig und für Menschen aller Altersklassen interessant, denn der Film behandelt humorvoll und poetisch universelle Themen, die uns alle betreffen und denen sich niemand entziehen kann.

Wie wird das Projekt umgesetzt? Warum auf diese Weise? Was sind die Vorteile? 

Meine Arbeitsmethode kann man als teilnehmende Beobachtung bezeichnen. Die Kamera liegt immer griffbereit auf Petra Lissons (DoP) oder meinem Schoß. Meine Fotoserien und Dokumentarfilme entstehen organisch. Durch den Sucher spüre ich die Protagonisten, entdecke den Rhythmus des Films, seine Geschichte und wie er gedreht werden will. Ich verbringe viel Zeit mit den Protagonisten und kenne ihre Gewohnheiten und Eigenheiten. Hieraus entwickle ich das Konzept und die Dramaturgie.

Wir drehen ohne zu inszenieren. Manchmal werfen wir eine Frage ins Geschehen oder Adelheid und Kornelius richten sich spontan an die Kamera. Dennoch interessieren uns die Momente, in denen wir als Team in den Hintergrund treten und die Protagonisten ganz bei sich sind. Ich fertige kein „Drehbuch“ oder eine Szenenliste an, die es abzuhaken gilt. Um jedoch nicht passiv den Geschehnissen hinterher zu rennen, habe ich ein „emotionales Drehbuch“. Ich weiß, auf welche Emotionen und dramaturgische Schlüsselmomente ich warte, um die Geschichte erzählen zu können. Auf diese Weise bleibt man offen, wach, neugierig, lässt den Protagonisten ihren Raum und ist dennoch fokussiert.

Das Projekt hat Hessenbezug. Wie kam der zustande? Bewusst oder eher zufällig?
Ich bin in Gelnhausen zur Schule gegangen und habe in Frankfurt zeitweise gelebt, geliebt und ein bisschen studiert. Obwohl ich heute hauptsächlich zwischen Berlin und Havanna lebe, habe ich immer noch mein altes Kinderzimmer am Waldrand zwischen Kinzig und Vogelsberg. Ich empfinde eine tiefe Verbundenheit zur Landschaft, zur Sprache und zum hessischen Humor. Er ist schrullig, politisch und sprachlich inkorrekt, herzlich und wunderbar morbide. Bereits während der Filmhochschulzeit in Ludwigsburg bin ich am Wochenende oft durch hessische Dörfer gefahren und habe mir die Landschaften, Häuser und Menschen angeschaut. Die Geschichten drängen sich von ganz alleine auf. Mir war klar, irgendwann werde ich einen Dokumentarfilm drehen: auf hessisch über ein bisschen Hessen.

Quelle: http://www.hessenfilm.de/hessenfilm-news/detailansicht/news/detail/News/kirstin-schmitt-eine-filmmacherin-aus-hessen-und-ihr-dokumentarfilm-adelheid-kornelius-und-die-t.html