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Projekte / Wissenschaft
Am 8. Juli 1952 wurde Walter Linse von der Stasi in West-Berlin entführt. Er entwickelte sich in der Folge zu einer Ikone für den Widerstand gegen die SED-Diktatur. 2007 publizierte ich eine Biografie, die zudem Linses Rolle im Nationalsozialismus thematisierte. Seitdem wird vor allem seine Beteiligung an der »Arisierung« in Chemnitz betont. Aber auch diese einseitige Betrachtung wird Linses Leben nicht gerecht: Beide Aspekte gehören zu seiner Biografie.
3.222 €
2.600 € Fundingziel
18
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39
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Projekt erfolgreich
 Biografie Walter Linse

Projekt

Finanzierungszeitraum 19.10.17 14:40 Uhr - 20.11.17 23:59 Uhr
Realisierungszeitraum Dezember 2017 / März 2018
Fundingziel erreicht 2.600 €
Stadt Berlin
Kategorie Wissenschaft

Worum geht es in dem Projekt?

Walter Linse ist die längste Zeit bekannt gewesen als das Opfer einer spektakulären Gewalttat: Am 8. Juli 1952 wurde er von Berufsverbrechern vor seinem Haus in West-Berlin niedergeschlagen, in ein Auto gezerrt und in rasender Fahrt in die DDR gebracht. Seitdem war er „wie vom Erdboden verschluckt“. Der Fall löste im Westen eine beispiellose Empörung aus und bewirkte durch seine Zeichenhaftigkeit, dass Linse zu einer Ikone des Widerstandes gegen die SED-Diktatur wurde.

2007 legte ich eine Biografie Linses vor, die sich nicht auf die Entführung beschränkte, sondern auch die Zeit des Nationalsozialismus behandelte. Als Hitler an die Regierung kam, war Linse schon 30 Jahre alt, und daher fragte ich mich: Was hat er eigentlich zwischen 1933 und 1945 getan? Von niemandem beauftragt forschte ich nach und stellte fest, dass Linse ab 1938 als Referent der IHK Chemnitz die „Arisierung“ jüdischer Gewerbetreibender in Chemnitz begleitet hatte.

Als meine Biografie erschien, war gerade von einem Verein der „Walter-Linse-Preis“ ausgelobt worden, was zu einem kleinen Aufruhr führte. Der Verein und ich hatten nichts miteinander zu tun. Wie ein Tsunami brach Kritik über dem Verein und mir herein, die – in meinen Augen – maßlos war. Es war allerdings offensichtlich, dass der ganze Streit nicht um meine Linse-Biografie ging, sondern um die Gedenkstätte Hohenschönhausen und ganz allgemein die Frage nach dem angemessenen Gedenken an zwei deutsche Diktaturen.

2014 entschied ich mich dazu, die Biografie zu überarbeiten. Die Auflage war abverkauft und eine neue nicht geplant. Außerdem war genug Zeit ins Land gegangen, um eigene Fehler zuzugeben und nun auszubügeln. Ich begab mich erneut und in einem viel größeren Umfang als rund zehn Jahre zuvor in die Archive und sammelte so viel neues Material zusammen, dass ich den Umfang der Biografie fast verdoppeln konnte. Zu einer grundsätzlichen Neubewertung Linses bin ich nicht gelangt, aber ich habe viele Leerstellen in seiner Biografie füllen können.

Was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe?

Die Biografie Linses zeigt, dass die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts immer noch sehr präsent ist und schwer zu begreifen. Wer aber dieser Schwierigkeit nicht aus dem Weg gehen will, weil es für die Gegenwart hilft, die Vergangenheit besser zu verstehen, findet im Buch Unterstützung. Mit der überarbeiteten Neuausgabe der Linse-Biografie möchte ich meinen Beitrag leisten, um die Diskussion über Linse zu versachlichen. Ich liefere ausreichend Material und Hintergrundwissen, für das ich eine Interpretation vorschlage und dadurch dem Leser ermögliche, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Warum sollte jemand dieses Projekt unterstützen?

Die Linse-Biografie liefert bedeutende Informationen für alle, die sich für die deutsche Geschichte und Gegenwart interessieren. Man erfährt nicht nur, wo Linse studiert und gearbeitet hat, was er als Student und als Angestellter bei der IHK gemacht hat. Sondern man erfährt auch viel über das Umfeld, in dem er sich bewegte und behaupten musste. Es geht nämlich auch um die Weimarer Republik und die Hitlerdiktatur, um das Jurastudium und die Selbstverwaltung der Wirtschaft, um Demokratie und Rechtsstaatsverständnis, um „Arisierung“, Krieg und Etablierung der SED-Diktatur, um dem Ost-West-Konflikt, Widerstand und Spionage. Und nicht zuletzt unterstützt man mit einer Spende eine wissenschaftliche Arbeit, die außerhalb einschlägig bekannter Institutionen, in der bekannten „Einsamkeit und Freiheit“ entstanden ist.

Was passiert mit dem Geld bei erfolgreicher Finanzierung?

Mit dem Geld soll der Druck der erweiterten Neuauflage der Biografie Walter Linses finanziert werden. War die erste Fassung in der Schriftenreihe der Stiftung Sächsische Gedenkstätten erschienen, ist die Aufnahme der Neufassung in eine wissenschaftliche Buchreihe zugesagt. Druckkostenzuschüsse sind im Wissenschaftsbereich im Übrigen keine Seltenheit, da die Auflagen von thematisch eher nicht massentauglichen Büchern zu gering sind, um irgendeinen Profit abzuwerfen, der ein verlegerisches Engagement rechtfertigen könnte.

Wer steht hinter dem Projekt?

Ich wurde mit einer Arbeit über „Private Sicherheitsdienste im öffentlichen Raum“ promoviert und untersuchte im Anschluss daran den Fall Walter Linse.

Ich beschäftige mich nun schon seit mehreren Jahren mit dem Fall, mal sehr intensiv, mal überhaupt nicht. Zuerst war ich ganz auf mich allein gestellt - bis zur Publikation der Biografie 2007. Seitdem habe ich Freunde gewonnen. Sie sind es, die mich dazu gebracht haben, den Fall aufs Neue aufzurollen und nun hoffentlich zu Ende zu bringen.

Ich habe zwischenzeitlich zu dem Thema folgende Aufsätze verfasst:

Artikel „Linse, Walter“, in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (2012).

Zwischen „rechtsstaatlichen Idealen“ und „Arisierung“. Der Werdegang von Walter Linse bis zum Jahr 1938, in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung e.V., 2016, Bd. 61, S. 301-334.

Walter Linse und der Nationalsozialismus, in: Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift für internationale Diktatur- und Freiheitsforschung, 2016, Nr. 2, Bd. 13, S. 223-255.

Wenn ich, wie ich hoffe, am Ende dieses Jahres das neue, das überarbeitete Buch in meinen Händen halten werde, ist die Geschichte natürlich noch nicht zu Ende. Ich werde mich weiterhin mit Walter Linse beschäftigen, zum Beispiel ist ein Artikel schon jetzt geplant und vereinbart. Und möglicherweise ergeben sich aus der Publikation auch neue Kontakte und Gelegenheiten. Aber das wird sich zeigen. Ich sage niemals »nie« ...

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