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Crowdfunding in deutschen Medien? (M)ein Feiertags-Gebet
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Crowdfunding in deutschen Medien? (M)ein Feiertags-Gebet

Ron ty
03.10.2012
5 min Lesezeit

Was Crowdfunding betrifft, irren die deutschen Medien noch immer ahnungslos herum, oder? Seit dem wir uns mit Crowdfunding und der Entwicklung unserer Plattform Startnext beschäftigen, beobachten wir auch verstärkt die Massenmedien, weil wir natürlich wollen, dass Crowdfunding und die vielen spannenden Ideen und Projekte auch bei der Crowd ergo auch in den Medien ankommen.   

Das sind nun mehr als 2,5 Jahre in denen wir uns ganz oft fragen:

  • Was da eigentlich passiert?
  • Wer schreibt da von wem ab?
  • Wo werden Falschmeldungen geboren?
  • Warum werden die Inhalte so oft falsch interpretiert und verdreht?
  • Warum müssen immer gigantische Zahlen aus den USA der Crowd in Deutschland den Kopf verdrehen und warum finden die Projekte vor der Haustür so wenig Beachtung?

Ich glaube, ich kann das für unser gesamtes Team sagen, wir hatten vor unserer Arbeit an Startnext ein besseres Bild von der „schreibenden Zunft“. Es gibt ganz viele fleißige Redakteure, die noch im Interview spannende, richtige Fragen stellen. Wir beantworten alle natürlich ganz fleißig, immer mit der Idee, wenn die Crowd wächst, etabliert sich Crowdfunding. Nachdem wir dann den Artikel gedruckt sehen, staunen wir, wie falsch da oft interpretiert wird. Das macht uns immer wieder traurig und erschüttert auch unser Selbstverständnis von freier Presse und Informationsqualität.

Der Spendenbegriff

Häufigste Kritik von uns ist noch immer, dass Crowdfunding auf die Ebene des Bittstellertums gestellt wird, durch die bloße Verwendung des „Spendenbegriffs“, aber auch ganz andere wichtige Aspekte werden einfach unter den Tisch gekehrt oder in großen Zahlen aus dem Ausland ertränkt. Dennoch sind aus Sicht der Crowdfunding-Bewegung auch solche Beiträge hilfreich für die Auseinandersetzung mit dem Thema. Wir freuen uns über jede Veröffentlichung und sei sie noch so falsch.

Die ARD Umfrage

Heute habe ich eine Umfrage auf der Webseite des immerhin „öffentlich-rechtlichen ARD“ gefunden, die mir wieder mal Unverständnis in der Sache in die Augen treibt und die ich gerne aufgeklärt wissen will. Wer kann helfen? http://umfrage.tagesschau.de/umfrage/poll_dbdata.php?oid=kulturflatrate102

Die ARD fragt: Spenden für die Kunst?

Vehement wehren sich Verleger, Plattenlabels und Künstler gegen eine "Gratiskultur" im Internet. Inzwischen gibt es immer mehr alternative Finanzierungsformen, von denen Künstler profitieren sollen: zum Beispiel Crowdfunding. Über einen Link auf der Künstler-Homepage zu einer der Crowdfunding-Plattformen können Autoren oder Musiker entweder permanent unterstützt werden oder direkt im Vorfeld geplante Projekte. Eine CD, ein Buch oder ein Artikel wird erst dann produziert, wenn genügend Spenden eingegangen sind. Sind Sie bereit, für kulturelle Projekte im Vorfeld zu zahlen?

Bevor ich euch jetzt gleich die Zahlen im Screenshot liefere, möchte ich den Text oben kommentieren.

Schon die Überschrift ist falsch, denn beim Crowdfunding geht es vordergründig nicht um das Spenden, selbst wenn es hier auf Startnext möglich ist, so beschreibt Crowdfunding den Prozess von Geben und Nehmen, was dem Spendenbegriff nicht entspricht.

Der Text beschreibt zunächst den Aspekt Gratiskultur, der hier als Damoklesschwert und Angstszenario gegen Wirtschaftlichkeit im Internet hervorgehoben wird. Crowdfunding ist sicher ein gutes Erziehungsmittel in dem sich Kreativschaffender und Konsument auf Augenhöhe gegenüberstehen können. Dass es beim Crowdfunding vor allem aber um die Freiheit des Künstlers geht, selbst über sein Werk und dessen Verwertung zu bestimmen, wird nicht erwähnt. Die Crowd spielt in dem Moment eine entscheidende Rolle bei der Neuaufstellung der Regeln im Netz.

Weiter wird davon geschrieben, dass der Künstler permanent oder für geplante Projekte unterstützt wird. Das trifft natürlich so beim Crowdfunding nicht zu. Ein Crowdfunding basiert immer auf einem Projekt und der Unterstützer erhält Gegenleistungen. Alles findet nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ statt und sichert die Unterstützung somit ab*. Ein wichtiger Aspekt, der hier überhaupt nicht erwähnt wird und somit den Leser im Unklaren über die Mechanismen lässt. Der Hinweis auf Buch und CD, die nur bei Erfolg realisiert werden, verwirrt den Leser dann vollends, denn es klingt so, als ob all sein Geld verloren sei und die Unterstützung vollkommen wertlos und futsch ist. Das ist aus unserer Sicht natürlich eine fatale Fehlinformation.

Die dann für die Umfrage gestellte Frage, bringt die Unwissenheit der Autoren dann auf den Punkt: „Sind sie bereit für kulturelle Projekte im Vorfeld zu bezahlen?“. Was das genau bedeuten soll, fällt mir selbst recht schwer zu erklären. Der Leser kann aufgrund der Informationen, die zu lesen waren die Frage überhaupt nicht korrekt beantworten. Selbst ich würde hier womöglich mit „nein“ antworten. Die Frage ist aber komplett falsch gestellt und müsste eher lauten: „Sind sie bereit ein kulturelles Projekt ihrer Wahl zu unterstützen, wenn es dafür eine angemessene Gegenleistung gibt und das Geld nur bezahlt werden muss, wenn das Projekt sein Finanzierungsziel erreicht und umgesetzt werden kann?“ Die Frage ist natürlich länger, aber enthält die wichtigen Informationen.

Jetzt zum Ergebnis der eigentlichen Umfrage:

4709 Nutzer von ARD.de konnten befragt werden.

Davon antworteten mit:

  • Ja > 1645 (39,5%)
  • Nein > 2779 (59,0%)
  • Weiß nicht > 285 (6,1%)

Schlechte Zeiten für Crowdfunding, liest man hier heraus.

 

Leider kann ich aus dem gefundenen Link das Datum der Veröffentlichung der Umfrage und des Ergebnisses nicht erkennen, was aus meiner Sicht auch ein echtes Manko ist.

Aus meiner Sicht ist diese Umfrage ausgemachter Unsinn und wird womöglich den Weg von der einen oder anderen Diplomarbeit hin zu anderen Artikeln in andere Printerzeugnisse oder Blogs schaffen. Wie hier auf Startnext.

Ich kann deshalb nur die ARD auffordern ihrer öffentlichen Aufklärungspflicht nachzukommen und diesen Beitrag zu korrigieren und ihm ein sachlich richtiges Fundament zu gießen.

Herzlichen Dank!

*99% der Plattformen nutzen das Alles-oder-nichts-Prinzip als Qualitätssicherungs- und Risikominimierungsinstrument

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