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Insolvenz verhindern mit der Crowd durch Crowdfunding
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Insolvenz verhindern mit der Crowd durch Crowdfunding

Denis Bartelt
12.09.2023
6 min Lesezeit

Der Wirtschaft in Deutschland geht es nicht gut. Entlassungen und Defizite häufen sich. KATAPULT nutzt jetzt Crowdfunding richtig und verpasst dennoch eine große Chance.

Ich möchte euch nicht mit echten Wirtschaftszahlen langweilen, das verbreitet keine gute Stimmung. Was aber viele, insbesondere Sozialunternehmen und Startups in Deutschland gerade durchmachen, ist ernüchternd.

Gefühlt stagniert alles, es herrscht Fachkräftemangel, es wird viel weniger gegründet, hohe Inflation - eine Spirale ist hier im Gang, welche noch einiges mitreißen wird, und vor allem die Zukunft und unsere Sozialsysteme gefährden könnte. Im restlichen Europa sehen die Zahlen besser aus. Was ist hier los?

Das etwas nicht stimmt, bestätigen inzwischen unzählige Wirtschaftsfachleute, wie Christine Volkmann im ZDF Interview. https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/unternehmen-gruendung-start-up-100.html

Benjamin Friedrich, Gründer und Herausgeber von KATAPULT, dem Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaft, brach schon häufiger mit Regeln und tut dies auch diesmal, mit einem großen Sprung nach vorn ins Ungewisse, indem er am 05.09. die Insolvenz des Verlages in 14 Tagen ankündigt, wenn jetzt nicht adhoc etwas passiert. 450.000€ fehlen, die Mitarbeitenden können im August nicht bezahlt werden.

Investoren, die ins Risiko gehen wollen - bei KATAPULT scheinbar kein Thema. Bei vielen Social Businesses kein Thema. Die Exit-Perspektive fehlt. Bei KATAPULT aber gibt es Einsichten und Lösungsansätze: Transparenz, Aboverkäufe, Shopverkäufe und Spenden könnten den Laden retten. Außerdem wolle man lernen und Fehler nicht erneut machen.

Ab sofort kann man auf https://katapult-magazin.de/de einen Fake-Finanzierungsbalken sehen, der zyklisch aktualisiert wird. 

Gemerkt? Das ist ein Crowdfunding, nur eben nicht zum Launch eines Produktes, sondern zu Vermeidung einer Insolvenz. Also zu Rettung eines Produktes, eines sehr guten Produktes – ich bin Abonnent.

Abosolut richtig, KATAPULT mit Crowdfunding zu retten, denke ich. Endlich. Ein Tabubruch? Bisher kenne ich Produktrettung nur von Gemüse bzw. Nahrungsmitteln allgemein, aber auch ein Unternehmen hatte Herstellungskosten und sollte nicht ohne weiteres abgeschrieben werden.

Eine drohende Insolvenz zu kommunizieren, ist ein starker Move! Denn eine Insolvenz einzugehen, schützt normalerweise die Gründer:innen. Und Benjamin hat komplett recht, wenn er sagt, die Insolvenz-Berater:innen sind normalerweise teure, externe Experten, die sich für viel Geld in die Materie einarbeiten müssen, um dann unliebsame Entscheidungen treffen zu können. Diese Entscheidungen fallen ihnen leicht, es ist ja nicht das eigene Fleisch, in das sie sich schneiden müssen. Das kein:e Gründer:in der Welt Bock auf soetwas hat, ist klar, wenngleich in der Betrachtung von außen auch viel Wert liegen kann. Eine Garantie liefert sie aber nicht.

Also will Benjamin sich das Ganze sparen und bindet somit die Crowd ein, als Consultant zu fungieren - crowdsourcing. Die Crowd hat das Interesse, den Laden zu retten.

Und wieder denke ich: Fundingbalken, Chat, Transparenz, Blog-Mailing … das gibt’s doch alles sowieso risikofrei bei uns auf der Plattform. Warum baut sich Benjamin selbst in der größten Krise seiner Firma einen “Fundingbalken”, einen Chat den er kwitter nennt, einen Extrashop usw. Warum alles alleine machen, wenn Kooperation doch viel cooler wäre?

Jetzt könnte kurz der Einwand kommen, Startnext sei zu teuer. Ja, stimmt – wir können keine Rabatte geben, weil unsere Bezahlung sowieso freiwillig ist. Transaktionskosten haben alle Shops. Also nein, wir können nicht zu teuer sein, höchstens anspruchsvoll, was Informationen und Transparenz betrifft. 

Ich kann mir das nur so erklären: Alles sind im Panik-Modus und dennoch wollen sie beweisen: sie können da allein wieder raus. Sie haben doch alles im Haus. Sie machen doch immer alles allein. Vielleicht ist das genau das Problem, was einige von uns Social Businesses haben. Ich nehme uns da als Startnext nicht aus. Wir reden vom neuen Wirtschaften, wir wollen es besser machen, scheuen aber Kooperationen, weil das teuer ist. Eine Kooperation lässt sich nicht gut einpreisen und erscheint wie ein Mehraufwand. Dabei sollen Kooperationen resilient machen. Wir müssen Kooperationen neu denken.

Geil, dass Initiativen wie Correctiv.org jetzt Kooperation anbieten und KATAPULT zur Seite springen. So muss das sein.

Benjamins Weckruf könnte einiges verändern. Da wo die Kurskorrekturen bei der Tomorrow Bank, bei Neue Narrative, bei Soul Bottles und auch bei Startnext noch ziemlich leise waren.

Crowdfunding auf einer Crowdfunding Plattform

Was hätte Benjamins Crowdfunding auf Startnext verändern können? Wir hätten gemeinsam eine Crowd für das Thema Insolvenzvermeidung sensibilisieren können, die dann auch wachsen kann und auch bei anderen wichtigen Insolvenzvermeidungsaktionen hätte eintreten können (als Vermittler:in oder Geldgeber:in). Es spricht nichts dagegen, in schwierigen Phasen zusammenzustehen, Fehler einzugestehen oder einfach die Situation zu verbessern. Crowdfunding dafür einzusetzen, ist in meinen Augen die absolut beste Alternative, wenn man Produkte anbietet und eine gute gepflegte Kundendatenbank hat. Deadlines und Mitfiebern können, fördern außerdem den Unterstützungsdruck.

KATAPULT braucht noch Geld

Stand jetzt braucht KATAPULT noch etwa 120.000€ und hat bereits 330.000€ nach eigenen Angaben eingesammelt. Das ist aus unserer Sicht machbar. Der angekündigte Sparkurs deutet an, dass dasselbe so nicht nochmal passieren dürfte.

Startnext für Insolvenzvermeidung

Wir gehen jetzt bei Startnext nochmal intern in Klausur und schauen, was wir dafür tun können, dass Crowdfunding auch als Insolvenzvermeidungs-Strategie in Frage kommt. Aus meiner Sicht ist das nur eine Frage der ehrlichen Kommunikation und sollte in vielen Fällen eine echte Chance für einen Neustart sein.

Zu hohe Kosten, zu wenig Einnahmen

Warum ich das so gut mitfühlen kann? Wir können fast alle Erfahrungen von KATAPULT bei uns nachzeichnen und nachempfinden. Wir reduzieren seit 12 Monaten Kosten, um Einnahmen und Ausgaben aufeinander abzugleichen. Im September 2022 müssen erste Mitarbeiter:innnen gehen, wir kündigen das Büro in Berlin und andere Nebenkosten und im August nochmal weitere Mitarbeitende. Wir wollen uns an diesen Umstand gar nicht gewöhnen, akzeptieren diese Phase aber natürlich. Vielleicht betrachten wir das einfach als Übung, denn nachhaltig zu wirtschaften, sollte auch heißen, dass wir mit dem Markt eins werden, nicht überproduzieren oder künstliche Bedarfe schaffen, sondern wie in der Natur ausgewogen agieren. Wenn es aber mal nach unten geht, werden Ängste geschürt. Insofern macht das Crowdfunding von KATAPULT Mut, auch wenn es nicht auf Startnext gelandet ist.

Das nächste mal bekommt auch Benjamin den Service von uns, den er verdient. Danke KATAPULT, dass es euch gibt.

Kommt gestärkt zurück.
Euer Denis

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