Mutige gestalten die Zukunft
Zwei Crowdfunding Plattformbetreiber im Gespräch 
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Zwei Crowdfunding Plattformbetreiber im Gespräch 

Anna Theil
03.12.2011
3 min Lesezeit

Parallel zu den UNIVATOR Workshops, bei denen wir letzte Woche in Paris zu Gast waren, haben wir mit Vincent Ricordeau gesprochen, dem Mitbegründer der größten französischen Crowdfunding-Plattform: www.kisskissbankbank.fr

Im intensiven Gespräch mit Vincent Ricordeau haben wir das Thema Crowdfunding und seine Entwicklungschancen in Europa ergründet. Ricordeau bestätigte unsere These, dass ca. 70-80% aller Unterstützungen, die ein Projekt erhält aus dem eigenen Netzwerk bzw. direkten Verbindungen zu diesem kommen. Nur etwa 20% werden durch PR oder durch andere Effekte von „Unbekannten aus der Crowd“ eingezahlt.

Im Umkehrschluss ist es derzeit also weniger bedeutsam, auf welcher Plattform ein Projekt eingestellt wird. Vielmehr gilt es die eigenen Netzwerke zu aktivieren und zu motivieren weitere Unterstützer zu finden. Bei der Auswahl der Plattform gilt es vor allem darauf zu achten, wie die Prozesse gestaltet sind, welche Reputation die Plattform in der Community hat, welche Kanäle die Plattform anbieten kann und ggf. auch welche Kosten auf der Plattform generiert werden. KKBB startete bereits im März 2010 und konnte bisher ca. eine Million Euro für die Projekte einsammeln. Das ist immerhin das 4-fache von dem, was die größte deutsche Plattform Startnext einsammeln konnte.

Von Ricordeau konnten wir ein Kompliment der ganz besonderen Art hören. Ricordeau, der alle europäischen Plattformen im Blick hat, betrachtet Startnext als einer der Schönsten und Spannendsten in Europa. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Startnext sich nicht wie die meisten anderen nur als 1:1 Copy-Cat des Vorbilds Kickstarter aus den USA darstellt, sondern viele eigene Features mitbringt.

Wir haben zudem über Strategien gesprochen, wie Crowdfunding weiterentwickelt und wie die fördernde Crowd maximiert werden kann.

Kickstarter & Amazon

Thema war auch der zu erwartende Launch von Kickstarter in Europa 2012. Damit würde sich die bisher zahlenmäßig erfolgreichste Plattform Kickstarter (New York), wie Indiegogo (Californien) auch am hiesigen Markt positionieren. Während man auf Indiegogo Crowdfunding für alles und jeden, nahezu ohne Restriktionen betreiben kann, ist Kickstarter enorm restriktiv und wählerisch und bleibt beim Crowdfunding für Kreatives.

Mit diesem Schritt kommt eine wichtige Änderung: Ein interessanter Vorteil der Zahlungsabwicklung bei Kickstarter ist, dass Amazon das Handling übernimmt und die Buchungen erst dann ausführt, wenn das Projektende erreicht ist und es erfolgreich war. Dadurch werden einige Kosten und Arbeitsaufwände gespart. Derzeit bietet Amazon dieses Model in Europa jedoch nicht an. Möglicherweise hat dies regulierungsbehördliche Gründe. Das Risiko von Zahlungsausfällen bei dieser Methode bleibt jedoch, wenn auch im geringen Maß. Es ist außerdem zu hören, dass Kickstarter sich auf einen Börsengang vorbereitet. Wir sind gespannt, fragen uns allerdings, ob sich das Unternehmen dadurch nicht weiter von der Crowd entfernt.

Amazon-Checkout

Auf unsere Anfrage Amazon-Checkout auf Startnext einzuführen zu dürfen, was zumindest die Einbindung aller Nutzer und ihrer Amazon-Konten erlaubt, erhielten wir eine „eher schlecht begründetet“ Absage. Amazon-Checkout ist bisher nur für Händler zugelassen, die ihre Waren direkt verschicken. Auf Crowdfunding-Plattformen ist dies jedoch nicht der Fall. Mit dem Schritt von Kickstarter nach Europa sollte sich dies aber ändern.

Wir sind auf jeden Fall gepsannt, ob und wie sich Kickstarter hier präsentieren wird. Klar ist jetzt schon, dass es kein Kinderspiel werden wird, denn in Europa hat das Geld geben eine andere Tradition. Dies Tradition ist auch der Grund, warum Crowdfunding hierzulande eher als Spenden und nicht als Unterstützen erkannt wird.

Vielleicht kann folgende Losung helfen: "Crowdfunding macht aus dem altruistischen Spendenprinzip ein Unterstützungsprinzip mit Gegenleistungen für das Engagement." 

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