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Projekte / Literatur
Wehe, du schreibst nichts über die Nits
Das ist der Titel meiner geplanten Textsammlung zum Thema "Popkultur und Musik", die 285 Seiten umfaßt, mit je einem Vorwort von Dirk Bernemann und Albert Koch.
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2.500 € Fundingziel
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Projekt erfolgreich
02.02.16, 18:37 Stefan Gaffory
... WÜNSCH ICH MIR MEIN SCHAUKELPFERD ZURÜCK […] Heute morgen in der S41 obskures Hirnkino. Liegt es wirklich am Alter, daß die ganze Fahrt über ein Teil von Peter Maffays Version von “Über sieben Brücken mußt du geh’n” in Endlosschleife durch mein Gehirn mäandert? Und zwar genau der Part, der da “Manchmal geh ich meine Straßen ohne Blick/ Manchmal wünsch ich mir mein Schaukelpferd zurück …” lautet, den mein Gehirn aber freundlicherweise abrupt beendet, bevor ein cremiges Saxophon hereinschneit und Schrecken verbreitet. Daß nun einige Leute aus solch cremigen Saxophonen eine generelle Abneigung gegen Saxophone - cremige wie auch uncremige - ableiten, ist zwar verständlich, aber nichtsdestotrotz bedauerlich; denn nicht alle Saxophone sind per se böse. Warum ein meiner Meinung nach nicht existentes höheres Wesen trotzdem Curtis Stigers und David Sanborn (um nur zwei extrem horrible Gestalten hervorzukramen) die Eingebung schenkte, ein Blasinstrument lernen zu müssen, statt - sagen wir mal - an einem Fabrikfließband zum Wohle der Menschheit Vanillepuddingpulver einzutüten, ist immer noch ein ungelöstes Rätsel der Metaphysik, das einen vom Glauben abfallen lassen könnte, sofern man denn einen besäße. Zumal sich der glumpfige Ohrwurm noch als selbsterfüllende Prophezeihung erweist; kaum wandere ich durch die Gänge des Gaggenauer Altersheims, in dem ich momentan in Lohn und Brot stehe, der unvermeidlichen SWR 4-Beschallung wehrlos ausgeliefert, gewahre ich … ja, genau. Daß ich in diesem Moment einen Anus- Praeter- Beutel wechseln muß (was natürlich gelogen ist, aber es hätte gepaßt), rundet das Ganze noch ab. Da fällt mir ein, daß ich mich auf der Leipziger Buchmesse, als ich mich auf dem Weg zur Toilette befand, ohne Vorwarnung der Hydra gegenübersah: die leibhaftigen KARAT standen plötzlich in Reichweite vor mir und posierten für einen Phototermin zwecks Vorstellung ihrer Bandbiographie. Immerhin: in einem ihrer Songs stellen sie eine These auf und liefern gleich eine plausible Begründung dafür. “Uns hilft kein Gott, diese Welt zu erhalten” heißt es in ihrem markerschütternd inferioren, grauen- und pustelnerregenden Hit “Der blaue Planet”. Und man sitzt einfach nur da und denkt: warum? Darum.
02.02.16, 18:33 Stefan Gaffory
Nun wird Bob Dylan also 70; gefühlt ist er das schon, seit ich ein Kind bin. Wahrscheinlich hat da jemand eine 1 vergessen, und er wird 170. Also müßte ich im Umkehrschluß bereits 137 sein. Gefühlt bin ich das schon seit mehreren Wochen. Schwer zu sagen, was am Jubilar unerträglicher ist: seine somnolente Stolpermusik mit Hans- Huckebeingesang und garstig durch den Kamm geblasener Mundharmonika (natürlich gibt es unter geschätzt 12 000 Songs auch Ausnahmen: “Hurricane” oder den “Subterranean Homesick Blues” winke ich gerne mal durch, dann ist die Schmerzgrenze aber auch schon in Sicht … wenn man einmal seine Urversion von “All Along The Watchtower” gehört hat, weiß man, daß die Version von Jimi Hendrix nicht zu unrecht als bestes Cover aller Zeiten gilt) oder seine Jünger. Man hat schon Menschen erlebt, die jedes Gelumpe der alten Nebelkrähe in den Status eines gottgemachten Kunstwerks erhoben haben und jedem, der nicht konform ging, alle musikalischeAhnung inklusive Geschmacksempfinden absprachen … und das zumeist mit einem musikalischen Horizont, der bei Dylan anfing, mit Neil Young weiterging und bei Zappa aufhörte. Ansonsten war in dieser Einöde nichts zu finden. Auch daß er die Rockmusik wie kein Zweiter beeinflußt habe und sich die ROLLING STONES angeblich nach einem seiner Songs benannt hätten, ist ein Allgemeinplatz, der gerne vorschnell betreten wird. Was die Stones angeht, sollte man - trotz Coverversion und Namensgleichheit - einmal in Erfahrung bringen, wer Muddy Waters war. Und ansonsten einfach mal den Kopf zulassen und weiter Joan Baez hören. Aber man will ihm nichts Böses, dem Bob. Nicht mal, daß sich einer unserer Unerträglichsten, der kölsche Mümmelmann Wolfgang Niedecken, der sich ja gerne für Dylans Bruder im Geiste hält, nicht entblödet, einen schwer unzurechnungsfähigen Geburtstagsstuß zusammenzuschmieren und in die BamS drucken zu lassen, bekanntlich Dylans Lieblingsblatt. Dem Gruß kann man unter anderem entnehmen, daß Niedecken den Bob bereits zweimal persönlich getroffen hat. Das sei hier ebenfalls noch einmal mitgeteilt, denn einen anderen Sinn und Zweck hatte der ganze Scheißdreck auch nicht. Manche Städte scheinen die musikalische Pest eh gepachtet zu haben: gilt Frankfurt weithin als Heimstatt der deutschmusikalischen Intelligentia, darf sich Köln damit brüsten, ständig Leute hervorzubringen, die der fixen Idee verfallen sind, irgendwelches vorhandene Liedgut in ihren glumpfigen Dialekt übertragen zu müssen und ihm damit einen Gefallen zu tun. So gab es in den frühen 90ern eine Band namens THE PIANO HAS BEEN DRINKING, welche ernsthaft glaubte, Tom-Waits-Songs schänden zu dürfen, noch bevor der obige Gratulant meinte, seine „Leopardefellband“ (mit kölschen Covers von … ach, lassen wir das) gründen zu müssen. Aus “16 Shells From A Thirty-Ought-Six” wurde da beispielsweise “16 Memme En D’r Vringmaschin”. Mehr braucht man auch nicht zu wissen für die unumstößliche Überzeugung, das niemals im Leben hören zu wollen. Also: maat et joot, Bob. Solltest du vorhaben, irgendwann in den nächsten 30 Jahren das Zeitliche zu segnen, weißt du ja jetzt, was du vorher noch dringend zu erledigen hast.