Crowdfunding beendet
Es ist soweit - (d)ein feministischer Sexshop in München! Wir brauchen endlich einen Ort in dieser Stadt der emanzipatorische Vorstellungen von Sexualität verwirklicht und damit eine feministische, sexpositive und queere Alternative zu herkömmlichen Sexshops darstellt. Neben dem Verkauf von Toys und Produkten wollen wir zu Themenabenden und Workshops einladen sowie Literatur rund um das vielfältige Thema Sexualität anbieten. Unterstützt uns dabei, unsere Vision in München wahr werden zu lassen!
19.210 €
Fundingsumme
245
Unterstütz­er:innen
10.03.2022

Anspruch und Realität - ein feministischer SexShop im Kapitalismus

Miriam Wagner
Miriam Wagner6 min Lesezeit

Die Basis für unsere Arbeit im Kollektiv ist für uns natürlich, dass wir uns bei den wichtigsten, essentiellsten Punkten einig sind. Einer davon ist, dass wir alle eine kapitalismuskritische Haltung vertreten, welche sich beispielsweise darin äußert, dass wir solidarisch, auf individuelle Bedürfnisse achtend, und antihierarisch miteinander etwas erschaffen wollen. Diese Haltung soll sich auch in unserem zukünftigen Sexshop wiederspiegeln: So verzichten wir auf Chef*innen und Bosse und ziehen den Laden gemeinsam als Kollektiv auf Augenhöhe auf- Profitstreben um des Profits willen wird es bei uns nicht geben, unsere Gewinne sollen unsere feministische Bildungsarbeit weiterfinanzieren.

Profitorientierte (Sex-)Shops müssen in der alltäglichen Konkurrenz der Unternehmen all ihr Handeln auf Gewinn(maximierung) ausrichten. Das Mittel (der Shop) zum Zweck (der Profit) wird dabei nur an seiner Effektivität gemessen. So liegt der Fokus bei herkömmlichen (Sex-)Shops in Beratungen, die verkaufssteigernd sein müssen und auf Produkten, die möglichst kostengünstig produziert sind und als vermeintlich nachhaltig vermarktet werden. Die Zielgruppe wird meist nur nach Kaufkraft ausgewählt und deckt so gut wie nie die tatsächliche geschlechtliche und sexuelle Vielfalt der Gesellschaft ab. Es ist der Zwang der Profitorientierung, der herkömmliche Sex-(Shops) in ihrem Angebot und Handlungsoptionen, wie beispielsweise der Beratung, so extrem einschränkt und wenig Platz für eine emanzipatorische Umgangsweise mit Sexualität und Begehren lässt.

So sehr wir uns als Kollektiv und auch als Individuen wünschen, es wäre anders, so sind auch wir mit Consent Calling nicht frei von den beschriebenen kapitalistischen Zwängen. Auch wir müssen unsere Toys etc. von Produzent*innen beziehen, die aus Profitinteresse produzieren, was sich wie oben beschrieben in den oft nicht nachhaltigen hergestellen Produkten niederschlägt. Natürlich ist hierbei aber trotzdem unser Anspruch, den Weizen soweit es geht von der Spreu zu trennen, und euch als Kund*innen möglichst hochwertige Produkte anzubieten. Auch unsere Preispolitik muss sich natürlich zu einem gewissen Maße an äußeren Zwängen orientieren, wie Miete, Einkauf, und irgendwann eventuell auch mal Löhnen etc. Dabei könnt ihr aber darauf vertrauen, dass wir als junge Menschen und teilweise noch Student*innen, das Gefühl knapp bei Kasse zu sein nur allzu gut kennen und entsprechend unsere Preise so erschwinglich wie möglich gestalten werden.Für uns steht fest, wir wollen weder pinkwashing noch greenwashing betreiben um möglichst viel zu verkaufen. Patriarchat und Kapitalismus müssen in Verschränkung analysiert und bekämpft werden… Gerade deswegen liegt es in unserer Verantwortung auf die Widersprüche, die für uns als kapitalismuskritisches Kollektiv durch den Shop entstehen werden, hinzuweisen und einen Umgang damit zu entwickeln.

Jetzt aber zu den guten Nachrichten:
Als feministisches Kollektiv, dessen könnt ihr euch sicher sein, wird sich unser zukünftiges Sortiment in unserem zukünftigen Shop, und natürlich auch unsere zukünftige Beratung ganz klar an einer weitaus breiteren Zielgruppe orientieren, als herkömmliche Sexshops. Unser Anspruch ist es, ein feministischer Sexshop für alle zu sein, vor allem auch für Menschen, die sich im heterosexuellen und geschlechterbinären System nicht wiederfinden. Auch haben wir, wie oben schon erwähnt, nicht vor uns übliche Manager*innengehälter zu zahlen, sondern unsere Profite in die feministische Revolution zu reinvestieren ;).

----------

Aspiration and Reality - A Feminist Sex Shop under Capitalism

The basis for our work in the collective is, of course, that we agree on the most important, essential points. One of them is that we all have a critical attitude towards capitalism, which expresses itself, for example, in the fact that we want to create something together in solidarity, all while paying attention to individual needs, and in an anti-hierarchical way. This attitude should also be reflected in our future sex shop: We renounce leaders and bosses and run the shop together as a collective at an equal level - we will not strive for profit for the sake of profit, our earnings should continue to finance our feminist educational work.

In the day-to-day competition between companies, profit-oriented (sex) shops have to direct all their efforts towards profit (maximising). The means (the shop) to that end (profit) is measured solely on its effectiveness. Thus, the focus of conventional (sex) shops is on consultations, which must increase sales, and on products that are produced as inexpensively as possible and are marketed as supposedly sustainable. The target group is usually selected only according to their purchasing capacity and hardly ever covers the actual gender and sexual diversity of society. It is the compulsion of profit orientation that restricts conventional sex shops so extremely in their range of products and options for action, such as counselling, and leaves little room for an emancipatory approach to sexuality and desire.


As much as we as a collective and as individuals wish things were different, even with Consent Calling we are not free from the already explained capitalist constraints. We also have to buy our toys etc. from producers, who produce for profit, which is reflected in the often non-sustainable products as described above. Nevertheless, our aim is to separate the wheat from the chaff as far as possible and to offer you, our customers, products of the highest possible quality. Certainly, our price policy has to be oriented to a given extent by external constraints, such as rent, shopping, and eventually somewhen also wages, etc. But you can trust that we, as young people and partially still students, know the feeling of being short on money all too well and will accordingly make our prices as affordable as possible. For us it is clear that we don't want to participate in pinkwashing or greenwashing in order to sell as much as possible. Patriarchy and capitalism have to be analysed and fought against in an interconnected way... For this very reason, it is our responsibility to point out the contradictions that will arise for us as a collective, which is critical of capitalism, through the shop and to develop a way of handling them.


But now for the good news:
As a feminist collective, you can be sure of this, our future assortment in our future shop, and of course our future consultation, will clearly be oriented towards a much broader target group than conventional sex shops. Our aspiration is to be a feminist sex shop for everyone, especially for people who do not find themselves in the heterosexual and binary gender system. Also, as mentioned above, we do not intend to pay ourselves the usual manager salaries, but to reinvest our earnings in the feminist revolution ;).

18.04.2022

DANKE!

Miriam Wagner
Miriam Wagner3 min Lesezeit
Teilen
Consent Calling - feministisches Sexshopkollektiv
www.startnext.com