Crowdfunding beendet
"Die Herberge" erzählt mit viel schwarzem Humor und deutsch-arabischem culture clash-Witz eine etwas andere Flüchtlingsgeschichte, inspiriert von einer wahren Begebenheit. Diesmal sind Deutsche die Fremden, die eine Herberge suchen und Flüchtlinge, diejenigen, die sie aufnehmen und bewirten - in einem Landgasthof, der nun eine Flüchtlingsunterkunft ist: Kein Gastgewerbe, sondern pure Gastfreundschaft. „Der Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens“ Juda Baruch 1786 – 1837
19.415 €
Fundingsumme
271
Unterstütz­er:innen
13.11.2016

Der Film wächst - Was noch zu tun ist - Syrischer Schriftsteller hilft

Sanne Kurz
Sanne Kurz5 min Lesezeit

Ihr Lieben,

letzten Donnerstag haben wir endlich Yamen Hussein wieder getroffen. Er ist Schriftsteller und kommt aus Syrien. Wenn gerade kein Krieg ist schreibt er Gedichte. Er ist auch Journalist, hat sich mit Mächtigen angelegt und unter Pseudonym geschrieben. Jetzt lebt er als Stipendiat des "Writer's in Exile" Programmes des PEN-Zentrums Deutschland in München.

Die Kollaboration von Kittelfilm und Yamen Hussein begann lange vor dem Dreh: Vermittelt durch das und gefördert vom Kulturreferat München / Internationales gruben wir uns bei einem syrischen Abendessen mit unserem Requisiten-Koch und Sprachcoach Adnan Anjoka, Syrer aus Kleinberghofen im Dachauer Hinterland, tief in die Grundzüge und Hintergründe unserer kleinen Geschichte ein.

Yamen berichtete uns von Kriegsversehrten und Kunstprojekten, die sich damit auseinandersetzen. - Hierher kommen ja nur die, die noch laufen können, das vergisst man oft. - Es war bewegend und bestürzend zu sehen, wie klein unsere deutschen Integrationssorgen im Vergleich zu den echten Problemen vor Ort in Syrien sind. Und Syrien ist ja nicht das einzige Kriegs- und Krisengebiet auf der Welt. - Puh.

Wir leben durch einen glücklichen Zufall in einer Zeit des Friedens in Europa. Umso wichtiger, dass wir das auch schätzen und anderen, weniger vom Schicksal gesegneten Menschen, unsere Wertschätzung zu Teil werden lassen. Dazu wollen wir mit "Die Herberge" beitragen.

Wir freuten uns sehr, dass Yamen Zeit und Lust hatte, trotz Lesungen und Deutschkursen, mit uns und für uns am Drehbuch mit zu arbeiten. Denn uns war es von Beginn an sehr wichtig, "Die Herberge" auch für arabische Zuschauer unterhaltsam zu machen, einen Film aus zwei Perspektiven zu erzählen.

Gleich in deutsches und englisches Drehbuch vertieft (danke für die deutsch-englische Übersetzungshilfe an Salman Mitha!), schrieb Yamen für uns die arabischen Dialoge. Dabei ging er, wie von uns insgeheim erhofft, weit über eine reine Übersetzung hinaus, ohne jedoch Ysabels Buch und Idee zu verdrehen. Er erfasste mit feinem Gespür unsere Intention und fügte seine eigene Sicht in unserem Sinne hinzu. Dabei brachte er nicht nur mehr Witz, sondern auch eine Prise mehr Politik in unser Buch, was uns sehr freute.

Spannend wird es ja immer dann, wenn Autoren ihre Dialoge verfilmt sehen. Und so waren wir am Donnerstag schon ein wenig nervös, als wir mit Tee, Rechner und "Die Herberge" im Rohschnitt auf Yamen und seine Freundin Nour Ahmad warteten. Nour hatte mit geholfen, das Deutsch und Englisch unserer eigenen "arabischen" Dialoge - also der Teile, die noch arabisch werden sollten - zu interpretieren und zu übersetzen.

Was soll ich sagen: Nour und Yamen mögen den Film! Nour fand vor allem Sinan, gespielt von Hadi Khanjanpour, wahnsinnig witzig, was genial ist, weil sich dieser Witz - Sinan, ein Iraner, der auf der Flucht brockenweise das Arabisch aus der Koranschule aufpoliert hat - uns deutschen Zuschauern gar nicht in dieser Tiefe erschliesst. - Toll!

Sehr sorgfältig gingen die beiden auch Wort für Wort nochmals durch die Dialoge. Wo klingt es bereits sehr Syrisch, was Karim und Ahmad sagen? Wo müsste man noch mal ins Tonstudio und einzelne Worte verbessern?

Wir waren schon sehr, sehr gut beim Dreh, das konnten Yamen und Nour bestätigen. Dank Sprachcoach und unseren wirklich wahnsinnig engagierten "syrischen" Darstellern Samir Fuchs, Deutsch-Ägypter aus Berlin, und Yasin El Harrouk, im echten Leben - ja, wie sagt man - Schwäbisch-Marokkaner (?!) aus Stuttgart.

Trotzdem trifft es sich gut, dass wir auch Hede Beck und Christian Schneller noch mal für ein, zwei klärende Sätze im Tonstudio brauchen und das auch alles schon gebucht haben. Gemeinsam mit unseren echten und falschen Syrern können wir so recht frei entscheiden, was den Film für arabische Ohren perfekt machen wird.

Tickets für die Reise nach München kommen also auf das "Was wir mit dem Geld von Startnext machen" Wunschzettelchen noch oben drauf...
Denn wir wollen ja zusammen einen richtig guten, richtig authentischen Film machen, oder?!

Ich hoffe, Ihr seht das auch so. Montag geht es zum Bayerischen Rundfunk. Seeeehr gespannt, wie es den Kolleginnen und Kollegen dort gefällt, unser Film "Die Herberge". - Wir werden berichten!

Danke Euch erst mal, für die super-duper Weitersagerei und Botschaft-Verteilerei: Wir haben es fast geschafft!

Und ziemlich genau vier Wochen sind es noch...
Also: Wer Flyer will, einfach melden.
Wer auf Facebook oder in Mails diesen oder andere Artikel teilen will: einfach den Link kopieren und weiter sagen, dass es da ein Crowdfunding gibt, das unterstützenswert ist und fast schon am Zwischen-Ziel!

Liebe Grüße und bis nächste Woche sagt Euch Eure
Sanne

PS - Yamen schreibt gottlob auch weiterhin Gedichte und Anderes. Seine Werke sind auf Arabisch erschienen und bisher nur im Französischen als Übersetzung erhältlich in der Anthologie "L'amour au temps de l'insurrection et de la guerre", käuflich zu erwerben unter diesem grünen Link hier und natürlich auch bei Amazon.

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Die Herberge
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