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Projekte / Film / Video
Dokumentarfilm: Algo mío - Argentiniens geraubte Kinder
30 Jahre nach dem Ende der argentinischen Diktatur tauchen immer noch Opfer auf: Kinder von damals Verfolgten, die bei Militärfamilien aufwuchsen und nun ihre wahre Identität entdecken. Mit eurer Unterstützung wollen wir die Schicksale von zwei geraubten "Kindern" zeigen - und von ihrer Schwierigkeit erzählen, ein neues Leben anzunehmen. +++ para ver versión español clicar este enlace: www.startnext.de/en/geraubte-kinder +++
12.434 €
10.000 € Fundingziel
134
Unterstützer*innen
Projekt erfolgreich
04.05.14, 13:03 Regina Mennig

Zu unseren bewegendsten Filmaufnahmen gehören die Szenen aus dem Gerichtssaal: Hilario, wie er vor den Richtern die Unschuld seiner Zieheltern beteuert - Catalina, die bei der Urteilsverkündung einen Schrei der Erleichterung ausstößt. Nie hätten wir uns vor dem Aufbruch nach Argentinien träumen lassen, ganze Gerichtsprozesse filmen zu können. Setzt man sich in Deutschland mit laufender Kamera in einen Gerichtssaal, dann verlässt man ihn wohl eher in Handschellen anstatt mit packendem Filmmaterial.

In Argentinien ist Transparenz über die Diktaturverbrechen oberstes Gebot der Aufarbeitungspolitik. Deswegen werden die Gerichtsverfahren auch von Seiten der Justiz gefilmt und später in öffentlichen Archiven bereit gestellt. Allerdings in bescheidener Qualität und erst, nachdem die Urteile gesprochen sind. Wir wollen mit unserer eigenen Kamera filmen. Und so kommt es schließlich dazu, dass Teams von argentinischen Nachrichtensendern ihre Kameras ausmachen müssen, während wir weiterdrehen können. Denn wir haben den Richtern schriftlich versichert: Wir veröffentlichen das Material erst nach dem Ende der Gerichtsverfahren - und wir haben das Einverständnis unserer Protagonisten.

Der Weg durch sämtliche Schleusen

Trotzdem: Immer wieder sind die Dreharbeiten im Gericht eine Zitterpartie. Wir werden zwar irgendwann von sämtlichen Polizisten im Bundesstrafgericht in Buenos Aires mit Küsschen begrüßt, und in den entscheidenden Büros gibt es eigene Ansprechpartner für uns, die "chicas alemanas". Dennoch sind wir uns vor keiner Gerichtsverhandlung sicher, ob die Kamera tatsächlich an bleiben darf. Besonders blank liegen unsere Nerven am ersten Verhandlungstag im Fall Hilario.

Die Pförtner an den Sicherheitsschleusen halten uns mit argwöhnischen Blicken auf unsere Kamera-Ausrüstung auf, dann verhandeln sie am Telefon eine gefühlte Ewigkeit mit den Zuständigen der Gerichtsverhandlung. Als wir es schließlich bis vor die Richterbüros geschafft haben, heißt es wieder: warten. Endlos, so kommt es uns vor. Schließlich eröffnet uns die Assistentin des Richters: "Heute ist euer Glückstag!" Doch kurz darauf kommt der nächste Dämpfer - in Gestalt einer anderen Gerichtsmitarbeiterin, die mit ausdrucksloser Miene nach unseren Namen und unseren Handynummern verlangt.

Um die Daten zu notieren, hält sie uns ein seltsam formloses Blatt unter die Nase, anscheinend eilig aus einem Block gerissen. Wir sind schon fast dabei, ihrer Anweisung zu folgen - und fragen sie schließlich doch, wofür sie diese Informationen brauche. "Mein Kollege hat mich geschickt", sagt sie arglos und zeigt auf einen jungen Mann, der scheinbar ins Sortieren von Papieren vertieft ist. "Er fragt, ob ihr mal Lust habt, mit ihm auszugehen." Das dämpft unsere Nervosität erstmal etwas.

Ein aufwühlender Verhandlungstag wird es trotzdem. An diesem Tag sagt Coqui aus, Hilarios leibliche Großmutter. Ihr seht sie in unserem kurzen Film-Teaser. Während der Gerichtsprozess noch im Gange ist, will Coqui uns kein Interview vor laufender Kamera geben. Aber sie verspricht: Später werde sie uns für den Film erzählen, weshalb der Gerichtsprozess zur Zerreißprobe für das Verhältnis mit ihrem Enkel wurde. Ihr werdet also noch mehr von Coqui erfahren. Dann, wenn wir mit eurer Unterstützung wieder in Argentinien sind!