Crowdfunding beendet
Jyoti - Fair Works
#unFAQ (unFrequentlyAskedQuestion) - Wir hinterfragen die Modeindustrie! Wer sich auf den Weg macht Kleidung fair zu produzieren kommt an einem nicht vorbei: einem Berg von Fragen! Wir nehmen dich mit auf eine Safari durch den Fragendschungel und zeigen dir die Antworten, die wir ausgegraben haben: Sie stecken in jedem einzelnem unserer Produkte. Jetzt kommst du ins Spiel: Nur mit deiner Unterstützung können wir weiterhin mit schöner, fairer und kluger Kleidung antworten.
16.646 €
Fundingsumme
285
Unterstütz­er:innen
15.04.2016

#unFAQ2 - “Was Fair Trade für euch bedeutet, ist nicht Fair Trade für

Katharina Schiele
Katharina Schiele3 min Lesezeit

Wir haben Latha, die bei unserem Partner Dastkar Andrah für Design und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, getroffen und mit ihr über ihr Unternehmen und die Problematik von Zertifikaten gesprochen.

Warum wurde Dastkar gegründet?

Die ursprüngliche Idee war durch die Förderung traditionellen Weberhandwerks die lokale Wirtschaft zu unterstützen. Über 200.000 Weber in den Dörfern aus der Region um Hyderabad sind abhängig von diesem Handwerk. Das Problem ist, dass sie ihre Stoffe auf dem lokalen Markt nicht mehr verkaufen können, da die Konkurrenz aus China oder sogar Großbritannien einfach zu stark ist. Deshalb haben wir uns entschieden mit verschiedenen Kooperativen zusammen zu arbeiten und für diese das Marketing und die Auftragsverwaltung zu übernehmen.

Wir funktioniert das genau?

Wir arbeiten mit 22 Kooperativen in 7 Distrikten zusammen. All diese Kooperativen haben sich in den 60ern gegründet, da die Weber gemeinsam bessere Preise verhandeln und Kosten sparen können. Die Weber arbeiten alle von Zuhause. Die Kooperativen haben einen Vorstand, der alle vier Jahre neu gewählt wird. Mit diesem arbeiten wir zusammen. Wir sammeln also die Aufträge, z.B. von euch und geben sie an die Kooperativen weiter, da wir als Dastkar wissen welche Weber welche Designs und Farben herstellen können. Die Preise geben die Kooperativen vor.

Und woher bekommen die Kooperativen die Baumwolle bzw. das Garn?

Von welcher Baumwollplantage genau die Baumwolle kommt aus der unser Garn ist, lässt sich nicht sagen. In Indien geben die meisten Baumwollbauern ihre Ernte an große, staatlich kontrollierte Zwischenhändler ab. Zur Säuberung wird die Baumwolle in einen Topf geworfen und dann an große Spinnereien weitergegeben. Zurück bis ans Feld lässt es sich also nicht verfolgen.
Das Garn beziehen die Kooperativen direkt von einem Garnverkäufer bei uns in der Region, also ohne weiteren Zwischenhändler. Dann wird das Garn in Färbereien, die teilweise auch zu den Kooperativen gehören, gefärbt. Dafür nutzen wir nur Chemikalien, die auch von GOTS erlaubt sind.

Aber zertifiziert sind die Stoffe von Dastkar nicht. Warum?

Wir verkaufen fast nur innerhalb Indiens und haben einen japanischen Kunden, da fragt niemand danach. Unsere Partner schätzen die “Seele” unserer handgewebten Stoffe, die eben nicht Meter für Meter perfekt maschinell hergestellt sind. Jeder Stoff ist anders hergestellt und hat eine andere Geschichte, die zu kennen ist viel wichtiger als ein Zertifikat. Außerdem kostet solch ein Zertifikat, und die Prozesse die damit einhergehen, sehr viel Geld. Dessen sind sich nur wenige Kunden bewusst. Überhaupt, was fairtrade für euch bedeutet, ist nicht fairtrade für uns!

Du meinst globale Standards sind nicht so eindeutig wie sie für den westlichen Kunden erscheinen?

Ja genau! Die Kunden wollen nur ihr Siegel “fair” und “nachhaltig” aber fragen nicht mehr was denn eigentlich hinter der Produktion der Kleidung steckt. Das sind komplizierte Fragen. Zum Beispiel Kinderarbeit. Natürlich ist es grauenhaft wenn Kinder ausgebeutet und misshandelt werden, oder wenn sie nicht zur Schule gehen können, weil sie ganze Betriebe durch ihre unbezahlte Arbeit am Laufen halten müssen. Aber gerade im Kunsthandwerk von dem viele dieser kleinen Dörfer leben, ist es sehr wichtig zu lernen, wenn man noch jung ist. Das beginnt damit als Kind dem Vater zuzusehen und ihm später zur Hand zu gehen - und ja, auch zu arbeiten. Der angeblich so eindeutige Stempel “fair trade” erlaubt das nicht. Es ist nicht nur schwarz und weiß.

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