Projekte / Social Business
Mit meiner mobilen KLANGVISITE schenke ich mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Sterbenden Augenblicke der Geborgenheit, Trost und Entspannung am Krankenbett.
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Projekt erfolgreich
22.04.18, 01:36 Astrid Marion Grünling

1/25 Gestern ging die erste Klangvisite aus meinem Projekt im Hospiz Advena in Wiesbaden Erbenheim an den Start. Dass im Hospiz auch gemeinsam gelacht und Freude geteilt wird, davon berichte ich hier im Blog.

Die Busfahrt aus der Stadt nach Erbenheim war wieder mal nervenaufreibend. Nach einem kurzen Fußweg von der Bushaltestelle in die Bahnhofstraße betrete ich das Hospiz Advena. Ich liebe den Augenblick, wenn ich aus der stressigen Welt in die ruhige und geborgene Atmosphäre des Hauses eintrete. Ruhe und Geborgenheit und der heimelige Duft des Hauses umhüllen mich und lassen den Stress der Welt von mir abfallen. Ich bespreche mich kurz mit der Pflege und gehe ins Foyer, um meine Harfe zu stimmen.

Wie gewohnt, beginne ich meine Klangvisite auf dem Flur in der ersten Etage. Die Pflege hat mich schon bei den Bewohnern angekündigt. Die meisten Türen zum Flur stehen offen. Aus den geschlossenen Zimmern dringen Fernsehgeräusche nach draußen. Ich beginne meditative Melodien auf der Harfe zu spielen. Es dauert nicht lange, da werde ich auf einen Herrn aufmerksam, der im geöffneten Zimmer vor mir auf einem Stuhl sitzt. Er beginnt, seinen Stuhl umständlich aus der Mitte des Raumes hin zur Tür zu rücken, die an den Flur grenzt. Trotz der Anstrengung gibt er nicht auf. Endlich hat er es geschafft und bleibt auf dem Stuhl im Türrahmen sitzen, um direkt vor mir in erster Reihe der Harfenmusik zu lauschen. Er sitzt und geniesst mit geschlossenen Augen. Als ich das Stück beende, applaudiert er und wir kommen ins Gespräch. Ihm fällt ein Witz ein von Jürgen von der Lippe. Ein Mann hat einen Autounfall und kommt in den Himmel. Dort fragt er Petrus: Warum habe ich noch mein Steuerrad in den Händen? Petrus antwortet: In Engelskreisen heißt das Harfe.

Herr J. selbst ist Jahrgang 1921 und aus Schlesien. Das ist mein Stichwort: Ich spiele ihm das aus seiner Heimat stammende „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“, begleitet von Ukulele. Er stimmt mit ein, und gemeinsam singen wir noch „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ und auf seinen besonderen Wunsch „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Ich frage Herrn J., ob er sich mit mir fotografieren lassen würde und ich diese Fotos veröffentlichen dürfe. Sofort ist er begeistert dabei und eilt los, einen Kamm zu suchen. Ein Pfleger in Ausbildung macht ein paar Bilder von uns. Ich wechsle wieder zur Harfe und biete Herrn J. an, eine Hand auf den Resonanzkörper der Harfe zu legen, während ich spiele. Die Vibrationen sind als sanfte Klangmassage im Körper zu spüren. Ich frage ihn, ob ihm dies angenehm sei. Ja, sehr, antwortet er, und geniesst weiter.

Später wechsle ich wieder auf Gesang und Ukulele. Als ich Lili Marleen anstimme, kommt ein Schrei aus einem der Zimmer. Erschrocken gehe ich dem nach und entdecke eine alte Dame in ihrem Krankenbett. Ich frage sie, ob sie die Musik stört und wir lieber aufhören sollen. Nein, nein, nein, meint Frau W., nicht aufhören, bitte weitermachen. Offensichtlich hat sie auf das Lied so heftig reagiert, weil sie es sehr mag. Ich biete ihr an, wenn sie dies wünscht, zu ihr aufs Zimmer zu kommen und ihr Lili Marleen vorzuspielen, nur für sie allein. Mit großen Augen strahlt sie mich an. Als ich ihr mit Ukulele alle Strophen von Lili Marleen am Krankenbett vortrage, strahlt sie über das ganze Gesicht, klatscht in die Hände und wiederholt immer wieder oh wie schön. Vor der Kaserne, vor dem großen Tor, steht eine Laterne...

Ich vergewissere mich bei den anderen Gästen der ersten Etage, ob noch jemandem eine Klangvisite am Krankenbett guttun könnte. Eine Dame, die mir noch von der letzten Gedenkfeier als andächtige Zuhörerin vertraut ist und die die Harfenmusik sehr liebt, hat heute gar keinen guten Tag und will lieber alleine sein. Die anderen schlafen. So wechsle ich runter in das Erdgeschoss und beginne, mit der Harfe auf dem Flur zu spielen. Wieder geht die Pflege auf die Zimmer und fragt die Gäste, ob sie die Tür zum Flur öffnen sollen, damit sie die Musik hören können. Einige Türen bleiben offen stehen.

Nach einiger Zeit wechsle ich von Harfe zu Ukulele und Gesang. Ich singe das Altissimo Corazon, ein Herzmantra, und bemerke eine Frauenstimme, die leise das Lied mitsingt. Ich trete näher an das offene Zimmer heran, aus dem ich die Stimme höre, und sehe eine Angehörige, die ihre betagte Mutter besucht. Ich ermutige sie durch wohlwollenden und bestätigenden Blickkontakt, voll mitzusingen und sich nicht zurückzuhalten. Wir singen voller Freude gemeinsam das Altissimo Corazon, aus vollem Herzen, es ist einfach wunderbar. Ich gebe ihr mein Liederbuch zum Durchblättern, um ein Lied herauszusuchen, das ihre Mutter kennen könnte. Sie wählt das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und bitte sie, die Strophen selbst auszusuchen, die wir dann gemeinsam singen. Beim Refrain beobachte ich, wie ihre Mutter stumm die Lippen zum Text mitbewegt. Das Lied hat sie berührt. Mission erfüllt!

Nach dreieinhalb Stunden Klangvisite auf den Fluren und am Krankenbett im Hospiz bin ich erschöpft. Es ergeben sich noch ein paar Gespräche, es gibt noch Kuchen und Schokolade, dann sattle ich meine Instrumente und mache mich auf den Heimweg. Auf dem Weg zum Bus gönne ich mir beim Italiener um die Ecke noch ein Feierabendbier.

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