Projekte / Social Business
Mit meiner mobilen KLANGVISITE schenke ich mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Sterbenden Augenblicke der Geborgenheit, Trost und Entspannung am Krankenbett.
5.703 €
5.500 € Fundingziel
97
Unterstützer
Projekt erfolgreich
31.10.18, 14:37 Astrid Marion Grünling

15/25 Wie eine Klangvisite zur Komplizenschaft für einen musikalischen Streich anstiftete, davon erzähle ich heute.

Zum elften Mal war ich letzten Freitag im Rahmen meines Projekts im Hospiz ADVENA, als fünfzehnte der insgesamt fünfundzwanzig crowdfundingfinanzierten Klangvisiten.

Nach Übergabe durch die Seelsorgerin des Hospizes nehme ich im Foyer mit ein paar bretonischen Stücken musikalisch Kontakt mit dem Haus und seinen Bewohnern auf. Die lieblichen Klänge dringen in die Zimmer der Bewohner, einige davon sind bereits geöffnet. Nach einer Weile kommt eine Besucherin auf mich zu und trägt die Bitte einer Bewohnerin an mich heran, mit der Harfe auf ihr Zimmer zu kommen. Die Bewohnerin hatte ich schon das letzte Mal auf ihrem Zimmer besucht, und auch die Male davor hatte sie mit ihren Freundinnen auf dem Flur in erster Reihe den beruhigenden Klängen gelauscht.

Mit Harfe gehe ich zu ihr aufs Zimmer. Ich spiele ihr mehrere Ständchen, bretonische Melodien, zu denen sie versonnen lauscht. Die Klänge wirken beruhigend und berührend auf sie, und sie geniesst diese kleine Insel im Alltag. Nach einigen Stücken reden wir noch kurz miteinander. Sie freut sich schon auf das Heimspiel des Gastgebers Mainz05 gegen den Rekordmeister Bayern München am nächsten Tag, das sie besuchen will. Ein Blick auf die Fanartikel in ihrem Zimmer offenbaren sie als eingefleischten Mainz05-Fan. Ich wünsche Ihr viel Spaß und wir verabreden uns für nächste Woche. Dann gehe ich mit meiner Klangvisite weiter auf die anderen Zimmer.

Der Bewohner, der letzte Woche an seinem ersten Tag im Hospiz meine Klangmassage neben mir an der Harfe sitzend genoss, freut sich wieder sehr über die Musik auf seinem Zimmer. Etwas eingefallen wirkt er heute, wie er zwischen den Laken in seinem Bett liegt. Mit geschlossenen Augen und einem Lächeln auf dem Gesicht geniesst er jedoch träumerisch die Klänge. Nach einigen Stücken fragt er mich, ob ich denn auch privat spiele. Ich bejahe. Er erzählt, dass Freunde von ihm demnächst ein Fest feiern, und dass er sich gern bei ihnen bedanken würde mit einer Klangvisite. Auf einmal ist er hellwach. Er setzt sich in seinem Bett auf und versucht telefonisch den Veranstaltungsort zu erreichen. Gemeinsam hecken wir einen Plan aus. Aus einem meiner Liederbücher, die ich dabei habe, wählen wir eine bekannte und festliche Melodie. Ich schlage vor, den Originaltext des Liedes dem Anlass entsprechend umzudichten und auch seinen persönlichen Dank in einer Strophe einzubringen, um seinen Gruß klanglich zu überbringen. Er ist völlig mit von der Partie und voller Tatendrang. Wir verabreden, dass ich bis nächsten Donnerstag, wenn ich wieder im Hospiz bin, das Lied vorbereite und mitbringe, um es nächsten Samstag an seine Freunde auf ihrer Feier als Überraschung zu überbringen. Eine diebische Freude beflügelt uns, und zuhause mache ich mich sofort an die Umsetzung.

Weiter gehe ich von Zimmer zu Zimmer. Zwischendurch bespreche ich mich immer wieder mit der Pflege, für wen eine Klangvisite auf dem Zimmer indiziert sein könnte und welche Bewohner besser ganz in ihrer Stille gelassen werden. Einem Herrn mit einem englisch anmutenden Namen spiele ich ein paar ruhige Stücke am Krankenbett.

Im Zimmer einer Bewohnerin herrscht eine feierliche und andächtige Atmosphäre. In der Dämmerung verbreiten mehrere Kerzen ihr warmes Licht. Sie selbst liegt mit geöffneten, jedoch völlig abwesenden Augen und offenem Mund in ihrem Bett, sie erscheint mir schon fast nicht mehr unter uns weilend, sondern bereits sehr in andere Dimensionen entrückt. Ich spiele zart, konzentriert und klar, die würdevolle Atmosphäre in ihrem Zimmer aufnehmend und wiederspiegelnd. Nicht zu viel, mit nur zwei Stücken, die den Pulsschlag wiedergeben, webe ich ruhige und umhüllende Klänge in die Sphäre des Raums. Ich verlasse sie so geräuschlos und auf so leisen Sohlen wie nur möglich.

In der oberen Etage spiele ich eine zeitlang auf dem Flur. Herr Franz (Name geändert), mit dem ich immer ein persönliches Schwätzchen halte, schläft bereits, und ich mag ihn nicht wecken. Da ich weiß, wie sehr er die Harfenmusik liebt, spiele ich leise direkt auf seinem Zimmer, in der Hoffnung, dass die Klänge ihn im Traum erreichen, ohne ihn dabei zu wecken.

Es ist spät, und mit dem Auftrag, direkt vom Krankenbett im Hospiz einen musikalischen Gruß eines Bewohners zum Dank an dessen Freunde zu überbringen, verlasse ich das Hospiz.


© Astrid Marion Grünling
www.klangvisite.de

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