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Projekte / Film / Video
Der in Chemnitz geborene Paul-Gerhard "Hadayatullah" Hübsch gehört zu den schillerndsten Figuren der deutschen Gegenwartsliteratur. Der politische Aktivismus der 68er führte ihn über ein psychedelisches Abenteuer in eine Phase der Rastlosigkeit, die erst mit seiner Konversion zum Islam 1969 ihr Ende fand. Der Dokumentarfilm ist eine Annäherung an das Vermächtnis eines Grenzgängers im Zeichen der Vereinigung von Orient und Okzident.
6.749 €
2. Fundingziel 12.000 €
42
Unterstützer*innen
21Tage
05.01.20, 11:20 Tahir Chaudhry
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, gestern Abend haben wir völlig überraschend das erste Fundingziel erreicht! 45 Tage läuft die Finanzierungsphase noch und es gibt ein zweites großes Ziel: 12.000 Euro. Wenn es uns gelingt, diese Mittel aufzutreiben, dann werden wir etwa in der Lage sein, mehr Lizenzen für Foto- und Videomaterial (aus Pressearchiven) zu erwerben, hochwertigere Filmausrüstung zu mieten, die eine oder andere Auslandsreise zu unternehmen, einen professionellen Sprecher und Komponisten zu engagieren uvm. Bis dahin ist noch ein langer... nein, da führt kein Weg hin, wir werden gemeinsam neue Spuren hinterlassen. Unterdessen habe ich die Korrespondenz von Hadayatullah Hübsch (älteste Briefe aus den frühen 60ern!) aus dem Keller geholt, mit helfenden Händen in einen Transporter geladen und bin damit von Frankfurt nach Dortmund gefahren. Jetzt liegen die Aktenordner, Kisten und Tüten in meinem Arbeitszimmer (einen Teil seht ihr auf dem Foto). Das sind tausende Briefe, die ich in den nächsten Tagen, vielleicht sogar Wochen, lesen werde. Zum Ende dieses Updates möchte ich noch etwas mit euch teilen. In einem 25 Jahre alten Brief an einen Schriftstellerkollegen fand ich Zeilen, die die Motivation von Hübsch zu dichten wunderbar in Worte kleiden: "Ich bin ein Mensch, der sich - weil er die Begabung dazu hat - mit dem Aussprechen und Sehen von Poesie beschäftigt, der in Dichtung ein Instrument erblickt, um auf unterschiedlichen Ebenen von der Wahrheit, die er erfährt, zu künden. Das kann verschlungen sein, das kann zu Umwegen führen. Aber letztlich ist es das Ziel, das ich im Auge behalten will (wenn es mir auch nicht immer gelingt). Ich möchte also, wenn es denn gestattet ist, anderen helfen, auf ihrem Weg (zu sich, zu Gott) voranzukommen. Dabei ist mir durch das Schreiben auch vieles sichtbar, bekannt geworden, was ich zuvor nicht wußte. Sicherlich. Aber hier, bei unserem jetzigen Briefwechsel, erscheint es mir unerheblich, davon zu sprechen. Das, was Kafka einmal sagte: "Mein Körper warnt mich vor jedem Wort" benennt sehr schön die Umstände, unter denen ich - wenn es mir gut gelingt, ich völlig konzentriert bin und die Auszusprechenden mir gegenwärtig und wirklich innerlich nahe sind, schreibe. Das ist eine mystische Dimension und womöglich, was Deine Vorstellungen vom Schreiben betrifft, weit entfernt von jeglicher Technik, jeglichem Feilen. Gott ist Gegenwart (in der sich Vergangenheit und Zukunft vereinen). In diesem Zustand zu sein, das ist Kreativität." Wow. Beste Grüße, Tahir Chaudhry
27.12.19, 22:27 Tahir Chaudhry
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, seit ein paar Tagen bin ich nun damit beschäftigt, die Korrespondenz von Hadayatullah Hübsch zu lesen. Das waren bisher mehrere hundert Briefe und E-Mails (vor allem zwischen 1999 und 2011): Freunde fragen nach seinem Wohlbefinden, Verlage wollen ein Buchprojekt besprechen, Gläubige fragen um spirituelle Wegweisung, Schüler brauchen Hilfe bei einem Referat, Künstler stellen ihm ihre Werke vor oder Journalisten fragen Interviews an. Das Lesen des Schriftverkehrs hilft mir dabei, mich besser in den Protagonisten unseres Dokumentarfilms hinzudenken und hineinzufühlen. Dabei sammle ich auch die Namen und Adressen von potenziellen Interviewpartnern für den Film. Während ich vorgestern noch freudig auf ein Dutzend Ordner blickte, in denen Hübsch die Briefe fein säuberlich abgeheftet hatte, bat mich sein Sohn Tariq darum, ihm in den Keller zu folgen, um mir den restlichen Briefverkehr anzuschauen. Meine Frau rief noch hinterher: "Hol den doch einfach mit hoch!". Als wir unten vor den Ordnern und Säcken voller Briefe (die ältesten Schriftstücke waren aus den 1970ern!) standen, musste Tariq lachen. Und ich war einfach nur sprachlos. Wie soll ich das alles lesen? Wo fange ich an? Wenn ich nicht aus meiner Erfahrung gelernte hätte, dass alles unmöglich scheint, bevor man es getan hat, würde ich jetzt wahrscheinlich einfach aufgeben. Aber das ist gar keine Option. Ich bin weiterhin hochmotiviert und sehr gespannt, worauf ich noch alles stoßen werde. In den nächsten Wochen und Monaten treffe ich eine Vorauswahl, die dann von unserem fünfköpfigen Recherche-Team bearbeitet wird. Mit unserem Kameramann habe ich bereits die ersten Skizzen auf Papier gebracht und mit dem Drehbuchautor die grundsätzliche Ausrichtung besprochen. Von Tag zu Tag wird der Film in meinem Kopf klarer und konkreter. Wir stehen derzeit bei 4.659 Euro und haben jetzt noch gut sieben Wochen, um unsere Fundingziele zu erreichen. Leitet den Link zur Projektseite (www.startnext.de/hadayatullah) gerne an eure Kontakte weiter. Vielen lieben Dank! Beste Grüße, Tahir Chaudhry
12.12.19, 09:33 Tahir Chaudhry
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, einmal kam mein Vater in mein Zimmer und musterte meinen Schreibtisch aufmerksam. Ich fand ihn damals ziemlich heruntergekommen, heute würde ich ihn mit viel Wohlwollen wahrscheinlich als shabby-chic bewerten. Jedenfalls war ich unsicher, wie mein Vater es denn finden würde, dass ich ihn bemalt und mit irgendwelchen Sprüchen vollgekritzelt hatte. Als sein Blick dann mittig-links auf den Spruch "Nur wer selbst schön ist, kann Schönheit sehen." fiel, erstrahlte sein Gesicht vor Begeisterung. Er wandte sich plötzlich zu mir und lobte mich außerordentlich dafür, dass ich ihn dazu erwählt hatte, auf meinem Tisch zu stehen. Das weise Wort zu schätzen war ihm in dem Fall wohl wichtiger, als ein häusliches System von Recht und Ordnung. Meine jüngere Schwester und ich galten in unserer Großfamilie fast schon auf eine Art als siamesische Zwillinge, aber genauso heftig stritten wir uns manchmal auch. Nach einem langen, lauten Streit liefen wir zum Briefkasten, um uns die neue Post zu schnappen. Wir fanden dort einen Brief mit einem anonymen Absender. Wir öffneten ihn und mussten lachen. Denn unser Vater wollte uns durch diesen Brief auf eine humorvolle Weise mitteilen, dass wir doch bitte etwas an unserer Lautstärke arbeiten sollten und auch, wenn uns langweilig sei, wir uns etwa mit einem Zeichenblock beschäftigen könnten. Ist das nicht wunderbar? Ich bin eine von acht Kindern. Manchmal frage ich mich, im Hinblick auf meine kleine Tochter, wie meine Mutter das alles geschafft hat. Denn wir haben es ihr nicht immer leicht gemacht. Einmal, als wir sie länger gestrietzt haben, ging mein Vater mit einem Ausschnitt aus einem Werbeprospekt zur Küchentür. In Großbuchstaben stand darauf: "MUTTER IST KEINE MASCHINE, KAUF DIR EINE!". Er klebte diesen Spruch an die Tür, damit wir immer daran erinnert wurden, Rücksicht auf unsere liebe Mutter zu nehmen. Das nenn ich mal kreativ! Ich könnte zig wunderschöne Erinnerungen an meinen Vater erwähnen, die ich nicht vergessen kann. Aber ehrlich gesagt, gab es für mich im Chaos des Alltags nur selten Momente, in denen ich bewusst reflektieren konnte, wie außergewöhnlich mein Vater war. Seine Kreativität, Wertschätzung und Gelassenheit, aber vor allem sein absolutes Gottvertrauen machten ihn zu einer schönen Lichtgestalt, wenn es mal um uns herum finster wurde. Dann reichte "plik-plik-plik-plik-plik", das vertraute Geräusch der Schreibmaschine bis tief in die Nacht hinein, die hoffnungsvollen Worte der Gewissheit in seinen Ansprachen am Freitag in der Moschee oder seine große Dankbarkeit für die kleine Dinge im Alltag. Gott weiß, ich vermisse das. Ich wünschte, ich könnte ihn jetzt einfach anrufen, wenn ich seine Stimme hören möchte. Und zu gern hätte ich seinen Rat gehört, als ich studiert habe, als ich geheiratet habe, als ich in eine neue Stadt gezogen bin, als ich bei Poetry Slams aufgetreten bin oder als meine Tochter geboren wurde. Ich vermisse meinen Vater - seit neun Jahren. Natürlich kann ich nicht mehr als das. Ich kann keinen Fluss aufhalten. Jeder Moment ist einzigartig. Die Endlichkeit würdigt das Leben. Es gibt Menschen, die werden mit der Zeit weiser, andere einfach nur alt. Mein Vater ging so früh mit einer unglaublichen Weisheit und Erkenntnis. Und es gibt Menschen, die hinterlassen ein großes finanzielles Erbe, aber lassen einen damit ärmer zurück als zuvor, in geistiger Leere. Was mein Vater mir hinterlassen hat, hat mich innerlich tief berührt, bereichert und gestärkt. Nicht nur für mich und meine Familie, sondern für Menschen aus ganz unterschiedlichen Milieus. Für viele Menschen war Hadayatullah alias Paul-Gerhard Hübsch ein 68er Polit-Aktivist, ein herausragender Lyriker, eine Beat-Legende, ein eloquenter Musikkritiker, ein spiritueller Wegweiser, ein großartiger Sachbuchautor, ein Brückenbauer zwischen den Kulturen und vieles mehr. Ich bin also nicht die einzige, die ihn vermisst. Auch mein Mann vermisst ihn sehr. Je näher er ihn durch sein Werk, seine Briefe und Notizen, meine Erinnerungen und die Darstellung anderer kennenlernt, desto trauriger macht ihn die Tatsache, meinen Vater nicht in seinem Leben kennengelernt zu haben. Mein Mann hat Jahre lang eine Idee mit sich herum getragen. Erst kürzlich hat er sie umgesetzt und das Crowdfunding-Projekt "Hadayatullah - 68, Gott und die Nullzeit" gestartet. Er möchte, dass das Andenken an meinen Vater bewahrt wird. Mit der Unterstützung derjenigen, die meinen Vater kannten oder kennenlernen wollen, wird er im kommenden Jahr einen Dokumentarfilm produzieren. Ich bin zu tiefst dankbar und sehr gespannt, wie es weitergeht und was alles noch möglich ist. Ich möchte mit diesem Ausschnitt aus einem Gedicht meines Vaters enden: ... Mehr zu sein als Schein, Mehr zu werden als Erden, Mehr zu geben als Piranja-Leben, Mehr zu erfahren als wir in 100 Jahren Lernen könnten, entkernen könnten, Erwärmen könnten, umschwärmen könnten, Ach, das Bild, das wir von uns machten, Zerfloss in bleierner Stille, Unser Wille Ohnmacht, Ausgelacht wurden wir von den Größen, Verachtet, weil wir uns entblößten, Selten auch beweint, Eingedenk der Lieder: wo meine Sonne scheint, Und wo meine Sterne stehn, Da kann man der Hoffnung Land und der Freiheit Licht in der Ferne sehn, Aber zu viele kamen nicht an, Zu viele verrottet, verstorben, verlassen, Zu viele verwirrt, verirrt, verwest, Aber einige haben die Suche nach der blauen Blume nicht aufgegeben, Einige, die schweben, die heben immer wieder Die Steine auf, die auf ihren Weg gerollt Werden wir Groll und Laster, Hohn und Zaster, Wanderer, kommst du an da, Dann höre auf den, der sah, Der nicht abgespritzt wurde, Von fremder oder eigener Hand, Der den Verstand schärfte, Der sich impfen ließ gegen den Ausverkauf, Der nicht aufhört zu fragen, Was die Sagen zu verkünden haben, Was die heiligen Schriften offenbaren, Von Eingebungen heimgesucht und nicht verflucht, Immer auf der Suche, immer in Bewegung... Beste Grüße, Alia Hübsch-Chaudhry
02.12.19, 11:57 Tahir Chaudhry
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, unglaublich! Schon jetzt haben wir mehr als 4000 Euro zusammen. Es freut mich sehr, dass dieses Projekt so viel positive Resonanz erfährt. Eure Unterstützung ist viel mehr Wert als das sie in Geld aufzuwiegen wäre. Sie ist ein Zeichen von Vertrauen, von Wertschätzung und liebevoller Teilhabe. Für mich hat Geld nie eine größere Rolle gespielt als ein Öl, das den Motor zum Laufen bringt und am Laufen hält. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn doch, dann hätte ich nicht Geisteswissenschaften studiert. Wenn doch, wäre ich nicht Journalist geworden. Wenn doch, dann hätte ich mich nicht dagegen entschieden, ein angepasstes Rad im System zu sein. Ich bin überzeugt, dass die Suche nach Wahrheit, das Streben nach einem besseren Verständnis dieser Welt und der Einsatz für die Mitmenschen die wahren Triebkräfte einer gesunden Gesellschaft sind. Der Weg zur Menschwerdung macht glücklicher als alles Geld der Welt. Mich persönlich macht es auch glücklich, wenn ich meine gottgegebenen Fähigkeiten dazu nutzen kann, so viel wie möglich auf sinnvolle Weise schöpferisch tätig zu sein. Der "Hadayatullah"-Film war eine Idee und mit eurer Unterstützung ist sie jetzt Realität. Ich werde nun alles im Rahmen meiner Möglichkeiten, Ressourcen und Beziehungen tun, um diese Idee im besten Sinne zur Manifestation zu bringen. Das ist mein Versprechen. Ich danke vielmals. Beste Grüße, Tahir Chaudhry Regisseur
24.11.19, 17:49 Tahir Chaudhry
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, in den letzten Tagen habe ich mit vielen Menschen geschrieben und gesprochen, die gesagt haben, dass sie dieses Projekt unbedingt unterstützen werden, weil sie die Erinnerungen an diesen besonderen Menschen wachhalten möchten und sein Werk gewürdigt sehen wollen. Das hat mich sehr berührt. Wir freuen uns sehr, dass nach nicht einmal 72 Stunden die 1000-Euro-Marke geknackt wurde! Wir danken euch vielmals für euer Vertrauen in unsere Idee. Vor dem Projektstart werden wir euch über unsere ersten Schritte bei der Konzeption der Doku informieren. Aber zunächst geht es darum, die nötigen Mittel dafür zu gewinnen. Das erste Fundingziel liegt zwar noch weit entfernt, aber mit eurer Hilfe ist es schon bald in Sichtweite. DANKE! Herzliche Grüße, TC