Projekte / Social Business
Mit meiner mobilen KLANGVISITE schenke ich mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Sterbenden Augenblicke der Geborgenheit, Trost und Entspannung am Krankenbett.
5.703 €
5.500 € Fundingziel
97
Unterstützer
Projekt erfolgreich
14.11.18, 18:06 Astrid Marion Grünling
17/25  Wie wohltuend Harfenklänge am Krankenbett für Patienten im Sterbeprozess werden können, das durfte ich letzten Freitag auf der Palliativstation der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden erleben. Als ich heute auf Station komme, werde ich freudig von einer Palliativschwester begrüßt. Wir kennen uns noch nicht persönlich, sie hatte jedoch von meiner Klangvisite letzte Woche am Krankenbett einer Patientin gehört, die ich mit Harfenklängen auf ihrem Zimmer am Krankenbett begleitet habe. Ich erinnere mich an die für mich besonders eindrückliche Klangvisite bei der Patientin letzte Woche. Sie hatte sich ausdrücklich Harfenklänge auf ihrem Zimmer gewünscht und genoss die Klangvisite an ihrem Krankenbett sehr. Ganz beseelt von der Musik beschrieb sie, wie tief der Klang sie beruhigt habe und sie ihre Umgebung und das Krankenzimmer vergessen ließ. Ich gebe hier nochmal die eigenen Worten der fast achtzigjährigen Patientin wieder: „Der Klang ist Raum. Das beruhigt, ich fließe damit hinein und fühle mich wie in einem Raum, wie in einer Kirche, nicht mehr wie in dem Zimmer hier. Ich fühle mich ganz durchdrungen, das hält jetzt ein paar Stunden oder auch Tage an.“ Sieben Tage darauf ist sie im Beisein der Palliativschwester, die ihr im Augenblick ihres letzten Atemzugs die Hand hielt, ruhig und leicht verstorben. Ich bin immer wieder froh zu erfahren, wenn der Augenblick des Sterbens leicht war. Es geschieht garnicht mal so selten, dass ich das so höre. Und ich bin unendlich dankbar, wenn ich erleben darf, wie entspannend, beruhigend und tröstend die Harfenmusik wirkt, wie Angehörige in ihrer Trauer auftanken oder Halt finden in der Musik, dass Patienten ruhiger werden, besser schlafen, und manchmal auch Linderung von Schmerzen erfahren. Von diesen Wirkungen erfahre ich durch das unzählige Feedback von Patienten und Behandelnden, von Trauernden, von Angehörigen, von Begleitenden, und auch vom Pflegepersonal, von Ärzten und Seelsorgern. Sie alle dokumentieren durch ihr persönliches, in eigene Worte gefasstes Erleben die vielfältigen Wirkungen der Harfenmusik auf Körper, Geist und Seele. Jeder von uns kennt die emotionalen Wirkungen von Musik aus eigenem Erleben. Die tiefgreifende gefühlsauslösende Wirkung von Musik basiert auf den unmittelbaren Nervenverbindungen zwischen unserem Hörorgan und dem Teil des Gehirns, der für unsere Gefühle zuständig ist. Dieses Hirnareal, das sogenannte limbische Gehirn, regelt unsere Gefühle, Überlebens- und Angstreaktionen. Es steuert aber auch Körperfunktionen wie Herzfunktion, Blutdruck, Hormone, Verdauungs- und sogar Immunsystem. David Servan-Schreiber, ein verstorbener Neurologe und Psychiater, beschreibt in seinem Buch „Die Neue Medizin der Emotionen“ den Zustand innerer Ausgeglichenheit und Einklang im Herzen als Herzkohärenz. Diese Herzkohärenz, die durch Achtsamkeitsübungen, Meditation, Dankbarkeit und Verbundenheit trainiert werden kann, vermag physiologische Rhythmen wie Blutdruck, Atmung und Herzschlag positiv zu beeinflussen. Da Klänge über das limbische System unmittelbar Herzschlag und Atmung beeinflussen können, erklärt sich die beruhigende und körperlich wie seelisch wohltuende Wirkung von Harfenmusik auf das körperliche Befinden von Patienten. Der Hörsinn als unser sensibelster Sinn ist nach Joachim-Ernst Berendt der erste Sinn, der bereits im vierten Monat im Mutterleib ausgebildet ist und der letzte unserer Körpersinne, der uns im Sterben verlässt. Nach den Ergebnissen der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler Ross erlischt der Hörsinn als letzter, wenn die übrigen Sinne schon längst nicht mehr aktiv sind. Gerade darum sind Klänge und Musik so unterstützend und tragend bei Patienten in ihrer letzten Lebensphase. Wie oft erlebe ich, dass die Harfenmusik unterdrückte Gefühle ins Fließen bringt. Nach Servan-Schreiber sind Forscher in Berkeley sogar der Ansicht, dass nicht die emotionalen Gefühle als solche, sondern deren Unterdrückung durch das Denken unser Herz und unsere Arterien belaste. Einmal kam ich im Hospiz auf das Krankenzimmer einer Patientin, die weinend in ihrem Bett saß. Sie sagte mir, dass meine Musik sie zum Weinen gebracht habe. Zunächst war ich erschrocken darüber. Dann erklärte sie mir, dass sie die ganze Zeit nicht weinen konnte und die Musik die Tränen in ihr gelöst hätte, was sie als tief erleichternd empfand und ihr unendlich gut tat. Da wird mir ganz leicht ums Herz, beschrieb sie. Die Autorinnen und Musiktherapeutinnnen Martina Baumann und Dorothea Bünemann beschreiben in ihrem Buch „Musiktherapie in Hospizarbeit und Palliative Care“, wie Musik und Klänge in der palliativen Versorgung umhüllend atmosphärisch im Krankenzimmer und im öffentlichen Raum wirken und spirituelle Ressourcen wecken können. Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Rolf Verres, Diplom-Psychologe und Facharzt für psychotherapeutische Medizin, bis Herbst 2013 ärztlicher Direktor des Institutes für Medizinische Psychologie im Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg, ist selbst Musiker und Fotograf. Sein Anliegen ist es, Kunst, Musik und Heilkunst zu verbinden. Im Buch „Schwingung und Gesundheit“ spricht er davon, wie „manchmal eher die ganz zarten und leisen Töne auf die Patienten und vielleicht sogar auf die gesamte Atmosphäre wirken. Man muss dann nicht Paukenschläge machen, um wahrgenommen zu werden, sondern gerade durch das Pianissimo am Krankenbett habe er gesehen, wie das in die sonstigen Abläufe des Klinikalltags ausstrahlte. Da wurde Achtsamkeit und Behutsamkeit praktiziert, und das wirkte dann auch auf den Umgang des Personals untereinander und das Stationsklima.“ Harfenmusik am Krankenbett trägt zu mehr Menschlichkeit und einer Atmosphäre der Achtsamkeit in Gesundheitseinrichtungen bei. So wird sie zu einer heilsamen Kraft im Gesundheitssystem zur Krankheitsbewältigung, zu einem tragenden Element im Sterbeprozess, zur Ressource in Krisen und zur stärkenden Begleitung in der Trauer. Es ist eine Arbeit, die mich im tief Herzen berührt, erfüllt und zutiefst dankbar macht. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
09.11.18, 12:14 Astrid Marion Grünling
16/25 Wie Musik dazu beiträgt, die Patientenwürde am Ende des Lebens zu unterstützen, davon schreibt meine Klangvisite mit Harfe letzten Freitag auf der Palliativstation der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Die sechzehnte und die beiden folgenden Klangvisiten habe ich mit der Palliativstation der HSK vereinbart. Auf der Palliativstation B22 werden Menschen im Rahmen einer weit fortgeschrittenen, unheilbaren Krankheit behandelt, die an starken körperlichen Beschwerden leiden. Vor drei Jahren habe ich im Rahmen meiner Hospiz- und Sterbebegleiterqualifizierung beim Hospizverein Wiesbaden Auxilium e.V. drei Tage auf Station erbracht, zwei davon mit meiner Harfe an den Krankenbetten der Patientinnen und Patienten. Besonders die gute Zusammenarbeit mit dem Team, in dessen Teambesprechungen und Übergaben ich eingebunden war, ist mir in angenehmer Erinnerung. Auch diesmal bin ich bei den Übergaben im Pflegeteam dabei und darf eigenständig auf die Patienten der Station zugehen. Die Patientenbehandlung und die Pflege auf der Palliativstation B22 basiert auf einem würdezentrierten Ansatz. Dies wird sichtbar in Haltung und Kommunikation des Teams, der Art der Ansprache und Berührung der Patienten. Visiten am Krankenbett werden sitzend gehalten, so dass Ärzte und Pfleger mit den Patienten auf Augenhöhe kommunizieren. Den auf der Station Verstorbenen wird während der Teambesprechungen mit einem kurzen Innehalten, mit Klangschale und dem Lesen poetischer Zeilen gedacht. Herzstück ist die würdezentrierte Therapie nach Chochinov. Dabei handelt es sich um eine wertschätzende Biographie-Arbeit, die Patienten auf Basis einer würdezentrierten Interviews ermöglicht, ihre Lebensgeschichte in Form eines Dokuments an ihre Angehörigen und Freunde zu erstellen und zu hinterlassen. In diesem Dokument wird festgehalten, wer der Verstorbene war, was ihn ausmacht, was von ihm bleibt, wenn er nicht mehr ist. Dinge, die nicht verloren gehen sollen, werden verewigt. So habe ich die B22 vor drei Jahren kennengelernt. Bereits während der Pflegeübergabe wähle ich mir drei Patienten aus, auf die ich mich mit meiner heutigen Klangvisite fokussieren werde. Meine Klangvisite beginnt im Wohnzimmer der Station, das für Patienten und Besucher gedacht ist, ein gemütlicher Ort des Rückzugs und Ausruhens. Mit ruhigen und lieblichen Melodien auf Harfe beginne ich hier die musikalische Kontaktaufnahme, und webe die Harfenklänge im Flur und den geöffneten Zimmer sanft in die Atmosphäre ein. Nach einigen Stücken beginne ich, mich den Patienten auf den einzelnen Zimmern vorzustellen und biete eine Klangvisite mit Harfe am Krankenbett an. Eine ältere Dame wünscht sich ausdrücklich die Harfenklänge auf ihrem Zimmer. Sie geniesst sichtlich die Stücke, die ich an ihrem Krankenbett spiele und lauscht ganz entspannt. Währenddessen unterhalten wir uns ein wenig, und ich bin beeindruckt von ihrer unerschrockenen und aufrechten Haltung, ihrem eigenen Sterben zu begegnen. Ganz beseelt von der Musik beschreibt sie, wie sehr der Klang sie beruhigt und sie ihre Umgebung im Krankenzimmer vergessen lässt. Sie drückt es wortwörtlich so aus: „Der Klang ist Raum. Das beruhigt, ich fließe damit hinein und fühle mich wie in einem Raum, wie in einer Kirche, nicht mehr wie in dem Zimmer hier. Ich fühle mich ganz durchdrungen, das hält jetzt ein paar Stunden oder auch Tage an.“ Der Mann im nächsten Zimmer ist selbst eine musikalische Entdeckung. Er wünscht sich keine Harfe, ist aber froh, als ich mich für ein Gespräch zu ihm setze. Auch ohne Harfe und handgemachte Musik finde ich über die Musik schnell Zugang zu ihm und seinem vielfältigen Leben als Musiker, Journalist, DJ und Moderator. Bei Radio Rüsselsheim hat er Sendungen erstellt, in denen er versuchte, möglichst viele Facetten von Rock und Blues vorzustellen. Dabei war egal ob die Blues-Musik aus den tiefsten Sümpfen aus Louisiana, aus Bayern oder den Färöer-Inseln stammt. In einer ergänzenden Sendung führte er mit einfühlsamer und ganz besonderer Musik aus aller Welt durch das Programm. Als Musiker war er immer wieder bei Plattenfirmen unter Vertrag und ist in den 90ern durch Europa getourt. Er war Kopf, Stimme und Texter der Band. Wenn sie auf die Bühne kamen, war der erste Satz „Wir sind Sonderfeld“. Das weckt mein Interesse, und mit meinem Smartphone zaubere ich über youtube und meinen kleinen JBL-Lautsprecher seine eigene Musik auf sein Krankenzimmer. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch verlinke ich einen seiner Titel: C'est pas ici. Dieser im besonderen ist von Charles Aznavour inspiriert. J'éspere que tu ne regrette... je veux vivre mais pas ici... mourir c'est difficile pour moi. Gitarrensounds und Lyrics aus den 90ern, die weit zurück aus seinem Leben nun in sein Krankenzimmer klingen. Sonderfeld. Für mich eine musikalische Entdeckung. Auf den Wunsch des Chefarztes spiele ich zuletzt noch für eine Dame, die schon nicht mehr ansprechbar ist, leise und sehr zarte Klänge am Krankenbett. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
31.10.18, 14:37 Astrid Marion Grünling
15/25  Wie eine Klangvisite zur Komplizenschaft für einen musikalischen Streich anstiftete, davon erzähle ich heute. Zum elften Mal war ich letzten Freitag im Rahmen meines Projekts im Hospiz ADVENA, als fünfzehnte der insgesamt fünfundzwanzig crowdfundingfinanzierten Klangvisiten. Nach Übergabe durch die Seelsorgerin des Hospizes nehme ich im Foyer mit ein paar bretonischen Stücken musikalisch Kontakt mit dem Haus und seinen Bewohnern auf. Die lieblichen Klänge dringen in die Zimmer der Bewohner, einige davon sind bereits geöffnet. Nach einer Weile kommt eine Besucherin auf mich zu und trägt die Bitte einer Bewohnerin an mich heran, mit der Harfe auf ihr Zimmer zu kommen. Die Bewohnerin hatte ich schon das letzte Mal auf ihrem Zimmer besucht, und auch die Male davor hatte sie mit ihren Freundinnen auf dem Flur in erster Reihe den beruhigenden Klängen gelauscht. Mit Harfe gehe ich zu ihr aufs Zimmer. Ich spiele ihr mehrere Ständchen, bretonische Melodien, zu denen sie versonnen lauscht. Die Klänge wirken beruhigend und berührend auf sie, und sie geniesst diese kleine Insel im Alltag. Nach einigen Stücken reden wir noch kurz miteinander. Sie freut sich schon auf das Heimspiel des Gastgebers Mainz05 gegen den Rekordmeister Bayern München am nächsten Tag, das sie besuchen will. Ein Blick auf die Fanartikel in ihrem Zimmer offenbaren sie als eingefleischten Mainz05-Fan. Ich wünsche Ihr viel Spaß und wir verabreden uns für nächste Woche. Dann gehe ich mit meiner Klangvisite weiter auf die anderen Zimmer. Der Bewohner, der letzte Woche an seinem ersten Tag im Hospiz meine Klangmassage neben mir an der Harfe sitzend genoss, freut sich wieder sehr über die Musik auf seinem Zimmer. Etwas eingefallen wirkt er heute, wie er zwischen den Laken in seinem Bett liegt. Mit geschlossenen Augen und einem Lächeln auf dem Gesicht geniesst er jedoch träumerisch die Klänge. Nach einigen Stücken fragt er mich, ob ich denn auch privat spiele. Ich bejahe. Er erzählt, dass Freunde von ihm demnächst ein Fest feiern, und dass er sich gern bei ihnen bedanken würde mit einer Klangvisite. Auf einmal ist er hellwach. Er setzt sich in seinem Bett auf und versucht telefonisch den Veranstaltungsort zu erreichen. Gemeinsam hecken wir einen Plan aus. Aus einem meiner Liederbücher, die ich dabei habe, wählen wir eine bekannte und festliche Melodie. Ich schlage vor, den Originaltext des Liedes dem Anlass entsprechend umzudichten und auch seinen persönlichen Dank in einer Strophe einzubringen, um seinen Gruß klanglich zu überbringen. Er ist völlig mit von der Partie und voller Tatendrang. Wir verabreden, dass ich bis nächsten Donnerstag, wenn ich wieder im Hospiz bin, das Lied vorbereite und mitbringe, um es nächsten Samstag an seine Freunde auf ihrer Feier als Überraschung zu überbringen. Eine diebische Freude beflügelt uns, und zuhause mache ich mich sofort an die Umsetzung. Weiter gehe ich von Zimmer zu Zimmer. Zwischendurch bespreche ich mich immer wieder mit der Pflege, für wen eine Klangvisite auf dem Zimmer indiziert sein könnte und welche Bewohner besser ganz in ihrer Stille gelassen werden. Einem Herrn mit einem englisch anmutenden Namen spiele ich ein paar ruhige Stücke am Krankenbett. Im Zimmer einer Bewohnerin herrscht eine feierliche und andächtige Atmosphäre. In der Dämmerung verbreiten mehrere Kerzen ihr warmes Licht. Sie selbst liegt mit geöffneten, jedoch völlig abwesenden Augen und offenem Mund in ihrem Bett, sie erscheint mir schon fast nicht mehr unter uns weilend, sondern bereits sehr in andere Dimensionen entrückt. Ich spiele zart, konzentriert und klar, die würdevolle Atmosphäre in ihrem Zimmer aufnehmend und wiederspiegelnd. Nicht zu viel, mit nur zwei Stücken, die den Pulsschlag wiedergeben, webe ich ruhige und umhüllende Klänge in die Sphäre des Raums. Ich verlasse sie so geräuschlos und auf so leisen Sohlen wie nur möglich. In der oberen Etage spiele ich eine zeitlang auf dem Flur. Herr Franz (Name geändert), mit dem ich immer ein persönliches Schwätzchen halte, schläft bereits, und ich mag ihn nicht wecken. Da ich weiß, wie sehr er die Harfenmusik liebt, spiele ich leise direkt auf seinem Zimmer, in der Hoffnung, dass die Klänge ihn im Traum erreichen, ohne ihn dabei zu wecken. Es ist spät, und mit dem Auftrag, direkt vom Krankenbett im Hospiz einen musikalischen Gruß eines Bewohners zum Dank an dessen Freunde zu überbringen, verlasse ich das Hospiz. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
23.10.18, 01:52 Astrid Marion Grünling
14/25 Wie wohltuend Rituale in der Trauer sind, davon erzählt meine Klangvisite im Hospiz Advena von letztem Freitag. Die zehnte Klangvisite im Hospiz Advena im Rahmen meines crowdfundingfinanzierten Projekts setzte ich letzten Freitag fort. In der vorherigen Woche war ich für die musikalische Umrahmung des Welthospiztages und einer Ausstellungseröffnung vom Hospiz gebucht. Danach ging ich auf Klangvisite auf den Fluren und zu einzelnen Bewohnern, jedoch nicht im Rahmen meines Projekts. So bleibt die Kontinuität meiner wöchentlichen Klangvisite für die Bewohner gewahrt. Obwohl ich zur Zeit selbst in Trauer bin hatte ich die Buchung für die musikalische Begleitung des Welthospiztages am 13. Oktober im Haus Advena nicht abgesagt. Ich weiß, dass meine eigene Trauer in der heimeligen Atmosphäre des Hospizes und meiner Musik geborgen und umhüllt sein würde. Und so ist meine Musik an dem Tag nicht nur wohltuend für die Angehörigen und Besucher, sondern auch für mich tragend. Neben rein instrumentalen eigenen und bretonischen Stücken singe ich traditionelle und heilsame Lieder, von Harfe begleitet, und freue mich über die Mitsängerinnen, die sich spontan angezogen fühlen mitzusingen. Eine davon ist eine Pflegerin, die selbst mit einer Freundin im Duo ganz wunderbare heilsame und spirituelle Musik macht und auch am Krankenbett singt. Sie liebt es besonders zu dem von mir komponierten Stück Thasim zu summen, und ihre wunderbare und innige Stimme erfasst mich immer wieder derart, dass ich Gänsehaut bekomme. Wir müssen unbedingt mal wieder zusammen Musik machen! Ein sehr berührendes Abschiedslied ist das aus Schweden und Norwegen bekannte „Vem kan segla“ – auf deutsch „wer kann segeln ohne Wind“. Ich bin überrascht, als sich hinter mir eine Stimme einfädelt, die das Lied zunächst leise auf deutsch mitsingt, und, durch meine Ermutigung, mit sicherem Sopran und mit voller Stimme das Lied auf schwedisch singt. Zuhause übe ich die schwedische Aussprache ein und nehme das Lied auf. zur Aufnahme Das Singen, die schönen Begegnungen durch die Musik und die heimelige Atmosphäre des Hauses tun mir in meiner Trauer so gut. Lydia Gretz, die Leiterin des Hospizes, hatte mir vor dem Welthospiztag angeboten, Steine mit den Namen der Verstorbenen zu beschriften und am Gedenkbrunnen im Garten abzulegen. Als die Besucher dem Vortrag über Hospizarbeit im Wintergarten lauschen, nutze ich die musikalische Pause für mein Ritual mit den Steinen. Am Gedenkbrunnen draußen wähle ich zwei Steine aus, weiße, wohlgeformte, voll und rund in der Hand liegende Kiesel und gehe wieder ins Haus. Ich bin alleine im Foyer. Ich beschrifte die Steine mit den Namen, den Geburts- und Sterbedaten und lege sie auf den Fuß meiner Harfe. Mit den beschrifteten Steinen auf der Harfe spiele ich leise und zart meine Melodien. Manches wird im Leben nie mehr gut. Auf seelischer Ebene jedoch sind Trauer, Schmerz und Abschied, Verbundenheit und Dialog, und innere Haltungen mir gegenüber, zu Lebzeiten nie in Worten ausgedrückt, wahrnehmbar und spürbar, und mir die wenigen schönen verbindenden Augenblicke vergegenwärtigend, lege ich all das in meine Musik. Ich spiele, bis ich die Harfenklänge leise verklingen lasse. Ich nehme die beklungenen Steine und gehe mit ihnen raus an den Brunnen. Mit einem inneren Gebet lege ich sie am Brunnen ab. Einige Augenblicke halte ich inne, bevor ich wieder ins Haus gehe und, nachdem ich mich wieder gefasst habe, meine Klangvisite bei den Bewohnern aufnehme. Eine Bewohnerin ist am heutigen Tag verstorben. Sie war nur ein Jahr älter als ich. Ihren Eltern hatte meine Musik sehr gut getan, in den letzten Klangvisiten hatte ich von ihnen erzählt. Sie ist im Beisein ihrer Eltern friedlich eingeschlafen. Vor ihrer Zimmertür liegt eine Blume und brennt eine Kerze. Ehrfürchtig und auf leisen Sohlen betrete ich ihr Zimmer und bin erstaunt und berührt von ihrem Anblick. Sie sieht in ihrer Ruhe so wunderschön aus, wie ein Engel. So friedlich und so entspannt, mit einem entrückten, fast mysthischen Lächeln um die Lippen. Ich rechne jeden Augenblick damit, dass sie die Augen aufschlägt, und weiß doch, dass dies nicht sein wird. Ohne ein Wort zu sprechen verabschiede ich mich innerlich von ihr und verlasse den Raum. Der Bewohner, der immer im Rollstuhl zu mir ins Foyer geschoben wurde und der die Harfenmusik so liebte, liegt in seinem Bett. Er ist garnicht mehr fähig zu sprechen. Ich spiele und singe ihm sein Lieblingslied vor und merke, dass ich damit bei ihm andocke, er innerlich mitgeht, auch wenn er nun nicht mehr mitsingen kann und sich nur in minimalen Ansätzen rhytmisch dazu bewegt. Die Woche darauf, bei meiner zehnten Klangvisite, ist er bereits verstorben. Herrn Franz (Name geändert) , dem ich das letzte Mal ein hölzernes Herz in die Hände gelegt und ihn fotografiert habe, freut sich riesig über den Fotoabzug, den ich ihm davon mitbringe. Zuhause spüre ich die ganze Woche über die wohltuende und beruhigende Wirkung meines Rituals mit den Steinen. Bei meiner zehnten Klangvisite die Woche darauf, am letzten Freitag, verteile ich Klangmassagen und Ständchen. Ein Bewohner ist erst am Morgen dessselben Tages im Hospiz angekommen. Er ist in Begleitung einer Frau, die sich mir als seine Verflossene vorstellt. Beide freuen sich sehr über mein Angebot, mit der Harfe zu ihnen aufs Zimmer zu kommen. Während ich spiele, bemerke ich, dass er sinnierend die Augen schließt und ganz in den Klängen verweilt. Als ich ein Stück beende, biete ich ihm an, sich direkt neben mich an die Harfe zu setzen und eine Hand auf den Resonanzkörper des Instruments aufzulegen. Und während seine linke Hand auf der Harfe liegt, spiele ich bretonische Stücke mit tiefen Basstönen in tragendem harmonischen Rhythmus. Er hat seine Augen geschlossen, lächelt und geniesst. Ich gönne ihm eine ganze Weile der Klangmassage. Als ich sie behutsam beende, bedankt er sich strahlend und sagt, das geht durch und durch. Auch einer weiteren Dame lasse ich eine Klangmassage zukommen. Sie ist heute allein auf ihrem Zimmer und ihr geht es garnicht gut. Die letzten Male war sie in Begleitung ihrer Freundinnen im Foyer und hat die beruhigende Wirkung der Harfe genossen. Ich spiele zwei, drei Stücke für sie, mit ihrer Hand auf der Harfe und lasse sie, bevor ihr alles zuviel wird, wieder allein. Draußen im Foyer spiele ich für eine Bewohnerin aus der dritten Etage ein Ständchen. Sie freut sich riesig. Mit Herrn Franz halte ich ein kurzes Schwätzchen, nachdem ich lange bei geöffneten Zimmertüren für die Bewohner im ersten Stock spielte. Er spürt, dass er immer schwächer wird, sagt aber, dass er nächste Woche Freitag auf alle Fälle noch da sein wird, wenn ich wieder mit der Musik komme. Und danach muss er sich halt wieder was einfallen lassen, nur Winter, das packt er nicht mehr, meint er. Er fühlt sich innerlich auf Abruf, fühlt sich körperlich schwach und seelisch neugierig und gespannt auf das Kommende. Ich bin traurig. Wir verabreden uns für nächste Woche und er verabschiedet mich mit den Worten: Danke für die Musik. Als ich meine Sachen packe kommt Rosi aus der Küche vorbei und bietet mir noch ein Wurstbrot und eine Suppe in der Küche an. Da sage ich nicht nein. Musik macht hungrig. Ich mache Feierabend. Es ist ein tröstlicher Anker für mich mit den Steinen am Brunnen einen guten Ort für meine Trauer und des Gedenkens gefunden zu haben. Und jedesmal, wenn ich im Hospiz Harfe spiele, beklinge ich die Steine draußen am Brunnen ein bisschen mit. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
08.10.18, 01:35 Astrid Marion Grünling
13/25 Was das aus Kreativtherapien bekannte Verbildlichen und Verklanglichen von Gefühlen am Ende des Lebens leisten kann, davon erzählt meine Klangvisite im Hospiz Advena von letztem Freitag. Zum neunten Mal war ich im Rahmen meines crowdfundingfinanzierten Projekts auf Klangvisite mit Harfe im Hospiz Advena in Erbenheim. Herr Stiller, den ich ein paar Mal während meiner Klangvisiten im Hospiz begleitet hatte, ganz ohne Harfe, wurde am Donnerstag beigesetzt. Er hat seine letzte Ruhe im Wald gefunden, dort, wo er schon früher viel unterwegs war. Er kommt heim in seine Natur. Am Abend zündete ich bei mir zuhause eine Kerze für ihn an. Ich freue mich, im Foyer steht schon der Pianostuhl für mich bereit, so dass mir ein Gang damit abgenommen ist. Gerade habe ich meine Harfe im Foyer im Erdgeschoss aufgebaut, als eine Besucherin vorbeikommt und für ein Gespräch bei mir stehenbleibt. Es ist die Mutter der krebskranken Tochter in meinem Alter, die hier liegt. Mit ihrem Mann war ich letzte Woche bereits ins Gespräch gekommen. Er hatte lange bei mir gesessen und die Klänge der Harfe genossen. Wir reden über den Krebs ihrer Tochter. Der Arzt, der die Diagnose damals stellte, sagte zuallererst: fragen sie nicht danach, warum es sie trifft, diese Frage dürfen sie erst garnicht stellen. Es gibt auch kein Darum, sage ich. Es gibt so viel Leid auf der Welt, dass ich mir in Situationen, die mich treffen, sage, warum nicht ich. Und dennoch liegt in diesem Wissen nicht der mindeste Trost. Nicht ein kleines bisschen nimmt dieser Gedanke vom eigenen Schmerz. Ihrer Tochter habe sie versprochen, damals, vor drei Jahren, ich bin immer für dich da, ich lasse dich nicht allein. Ihre Worte rühren mich an. Ich biete an, wenn sie es wünscht, mit Harfe aufs Zimmer zu kommen. Sie sagt mir, sie haben die Tür zum Flur offen, die Harfenklänge hört man sehr gut, bis hinten ins Zimmer. Sie freue sich immer wenn ich da bin. Die Harfe, das geht so in die Seele rein. Nach einem weiteren Gespräch mit der Seelsorgerin beginne ich zu spielen. Zur Zeit sind es neben meinen eigenen Kompositionen immer wieder die bretonischen Melodien, die es mir wegen ihrer beruhigenden und berührenden Wirkung, die sie auf die Atmosphäre im Hospiz entfalten, besonders angetan haben. Bald schon wird der alte Herr in seinem Rollstuhl zu mir herangefahren, der schon die letzte Male während meines Spiels ins Foyer gebracht wurde. Ich kenne sein Krankheitsbild nicht. Aus meinen Erfahrungen mit Menschen mit Demenz vermute ich, dass er unter anderem auch eine dementielle Erkrankung hat. Dennoch gibt er zwischendurch, nuschelnd zwar, aber dennoch sehr klar formulierte Sätze von sich. Ich lache und begrüße ihn, sage ihm, dass ich nur für ihn spiele. Wunderbar, freut er sich. Ich spiele. Manchmal nuschelt er etwas vor sich hin. Die Seelsorgerin, die manchmal bei uns steht, erkennt die Worte „lustig und froh“. Die Worte kann ich keinem mir bekannten Lied zuordnen. Beim Googeln über mein Smartphone stoße ich auf das Volkslied „Die Tiroler sind lustig, die Tiroler sind froh“ und machen die Probe aufs Exempel. Über youtube lasse ich das Lied auf meinem JBL-Lautsprecher spielen und bingo – Treffer! Herr Barsch (Name geändert) fängt mit den Händen an zu wippen und singt mit. Die Seelsorgerin, Herr Barsch und ich singen jetzt gemeinsam das Lied. Vor allem beim Refrain ist Herr Barsch voll dabei. Rudirudiralla, rallala, rallala... Heute ist der erste Freitag im Monat. Im Hintergrund decken Ehrenamtliche im Wintergarten den Kaffeetisch für die Gäste des einmal im Monat stattfindenden Trauercafés. Ein Geburtstagskind soll heute dabei sein. Noch nie habe ich mit Harfe Geburtstagslieder begleitet, sondern mit Ukulele, finde aber Texte und Akkorde in meinen Noten, die ich dabei habe, und verspreche, nachher ein Ständchen anzuleiten. Zu Beginn der kleinen Veranstaltung spiele ich, während die Gäste eintreffen, ein paar freie Melodien zum Einklang. Als nach einer kurzen Eröffnungsrede das Geburtstagskind angekündigt wird, leite ich „Viel Glück und viel Segen“ und „Wie schön dass du geboren bist“ an. Alle singen mit und applaudieren, eine freudige Stimmung ist im Raum. Die Harfenklänge empfinden alle als etwas Besonderes. Eine hochbetagte Dame ist unter den Gästen, die in den Zwanziger Jahren geboren wurde und demnächst ihren 98. Geburtstag feiert. Für sie spiele ich „Lili Marleen“, und wieder singen einige mit, die den Text dazu kennen. Nach wunderbaren Gesprächen am Tisch und leckerem Kuchen wird es Zeit für mich, meine Klangvisite oben auf ersten Etage fortzusetzen. Helfende Hände bringen mir Pianostuhl, Notenständer und meinen schweren Rucksack nach oben, so dass ich nur einen einmaligen Gang habe, um meine Harfe nach oben zu bringen. Im Flur beginne ich mein Spiel. Nachdem ich mich mit den Klängen sanft bei den Bewohnern auf den Zimmern der ersten Etage angekündigt habe, klopfe ich leise am Zimmer von Herrn Franz (Name geändert) und frage ihn, ob er die Musik bei offenen Türen hören möchte. Wie meistens ist er darüber sehr froh und so spiele ich noch eine ganze Weile für alle, bis ich zu ihm für ein persönliches Gespräch aufs Zimmer gehe. Heute geht es ihm garnicht gut, die Knochen und Gelenke tun im weh. Ich habe ihm etwas mitgebracht. Ich hatte versprochen, die Blogeinträge mit den ihn betreffenden Passagen auszudrucken und ihm zum Lesen mitzubringen. Erfreut und gespannt blättert er in den Ausdrucken, bleibt an der einen und der anderen Passage hängen. Er weiß, dass er die Originalfassung in den Händen hält, die ich bei mir auf dem Rechner habe und für das Buch verwenden werde. In den Blogeinträgen habe ich eine kleine Passage über ihn rausgenommen. Diese im Buch zu veröffentlichen, damit ist er einverstanden. Das fühlt sich gut an, in einem Buch zu sein, sagt er. Er wäre schon mal in einem Buch gewesen, mit einem Bild. Und stellen sie sich vor, sage ich, wir sitzen gerade in dem Buch und unterhalten uns miteinander. Wir müssen beide bei der Vorstellung lachen. Er nimmt sich vor, den ausgedruckten Blog in den nächsten Tage in Ruhe zu lesen und freut sich darauf. Ich habe noch etwas für Sie mitgebracht, sage ich. Ich packe ein Gaze-Tuch aus und ein hölzernes Herz, das in der Hand liegt wie ein Handschmeichler. Sie machen sich doch solche Sorgen um Ihre Frau, sage ich, was aus ihr wird nach Ihrem Tod. Aus unseren vorherigen Gesprächen weiß ich, wie christlich Herr Franz ist und hatte auf diese Weise Zugang zu ihm gefunden. Als Margot Käßmann 2010 von all ihren kirchlichen Ämtern zurücktrat, brachte sie ihre Glaubensüberzeugung in folgendem Satz zum Ausdruck „Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Das ist das Bild, auf das ich hinauswill. Erinnern Sie sich daran, frage ich ihn, als ich Ihnen in einem unserer ersten Gespräche davon erzählte, dass ich mich bei einem Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall vor sieben Jahren vor lauter Schmerzen nicht mehr rühren konnte. Und dennoch fühlte ich mich tagelang derart geborgen, als wäre ich nicht von meinem Fahrrad auf die Straße, sondern direkt in Gottes Hand gefallen. Als wir dann gemeinsam dem Lied lauschten, das Sie sich für Ihre Beerdigung ausgesucht haben, das Irische Segenslied, mit den Zeilen „und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“, da meinten Sie, das ist das Lied zu Ihrem Erlebnis im Krankenhaus. Sie waren fünfzig Jahre für Ihre Frau da und haben für sie gesorgt und sie beschützt. Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie geben Ihre Frau in Gottes Hand. Er wird sie nach Ihrem Tod in seinen Händen halten. Ich merke, wie Herr Franz inne hält und den Gedanken auf sich wirken lässt. Er mag den Gedanken, er tut ihm gut. Ich gebe ihm das Herz aus Holz in seine Hände und lege ihm das Tuch auf den Schoß. Denken Sie jetzt daran, wie Sie das Herz Ihrer Frau in den Händen halten, es beschützen, und es in Gottes Hand geben. Er spielt mit dem Herzen, nimmt es in beide Hände und umhüllt es dann behutsam und beschützerisch. Darf ich Sie so fotografieren. Nur Ihre Hände mit dem Herzen drin. Für den Blog. Und das Buch. Und in erster Linie für Ihre Frau. Dass Sie nach Ihrem Tod dieses Bild von Ihnen hat. Herr Franz sagt, dass er den Gedanken gut findet, dass ihm die Idee gefällt. Ich zeige ihm das Bild, das ich eben mit meinem Smartphone gemacht habe. Er mag es. Als ich am Tag darauf das Foto für Herrn Franz ausdrucke, fällt mir das wunderschöne Lied von Edith Stein dazu ein, das ich auf einem meiner Fortbildungswochenenden bei den Singenden Krankenhäusern kennengelernt habe: Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen  Leg ich meinen Tag in Deine Hand.  Sei mein Heute, sei mein Morgen,  Sei mein Gestern, das ich überwand.  Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,  Bin aus Deinem Mosaik ein Stein. Wirst mich an die rechte Stelle legen,  In Deinen Händen bettest Du mich ein. Das Lied dazu werde ich ihm nächste Woche spielen. Ich bin froh, mit dem Bild einen tröstlichen Anker für die Sorge von Herrn Franz gefunden zu haben, die ihn am meisten umtreibt. Eine junge Pflegerin kommt aufs Zimmer und fragt, ob ich nochmal draußen spielen könne, eine Dame im letzten Zimmer sei eben aufgewacht und sei fürchterlich unruhig. Ich verabschiede mich von Herrn Franz und gehe nach draußen. Obwohl es schon spät ist – das Abendessen für die Bewohner ist längst vorbei – baue ich meine Harfe vor der offenen Tür zum letzten Zimmer auf und spiele besonders behutsam die bretonischen Melodien. Ruhige und gleichmäßige Rhythmen wie ein Herzschlag. Liebliche Melodien, die in die Seele gehen. Eine ganze Weile noch spiele ich drei solcher Stücke wie Klangmeditationen mit der Intention, zu beruhigen und zu umhüllen. Als die Pflegerin vorbeikommt, bitte ich sie, nach der Dame zu schauen, wie ihr Atem geht und ob sie vielleicht eine Stirnfalte hat – Anzeichen, an denen man Anspannung und Entspannung ablesen kann. Als sie zurückkommt, strahlt sie und sagt: Sie ist ganz entspannt, sie hat aufgehört zu nesteln und sich an den Pflegearm zu klammern. Sie habe noch nie so selig geschlafen. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
01.10.18, 05:24 Astrid Marion Grünling
12/25 Wie tröstend und unterstützend die Harfe gerade auch in der Begleitung von Angehörigen Sterbender wirkt, davon erzählt meine Klangvisite im Hospiz Advena vom 28. September. Zum achten Mal sollte ich im Rahmen meines crowdfundingfinanzierten Projekts auf Klangvisite mit Harfe im Hospiz Advena in Erbenheim sein. Noch bevor ich das Erinnerungsbuch aufgeschlagen haben werde, um zu sehen, wer in der letzten Woche verstorben ist, weiß ich, dass ich Herrn Stiller (Name geändert) nicht mehr auf seinem Zimmer antreffen werde. Seine Angehörigen haben mich per Email angeschrieben. Letzten Montag habe ich in zwei sehr berührenden Dankes-Mails von seinen Töchtern erfahren, dass Herr Stiller eingeschlafen ist. Ihr Vater hat am Samstag endlich seinen Frieden gefunden. Am Schluss ging es doch erstaunlich leicht und schnell, nachdem er vorher so lange kämpfte. Sie haben meine Geschichten über Herrn Stiller gelesen und finden sie sehr schön. Ich habe bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie sagen Danke, auch ihnen haben meine Besuche sehr gut getan. Danken für meine Besuche, die Gespräche, einen Händedruck und die Zeit die ich mit ihm verbrachte. Er habe sich sehr darüber gefreut. Nie werden sie den Ausdruck in seinem Gesicht vergessen als er mich, schon schwer geschwächt, noch einmal gespürt hat. Es war so schön gewesen für sie, als ihr Vater nach zwei Tagen Schlaf die Augen aufschlug, als ich die Hand auflegte. Sie danken dafür, dass ich ihrem Vater im Hospiz Advena noch so schöne Momente beschert habe. Und für meine Artikel über „Herrn Stiller“. Am Freitagmorgen, der Morgen meiner heutigen Klangvisite, fühle ich mich beim Aufwachen eingehüllt in eine weiche, tragende Energie. Ich fühle mich unendlich umhüllt, geborgen und beschützt. Eine Energie, die mich noch ein paar Tage begleiten sollte. Die sich anfühlt wie eine beschützende und unterstützende Hand im Rücken. Eine tiefe Zuversicht und Klarheit, das alles gut ist, erfüllt mich. Eingehüllt in diese Energie fahre ich am Nachmittag ins Hospiz. Mit bretonischen Melodien auf Harfe beginne ich meine Klangvisite im Foyer im Erdgeschoss. Schon bald bin ich nicht mehr allein. Die Dame, die schon letzte Woche mit ihren Freundinnen lauschend bei mir stand, ist wieder da. Mit knallrot gefärbten Haaren kommen sie gerade vom Einkaufen und Eisessen. Sie verweilen lauschend und berührt für ein Weilchen bei den Klängen. Der Bewohner, der die letzten beiden Male mit seinem Rollstuhl in erster Reihe stand, liegt auf seinem Zimmer. Eine Pflegerin erzählt mir, dass er zu meinen Stücken auf dem Zimmer mitgesungen hat. Ein für sein Alter unglaublich jung wirkender älterer Herr setzt sich zu uns und macht es sich bequem. Er bleibt lange. Die Dame von vorhin ist mit ihren Freundinnen wieder aufs Zimmer gegangen und er ist der einzige Gast im Foyer. Er badet regelrecht in den Klängen, die ihn offensichtlich Kraft tanken lassen. Zwischen den Stücken kommen wir peu à peu ins Gespräch. Seine Tochter ist hier im Hospiz. Verflixte Hacke, sie ist nur ein Jahr älter als ich. Das sind die Augenblicke, in denen ich in einen Punchingball reinhauen möchte. Wenn der Dreckskrebs so mitten im Leben eine Spur der Entzweiung und des Schmerzes reißt. Unser Gespräch bette ich ein in tragende Harfenstücke. Ich zeige ihm, wie er eine Klangmassage nehmen kann, indem er die Hand auf den Resonanzkörper der Harfe legt, während ich spiele. Die Klänge, die er nun über Hand und Arm fühlt, tun ihm sichtlich gut. Er ist ganz fasziniert von der Harfe. Er selbst ist, wie ich, Anfänger auf der Gitarre. Seine Neugier ist geweckt und er beginnt, selbst ein paar Saiten zu zupfen. Ganz offensichtlich sucht er eine Melodie. Nach einer Weile erkenne ich Fragmente der Spanischen Romanze, ein beliebtes Stück für Gitarrenspieler, und führe den ersten Part der Melodie in E-Moll fort. Er erkennt die Melodie, nach der er suchte, und freut sich. Da ich das Stück mit seinen Tonartwechseln auf der keltischen Hakenharfe nicht ad hoc ohne Noten spielen kann, suche ich eine schöne Gitarrenfassung auf youtube und spiele sie über meinen Bluetooth-Lautsprecher. Die Spanische Romanze klingt im Foyer und wir verweilen im Zuhören. Ich sehe was für ein Geschenk diese Minuten für ihn sind und bin still, bis das Stück verklingt. Später geht er wieder zurück auf das Zimmer seiner Tochter, wo auch Mutter, Schwester und Schwiegersohn sind. Eine Palliativpflegerin fragt mich im Foyer, ob ich Hunger habe, in der Küche gibt es Weißwürste und süßen Senf. Musikmachen macht hungrig, und so überlege ich nicht lange und folge ihr in die Küche. Mit Weißwurst, Senf und Semmel setze ich mich in den Aufenthaltsraum, in dem sie und ein Kollege gerade Pause machen. Schon bald entwickelt sich ein tiefsinniges Gespräch über die Wirkung meiner Klangvisiten mit Harfe im Hospiz, über die Wirkung von Musik im allgemeinen und Mantren, über Chakren, Yoga, Meditation, Religion und ob es ein Danach gibt, nach dem Tod. Die Pflegerin erzählt, was sie schon mal gesagt hatte in einer meiner Klangvisiten davor, dass die Harfe eine andere Schwingung in die Bude bringt und dass viel weniger geklingelt würde, wenn ich mit der Harfe da bin. Und dass auch sie sich anders fühlt, es ist eine ganz andere Stimmung, eine sehr beruhigende und wohltuende. Sie meint, ich sei mir vielleicht nicht bewusst, was ich mit meiner Musik bewirke, und dass meine Stücke wie Mantren klingen. Ich horche auf, denn im Hospiz hatte ich Mantren bisher nur selten zum Einsatz gebracht. Doch bin ich mit Mantren innig verbunden, deren Wirkung von Intention und Haltung bestimmt ist. Durch die viele Resonanz, die ich erfahre, weiß ich, wie sehr meine Musik das Herzchakra anspricht und so harmonisierend auf das psychische Befinden wirkt. Ich bin tief mit dem Gayatri-Mantra verbunden, das sehr berührend und herzöffnend wirkt, und dem Om Trayambakam, einem yogischen Allzweckmantra, das heilend wirkt, Trost spendet und uns beschützt bevor wir auf die Reise gehen. Das ist die Haltung, aus der heraus ich Musik mit Harfe und heilsamen Liedern für Menschen im Krankenbett mache. Wir tauschen uns über persönliche Erlebnisse aus, die an eine Existenz nach dem Tod glauben lassen. Obwohl ich zur Zeit wieder eine Phase habe, in der ich daran zweifle, muss ich unwillkürlich an das schützende und umhüllende Gefühl der Geborgenheit denken, mit dem ich heute morgen erwachte, und erzähle davon. Ja, auch mit solchen Erlebnissen nach dem Tod von Menschen, die man begleitet hat, bin ich nicht allein, nur spricht man halt nicht gerne offen darüber. Wir müssen alle wieder an die Arbeit, und ich gehe hoch in die erste Etage. Die gelbe Frau ist nicht mehr da, sie ist verstorben. Allen anderen statte ich kurze Bienchenkontakte ab, einer Dame gebe ich ein kurzes Ständchen mit Harfe auf dem Zimmer, bevor ich auf dem Flur meine bretonischen Melodien spiele. Herr Franz (Name geändert) mag zunächst nur der Musik auf dem Flur lauschen. In den Begegnungen der letzten Wochen ist mir der feine und bescheidene Herr ans Herz gewachsen, und da wir letzte Woche keine Zeit zum Reden fanden, gehe ich für ein persönliches Gespräch auf sein Zimmer. Er freut sich mich zu sehen. Er erzählt aus seinem Leben und wie gern er gehandwerkelt hat. Für seinen Männerstammtisch habe er einmal eine Schnupftabakmaschine gebaut, mit der sie mit Whisky getränkten Tabak schnupften. Als jeder der Männer in der Runde eine haben wollte, und dann auch die Freunde der Freunde und so fort, habe er eine Zeit lang Schnupftabakmaschinen gebaut. Und die Bauernmalerei hat er sehr geliebt. Aber das geht ja jetzt alles nicht mehr. Ich lese Herrn Franz die ihn betreffenden Einträge aus meinem Blog vor. Eine Stelle habe ich herausgenommen, im Originaltext, den ich für mein Buch vorgesehen habe, jedoch erhalten. Ihm gefällt, was er hört. Er findet schade, dass ich die Stelle im Blog herausgestrichen habe, und meint, im Buch könne ich das jedoch gerne veröffentlichen. Ich verspreche, ihm kommenden Freitag einen Ausdruck meines Blogs zum Lesen mitzubringen. Es ist Zeit für mich Feierabend zu machen. Als ich gerade meine Harfe im Erdgeschoss packe, fällt mir noch eine Besucherin um den Hals, die ich als ehemalige Kollegin von vor zig Jahren erkenne. Ihre Mutter liegt hier. Ich komme noch für ein Ständchen zu ihr und ihrer Mutter aufs Zimmer, bevor ich an diesem Tag nach Hause gehe. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
21.09.18, 00:58 Astrid Marion Grünling
11/25 Wie beruhigend Harfenklänge wirken in der sozialen Begleitung von Menschen, die Sterben, Tod und Trauer erleben, davon erzählt meine Klangvisite im Hospiz Advena von heute. Zum siebten Mal bin ich auf Klangvisite mit Harfe im Hospiz Advena. Zuerst schlage ich das Erinnerungsbuch auf, um mich ins Bild zu versetzen, wer noch unter uns ist und wer uns in der letzten Woche verlassen hat. Zu meiner Überraschung ist Herr Stiller (Name geändert) noch da. Ein anderer Bewohner jedoch, der zusammen mit seiner Frau die Harfe so genossen hat, ist von uns gegangen. Letzte Woche hatte ich noch kurz bei ihm vorbeigeschaut. Er sah hinfälliger aus als die Wochen davor, hatte aber noch ein freudiges und gütiges Lachen im Gesicht, das dennoch seine Anstrengung kaum verbergen konnte. Schön, dass wir uns noch voneinander verabschiedet haben. Die Seelsorgerin des Hauses erzählt mir in der Übergabe, dass er sehr entspannt ausgesehen habe nach seinem Tod. In einer ausführlichen Übergabe klärt sie mich weiter über das Befinden der Bewohner auf, über Neuzugänge und Verstorbene und wem heute eine Klangvisite am Krankenbett besonders guttun würde. Sie nennt mir eine Frau im Erdgeschoss, die sehr durcheinander sei und die sich bestimmt freuen würde, wenn ich mit Harfe bei ihr vorbeischaue. Mit diesen Informationen plane ich meine heutigen Wege im Hospiz und beginne zunächst, im Foyer im Erdgeschoss zu spielen. Gleich zu Beginn wird der ältere Herr, der schon letzte Woche in erster Reihe vor mir saß, in seinem Rollstuhl ins Foyer geschoben, wo ich bretonische Melodien auf Harfe zum Klingen bringe. Auch diesmal sammeln sich Menschen in kleinen Grüppchen um mich. Und wieder fühle ich mich wie Julie Andrews in der Rolle der Maria Augusta Trapp in der Filmszene in Meine Lieder – meine Träume. Noch während meines Spiels bemerke ich in meinem Rücken, dass hinter mir Menschen stehen. Nach dem Stück halte ich kurz inne und wende mich ihnen zu. Es ist die Dame, die vor einer Woche neu ins Hospiz kam, und die ich letzte Woche noch nicht persönlich zu Gesicht bekam. Ich hatte mich jedoch länger mit einer Freundin und Kollegin von ihr unterhalten. Die Bewohnerin steht nun mit zwei ihrer langjährigen Freundinnnen, die sie besuchen, hinter mir. Sie sind aus der Gartenlaube nach drinnen gekommen, wo es kühler ist. Es ist nochmal ein sehr heißer Sommertag heute. Die Frauen lauschen den Melodien und haben vor Berührtheit Tränen in den Augen. Ich lade die drei ein, sich zu uns zu setzen. Die Dame wird in ihrem Rollstuhl herangeschoben, so dass sie vor mir sitzt. Ihre Besucherinnen stehen hinter und neben ihr und halten sie an Schultern und Händen. Während meines Spiels beobachte ich sie. Die anfängliche Berührtheit, die auch Tränen zum Fließen bringt, Tränen der Berührtheit und Tränen der Traurigkeit, weicht einer Ruhe, die sich mehr und mehr auf ihrem Gesicht ausbreitet. Sie wirkt zunehmend fester. Fest und ruhig. Gefasster. Zwischendurch wechseln wir ein paar Worte. Wie lange ich schon Harfe spiele, fragt sie mich. Und sagt mir, wie sehr die Harfe sie berührt. Bevor sich das kleine Grüppchen wieder raus ins schattige Grün der Gartenlaube setzt, sagt sie noch, wie sehr sie die Harfe beruhigt. Und ja, das sieht man ihr auch wirklich, wirklich an. Die Tochter von Herrn Stiller (Name geändert) kommt durch den Eingang ins Foyer und begrüßt mich freudig. Ja, er ist noch da, und es habe Herrn Stiller und auch ihnen, den Angehörigen, noch lange nach meinem Besuch sehr gut getan, dass ich bei ihm reingeschaut habe. Er wäre nach meinem Besuch noch eine ganze Weile munter und wacher gewesen und hätte sogar gegessen. Nun ist er nicht mehr ansprechbar und isst und trinkt nichts mehr. Ich verspreche, nachher vorbeizukommen. Nachdem ich noch kurz auf dem Flur spiele, beschließe ich, nach der Dame zu schauen, die die Seelsorgerin mir zu besuchen empfohlen hat. Auf dem Weg zu ihr schaue ich kurz im Zimmer bei Herrn Stiller vorbei. Vier seiner Angehörigen sind da. Herr Stiller ist nun wirklich nicht mehr ansprechbar. Zur Begrüßung lege ich meine Hand auf seine und halte sie während der Zeit meines Besuchs. Wieder beeindruckt mich, wie schon letzte Woche, die Gelöstheit, die die Angehörigen ausstrahlen. Ja, es herrscht eine gelöste und fast heitere Stimmung um sein Krankenbett. Traurigkeit ist schon auch da, aber keine Schwere. Das ist die Stimmung, in der Herr Stiller aus dem Leben geht, und die ihn umgibt. Nach einem kleinen Weilchen verabschiede ich mich und gehe zu der nächsten Dame aufs Zimmer. Die Bewohnerin, neu auf Station, finde ich in der Stimmung vor, die die Seelsorgerin mir bereits beschrieben hat. Ein bisschen durcheinander, sie weiß garnicht wo sie ist, will nach Hause und kennt das alles hier nicht. Ich stelle mich als die Frau mit der Harfe vor und frage sie, ob sie die Harfe gern mal auf ihrem Zimmer erleben würde. Oder ob sie vielleicht lieber ihre Ruhe möchte. Sie aber ist neugierig, und ja, ich soll mit der Harfe kommen. Also hole ich Harfe und Keyboardstuhl und beginne an ihrem Krankenbett zu spielen. Das erste Stück verfolgt sie wach und klatscht am Ende. Sie freut sich wirklich. Beim zweiten Stück bemerke ich, wie sie die Augen schließt und sich ganz den Klängen hingibt. Sie wirkt dabei sehr entspannt und träumerisch. Unter ihren geschlossenen Augen spüre ich ihre entspannte Wachheit. Intuitiv erfasse ich, dass bei ihr weniger mehr ist, und belasse es bei den beiden Stücken. Sie ist sehr dankbar für mein Spiel, und bevor ich die Harfe wieder aus dem Zimmer trage, schaut sie sich das Instrument sehr interessiert an. Sie habe noch nie eine Harfe von so nah gesehen. Sie fragt mich noch, oder schon wieder, ob ich immer sonntags komme. Es ist Donnerstag heute, aber ich mache da keine Debatte draus und sage einfach, dass ich einmal die Woche da bin. Da sie müde ist, wünsche ich ihr eine gute Nacht. Ich gehe nach oben, und dort bei jedem einzelnen Bewohner kurz aufs Zimmer. Herr Franz (Name geändert) hat Besuch und möchte sich weiter in Ruhe unterhalten, da er sich sehr über seinen Besuch freut. Ich ziehe mich zurück und frage die anderen Bewohner, ob sie der Musik bei geöffneten Zimmertüren lauschen oder lieber für sich sein möchten. Dann spiele ich eine ganze Weile auf dem Flur, wohlwissend, dass die Klänge die Bewohner auf ihren Zimmern erreichen. Im Vorbeigehen flüstert mir eine Besucherin zu, wie schön sie die Musik findet, als sie aus dem Zimmer ihres Mannes kommt. Ich spiele noch ein Weilchen beruhigende und liebliche bretonische Stücke und lasse dann meine Klangvisite ausklingen. © Astrid Marion Grünling www.klangvisite.de
16.09.18, 18:46 Astrid Marion Grünling
10/25 Welche Haltung hilft uns einmal, gut aus dem Leben zu gehen? Dass man nicht zwingend einen Glauben haben muss, um aufgeräumt und mit einem tiefen Lachen aus vollem Herzen aus dem Leben zu gehen, davon erzählt meine Klangvisite von letztem Freitag... Bereits zum sechsten Mal bin ich im Rahmen meines Projekts in dem mir liebgewordenen Hospiz Advena in Erbenheim. Meine Klangvisite ist heute besonders geprägt von herzlichen Begegnungen mit den Bewohnern – also Menschen, denen das Hospiz letzte Station in ihrem Leben ist – ihren Angehörigen, mit Freunden des Hauses und dem Team. Mein Harfenspiel konzentriert sich heute neben meinen eigenen Kompositionen hauptsächlich auf bretonische Melodien, die so beruhigend wie berührend wirken. Das mit Harfenklängen erfüllte Foyer im Erdgeschoss zieht immer wieder Menschen an, die sich durch die Musik zum Verweilen eingeladen fühlen. Ein Bewohner wird in seinem Rollstuhl hergefahren. Ich fühle mich ein bisschen wie Julie Andrews in der Rolle der Maria Augusta Trapp in einer Szene im Film Meine Lieder – meine Träume (Original: The Sound of Music). Augenblicke, in denen die Zeit innehält. Ich spiele und spüre, wie gut die lieblichen Melodien den Menschen und dem Haus tun. Ein langjähriger Freund des Hauses, der immer eine Zimbel in der Tasche hat und seine Vorträge stets mit dem Zimbelklang beginnt und beendet, kommt vorbei und wir begrüßen uns herzlich. Hin und wieder gesellen sich Angehörige hinzu, und als ich nach einer Stunde Musizieren eine Pause mache, begegnen mir Angehörige von Herrn Stiller (Name geändert), den ich bereits zwei Mal besucht hatte. Auch sie haben bereits ein Weilchen lauschend dabei gestanden. Wir kommen ins Gespräch und sprechen lange und angenehm offen miteinander. Der Zustand von Herrn Stiller habe sich gestern plötzlich sehr verschlechtert. Er mag nicht mehr. Heute habe er den ganzen Tag geschlafen und war nicht wirklich präsent. Ich verspreche, später auf jeden Fall noch bei ihm vorbeizuschauen. Dann gehe ich auf Klangvisite durchs Haus. Im Erdgeschoss spiele ich kurz mit meiner Harfe am Krankenbett einer Dame, die sehr, sehr schwach wirkt, bis ihre Tochter und ihr Mann zu Besuch kommen. Oben in der ersten Etage spiele ich wieder ein ganzes Weilchen auf dem Flur und schaue auf den Zimmern nach den Bewohnern, mit denen ich mich kurz unterhalte. Herr Franz (Name geändert) wirkt heute wieder sehr bedrückt. Er fragt mich als erstes, ob ich schon in Freiburg war. Ich hatte ihm erzählt dass ich dort für ein paar Tage eine Freundin besuchen will, bin aber noch nicht dazu gekommen. Wir plaudern ein wenig über dies und das, bis er den Grund seiner Bedrücktheit mitteilt. Es ist wieder die Sorge um seine Frau. Er kommt immer wieder darauf zurück. Es ist herzzerreißend, den Ehemann, der fünfzig Jahre mit seiner innig geliebten Frau geteilt hat, in seinem Ringen um den bevorstehenden Abschied zu erleben. Angst vor dem Sterben habe er keine, und er habe auch mit allem aufgeräumt. Doch der Gedanke, seine Frau alleine zu lassen, deprimiert ihn zutiefst. Das Ende des Monats will er aber unbedingt noch erleben, denn da entscheidet sich, ob ein junger Angehöriger seinen Studienplatz bekommt. Wir verabreden uns wieder für nächste Woche. Nach meinen Klangvisiten auf den Fluren und den Gesprächen mit einzelnen Bewohnern rüste ich mich innerlich für eine letzte Begegnung mit Herrn Stiller. Er macht sich nicht wirklich viel aus Musik. Mit Harfe brauche ich ihm erst garnicht zu kommen, egal, welch geheimen und gottgefälligen Akkorde ich darauf spiele. Das habe ich ihm von Anfang an so gelassen. Meinen Zugang zu ihm fand ich über Zuhören, Gespräche und miteinander Lachen. Er hatte sich sehr über unsere Gespräche gefreut und ich auch, das eine vor drei und das letzte vor zwei Wochen. Er schien so vital, als würde er noch eine ganze Weile unter uns bleiben. Ich betrete sein Zimmer. Ich stutze, denn auch sein heißgeliebtes SWR4 läuft nicht mehr, und ich merke, es ist ernst. Da hilft kein Beschönigen. Ich spüre, Worte, die an der Situation vorbei reden, sind nicht angebracht. Dafür ist er selbst zu rundheraus und beherzt. Drei seiner Angehörigen sind im Raum. Zur Begrüßung greife ich seine Hand und lasse sie in meiner liegen. Hallo, hier ist die Frau mit der Harfe. Aber ohne Harfe, die habe ich draußen gelassen. Er lacht. Wir alle lachen, er, seine Angehörigen und ich. Die Angehörigen sind froh, dass ich noch gekommen bin. Sie hatten schon Sorge, dass sie mich verschreckt haben könnten. Herr Stiller wirkt trotz seiner Schwäche auf einmal sehr präsent. Er freut sich sehr über meinen Besuch und sagt, dass er froh sei, dass ich da bin. Die Angehörigen sagen, er hätte viel von mir erzählt. Dabei war ich erst zweimal bei ihm, und doch spüre ich, wie wichtig es für ihn und seine Angehörigen ist, heute bei ihm vorbeizusehen. Seine und die Offenheit seiner Familie angesichts des bevorstehenden Sterbens machen es mir leicht, in meiner Authentizität zu bleiben und die Worte zu verwenden, die aus dem Herzen kommen und nicht danach fragen, ob sie gesagt werden dürfen oder nicht. Ich bin nicht tapfer, sage ich zu ihm, denn ich spüre, wie mir angesichts der Situation die Tränen kommen. Die er ja nicht sehen kann, auch wenn seine lebendig und warmherzig lachenden Augen in dem müden und schwindenden Gesicht nicht darauf schließen lassen, dass er fast blind ist. Aber an meiner Stimme wird er meine Betroffenheit hören. Und, ich sage, wissen Sie, den eigenen Tod den stirbt man nur, mit dem Tod der andern muss man leben. Lachen und Weinen im Raum. Ob ihm bang sei, frage ich ihn. Ein Lachen mit einem herzhaft überzeugten Nein aus tiefer Brust ist seine Antwort. Wir drücken uns lang und fest die Hände. Mit nichts auf dem Herzen als einem tiefen Lachen verabschiedet er sich aus seinem Leben. Es ist kein gebrochenes Lachen. Nächste Woche werden wir uns nicht mehr wiedersehen. Ich wünsche ihm eine gute Reise, und, wenn es einen Himmel gibt, dass er nicht gleich auf der ersten Wolke einem Engel mit Harfe begegnet. Vielleicht gibt es dort ja SWR4, das wünsche ich ihm. Und dass es leicht sei für ihn, das Hinübergehen. Ich sage ihm, dass ich mir wünsche, mal so aus dem Leben zu gehen wie er. So aufgeräumt und einverstanden mit dem, was ist. Er wünscht es mir auch. Und sagt, dass er mich mag. Wir halten uns noch eine Zeit lang an den Händen, warm und fest. Dann lege ich meine rechte Hand auf seine Brust, lasse sie dort verweilen, und mit der anderen lege ich seine Hand zurück auf seinen Oberkörper. Tschüß, sage ich und gehe aus dem Zimmer. Draußen muss ich erstmal tief durchatmen. Eine Pflegerin, die mich sieht, wie ich aus dem Zimmer komme, nimmt mich wortlos in die Arme. Für heute mache ich Feierabend. Daheim, ich bin zwar müde nach meiner Klangvisite, fühle mich aber dennoch nicht belastet. Es liegt ein großer Frieden in dem, wie Herr Stiller aus dem Leben geht und der sich auf meine Stimmung überträgt. Ein tiefes Einverstandensein, kein Widerstand, kein Anhaften, kein Leid. Ein tiefes Ja zum Leben, Werden und Vergehen. Und er geht mit nichts als einem Lachen aus tiefstem Herzen... © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
11.09.18, 00:53 Astrid Marion Grünling
9/25 Was hilft, wenn man einen schweren Verlust erlitten hat? Einfache Dinge wie Zuhören, zusammen Weinen und vielleicht sogar zusammen Lachen können wunderbar Trost spenden. Dass Angehörige auch nach dem Tod eines Angehörigen nicht alleine gelassen werden und welche Angebote es zur Trauerbegleitung in Wiesbaden und Mainz gibt, davon erzählt meine Klangvisite von letztem Freitag... Meine neunte Klangvisite im Rahmen meines Projekts führte mich letzten Freitag zum fünften Mal ins Hospiz Advena in Erbenheim. Schon als ich meine Harfe im Wintergarten des Hospizes für meine Klangvisite im Haus startklar mache, fällt mir dort ein festlich eingedeckter Tisch auf. Ich frage die Pflege nach dem Anlass und werde auf das monatlich stattfindende Advena-Café aufmerksam gemacht. Dies ist ein offenes Angebot des Hauses für Angehörige, von denen ein nahestehender Mensch im Hospiz gerade begleitet wird oder der dort gestorben ist und offen für alle Trauernden in Wiesbaden. An jedem ersten Freitag im Monat von 17 bis 19 Uhr finden Angehörige, die einen Menschen verloren haben, im Wintergarten bei Kaffee, Tee und Kuchen Zeit und Raum, um in schwerer Zeit nicht alleine sein, miteinander zu reden, sich zu erinnern, Trost zu finden und neue Kontakte zu knüpfen. Das Café Advena wird von ehrenamtlichen Hospiz- und Trauerbegleiterinnen liebevoll ausgerichtet und von einer Trauerbegleiterin und ehrenamtlichen Hospizbegleiterin geleitet. Von der hauptamtlichen Seelsorgerin Jutta Justen wird zusätzlich Einzeltrauerbegleitung angeboten. Da noch zwei Stunden Zeit ist, bis die Gäste eintreffen, nehme ich mir vor, später mit Harfe vorbeizuschauen und beginne meine Klangvisite mit Harfe wie üblich auf den Fluren. Diesmal beginne ich oben im ersten Stock auf dem Flur zu spielen. Herr Franz (Name geändert) hat heute Geburtstag. Eine Schnapszahl. Gerade ist seine Frau bei ihm, mit der er letzten Samstag den fünfzigsten Kennenlerntag feiern durfte. Eine Pflegerin fragt die Bewohner auf den Zimmern nach, wer gerne die Tür zum Flur offen stehen haben möchte, um die Musik zu hören. Bei geöffneten Türen spiele ich eine knappe Stunde bretonische Melodien, verträumte englische Stücke und ruhige eigene Kompositionen. Auch wenn ich nicht auf die Zimmer einbezogen werde und die Angehörigen unter sich bleiben, spüre ich an den Kommentaren vorbeigehender Besucherinnen und Pflegerinnen, dass meine Musik in den Bewohnerzimmern präsent ist und aufgenommen wird. Als die Frau von Herrn Franz geht, lässt sie die Zimmertür offenstehen. Ich sehe, wie er sich träumend in seinem Sessel neben dem Bett zurücklehnt und die Musik geniesst. Wieder unten im Erdgeschoss nehme ich mir eine kleine Kaffeepause und komme mit den ehrenamtlichen Kräften ins Gespräch, die gerade dabei sind, das Angehörigen-Café vorzubereiten. Eine Dame freut sich ganz besonders über die Harfe und lässt sich meinen Kontakt geben. Sie will unbedingt, dass auf ihrer eigenen Trauerfeier einmal Harfe gespielt wird. Die ersten Gäste trudeln ein, und bald sind alle Plätze an dem gedeckten Tisch besetzt. Neben Kaffee und duftendem Apfelkuchen gibt es Federweißer und Zwiebelkuchen. Eine ehrenamtliche Dame hält eine kurze, einfühlsame Ansprache für die Anwesenden. Nach ihren einleitenden Worten beginne ich mein Harfenspiel, halte mich damit jedoch im Hintergrund, um dem rege sich entspinnenden Austausch zwischen den Trauernden Raum zu lassen. Ich spiele eine ganze Weile stimmungsvolle Harfenmusik und lege mit meinen Harfenklängen einen tragenden Klangteppich für die Anwesenden in den Raum. Dabei kommt mir ein zurückliegender Dialog zwischen zwei älteren Damen in den Sinn: Die Harfe heilt, sagte die eine Seniorin zur anderen. Nein, das hilft mir auch nicht mehr, sagt die angesprochene Dame im Rollstuhl. Aber sie hilft Tragen, sie hilft das Schwere zu tragen, erwidert die erste. Und eine feine kulturelle Freundin von mir hat es während dem Weinfest so ausgedrückt: Weißt du, Astrid, ich hatte letzthin eine schwere Zeit. Da habe ich mir deine CD mit der Harfenmusik eingelegt. Und, was soll ich sagen, die Harfenklänge nehmen die Schwere vom Herzen. Wieder im Foyer im Erdgeschoss, komme ich in Kontakt mit dem Sohn und der Ehefrau eines betagten Mannes am Ende des Flures. Mein Angebot, mit Harfe aufs Zimmer zu kommen, nehmen sie erfreut an. Der Mann war Zitherspieler. Und so ist das erste, was ich jetzt über meinen Smartphone-gesteuerten Bluetooth-Lautsprecher erklingen lasse, die auf Zither gespielte Filmmusik aus dem Film „Der dritte Mann“ . Auch in der musikbiographischen Betreuung von Senioren habe ich einer ehemaligen Zitherspielerin eine große Freude gemacht, indem ich das Stück abspielen ließ. Sie war zu Tränen gerührt. Durch die Musik wurden Erinnerungen an eine für sie wichtige und schöne Zeit in ihrem Leben wach. Der Bewohner hingegen ist zu unruhig, um auf das Stück reagieren zu können. Seinen unruhigen Bewegungen ist nicht zu entnehmen, ob er erkennend reagiert oder nicht. Sekundenweise könnte man es vermuten. Da die Unruhe sehr im Vordergrund steht, lasse ich das Stück verklingen und beginne, beruhigende und betont langsame eigene Kompositionen auf Harfe zu spielen. Die Angehörigen sind angetan. Ob die Unruhe des Herrn sich etwas verringert, ist jedoch schwer zu sagen. Ich spiele noch ein Weilchen und lasse dann den kleinen Familienkreis unter sich sein. Bevor ich packe, schaue ich nach Herrn Franz im ersten Stock, um noch ein paar persönliche Worte mit ihm zu wechseln und ihm zu seinem heutigen Geburtstag zu gratulieren. Ein unter der Zimmerdecke über seinem Pflegebett mit der Ziffer 50 bedruckter Gasballon zeugt vom Tag des 50jährigen Kennenlern-Jubiläums, das er letzten Samstag mit seiner Frau feiern durfte. So wie ich ihn verstehe, hat das Team des Hospizes ihm und seiner Frau den Ballon zukommen lassen. Und heute nochmal Blumen zu seinem Geburtstag. Die goldene Hochzeit jedoch, die im Spätherbst nächsten Jahres ansteht, glaubt er, nicht mehr zu erleben. Wir unterhalten uns noch ein wenig. Er erzählt mir von seiner Chemotherapie, die er im Krankenhaus durchmachte, und dass diese viel weniger schlimm gewesen sei, als er erwartet hatte. Es gäbe so viele und gute Medikamente heute, die Folgen der Chemo einzudämmen, so dass er sich nur zwei Mal hätte erbrechen müssen. Ich bin überrascht. Aber es käme natürlich auf die Art der Chemotherapie an, meint er, und er habe wirklich Glück gehabt. Ich will ihn nicht zu sehr anstrengen, er hatte mit den Besuchen, so sehr er sich darüber freute, einen anstrengenden Tag heute. Und er habe die Harfenmusik vorhin, zurückgelehnt in seinem Lehnsessel, sehr genossen. Mit dem Besuch von Herrn Franz komme ich heute zum Abschluss meiner Klangvisite im Hospiz, denn auch mit meinen Kräften will ich besser haushalten. Die letzten Male hatte ich mich übernommen, was ich allerdings erst hinterher spürte, während der Arbeit merke ich das nicht, weil ich da im Flow bin. Anlässlich meiner Klangvisite im Angehörigen-Café im Hospiz Advena will ich noch auf das breite Angebot von Trauerbegleitung im Raum Wiesbaden und Mainz eingehen: Das oben beschriebene Advena-Café im Hospiz Advena ist ein offenes Angebot im Bereich Trauerbegleitung in Wiesbaden für Menschen, von denen ein nahestehender Mensch im Hospiz Advena begleitet wird oder der dort verstorben ist sowie für Trauernde in Wiesbaden. Zusätzlich wird Einzeltrauerbegleitung von der hauptamtlichen Seelsorgerin und Trauerbegleiterin Jutta Justen angeboten. Mehr Informationen: https://www.hospizium-wiesbaden.de/showcontent/Regelmaessige_Termine/Angehoerigen_Cafe.html Ein weiteres offenes Angebot zur Trauerbegleitung bietet der Wiesbadener Hospizverein Auxilium e.V. mit einem offenen Gesprächstrauerkreis unter der Leitung der Trauerbegleiterin Bianca Verse an. In einer zusätzlichen geschlossenen Trauergruppe wird in einer kleinen Gruppe in geschütztem Rahmen während zehn Treffen mit gezielten Themen, Übungen, Ritualen und Phantasiereisen der Trauerprozess unterstützt. Neu ist seit Januar 2018 auch Trauer in Bewegung am jeweils ersten Sonntag eines Monats. Ein weiteres offenes Treffen für trauernde Menschen bietet Auxilium als Kooperationspartner mit dem Trauercafé an jedem ersten Donnerstag im Monat im Kirchenfenster Schwalbe 6 an. Alle Angebote des Hospizvereins Auxilium zur Trauerbegleitung zur Gruppen- und auch Einzelbetreuung findet man unter: https://www.hvwa.de/angebote/trauerbegleitung/angebot.html Das Kinderhospiz Bärenherz bietet eine Vielzahl an Angeboten der Trauerbegleitung für die erkrankten Kindern selbst sowie ihren Geschwistern, Eltern, Verwandten: https://www.kinderhospiz-wiesbaden.de/de/unsere-arbeit/trauerbegleitung/ Der Verein trauernder Eltern Mainz unterstützt Eltern nach dem Verlust eines Kindes, ihren individuellen Weg zurück ins Leben zu finden: https://eltern-kinder-trauer.de Die Flüsterpost e.V. Mainz bietet Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern: https://kinder-krebskranker-eltern.de/ Einen etwas anderen Stammtisch zum Thema bieten Corinna Leibig und Daniela Glänzer mit Let's talk about Death am letzten Donnerstag im Monat von 19 - 21 Uhr im GODOT | DieKulturWerkstatt in der Westendstraße 23, 65195 Wiesbaden: https://www.lets-talk-about-death.de/ Emma hilft! Ist das etwas andere Therapiebegleithunde-Team von Ivana Seger: Emma bezaubert, Emma hört zu und tröstet, Emma hilft! http://www.emmahilft.de/http___www.emmahilft.de/Willkommen.html Mit meiner mobilen Klangvisite komme ich ans Krankenbett nach Hause, ins Seniorenstift, Hospiz und auf Palliativstation und lasse mit Harfe, Ukulele und Gesang Senioren, Kranken und Menschen in ihrer letzten Lebensphase Augenblicke der Freude, des Trostes und der Beruhigung erleben, wenn Worte angesichts Krankheit nicht mehr ausreichen oder möglich sind: www.klangvisite.de
03.09.18, 15:39 Astrid Marion Grünling
8/25 Auf was besinnen sich Menschen in ihrer letzten Lebensphase? Was hilft, den nahenden endgültigen Abschied von der Welt zu tragen? Auf meinen Klangvisiten im Hospiz begegnen mir neben aller Schwere auch Humor, Lachen, Glauben, Spiritualität, Musik, Poesie und die Weisheit vieler Jahre gelebten Lebens. Von einer besonders poetischen Klangvisite will ich heute erzählen... Meine achte Klangvisite im Rahmen meines Projekts führte mich letzten Donnerstag wieder einmal ins Hospiz Advena. Als erstes schaue ich unten im Eingangsbereich in das dort aufgeschlagene Erinnerungsbuch. Ein Bewohner, nach dem ich letzte Woche kurz geschaut hatte und für den ich nichts tun konnte als ihm auf seinen Wunsch hin einen Strohhalm zu bringen und die Bewohnerin, für deren Angehörige ich letzte Woche auf dem Zimmer spielte, sind verstorben. Zunächst spiele ich mit meiner Harfe auf dem Flur im Erdgeschoss, um über die Klänge sanft Kontakt mit den Bewohnern des Hauses aufzunehmen. Heute scheint nicht viel los zu sein. Ich sehe keine Angehörigen auf den Fluren. Nach den ersten Melodien auf Harfe gehe ich an das Zimmer des fast blinden Herrn, den ich von letzter Woche schon kenne. Nach kurzem Klopfen trete ich ein, grüße und setze mich zu ihm. Gutgelaunt und mich erkennend von letzter Woche begrüßt er mich. Im Radio an seinem Krankenbett läuft SWR4. Das Radio läuft Tag und Nacht, sagt er. Ohne Radio kann er nicht schlafen. Es scheint ihn zu beruhigen. Wir reden gutgelaunt über Belanglosigkeiten, über Gott und die Welt. Über die Biennale, die noch bis kommendes Wochenende in Wiesbaden stattfindet. Vom Sturz der Erdogan-Statue am Platz der Deutschen Einheit hat er gehört. Er erklärt, dass er ein Kunstbanause sei. Wir reden über das Gift in Lebensmitteln und in Kosmetik, über das Zeug, was auf Bananen draufgespritzt wird und die man vor lauter Gift, wie er sagt, kaum essen kann. Er erzählt von seiner Diagnose und seinen Behandlungen. Wie letzte Woche scheint er guter Dinge, ohne jeglichen Anschein irgendeiner Art von Verdrängung. Mir liegt nah, seine Haltung als buddhistische Art der Nicht-Anhaftung und der totalen Akzeptanz zu beschreiben. Aber er ist weder buddhistisch, noch gläubig und auch angesichts des Unabwendbaren guter Dinge. Mit seiner offenen und neugierigen Haltung zeigt er, dass es nicht mal einen Glauben braucht, um mit dem Leben gut abschließen zu können. Nachdem im Erdgeschoss nichts weiter zu tun ist, gehe ich nach oben. Die Tür zu einem der Zimmer steht offen und ich gehe zu einer Dame, die hier schon seit vier Wochen wohnt. Unsere Namen ähneln einander. In ihrem Leben habe sie gerne Klavier gespielt, und so geniesst sie die Stücke, die ich ihr auf Harfe vorspiele. Um sie zu einem musikalischen Dialog anzuregen und ein Stückchen ihrer früheren Musikalität aufleben zu lassen, drücke ich ihr meine Sansula in die Hand. Ich zeige ihr, wie sie das auch Daumenklavier genannte kleine zarte Instrument spielen kann. Sie probiert ein wenig und schaut nicht sehr glücklich damit aus. Durch ihre Krankheit sind an jeder Hand einzelne Finger gelähmt, so dass ihr das Spielen auf der Sansula schwerfällt. Sie mag lieber zuhören, und so spiele ich noch ein wenig für sie. Meine nächste Visite führt mich zu Herrn Franz (Name geändert). Als Erkennungsmelodie spiele ich das irische Segenslied auf Harfe vor seinem Zimmer und gewinne seine Aufmerksamkeit. Er lacht und grüßt winkend und ich gehe mit Harfe auf sein Zimmer. Ich frage ihn, wie es ihm heute geht. Er sei heute deprimiert, meint er. Seine Frau. Seine ganze Sorge gilt seiner Frau, die ja ohne ihn alleine bleibt. Traurig wirkt er. Er bekommt Abendessen gebracht. Ich bitte ihn, sich nicht stören zu lassen. Ich spiele, während er seine Suppe löffelt. Er freut sich über jedes Lied, jede Melodie auf Harfe. Sein Telefon klingelt. Dem Dialog entnehme ich, dass es sich um seine Frau handelt. Ja, mein Schatz, mir geht es gut hier, ich esse gerade zu Abend, eine Dame macht Musik mit ihrer Harfe hier auf meinem Zimmer, ich habe also ein ganz vorzügliches Dinner. Ich habe dich ganz doll lieb, mein Schatz, gute Nacht. Wir sehen uns morgen. Ich bin gerührt über die liebe und fürsorgliche Weise, in der er mit seiner Frau spricht. Wie Frischverliebte. Am Samstag vor fünfzig Jahren haben sie einander am Gardasee kennengelernt. Ich frage ihn, ob er nochmal sein Lied hören will, den Schlager von Rita Pavone, das er und seine Frau mit ihrem gemeinsamen Kennenlernen verbinden. Er bejaht und schwelgt in Erinnerungen, während ich über youtube und meinen Bluetooth-Lautsprecher leise den Schlager „Arrivederci Hans“ spielen lasse. Seine Frau besucht ihn jeden Tag zwei Stunden. Ich biete an, nächste Woche meine Klangvisite im ersten Obergeschoss zu beginnen, so dass er gemeinsam mit seiner Frau die Melodien auf Harfe erleben kann. Ich frage ihn, ob es was für seine Frau wäre, ihnen gemeinsam den Schlager ihres Kennenlernens vorzuspielen. Er sorgt sich, lieber nicht, dann kommt sie aus dem Weinen nicht mehr raus. Ich verstehe und verspreche ihm, dass ich von mir aus das Thema nicht anschneide und ihm die Entscheidung überlasse, das Lied zu spielen. Dabei habe ich es, für alle Fälle. Herr Franz legt seine Hand auf meine und sagt, gell, wir zwei haben auch eine Wellenlänge. Wir unterhalten uns weiter, über die Liebe. Wie das früher war und wie das heute ist, mit dem Kennenlernen. Es rührt mich zu hören, wieviel ihm seine Frau und der Tag ihres Kennenlernens vor fünfzig Jahren bedeuten. Sie waren 27, als sie sich kennenlernten. Im Rückblick würde er garnichts anders machen, sagt er. Oder doch, wenn er einen Wunsch frei hätte, dann würde er sich wünschen, sie noch eher kennengelernt zu haben... Wir singen gemeinsam das Ännchen von Tharau, ein anmutiges Lied aus Ostpreußen aus dem 17. Jahrhundert, das die Liebe besingt. Durch die lyrische Stimmung angeregt, zitiert Herr Franz ein paar Zeilen eines Gedichts. Ich sah des Sommers letzte Rose blühen / Sie war, als ob sie bluten könne, rot / Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn / So weit im Leben, ist zu nah am Tod. Es ist das „Sommerbild“ von Christian Friedrich Hebbel. Ich frage ihn, ob ich ihn aufnehmen darf, während er die Zeilen spricht. Er bejaht. Der Originaltext lautet „Ich sah des Sommers letzte Rose stehen“, aber so ist der Klang noch schöner. Wir hören uns gemeinsam die Aufnahme des eben von ihm Gesprochenen an. Auf seinem Nachttisch sehe ich eine sanduhrförmige Figur, deren lila Ölblubberbläschen nach oben aufsteigen anstatt wie Sand nach unten zu rieseln. Er erklärt, das habe er von seiner Gemeinde geschenkt bekommen. Auf dem Boden der Sanduhr ist ein Aufkleber „Christen leben aufwärts“. Wir verabschieden uns. Es ist spät. Ich schaue dennoch noch auf dem Zimmer des Bewohners vorbei, der letzte Woche gemeinsam mit Frau und Sohn und im Foyer auf die Harfe gewartet hatte. Er ist guter Dinge, wirkt aber angestrengt nach einem Tag mit viel Besuch, und so halte ich meine Klangvisite kurz, mit beruhigenden Stücken und einem Gute-Nacht-Lied. Ich mache mich auf den Heimweg. Nächste Woche geht es weiter. © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
30.08.18, 00:20 Astrid Marion Grünling
7/25 Dass es im Hospiz und am Krankenbett nicht nur todernst zugeht, sondern auch viel miteinander gelacht wird, das habe ich auf meiner letzten Klangvisite am Donnerstag letzte Woche wieder einmal mehr erleben dürfen. Den Gast, dem ich das letzte Mal hoch und heilig versprechen sollte, meine Klangvisite so anzukündigen, dass auch seine Frau dabei sein kann, finde ich bereits mit Ehefrau und Sohn wartend im Foyer des Hauses vor. Hier finden normalerweise die Gedenkgottesdienste statt, und auch andere Veranstaltungen wie beispielsweise der Weihnachtsbasar. In den Raum ist ein Wintergarten integriert, grün, gemütlich und heimelig. Ich setze mich mit meiner Harfe zu der wartenden Familie hinzu und beginne zu spielen. Leichte und beruhigende eigene Improvisationen, verträumte englische und schottische Stücke. „Comptine d'un autre été“, ein Stück der wunderbaren Filmmusik von Yann Tiersen aus dem Film „Die wunderbare Welt der Amelie“, der vor mehr als 15 Jahren in den Kinos war. Die Familie geniesst gemeinsam. Um die leise Stimmung nicht aufzubrechen, bitte ich sie, am Ende der Stücke nicht zu klatschen. Der Bewohner selbst kann nicht sehr lange sitzen, es strengt ihn an, und die Familie macht sich auf den Weg nach oben auf sein Zimmer. Ich verspreche ihm, nachher nochmal bei ihm vorbeizuschauen, wenn ich auf dem Flur oben bin. Nach einem kurzen Spiel auf dem Flur im Erdgeschoss gehe ich zu einem Herrn aufs Zimmer, der fast erblindet ist. Von der Pflege weiß ich bereits, dass er keine Harfenmusik am Krankenbett haben mag, weil es einfach nicht sein Instrument ist, und so frage ich behutsam, welche Musik er gerne hört. Steierische Volksmusik, aber dafür hört er Radio, antwortet er. Auch wenn es nichts gibt, was ich musikalisch für ihn tun kann, kommen wir miteinander ins Gespräch. Sehr rundheraus und so garnicht deprimiert erklärt er mir, dass er wohl wisse, wofür er hier ist. Er scheint nicht besonders traurig darüber zu sein, keine Tragik liegt in seinen Worten, kein Schmerz, keine Angst, nichts, was irgendwie gelöst werden will. Er erscheint mir auch nicht nüchtern abgeklärt, da scheint auch nichts mühevoll Verdrängtes, nein, es ist für ihn einfach, wie es ist. Er hat sein Leben gelebt und es ist gut. Ich fühle mich von seinen lebendigen blauen Augen, in denen der Schalk blitzt, angeschaut, und bin irritiert, weil ich weiß, dass er ja blind ist. So gut wie, meint er auf meine Nachfrage. Schatten sieht er, und aus welcher Richtung die Stimme kommt. Da kucke er hin. Darüber hinaus unterhalten wir uns angeregt über Gott und die Welt weiter, nein stopp, an Gott glaubt er nicht, und vor allem nicht an die Kirche, wir flachsen über den Tod, reden aus seinem Leben und lachen dabei recht viel miteinander. Ich verspreche ihm, nächste Woche wieder nach ihm zu schauen. Nachdem ich im Erdgeschoss für keine weiteren Bewohner mehr etwas tun kann, schaffe ich mich mit Harfe, Klavierstuhl, Notenständer, Rucksack mit Noten und einer Wasserflasche nach oben in die erste Etage. Es ist schon immer mit viel Schlepperei verbunden. Im nächsten Leben spiele ich Sopraniniflöte. Aber die hat nun mal nicht die Resonanz und Tiefenwirkung von Harfenklängen... Wieder spiele ich zunächst auf dem Flur, jetzt im ersten Stockwerk. Ich bemerke, wie in dem Zimmer, dessen Tür weit offensteht und vor dem ich unmittelbar spiele, Herr Franz (Name geändert) sein Buch aus der Hand legt, es sich in seinem Liegestuhl gemütlich macht und sich mit geschlossenen Augen und Brille auf der Nase verträumt zurücklehnt. Wir kennen uns schon von letzter Woche. Ich gehe zu ihm aufs Zimmer, begrüße ihn und biete ihm an, dass ich mit der Harfe auch aufs Zimmer komme. Erst verneint er, er bekomme ja genug mit, wenn ich auf dem Flur spiele, das genüge ihm. Ich frage, ob ich mich ohne Harfe ein bisschen zu ihm setzen darf und wir uns ein wenig unterhalten wollen. Das nimmt er gerne an. Auf meine Frage, ob es in seinem Leben Musik gab, die ihm viel bedeutet hat und die er gerne wieder hören würde, wird er nachdenklich. Ich habe einen Bluetooth-Lautsprecher dabei, den ich über mein iPhone bediene, so dass ich über youtube die meisten Titel recherchieren und spielen lassen kann. Zwischen uns entspinnt sich zunächst ein anregendes und zutiefst philosophisches wie spirituelles Gespräch über Leben, Tod und Sterben. Er redet offen und angstfrei über sein bevorstehendes Sterben. Meine Frage, ob ihm bang davor sei, verneint er. Er meint, er hätte alles geregelt und wäre neugierig auf das was da auf ihn zukommt. Nur um seine Frau, die er zurücklässt, und mit der er fast fünfzig Jahre zusammengewesen sei und nächste Woche Hochzeitstag feierte, würde er sich sorgen. Er habe den Wunsch, dass sie nicht alleine bleibe und dass jemand für sie da sei. Für ihn, zutiefst gläubig und in seiner Kirchengemeinde immer sehr eingebunden, sei das Sterben wie ein Heimkommen. Das Gefühl teile ich mit ihm und so erzähle ich ihm von einem sehr persönlichen Erlebnis. Vor sieben Jahren, in einer für mich sehr herausfordernden Lebensphase, fand ich mich nach einem Fahrradunfall mit schwerer Gehirnerschütterung im Krankenhaus wieder. Ich konnte mich nicht rühren und hatte Schmerzen. Und über all die Tage im Krankenhaus, und noch darüber hinaus, hatte ich ein so intensives Gefühl der Geborgenheit, dass ich mich fühlte wie in Gottes Hand. Ich war damals so verblüfft und verwundert über diese intensive und anhaltende Wahrnehmung, die ich in keinen anderen Worten hinreichend ausdrücken kann als in diesen, dass ich sicher bin, dass ich zum Glauben gefunden hätte, wenn dieser nicht ohnehin schon dagewesen wäre. Auch ohne Kirchenanbindung. Herr Franz erzählt, wie er bereits seine Traueranzeige geschrieben hat, seine Trauerfeier geplant hat, und auch die Musik zur Trauerfeier ausgesucht hat. Das sei so ein irisches Segenslied. Ich horche auf. Das Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ begleite ich hin und wieder auf der einen oder anderen Gedenkfeier. Auf youtube finde ich schnell eine schöne Fassung von einem Chor und lasse es über den JBL-Bluetooth-Lautsprecher spielen. Ich sehe, wie angerührt Herr Franz ist. Er lauscht tief bewegt. Wir sprechen über das Lied, das ja nicht nur fromme Wünsche hat, sondern auch eine recht humorvolle Strophe hat, die der Chor auf youtube ausgespart hat. Herr Franz kennt die knackige dritte Strophe. Ihr Text im Wortlaut: „Hab unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot; sei über vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt du bist schon tot.“ Und ja, auch diese Strophe soll auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin gesungen werden. Ich hole draußen mein Liederbuch und singe ihm die Strophe vor, er singt mit. Wir lachen miteinander. Nach dem Refrain am Schluss „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“ meint er zu mir, das ist das Lied zu ihrem Erlebnis im Krankenhaus, das mit Gottes Hand. Wir sprechen noch etwas über sein Leben. Er erzählt mir, wie er seine Frau vor knapp fünfzig Jahren kennengelernt hat, im Urlaub. Wie froh er darüber sei in ihr die Eine und Richtige gefunden zu haben. Und wie sehr ein Lied mit dieser Erinnerung verbunden ist. Nun, ich kenne es nicht. Aber youtube spuckt es aus. Die Worte eines frech-fröhlichen Schlagers aus dem Jahr1968 tönen aus meinem kleinen grünen JBL-Lautsprecher in seinem Zimmer im Hospiz Advena und ergreifen angesichts der Situation in ihrer bedeutungsvollen Eindringlichkeit Stimmung und Herz. Herr Franz schwelgt zu Tränen gerührt in seinen Erinnerungen an diese schöne und bedeutungsvolle Zeit in seinem Leben. Sie haben mir heute eine große Freude damit gemacht. Mit diesen Worten verabschiedet er sich von mir. Da wir beide die meiste Zeit daran glauben, dass es nach dem Tod in irgendeiner Form weiter geht, haben wir vorher noch neugierig und in spielerischem Ernst miteinander ausgemacht, dass er sich von drüben irgendwie bemerkbar macht, soweit es ihm möglich sei. Ich wünsche ihm, dass er gut und leicht gehen kann, wenn es soweit ist, und dass wir uns nächste Woche wiedersehen. Eine wirklich schöne Begegnung. Ich statte noch einmal dem Herrn, der zu Beginn meiner Klangvisite mit seiner Familie im Foyer gesessen hat, einen Besuch mit Harfe auf seinem Zimmer ab, spiele ihm noch einmal das Stück von Yann Tiersen und ein Gute-Nacht-Lied und verabschiede mich. Erschöpft von der Intensität der Arbeit gehe ich mit Instrument und meinen Sachen nach unten, um für den Nachhause-Weg zu packen. Da entdecke ich noch ein recht junges Paar, Angehörige, Besucher der Dame im letzten Zimmer im Erdgeschoss. Ich hatte vorher schon kurz bei der Dame vorbeigeschaut. Da sie nicht ansprechbar war, hatte ich sie in Ruhe gelassen. Jetzt biete ich den Angehörigen an, noch kurz aufs Zimmer zu kommen. Sie nehmen mein Angebot gerne an. Auf dem Zimmer sind weitere Besucher. Der Ehemann, die Tochter und der Enkel mit seiner Verlobten. Die Dame im Bett wälzt sich unruhig hin und her. Ich spiele leise und sanft die Saiten der Harfe. Den Angehörigen tun die Harfenklänge spürbar gut. Von so vielen Rückmeldungen weiß ich, dass die Harfe das Schwere tragen hilft und ich spüre, dass dies meine Aufgabe ist. Ich stelle es gerne zur Verfügung. Auch diese Angehörigen bedanken sich für die ihnen so wohltuende Harfenmusik. Die Angehörigen sitzen abwechselnd am Krankenbett, halten die Hand der Ehefrau, Mutter und Oma, weinen, trösten sich gegenseitig und reden leise miteinander. Ich greife nicht in den Prozess ein, rede nicht, stelle meine Musik zur Verfügung und verabschiede mich mit einer wortlosen Geste leise aus dem Zimmer. Dies war der Nachtrag der Klangvisite 7/25 von letztem Donnerstag, den 23. August. Zuhause stelle ich fest, dass ich garkeine Fotos gemacht hatte. Ich glaube der Bericht ist auch ohne Bilder vor Ort glaubwürdig genug. Morgen geht es weiter. © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
20.08.18, 14:06 Astrid Marion Grünling
6/25 Letzten Freitag kam ich abends müde aber glücklich von meiner sechsten Klangvisite aus dem Hospiz ADVENA in Wiesbaden-Erbenheim. “Man merkt einfach, das bringt eine andere Schwingung in die Bude” – so die Worte einer Palliative Fachkraft, während ich oben im ersten Stock auf dem Flur spielte. Aber von vorn... Nach zweimonatiger asthma- und bronchitisbedingten – und daher recht stimmlosen – Pause habe ich letzten Freitag, den 17. August, meine Klangvisiten aus meinen Crowdfundingprojekt fortgesetzt. Schon im Eingangsbereich fällt mir der Aushang ins Auge, mit dem meine heutige Klangvisite angekündigt ist. Auch später am schwarzen Brett und an den Flurtüren finde ich die Aushänge wieder mit den Worten „Am Freitag den 17. August ab 15 Uhr findet eine Klangvisite statt. Astrid Grünling wird uns mit ihren Harfenklängen erfreuen.“ Lydia Gretz, die Leiterin und Geschäftsführung des Hospizes hatte mir schon am Telefon mitgeteilt, die Klangvisite in der Teamübergabe anzukündigen. Es freut mich sehr, wie effizient mein musikalisches Angebot am Krankenbett von der Leitung und vom Team in den Hospizablauf eingebunden ist, was mir meine Arbeit ungemein erleichtert und dadurch den Gästen in höchst gewinnbringender Weise zugute kommen kann. „Sie werden schon erwartet, die Leute freuen sich auf Sie“ werde ich vom Pflegeteam begrüßt. Ich packe meine Harfe aus und nach kurzer Stimmung meines Instruments starte ich wie üblich meine Klangvisite mit einem Harfenspiel auf dem Flur. Ich beginne im Foyer des Erdgeschosses, und schon bald werde ich hineingezogen in das Tagesgeschehen. Eine Dame, offensichtlich eine Besucherin, ist sichtlich angetan von meinem Harfenspiel und bringt ihre Freude darüber zum Ausdruck. Darüber kommen wir ins Gespräch. Auch ihre beiden erwachsenen Kinder sind da. Ich sage, dass ich mit Harfe auch aufs Zimmer komme. „Mein Mann ist heute morgen schon verstorben.“ Ich biete dennoch an, mit aufs Zimmer zu gehen, in dem der Verstorbene liegt, und spüre die Erleichterung der Angehörigen, die mein Angebot, mit ihnen in die Situation zu gehen, gerne annehmen. Im Zimmer ist es ruhig, die Tür zur Terasse steht offen, es weht ein lauer Wind an diesem heißen Sommertag ins Zimmer, in dem der Verstorbene mit gelösten und entspannten Gesichtszügen in seinem Bett liegt. Jemand hat ein paar selbstgepflückte gelbe Sommerblumen neben ihn auf die Bettdecke gelegt. Es ist eine friedliche Stimmung im Raum. Die Angehörigen stehen ums Bett, und während wir uns unterhalten, beginne ich leise zu spielen. Die Mutter erzählt aus dem Leben ihres verstorbenen Mannes, von seinen Reisen, ihrem gemeinsamen Kennenlernen, seiner Arbeit, zuletzt seiner Krankheit. Ihre Worte scheinen ihr Halt zu geben. Sie erzählt und erzählt. Schon manches Mal habe ich erleben dürfen, dass mir am Krankenbett ganze Lebensgeschichten erzählt wurden, während ich Harfe dazu spiele. Es kommt mir dann immer wieder vor wie Filmmusik zu Lebensgeschichten. Ich lasse die Dame erzählen und begleite sie mit meinen Harfenklängen. Nach einer Weile bitte ich sie, draußen aus meinem Rucksack das kleine, in ein violettes Tuch eingehüllte Instrument zu holen. Als sie wiederkommt, zeige ich ihr, wie sie die Sansula, eine Art Daumenklavier (Abbildung unten), selbst spielen und mich damit zur Harfe begleiten kann. Sie fängt an zu spielen, erst zögerlich, dann immer zugreifender. Ganz versonnen lauscht sie den Klängen der Sansula, die sich mit denen der Harfe verweben. Außer den Klängen ist es nun ruhig im Zimmer. Nach einer Weile geht sie mit der Sansula an das Kopfende des Bettes zu ihrem Mann und spielt ihm die Sansula vor. Unter Tränen verabschiedet sie sich von ihrem Mann. Dann spielen wir wieder gemeinsam weiter, Sansula und Harfenklänge. Auch die Kinder finden nun ihre Verabschiedung vom Vater. Es sind bewegende Momente, auch für mich. Nachdem wir das Spiel ausklingen lassen gehen wir gemeinsam aus dem Raum. Der Bestatter ist angekündigt. Auf dem Flur brauche ich eine kurze Pause, um in mir das Erlebte ausklingen zu lassen. Kaffee, kurze Gespräche im Vorübergehen, und schon spiele ich wieder im Foyer an meinem Instrument. Auch, um wieder zu mir zu kommen. Ein Besucher betritt das Hospiz, lacht und freut sich, als er mich mit der Harfe sieht. Im Vorübergehen findet er anerkennende Worte. Auch ihm biete ich an, mit Harfe aufs Zimmer zu kommen, und er lädt mich sofort dazu ein. Als ich das Krankenzimmer betrete, ist es recht voll, der Sohn der Erkrankten mit seiner Frau, der Besucher von eben und einige Freunde stehen um das Bett der betagten kranken Dame. In ihrem Leben hat sie Musik sehr geliebt. Eine heiter gelöste, und gleichzeitig von Ernst und Traurigkeit getragene Stimmung ist im Raum. Oder ist es umgekehrt? Eine von Ernst und Traurigkeit getragene Fröhlichkeit? Ich füge mich mit meinem Spiel ein und bemerke bald, dass ich mich sehr zurücknehmen muss und gehe zu einem bewusst zarten und beruhigenden Harfenspiel über. Das macht sich schon bald an den immer regelmäßiger werdenden Atemzügen der Dame bemerkbar. „Musik ist für sie alles“, sagt der Sohn, der als Musiker selbst um die Wirkung der Musik weiß. „Das war genau das Richtige“. Ich bleibe noch eine Weile mit meiner Harfenmusik bei ihnen. Später, wieder auf dem Flur, vergewissere ich mich bei der Pflege, ob ich noch bei einem Gast im Erdgeschoss gebraucht würde. Erst dann gehe ich nach oben. Auch hier spiele ich auf dem Flur. Die Türen zu den Zimmern werden vom Pflegeteam nach Rücksprache mit den auf den Zimmer befindlichen Gästen geöffnet. Ein Gast begibt sich aus seinem Zimmer mit einem Stuhl auf den Flur und setzt sich wie ein Zuschauer in die erste Reihe, um zu lauschen. Nach meinen eigenen Improvisationen und Kompositionen spiele und singe ich auch mein hebräisches Wiegenlied, das vor kurzem bei meinen ersten Babyschritten auf Gitarre enstanden ist. Nach meinem Abitur war ich ein Jahr in Israel und liebe den Klang der hebräischen Sprache sehr, und mit ein paar noch erinnerten Wortbrocken habe ich daraus ein einfaches Wiegenlied komponiert. Von diesem Lied ist er besonders angetan. Ich muss ihm hoch und heilig versprechen, meine Klangvisite nächste Woche so anzukündigen, dass seine Frau rechtzeitig ihren Besuch planen kann, damit sie gemeinsam den Harfenklängen lauschen können. Harfenmusik hatte dem Paar in seinem gemeinsamen Leben viel bedeutet. Ich verabschiede mich persönlich von den Gästen, auch denen, die bei offener Tür auf ihren Zimmern anteilnehmend gelauscht haben. „Sie haben uns viel Freude bereitet“, verabschiedet sich ein Gast von mir. Der Schwerpunkt meiner Klangvisite letzten Freitag lag auf der Arbeit mit den Angehörigen, aber nicht nur. Besonders viel Freude hat mir gemacht, was für eine Resonanz ich auf mein selbstkomponiertes hebräisches Wiegenlied „Leila tov katan“ erleben durfte. Und das Feedback von Lydia Gretz fasst es schön zusammen: "Es war so gut, dass du heute da warst – wurdest gebraucht". Ich werde die nächsten Wochen einmal die Woche im Hospiz ADVENA spielen. Es macht mir immer wieder sehr viel Freude in das Haus mit seiner wohltuenden Atmosphäre zu kommen. Ich freue mich schon wieder auf nächste Woche! © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
21.06.18, 01:25 Astrid Marion Grünling
5/25 Meine fünfte Klangvisite fand gestern, am 19.Juni im Bistro Miss Marple in Wiesbaden Eigenheim statt. Im Miss Marple gestaltete ich einen musikalischen Seniorennachmittag mit verträumten Liedern auf Harfe und Liedern und Schlagern zum Mitsingen und Mitschwingen. Die Senioren-Anlaufstelle „Treffpunkt Miss Marple“ im gleichnamigen Bistro-Café in Wiesbaden Eigenheim ist eine Schnittstelle zwischen dem privaten Pflegedienst Thomas Rehbein und der EVIM Gemeinnützige Altenhilfe GmbH, die Seniorinnen und Senioren im Quartier Kontakt und Austausch bietet. Einmal im Monat findet dort ein Seniorennachmittag mit verschiedenen Events statt, um die Senioren im Quartier sozial einzubinden und ihnen mit gesellschaftlichen Aktivitäten wie beispielsweise Weinproben und Musik ein Stück Lebensfreude zu schenken. Es war mir eine Freude, gestern in kleiner Runde mit den Seniorinnen und Senioren zu singen. Durch die letzten anderthalb Jahre meiner Arbeit mit Senioren bin ich mit dem Liedgut der zwischen 1925 und 1945 geborenen Generationen vertraut und weiß, wie ich sie zum Schwelgen, zum Mitsingen und zum Lachen bringe. Das Publikum hat sich rege beteiligt und mit dem von mir zusammengestellten Liedskript ordentlich mitgesungen. Viel Freude bereitete mir auch eine tiefe und gesangerfahrene Bassstimme. Und auch Tränen habe ich gesehen, Tränen der Berührtheit bei den feinen Harfenklängen und Abend- und Wiegenliedern. "Das war ein solches Geschenk", strahlte mich eine Seniorin am Ende der Veranstaltung an. Das war es für mich auch. Die EVIM Gemeinnützige Altenhilfe GmbH ist Träger von 12 stationären Pflegeheimen, einem Ambulanten Pflegedienst und 9 ServiceWohnanlagen für Senioren in Wiesbaden, dem Rhein-Main Gebiet und Rheinland-Pfalz. Insgesamt 1.000 Beschäftigte sichern ein breitgefächertes, abgestuftes Hilfeangebot für etwa 1.800 ältere Menschen in der Region. Der Ambulante Pflegedienst Thomas Rehbein, Häusliche Kranken- und Seniorenpflege, wurde 1991 gegründet und versorgt circa 550 Kunden in Wiesbaden, Rüsselsheim, Schlangenbad und Bad Schwalbach. Mit über 140 Mitarbeiter/innen bietet er ein umfangreiches Angebot und zählt zu den größten Pflegediensten im Rhein-Main Gebiet. Aus datenschutzrechtlichen Gründen darf ich die Bilder in der Runde der Senioren leider nicht zeigen. © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
21.06.18, 01:24 Astrid Marion Grünling
4/25 Meine vierte Klangvisite im Rahmen meines Projekts – die dritte auf Station – fand am 3. Mai wieder auf der von Chefarzt Dr. med. Bernd Oliver Maier geleiteten Palliativstation im St. Josephshospital statt. Schon auf der Fahrt mit meiner Harfe im Bus ins Joho hatte ich ein freudvolles Erlebnis. Eine afrikanisch anmutende Frau schaute mich mit neugierigen und freundlichen Blicken an. Aufgrund der Entfernung im Bus zueinander entspann sich daraufhin ein pur nonverbaler Dialog. Ein lächelnder und freundlicher Blick auf mein in einen Stoffumhang gehülltes Instrument, ein typische Fingerbewegung über fiktive Saiten in der Luft von mir, ein verstehendes und erkennendes Nicken ihrerseits, gemeinsames Lachen. Ein Trommeln mit den Händen in der Luft bedeutete mir, dass sie Djembe spielt – in diesem kurzen Dialog lag soviel Schönheit. Ohne Worte. Gehobener Stimmung ging ich ins Joho. Auf Station angekommen, begann ich, wie üblich, mit der Harfe auf dem Flur zu spielen. Das feine Harfenspiel auf dem allgemeinen Bereich einer Station – Flur, Wohnzimmer oder Foyer – dient üblicherweise der ersten Kontaktaufnahme, die im Laufe meines Spiels aufgegriffen wird und der Dialoge und Einladungen aufs Krankenzimmer seitens der Pfleger, Angehörigen oder auch Patienten folgen. Auch die letzten beiden Male auf dieser Station gab es viel Interaktion, auf dem Flur wie auch an den Krankenbetten. Diesmal jedoch passierte zwei Stunden lang – nichts. Ich war zunehmend irritiert. Da ich mit dem Team und der Station noch nicht vertraut und mir unsicher war, wie ich mich als Neuling, und dazu musizierend, auf Station bewegen dürfe, war ich zurückhaltend in bezug auf die Eigeninitiative, selbst an die geschlossenen Türen zu klopfen und mich vorzustellen. Immerhin war es eine Palliativstation, und ich wusste um die Befunde und Befindlichkeiten der Patienten nicht. Nach zwei Stunden war mir nur noch danach zu packen und zu gehen, ich ging auf das Team zu und teilte meine Irritation mit. Als Antwort kam, dass der letzte Musiktherapeut von Zimmer zu Zimmer gegangen sei. Bevor ich frustriert von dannen zog, nahm ich diese Antwort als Okay, mich eigeninitiativ auf Station zu bewegen und ging von Zimmer zu Zimmer. Und so begann ich meine Klangvisite an den Krankenbetten. Natürlich gab es Patienten, die aufgrund ihres Befindens einfach alleine und in Ruhe gelassen werden wollten. Aber schon im vierten Zimmer traf ich auf offene Neugier, Freude und Überraschung, und als ich mich mit meiner Klangvisite neben dem Krankenbett aufbaute und gefühlvoll Harfe spielte, trat mir Rührung entgegen und stille Freude. Dialoge entsponnen sich, auch musikalische, denn ich hatte die Sansula mit im Gepäck. In A-Moll und pentatonisch gestimmt, drückte ich sie einer Angehörigen in die Hände, die das gefühlvolle und feine Spiel auf der Sansula (die europäische Weiterentwicklung der Firma Hokema der afrikanischen Kalimba, eine Art Daumenklavier, siehe Abbildung) genoss, während ich in ihrem Tempo und eingehend auf ihre Stimmung auf der Harfe improvisierte. Da sie selbst in einem angesehenen Chor in Wiesbaden sang, begann sie leise und anfänglich noch sehr zurückhaltend zum Harfenspiel mitzusummen. Ich freute mich sehr über ihre feine und geschulte Stimme, die sich im Einklang mit dem Harfenspiel verwob, und ermunterte sie zum Summen, Singen und Tönen. Es waren sehr berührende musikalische Dialoge. Am Ende sangen wir gemeinsam, ich meine mich zu erinnern, dass es das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ war. Die Patientin, die Mutter der beiden anwesenden Frauen, war so gerührt und angetan und hatte Tränen in den Augen. Das sind die Augenblicke, für die ich mit meiner Klangvisite unterwegs bin. Ein Zimmer weiter begegnete mir ein noch relativ jung wirkender Mann, der selbst Saxophon gespielt hatte und nun sehr traurig darüber war, weil er aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr selbst musizieren konnte. Er hatte dem Harfenspiel auf dem Flur zunächst lange zugehört und es genossen, wollte aber jetzt keine Musik am Krankenbett. Manchmal ist Klangvisite einfach Da-Sein, in Stille oder im Gespräch. Wir haben uns einige Zeit lang intensiv über sein Leben unterhalten, ganz ohne Musik, die Ansprache und das Gesehenwerden waren das, was er in diesem Augenblick brauchte. Auch er war einmal mit seiner Musik in Altenheimen und Krankenhäusern unterwegs. Nach einer weiteren Klangvisite bei zwei Damen auf dem Zimmer, die einfach nur das Harfenspiel genossen, jedoch ohne weitere Interaktion, kam ich schließlich in das letzte Zimmer zu einer 86jährigen Dame, die, wie ich sie verstanden habe, an diesem Tag erst auf die Palliativstation eingeliefert worden war. Ich will sie Annemarie nennen (Name von mir geändert). Sie freute sich unglaublich, als ich die Harfe neben ihr Krankenbett stellte und zu spielen begann. Schon bald summte sie mit. Es war mir eine unglaubliche Freude, für sie zu musizieren, weil sie so bewegt war und mitschwingte. Musik hatte ihr in ihrem Leben viel bedeutet. Als Schneiderin hatte sie oft an der Nähmaschine gesessen und gesungen, wenn ihr ein Lied einfiel. Sie erzählte aus ihrem Leben. Vierzig Jahre lang hatte sie in einem Chor gesungen. Ich fragte sie, wie sie denn heiße. Sie, 86jährig, stellte sich mir mit Vornamen vor, ihren Nachnamen erfuhr ich erst nicht. Wir sprachen uns von da an mit unseren Vornamen an und siezten uns. Unabgesprochen, das ergab sich einfach so. Sie reagierte unglaublich auf das Harfenspiel und freute sich so sehr, dass ich nur für sie allein am Krankenbett spielte, ein Privatkonzert, ganz für sie allein. Von ihren darauffolgenden Worten war ich so beeindruckt und berührt, dass ich sie hier sinngemäß wiedergeben mag: „Das macht was mit meinem Körper, die Musik“, vertraute sie mir an. Als sie an dem Tag auf die Palliativstation kam, habe sie sich gefragt, „was mach' ich denn jetzt mit meinem neuen Leben. Vorher war ich ganz traurig und habe viel geweint. Dann kamen sie und da dachte ich da kommt ein Engel.“ Und ich spielte und sang tatsächlich für sie das Lied „Siehe da, ein Engel kommt“, das ich bei einem der Singleiter-Fortbildungswochenenden bei den Singenden Krankenhäusern kennen- und liebengelernt hatte. „Das hat was mit mir gemacht die Musik, jetzt bin ich ganz glücklich.“ Und sie fuhr fort: „Da bin ich in einer anderen Stimmung. Ich blühe auf, wenn die Musik kommt. Das bewirkt in meinem Körper das Schöne, da kann man die verrückte Welt vergessen“. Ich bliebe eine ganze Weile bei ihr, wir hatten sehr viel Freude in der Begegnung mit Harfe, Musik, gemeinsamem Singen und unseren Gesprächen. Müde, erschöpft und tief erfüllt ging ich nach fünf Stunden Klang-Schicht nach Hause. Die Palliativstation des St. Joseph-Hospitals bietet für bis zu 11 Patienten und ihre Angehörigen einen besonders geschützten Raum, um besonders fordernde Situationen medizinisch zielgerichtet und menschlich intensiv unter Wahrung von Würde, Respekt und Selbstbestimmung gestalten zu können. Die Arbeit von Chefarzt Dr. Maier habe ich bereits während meiner Hospitation im Rahmen meiner Hospiz- und Sterbebegleiterqualifizierung bei Auxililum e.V. auf der Palliativstation B22 der HSK kennenlernen dürfen, die Dr. Maier aufgebaut hat. Mich haben besonders die Haltung und die Kommunikation des Ärzte- und Pflegeteams gegenüber den Patienten beeindruckt. So gibt es beispielsweise keine Kommunikation „von oben herab“, großer Wert wird auf Augenhöhe gelegt. Ärzte und PflegerInnen setzen sich zu ihrer Visite am Krankenbett. Dies war nur ein Beispiel für den würdezentrierten Umgang auf der Station. Mit meiner Klangvisite möchte ich zu diesem würdezentrierten Umgang einen Teil beitragen. © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
11.05.18, 11:36 Astrid Marion Grünling
2/25 und 3/25 Gestern hatte ich meine zweite Klangvisite auf der Palliativstation im JoHo (St. Josefs Hospital Wiesbaden). Diesmal leider nicht im Dialog an den Krankenbetten, habe "nur" auf dem Flur gespielt bei auf Anfrage durch die Pflege offenen Türen. Manchmal haben sich Angehörige dazu gesellt und versonnen und berührt gelauscht. Dass die gechillte Harfenmusik dennoch ihre Wirkung entfaltet und sich auf das Befinden der Patienten beruhigend und entspannend auswirkt, zeigte mir eine ganz besonders eindrucksvolle Resonanz aus der Pflege: "Eine der ruhigsten Schichten in der letzten Zeit! Ich hatte lange keinen so ruhigen Nachmittag mehr. "Es hat kaum jemand nach mir geklingelt. Mit Hilfe der Klangvisite waren Patienten und Personal total entspannt! Danke dafür!" Yes! Music works!!! Das war Klangvisite 3/25 aus meinem Projekt. Nachtrag 2/25 vom 3. Mai 2018: Komme gerade von meiner ersten Klangvisite auf der Palliativstation des St. Josefs-Hospitals. Heute gibts keine Bilder von der Klangvisite in Aktion. Wär’ heute unpassend gewesen. War bei der schönen und berührten Resonanz aus der Pflege nicht das letzte Mal dort. Bin noch sehr bewegt. Manche gehen so jung und hinterlassen kleine Kinder. Dort hab’ ich Harfe gespielt und gesungen, an den Krankenbetten und auf dem Flur. Das war Klangvisite 2/25 aus meinem Projekt . © Astrid Marion Grünling, Klangvisite mit Harfe www.klangvisite.de
22.04.18, 01:36 Astrid Marion Grünling
1/25 Gestern ging die erste Klangvisite aus meinem Projekt im Hospiz Advena in Wiesbaden Erbenheim an den Start. Dass im Hospiz auch gemeinsam gelacht und Freude geteilt wird, davon berichte ich hier im Blog. Die Busfahrt aus der Stadt nach Erbenheim war wieder mal nervenaufreibend. Nach einem kurzen Fußweg von der Bushaltestelle in die Bahnhofstraße betrete ich das Hospiz Advena. Ich liebe den Augenblick, wenn ich aus der stressigen Welt in die ruhige und geborgene Atmosphäre des Hauses eintrete. Ruhe und Geborgenheit und der heimelige Duft des Hauses umhüllen mich und lassen den Stress der Welt von mir abfallen. Ich bespreche mich kurz mit der Pflege und gehe ins Foyer, um meine Harfe zu stimmen. Wie gewohnt, beginne ich meine Klangvisite auf dem Flur in der ersten Etage. Die Pflege hat mich schon bei den Bewohnern angekündigt. Die meisten Türen zum Flur stehen offen. Aus den geschlossenen Zimmern dringen Fernsehgeräusche nach draußen. Ich beginne meditative Melodien auf der Harfe zu spielen. Es dauert nicht lange, da werde ich auf einen Herrn aufmerksam, der im geöffneten Zimmer vor mir auf einem Stuhl sitzt. Er beginnt, seinen Stuhl umständlich aus der Mitte des Raumes hin zur Tür zu rücken, die an den Flur grenzt. Trotz der Anstrengung gibt er nicht auf. Endlich hat er es geschafft und bleibt auf dem Stuhl im Türrahmen sitzen, um direkt vor mir in erster Reihe der Harfenmusik zu lauschen. Er sitzt und geniesst mit geschlossenen Augen. Als ich das Stück beende, applaudiert er und wir kommen ins Gespräch. Ihm fällt ein Witz ein von Jürgen von der Lippe. Ein Mann hat einen Autounfall und kommt in den Himmel. Dort fragt er Petrus: Warum habe ich noch mein Steuerrad in den Händen? Petrus antwortet: In Engelskreisen heißt das Harfe. Herr J. selbst ist Jahrgang 1921 und aus Schlesien. Das ist mein Stichwort: Ich spiele ihm das aus seiner Heimat stammende „Wahre Freundschaft soll nicht wanken“, begleitet von Ukulele. Er stimmt mit ein, und gemeinsam singen wir noch „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“ und auf seinen besonderen Wunsch „Sah ein Knab ein Röslein stehn“. Ich frage Herrn J., ob er sich mit mir fotografieren lassen würde und ich diese Fotos veröffentlichen dürfe. Sofort ist er begeistert dabei und eilt los, einen Kamm zu suchen. Ein Pfleger in Ausbildung macht ein paar Bilder von uns. Ich wechsle wieder zur Harfe und biete Herrn J. an, eine Hand auf den Resonanzkörper der Harfe zu legen, während ich spiele. Die Vibrationen sind als sanfte Klangmassage im Körper zu spüren. Ich frage ihn, ob ihm dies angenehm sei. Ja, sehr, antwortet er, und geniesst weiter. Später wechsle ich wieder auf Gesang und Ukulele. Als ich Lili Marleen anstimme, kommt ein Schrei aus einem der Zimmer. Erschrocken gehe ich dem nach und entdecke eine alte Dame in ihrem Krankenbett. Ich frage sie, ob sie die Musik stört und wir lieber aufhören sollen. Nein, nein, nein, meint Frau W., nicht aufhören, bitte weitermachen. Offensichtlich hat sie auf das Lied so heftig reagiert, weil sie es sehr mag. Ich biete ihr an, wenn sie dies wünscht, zu ihr aufs Zimmer zu kommen und ihr Lili Marleen vorzuspielen, nur für sie allein. Mit großen Augen strahlt sie mich an. Als ich ihr mit Ukulele alle Strophen von Lili Marleen am Krankenbett vortrage, strahlt sie über das ganze Gesicht, klatscht in die Hände und wiederholt immer wieder oh wie schön. Vor der Kaserne, vor dem großen Tor, steht eine Laterne... Ich vergewissere mich bei den anderen Gästen der ersten Etage, ob noch jemandem eine Klangvisite am Krankenbett guttun könnte. Eine Dame, die mir noch von der letzten Gedenkfeier als andächtige Zuhörerin vertraut ist und die die Harfenmusik sehr liebt, hat heute gar keinen guten Tag und will lieber alleine sein. Die anderen schlafen. So wechsle ich runter in das Erdgeschoss und beginne, mit der Harfe auf dem Flur zu spielen. Wieder geht die Pflege auf die Zimmer und fragt die Gäste, ob sie die Tür zum Flur öffnen sollen, damit sie die Musik hören können. Einige Türen bleiben offen stehen. Nach einiger Zeit wechsle ich von Harfe zu Ukulele und Gesang. Ich singe das Altissimo Corazon, ein Herzmantra, und bemerke eine Frauenstimme, die leise das Lied mitsingt. Ich trete näher an das offene Zimmer heran, aus dem ich die Stimme höre, und sehe eine Angehörige, die ihre betagte Mutter besucht. Ich ermutige sie durch wohlwollenden und bestätigenden Blickkontakt, voll mitzusingen und sich nicht zurückzuhalten. Wir singen voller Freude gemeinsam das Altissimo Corazon, aus vollem Herzen, es ist einfach wunderbar. Ich gebe ihr mein Liederbuch zum Durchblättern, um ein Lied herauszusuchen, das ihre Mutter kennen könnte. Sie wählt das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ und bitte sie, die Strophen selbst auszusuchen, die wir dann gemeinsam singen. Beim Refrain beobachte ich, wie ihre Mutter stumm die Lippen zum Text mitbewegt. Das Lied hat sie berührt. Mission erfüllt! Nach dreieinhalb Stunden Klangvisite auf den Fluren und am Krankenbett im Hospiz bin ich erschöpft. Es ergeben sich noch ein paar Gespräche, es gibt noch Kuchen und Schokolade, dann sattle ich meine Instrumente und mache mich auf den Heimweg. Auf dem Weg zum Bus gönne ich mir beim Italiener um die Ecke noch ein Feierabendbier.
18.04.18, 18:46 Astrid Marion Grünling
Hallo liebe Unterstützerinnnen und Unterstützer, am Freitag ist es endlich so weit und ich gehe mit Eurer Unterstützung mit meiner Klangvisite in Wiesbadener Gesundheitseinrichtungen an den Start! Erste Station ist das Hospiz ADVENA und ich freue mich sehr darauf, mit Harfe, Ukulele und Gesang auf den Fluren und an Krankenbetten zu spielen... Gerne hätte ich ja schon längst losgelegt, aber auch an mir ging die Grippe nicht vorbei und ich war nach dem Crowdfunding erstmal für drei Wochen krankgeschrieben. Es hat dann noch etwas gedauert, bis meine Stimme mich wiederhatte, aber nun kann es losgehen und ich freu' mich tierisch drauf! Ich werde hier in meinem Blog über die Klangvisiten berichten! Ganz herzliche Grüße und geniesst die Sonne! Eure Astrid
28.02.18, 15:34 Astrid Marion Grünling
Dank Eurer Unterstützung habe ich den Contest um die Kulturförderung gewonnen und bekomme wie andere tolle Projekte die noch fehlende Summe von Aventis zu meinem Fundingziel aufgestockt!!! Ich bedanke mich bei allen, die mich mit ihren Beiträgen, moralisch und praktisch in der Zeit unterstützt haben! Ich melde mich bei Euch wie es weitergeht! Einen herzlichen glücklichen Gruß von Astrid
25.02.18, 23:12 Astrid Marion Grünling
Über Facebook sind viele neue Unterstützungen eingegangen. Mein Crowd-Index ist eben auf 0,8 gebeamt und mein Schokoladenkonsum steigt exponentiell! Momentan nur noch drei Projekte über mir bis zum Kulturförderungstopf! Wenn das so weiter geht schaff' ich das!!!
25.02.18, 17:39 Astrid Marion Grünling
Bin ganz schön überwältigt über die vielen eingegangenen Unterstützungen! Das ist ein richtig tolles Gefühl, wie viele Unterstützer meine Idee gewinnt und wer alles hinter dem Projekt steht! Jetzt ist noch drei Tage Zeit, um 5 Projekte über mir zu überholen - das geht nur wenn ich noch ca 30 bis 40 Unterstützer gewinnen kann! Aber mit dem Artikel von Dirk Fellinghauer im Sensor von eben und morgen von Julia Anderton im Wiesbadener Kurier bin ich optimistisch, das Ding mit Euch zu wuppen! Hier der Link zum Sensor: https://sensor-wiesbaden.de/wenn-worte-nicht-mehr-ausreichen-klangvisiten-helfen-erkrankten-und-sterbenden-endspurt-fuer-crowdfunding/ Und anbei ein persönlicher Gruß von mir an Euch! Wer das Ranking und das Gerangel um die Kulturförderung mitverfolgen will, hier der Link: https://www.startnext.com/pages/kulturmut?utm_campaign=newsletter_tippsbegeisterung&utm_medium=link&utm_source=startnext-mailing#contest
18.02.18, 21:42 Astrid Marion Grünling
Ganz lieben Dank an Euch alle, die hinter meinem Projekt Klangvisite mit Harfe am Krankenbett stehen – ich freue mich über jeden einzelnen Beitrag und über die viele unerwartete Unterstützung, die mir begegnet! Seit heute bin ich wieder am Bibbern und Bangen, ob ich in den nächsten zehn Tagen bis zum 28.2. noch ausreichend Unterstützer finde. Falls Ihr also noch Leute wisst oder kennt, die Ihr ansprechen könnt, teilt bitte die Info an sie weiter, damit das Projekt realisiert werden kann. Habe wieder ein neues Video über die Wirkung der Klangvisite auf Komapatienten reingestellt auf Facebook und youtube. Es grüßt Euch ganz herzlich aus dem Atelier! Astrid Marion
16.02.18, 18:05 Astrid Marion Grünling
Heute im Hospiz bei Frau Schultze, die sich für das Video von Ca Rola bei einer Klangvisite filmen ließ. Da sie sich für den Film bereiterklärt hatte, habe ich ihr versprochen, sie als private Besucherin mit meinen Klangvisiten zu begleiten. Nachdem ich sie letzte Woche nicht besuchen konnte, weil es ihr schlecht ging, war ich heute total überrascht, sie mit leuchtenden Augen, rosigen Wangen, fein zurechtgemachten Haaren und sprühend guter Laune vorzufinden. Mit dem Handy konnte ich ihre Ausstrahlung garnicht wirklich einfangen. Sie ist seit letzter Woche sichtlich aufgeblüht. Wir hatten viel Spaß miteinander. Sie war richtig unternehmenslustig und schlug vor, uns gegenseitig mit meinem Handy zu fotografieren. Die Bilder von mir hat sie aus ihrem Krankenbett gemacht mit der Aufforderung "stellen Sie das ins Internet". Wir redeten über Gott und die Welt und lachten viel. Dann genoss sie die meditative Harfenmusik. Sie schließt die Augen und geniesst. Da sie Klavierlehrerin war, fragte sie mich, ob ich die Stücke selbst improvisiere. Sie hätte das mit dem Improvisieren nicht gekonnt. Und sie liebt die Gute-Nacht- und Wiegenlieder, vor allem die russischen, die ich ihr mit Ukulele begleitet vorsinge. Nächste Woche sehen wir uns wieder und ich freue mich drauf!

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