Der Kasseler Pakt gegen Armut ist eine gemeinsame Initiative von Stadtverwaltung und städtischer Zivilgesellschaft zur Bekämpfung von Armutsfolgen.
Gemeinsam gegen Armut in Kassel: Mit dieser Matchfunding-Kampagne unterstützt die Stadt Kassel im Rahmen des "Pakts gegen Armut" fünf ausgewählte Projekte, die Menschen in schwierigen Lebenslagen helfen. Die Besonderheit: Jede private Spende wird aus städtischen Mitteln verdoppelt.
Ob Beratung, Begegnung, Versorgung oder Empowerment – die teilnehmenden Initiativen setzen sich mit viel Herzblut für eine solidarischere Stadtgesellschaft ein. Ihr Ziel: Menschen stärken, die von Armut betroffen oder bedroht sind. Mit eurer Unterstützung können diese Projekte wachsen, sichtbarer werden und neue Angebote schaffen.
Das Prinzip ist einfach: Ihr spendet – die Stadt legt für jede Spende denselben Betrag oben drauf. So erreicht jede Initiative ihr Spendenziel doppelt so schnell und kann wirkungsvoller helfen.
Diese Kampagne ist Teil der bereits etablierten Pakthilfe aus privaten Spenden und zeigt, wie innovative Förderung aussehen kann: transparent, gemeinschaftlich und auf Augenhöhe. Mit jedem Euro setzt ihr ein Zeichen für soziale Gerechtigkeit in Kassel.
Unterstützt jetzt eines der fünf Projekte und helft mit, Armut in unserer Stadt zu bekämpfen. Eure Spende zählt doppelt!
In der Europäischen Union gilt als arm, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens im jeweiligen Mitgliedsstaat erzielt. Doch dieser Ansatz allein greift zu kurz. Armut hat viele Gesichter.
Der Mangel an materiellen Ressourcen ist gekoppelt mit einer Einschränkung von Lebenschancen. Armut hat eine soziale, kulturelle und auch psychische Dimension. Sie wirkt sich negativ auf die Einstellungen und Haltungen zum eigenen Leben aus. Wenn man immer wieder auf etwas verzichten muss, das für andere selbstverständlich ist, dann ist das sehr häufig mit Hoffnungslosigkeit, Scham, Resignation und Rückzug verbunden.
Die Gefahr der Vereinsamung von Armut betroffener Menschen ist hoch. Die geringeren Möglichkeiten zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben gehen einher mit schlechteren Wohnsituationen und gesundheitlichen Belastungen. Stigmatisierung, Ausgrenzung und die Unterstellung der eigenen „Schuld“ an der eigenen Lebenssituation verstärken solche Entwicklungen.
Nicht zuletzt: Armut betrifft auch Menschen, die nicht arm sind. Auch die Angst vor Armut und dem damit einhergehenden sozialen Statusverlust belastet und kann krankmachen. Der Nobelpreisträger Amartya Sen konstatiert: Armut ist ein Ausdruck eines Mangels an Verwirklichungschancen.
Der Kasseler Pakt gegen Armut setzt sich zum Ziel, die Lebenslagen von Armut betroffener Menschen in unserer Stadt zu verbessern und ihre Teilhabechancen spürbar zu stärken.
In Kassel engagiert sich eine große Anzahl von Institutionen und Trägern, Vereinen und Ehrenamtlichen gegen Armut – und dies durchaus erfolgreich. Es gibt zivilgesellschaftliche und städtische Arbeitsgruppen, Arbeitskreise, Bündnisse, Netzwerke, Runde Tische und Räte, Experten‐ und Entscheidungsgremien sowie weitere Austauschformate.
Allen zivilgesellschaftlichen und städtischen Akteurinnen und Akteuren ist bewusst, dass zur Prävention von Armut und zur Förderung sozialer Teilhabe spezifische Lebenslagen von Kindern, Alleinerziehenden, Langzeitarbeitslosen und älteren Menschen sowie die damit verbundenen Gesundheits‐, Wohn‐, Kontakt‐, Arbeits‐ und Lerngewohnheiten berücksichtigt werden müssen. Dabei wird davon ausgegangen, dass neben materiellen Leistungen auch soziale Kontakte und die Realisierung partizipativer Angebote maßgeblich sind.
Ein Pakt unterscheidet sich von anderen Formaten durch ein höheres und allen bewusstes Maß an Verbindlichkeit. Netzwerke werden geknüpft, Pakte werden geschmiedet. Dies ist verbunden mit einer deutlichen Ansage an die Öffentlichkeit: Die Kasseler Stadtgesellschaft nimmt Armut nicht hin, sondern versucht aktiv, gegen diese vorzugehen. Der Pakt ist ein unmissverständlicher Ausdruck dieser Haltung.
Die Mitglieder des Pakts
Die über 150 Menschen, die sich im Pakt vernetzen, kommen aus den verschiedensten sozialen Arbeitsbereichen, aus Wohlfahrtsverbänden, Religionsgemeinschaften sowie aus Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.
Einmal im Jahr treffen sich alle Mitglieder der Paktforen zu einer Paktkonferenz, auf der die Arbeitsergebnisse vorgestellt werden und über neue Ansätze diskutiert wird.
Der gesamte Prozess wird von der Universität Kassel wissenschaftlich begleitet und unterstützt.
Durch unsere bereits etablierte Pakthilfe sind Projekte und Maßnahmen förderfähig, die sich explizit an Personen richten, die besonders von Armut betroffen oder gefährdet sind. Seit ihrer Einführung wird sie komplett aus privaten Spendenmitteln finanziert. Sie soll möglichst vielen Trägern, Vereinen und Engagierten die Möglichkeit geben, neue Ideen auszuprobieren.
Wir haben gesehen, dass es in der Kasseler Bevölkerung durchaus eine Bereitschaft gibt, gute Projekte finanziell zu unterstützen. Gleichzeitig ist weder der Pakt, noch die von uns geförderten Projekte so präsent in Kassel, dass das bisher zum Selbstläufer wurde.
Hier wollen wir ansetzen, denn im Kampf gegen Armutsfolgen und für mehr Teilhabe soll die Zivilgesellschaft sensibilisiert werden und mitwirken wo immer sie kann. Als direkten Anreiz wird jede Spende durch kommunale Mittel verdoppelt.
Der Kasseler Pakt gegen Armut ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Kassel und zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen. Ziel ist es, Armut in all ihren Facetten sichtbar zu machen, ihr entgegenzuwirken und konkrete Hilfen für Menschen in prekären Lebenslagen zu schaffen. Mit dem Pakt wird ein starkes Zeichen für Solidarität, Teilhabe und soziale Gerechtigkeit gesetzt.