Wie ein Kind auf die Welt kommt ist entscheidend für sein weiteres Leben. Wie eine Frau die Geburt erlebt ist mit ausschlaggebend, ob sie eine postnatale Depression bekommt und ob sie noch weitere Kinder möchte. Beides ist entscheidend für eine gesunde Familie und eine gesunde Gesellschaft. Um darüber aufzuklären, wollen wir den Film nach den Premieren im Juni mit einer begleiteten Tournee in die Kinos bringen. Deutschlandweit soll er in 50 Kinos auch mit Podiumsdiskussionen laufen.
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15.04.2017

Hase und Igel - Geburt gegen die Zeit: staunen und raunen

Carola Hauck
Carola Hauck6 min Lesezeit

Anlass für diesen Blogartikel ist ein aktueller Artikel der Huffington Post (verlinkt).

Kommentar zum Artikel:
Hase und Igel - Geburt gegen die Uhr

Aktuell wird Frauen mit einer Peridural-Anästhesie, auch PDA oder Epi genannt, 3 Stunden Zeit gegeben, ihr Kind herauszupressen. Zwei Stunden, wenn sie keine PDA hatte. Ansonsten würden die Geburtshelfer das Kind per Kaiserschnitt holen, oder eben mit einer Saugglocke oder der Zange. Das ist Usus in den USA, hierzulande steuert aber die Entwicklung der Geburtshilfe in den letzten 5 Jahren auf das gleiche Vorgehen zu.
Jetzt stellt man - oh Wunder - fest, dass die Kaiserschnittrate um 50% sinkt, wenn man den Frauen nur 1 h mehr Zeit gibt.

Ich bitte darum, sich das mal statt auf der Zunge, auf dem Herzen zergehen zu lassen.
Alle drei Arten, das Kind aus der Frau zu holen, beinhalten, dass die Frau aufgeschnitten wird. Entweder bekommt sie einen Kaiserschnitt, oder einen großen Dammschnitt, um Platz zu machen für die Saugglocke oder die Zange. Bei der Saugglocke wird zudem noch sehr häufig das sogenannte Kristeller-Manöver eingesetzt.
Diese Vorgehensweise trieft nur so vor Gewalt. Gewalt an der Frau und dem Kind. Gewalt an der Frau, der nicht genug Zeit gegeben wird, in ihrem Rythmus das Kind zur Welt zu bringen. Die eine Zeit einzuhalten hat, als wäre sie bei einer Sportveranstaltung. Gleichzeitig stellt man ihr andauernd Hürden in den Weg: alle physiologischen Prozesse werden blockiert durch den Stress, den man ihr nur durch die neue Umgebung und den Zeitdruck macht (und keine Sorge, man muss es ihr nicht sagen, sie spürt die Ungeduld!).
Dann werden Muttermund und Damm schmerzhaft, unvorbereitet und ungefragt manuell gedehnt, einfach, weil man gelernt hat, dass der Körper darauf mit verstärkter Wehentätigkeit reagiert.
Die Frauen schreien vor Schmerz. Ihnen ist unter der Geburt von einer Person, der sie vertrauen sollen und wollen Schmerz zugeführt worden.
Ich sag mal so: Wenn du was im Auge hast, kannst du entweder warten, bis dein Auge tränt und es den Schmutz von selbst heraus spült unter Zuhilfenahme deiner eigenen Finger vielleicht noch.
Ich kann dir aber auch mit meinem Finger ins Auge pieksen, dann tränt es auch, ja sogar heftiger, dann können wir den Schmutz schneller herauswischen. Ich schlage vor, dass ich das mit meinen Fingern mache. Warum? Naja, es geht schneller. Na und? Ich werde im Akkord bezahlt.

Wenn man sich mit der Physiologie befasst, dann weiß man auch, dass das Kind selbst es ist, was die Stärke der Wehen mitbestimmt, vielleicht sogar vollständig bestimmt. Wenn dann Wehen künstlich angeregt werden durch solche Handgriffe, toleriert das Kind diese Wehenstärke möglicherweise nicht nicht und seine Herztöne gehen runter. Oder aber die Mutter hält den plötzlichen Schmerz nicht aus und verlangt die PDA. Danach liegt sie meist auf dem Rücken, denn wer kann schon eine Walking-PDA setzen? Es folgt: verschlossenes Becken, Kind kommt nicht durch, liegt ewig auf der Vena Cava, drückt sich selbst so die Versorgung ab und wird zur Not-OP.

Es ist wirklich einfach zu verstehen. Nicht?

Ein Kind auf diese Art und Weise auf die Welt zu holen ist äußerst brutal. Es reicht, wenn wirkliche Notfälle so zur Welt kommen müssen. Warum lassen wir zu, dass das auch den Kindern angetan wird, die ein oder zwei, vielleicht aber auch 20 Stunden länger bräuchten, sich durch das Becken zu schieben?
Warum lassen wir zu, dass die Frauen auf diese Art unter der Geburt traumatisiert und auch genital verstümmelt werden? Ja - genital verstümmelt. Es muss einfach auch mal beim Namen genannt werden, was hier passiert.

Die Krankenhäuser machen durch diese Art der industrialisierten Geburt kurzfristig Gewinn.
Und das Kind, die Mutter, die Familie und wir als Gesellschaft tragen die Folgen der von den Kindern und Müttern als Gewalttat erlebten Geburt.

Würde es nicht um Geburt gehen, würde man doch zu Recht das Strafgesetzbuch bemühen und auch Menschenrechte einklagen - in manchen Fällen würde auch das Sexualstrafrecht bemüht werden müssen, denn schließlich handelt es sich um die Vagina der Frau, da wundert es doch auch nicht, wenn sie sich vergewaltigt fühlt, wenn ihr vaginal unvorbereitet und gegen ihren Willn Schmerz zufügt. Jetzt geh ich aber zu weit?
Fragen wir mal die Frauen, die nach einer solchen Erfahrung sogar wieder in der Lage sind, eine Rose am Ort des Geschehens abzulegen.
Ich selbst hatte versucht, eine solche Rosenniederlegung (March of Roses - Roses Revolution 25.11. jedes Jahr) zu drehen. Ganz banal: Rose kaufen, zum Krankenhaus laufen, zum Kreissaal gehen und Rose nieder legen. Ging nicht. Erst sagte sie ab, dann trafen wir uns im Café und sprachen 2 h. Sie war kreidebleich und kaltschweißig, wenn sie sich an das Geschehen erinnerte, was 3 Jahre zurück lag. Dann wollte sie es plötzlich doch machen. Wir kauften die Rose. Das wars. Mehr ging nicht. Sie sagte, es wäre für sie, wie an den Ort ihrer Vergewaltigung zurück zu kehren.

Die Mediziner sind schon lange nicht mehr diejenigen, die diese Vorgehensweisen verursachen. Die Ursache liegt in der Verwaltung und darin, dass das Fallpauschalensystem Geburt zu etwas macht, was gegen die Uhr stattfindet.
Wir müssen darüber reden.
Wir müssen darüber reden, wer eigentlich bestimmen darf, wie schnell eine Geburt gehen darf und ab wann geschnitten wird. Wir müssen darüber reden, wie es kommt, dass Hebammen und Ärzte in Krankenhäusern zu ausführenden Organen der Apparatemedizin und der Verwaltung geworden sind und das Wissen über die Physiologie nicht mehr anwenden. Oder lernten sie es nie? Dann müssen wir eben auch über die Ausbildungen sprechen.

Die Kino-Tournee des Filmes „Die sichere Geburt - Wozu Hebammen?“ bietet hierfür die beste Grundlage, denn der Film zeigt, wodurch Geburten gestört werden und was das für Folgen hat. Der Film zeigt aber auch, wie die physiologische Geburt funktioniert und ohne Interventionen das ist, was die meisten Frauen erleben könnten, wenn man sie nur liesse.

Bitte unterstützt das Crowdfunding, damit wir die Kinotournee machen können und vor Ort mit Fachleuten, Müttern und Eltern, sowie Politikern und Krankenhausverwaltern diskutieren können.
Wir müssen den Müttern zuhören! Sie sind die eigentlichen Fachfrauen ihrer Geburt. Bisher werden sie noch viel zu wenig gehört.
https://www.startnext.com/sichere-geburt-kino


Liebe Grüße,

Eure Carola Hauck

http://www.huffingtonpost.com/entry/new-evidence-that-we-just-need-to-give-women-more-time-to-labor_us_56ec4f66e4b084c672203418

10.05.2017

Freude

Carola Hauck
Carola Hauck1 min Lesezeit
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anemonefilm
Carola Hauck
Nördliche Auffahrtsallee 21
80638 München Deutschland

www.anemonefilm.com

Webseite des Projektes: www.die-sichere-geburt.de